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Nazarius (Heiliger)

römischer Legionär, Märtyrer, Heiliger
Der hl. Nazarius zu Pferde, Fresko in der Abbazia dei Santi Nazario e Celso, Piemont, Italien

Nazarius war ein römischer Soldat, der zum Christentum übertrat und mit seinem Schüler Celsus in Gallien und Italien wirkte. Infolge der diokletianischen Christenverfolgung starben beide wohl um 304 den Märtyrer­tod in Mailand. Er wird in den orthodoxen Kirchen, der armenischen und der römisch-katholischen Kirche als Heiliger verehrt.

VerehrungBearbeiten

Der Gedenktag des heiligen Nazarius ist der 28. Juli, in der armenischen Kirche der 7., in den orthodoxen Kirchen der 14. Oktober. Der Auffindung und Übertragung der Gebeine wird am 12. Juni gedacht.

Nazarius ist der Schutzpatron sowie des Klosters Lorsch und seiner Besitzungen, in dem sich seine Reliquien seit dem 8. Jahrhundert befinden. Sein Attribut ist das Schwert. Zahlreiche der im Lorscher Codex dokumentierten Schenkungen an das Kloster Lorsch sind in den Urkunden als dem heiligen Nazarius geweiht formuliert.[1]

In Ober-Roden, einem Stadtteil von Rödermark in Hessen, ist die katholische Kirche dem heiligen Nazarius geweiht und das Ortswappen zeigt das genannte Schwert.

Nach dem Heiligen sind die westfranzösische Hafenstadt Saint-Nazaire und andere Städte in Frankreich und Kanada benannt.

Auffindung und Translation der Gebeine durch AmbrosiusBearbeiten

Der Biograph und Sekretär des heiligen Ambrosius, der Diakon Paulinus von Mailand, berichtet in seiner Vita sancti Ambrosii als Augenzeuge über die Auffindung und Überführung der Gebeine der Märtyrer Nazarius und Celsus. Nach Paulinus fand dies bald nach dem Tode des Kaisers Theodosius im Jahre 395 statt, also etwa 90 Jahre nach dem Martyrium:[2]

„Ambrosius ließ den Leib des heiligen Märtyrers Nazarius, der in einem Garten außerhalb der Stadt bestattet war, heben und in die Apostelbasilika, die nahe der Porta Romana liegt, überführen. Wir haben aber in dem Grab, in dem der Märtyrer lag, so frisches Blut gesehen, als wäre es am selben Tag vergossen worden. Auch sein Haupt, das die Ruchlosen abgeschlagen hatten, war so heil und unversehrt an Haupthaar und Bart, als ob er […] gewaschen und gekämmt zu sein schien. Wir spürten auch einen Wohlgeruch, der die Süße aller Düfte übertraf (vita 33).“

Die Gebeine wurden geborgen und auf eine Bahre gelegt. Durch das Gebet des Bischofs und durch Hinweise der Wächter dieser Stätte wurden dann auch die Gebeine des Märtyrers Celsus in demselben Garten aufgefunden.[2] Die Gebeine von Nazarius wurden anschließend in die Apostelbasilika, die auch Basilika Romana genannt wurde, überführt und der heilige Nazarius später zum Mitpatron erhoben (d. i. die Basilica dei Santi Apostoli e Nazaro Maggiore, gemeinhin auch Basilica di San Nazaro in Brolo). Dabei erwähnt Paulinus die Gebeine des Märtyrers Celsus nicht mehr explizit.

Translation nach Lorsch und AuswirkungenBearbeiten

Als Papst Paul I. – im 8. Jahrhundert von den Langobarden bedroht – die Franken um Hilfe bat, erbat Bischof Chrodegang von Metz vom Papst „Leiber von heiligen Märtyrern“ um Klosterkirchen deren Patrozinien weihen zu können.

„Mit Rücksicht auf die Ergebenheit und die Verdienste Rudgangs (Chrodegang) um die römische Kirche willfahrte der apostolische Priester und übersandte ihm die (Gebeine der) hll. Nazarius, Nabor und Gorgonius durch Willihar, den Bischof von Sedunum (Sitten, SionKanton Wallis), die dann am 15. Mai 764 nach Gorzia (Abtei Gorze) übertragen wurden.[3]

Ein Jahr nach der Gründung des Klosters Lorsch, am 11. Juli 764, fand unter großer Anteilnahme des Adels und des Volkes die Wallfahrt vom Wasgenwald (Pfälzerwald) zum Kloster Lorsch statt: unter Hymnen und feierlichen Gesängen trugen u. a. die Grafen Cancor (vom Oberrheingau) und Warin (vom Ladengau) den Schatz des heiligen Körpers auf ihren eigenen Schultern inmitten einer großen Volksmenge „an den vom Himmel vorgesehenen Ort“.[4] Die Anwesenheit der Reliquien des heiligen Nazarius führte rasch zu kleineren und größeren Schenkungen an das Kloster Lorsch meist mit der Formulierung „auf immer an den heiligen Märtyrer Nazarius“. Schon beim Tode des ersten Abtes Gundeland im Dezember 788 hatten schon mehr als 1400 Schenkungen an das Kloster St. Nazarius stattgefunden, welche im Lorscher Codex festgehalten wurden. Die ersturkundliche Nennung unzähliger Ortschaften geht so oft auf eine Schenkung an den Märtyrer Nazarius zurück. Von der holländischen Nordsee (Hattem) mehr oder weniger am Rhein entlang bis hinein in die Schweiz (Chur) fanden Schenkungen und Gütertraditionen statt, was für das Kloster einen unbeschreiblichen Aufschwung bedeutete. Schon im Jahre 772 war das Kloster eine karolingische Reichsabtei geworden. Als am 1. September 774 der Mainzer Bischof Lullus die Klosterkirche einweihte, nahm daran auch Karl der Große mit seiner Familie und bedeutendem Gefolge teil.[5]

Im Zusammenhang mit der Einführung der Reformation in der Kurpfalz 1566 gingen die Nazarius-Reliquien aus dem 8. Jahrhundert verloren, vermutlich wurden sie verkauft.[6]

Eine weitere Angabe zum Verlust der Nazarius-Reliquien ist folgende: „Im Dreißigjährigen Krieg kamen die Reliquien bei der Zerstörung des Klosters durch die Schweden abhanden, doch die alte Pfarrkirche des Dorfes bewahrte den Namenspatron.“ [7]

1964 wurde die 1200-Jahrfeier der Gründung der benediktinischen Abtei Lorsch – und damit die ersturkundliche Nennung von Lorsch – [8] begangen, wobei das Land Hessen der Gemeinde Lorsch erlaubte, sich Stadt (Karolingerstadt) zu nennen.

Die katholische Gemeinde St. Nazarius Lorsch feierte das Jubiläum mit der Aufstellung eines neuen Reliquienaltars. Aus Mailand hatte man eine beglaubigte Reliquie aus dem Schädel des heiligen Nazarius bekommen, welche in diesen Altar eingesetzt wurde.[9]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Heiliger Nazarius – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Minst, Karl Josef [Übers.]: Lorscher Codex (Band 4), Urkunden 2000 ff. In: Heidelberger historische Bestände – digital. Universitätsbibliothek Heidelberg, S. 15, abgerufen am 18. November 2016.
  2. a b Ernst Dassmann: Ambrosius von Mailand. Leben und Werk. Stuttgart 2004. S. 155. E. Dassmann zitiert hier aus der Vita santi Ambrosii
  3. Minst, Karl Josef [Übers.], Lorscher Codex: deutsch; Urkundenbuch der ehemaligen Fürstabtei Lorsch (Band 1): Chronicon. Urkunden Nrn. 1 - 166, mit Vermerken, welche die Geschichte des Klosters von 764 - 1175 und mit Nachträgen bis 1181 berichten — Lorsch, 1966. https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/minst1966bd1/0059
  4. Minst, Karl Josef [Übers.], Lorscher Codex: deutsch; Urkundenbuch der ehemaligen Fürstabtei Lorsch (Band 1): Chronicon. Urkunden Nrn. 1 - 166, mit Vermerken, welche die Geschichte des Klosters von 764 - 1175 und mit Nachträgen bis 1181 berichten — Lorsch, 1966. https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/minst1966bd1/0059
  5. Heinrich Büttner: Ein Gedenken zur Gründung des Klosters Lorsch vor 1200 Jahren. In: Beiträge zur Geschichte des Klosters Lorsch. Geschichtsblätter Kreis Bergstrasse, Sonderband 4. 2. Auflage 1980. Hrsg.: Heimat- und Kulturverein Lorsch in Verbindung mit der AG der Geschichts- und Heimatvereine im Kreis Bergstrasse. S. 28.
  6. Valentin Alois Franz Falk - Geschichte des ehemaligen Klosters Lorsch an der Bergstraße: nach den Quellen und mit besonderer Hervorhebung der Thätigkeit des Klosters auf dem Gebiete der Kunst und Wissenschaft dargestellt, Mainz, 1866 S. 109
  7. http://nazarius-lorsch.de/de/pfarrei/nazarius.php abgerufen am 6. Nov. 2019
  8. Laurissa Jubilans | Festschrift zur 1200 Jahrfeier von Lorsch, Herausgegeben von der Gemeinde Lorsch, Beilage, wohl 1964
  9. http://nazarius-lorsch.de/de/pfarrei/nazarius.php abgerufen am 6. Nov. 2019