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Umfang des LandratsbezirksBearbeiten

Der Landratsbezirk Heppenheim setzte sich aus den folgenden vorherigen Verwaltungseinheiten zusammen[1]:

Der Landratsbezirk enthielt zwei althessische, acht vormals mainzische Orte und sechs vormalige Orte des Bistums Worms. Alle Orte waren Domonialorte.

VerwaltungseinheitenBearbeiten

Administrative VerwaltungBearbeiten

Die Administrative Einteilung legte die Bürgermeistereien fest, welche dem Landrat unterstanden. Dabei wurden mehrere kleinere Ortschaften häufig durch eine Bürgermeisterei verwaltet. Entsprechend der Gemeindeverordnung vom 30. Juni 1821 gab es keine Einsetzungen von Schultheißen mehr, sondern einen gewählten Ortsvorstand, der sich aus Bürgermeister, Beigeordneten und Gemeinderat zusammensetzte.[2] Die folgenden 12 Bürgermeistereien wurden im Landratsbezirk bestimmt:

  1. Biblis
  2. Bürstadt
  3. Großhausen mit Jägersburg
  4. Großrohrheim
  5. Heppenheim
  6. Hofheim mit Bobstadt
  7. Kleinhausen
  8. Lampertheim
  9. Lorsch mit Seehof
  10. Nordheim
  11. Viernheim
  12. Wattenheim

JustizverwaltungBearbeiten

Gleichzeitig mit der Bildung der Landratsbezirke wurden Landgerichte installiert, die jetzt unabhängig von der Verwaltung waren. Mit dem Landratsbezirk Heppenheim wurde das Landgericht Lorsch als Gericht erster Instanz geschaffen, dessen Zuständigkeitsbereich sich mit dem Landratsbezirk deckte. Als Gerichtssitz wurden bewusst vom Landratssitz getrennte Orte gewählt, um die Unabhängigkeit der Justiz zu betonen.[3]

FinanzverwaltungBearbeiten

Für die Einnahmen aus Staatseigentum (den sogenannten Domanialen) waren die Rentämter zuständig. Für den gesamten Landratsbezirk war das Rentamt Lampertheim zuständig.[3]

Davon getrennt war die Steuerverwaltung. Für den Landratsbezirk war die Ober-Einnehmerei Bensheim zuständig. Dieser waren drei Distrikts-Einnehmereien untergeordnet.[3]

  1. Biblis mit Bobstadt, Großrohrheim, Hofheim, Nordheim und Wattenheim
  2. Heppenheim mit Großhausen, Kleinhausen, Lorsch und Seehof
  3. Lampertheim mit Bürstadt und Viernheim

Der Landratsbezirk gehört zum Hauptzollamt Heppenheim und hatte zwei Grenznebenzollämter II. Classe in Viernheim und auf der Lampertheimer Hütte.

Weitere VerwaltungenBearbeiten

Die Forstverwaltung des Landratsbezirks Heppenheim wurde vom Forst Heppenheim wahrgenommen, der aus den folgenden fünf Forstrevieren bestand: 1. Heppenheim mit Erbach, Kirschhausen, Oberhambach, Sonderbach, Unterhambach und Walderlenbach; 2. Lampertheim mit Seehof; 3. Lorsch mit Bobstadt, Bürstadt, Hofheim, Kleinhausen, Nordheim, Wattenheim und Auerbach; 4. Viernheim; 5. Wimpfen mit Hochstadt, Helmhof, Finkenhof, Kohlhütte und Kürnbach (aus dem Bezirk Wimpfen). Die Orte Biblis, Großhausen und Jägersburg gehören zum Forstrevier Jägersburg des Forsts Jugenheim.

Die Kirchverwaltung bestand aus dem Inspektorat Heppenheim mit der lutherische Pfarrei Großrohrheim sowie den beiden evangelisch-protestantischen Pfarreien Lampertheim mit Neuschloß und Hüttenfeld sowie Nordheim mit Bobstadt und Hofheim. Die katholischen Orte waren in die folgenden Pfarreien eingeteilt: Biblis mit Wattenheim; Bürstadt; Heppenheim mit Erbach, Igelsbach, Kirschhausen, Oberhambach, Soderbach, Unterhambach und Walderlenbach (alle mit Ausnahme von Heppenheim aus dem Bezirk Lindenfeis); Hofheim mit Bobstadt und Nordheim; Lampertheim; Lorsch mit Kleinhausen; Viernheim. Außer den Pfarreien Hofheim und Lampertheim unterstanden alle anderen dem Bergsträßer Landkapitel. Der Ort Großhausen ist eine Filiale der lutherischen Pfarrei Schwanheim des Inspektorats Bensheim.

Historische BeschreibungBearbeiten

Die „Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen“ berichtet 1829 über den Landratsbezirk Heppenheim[3]:
Lage und Grenzen werden beschrieben als: »Der Bezirk liegt zwischen dem 49°, 32′ und 49°, 44′ nördlicher Breite und zwischen dem 26°, 3′ und 26°, 22′ östlicher Länge. Seine Grenzen sind gegen Norden: der Bezirk Bensheim; gegen Osten: der Bezirk Lindenfels und das Großherzogthum Baden; gegen Süden: das Großherzogthum Baden; gegen Westen: das Großherzogthum Baden und der Rhein.« 
Die Natürliche Beschaffenheit als: »a. Oberfläche und Boden. Der ganze Bezirk bildet eine große Ebene, und nur ein ganz kleiner Theil der östlichen Seite hat wellenformige Erhöhungen, wie die Starkenburg, welche 1320 Hess. (0,25 m) (1016 Par.) Fuß über der Meeresfläche liegt. Der Boden ist meist sehr mit Sand gemischt, der ihm aber an seiner Fruchtbarkeit nichts benimmt. Bei Virnheim geht aber der Boden theilweise in Flugsand über. b. Gewässer: 1) der Rhein; 2) die Weschnitz.« 
Die Bevölkerung als: »Diese beträgt 21,788 Seelen; unter diesen sind 2010 Lutheraner, 3786 Evangelisch-Protestantische, 15,489 Katholiken, 21 Reformirte und 482 Juden, welche zusammen 1 Stadt, 4 Marktflecken, 10 Dörfer, 1 Weiler, überhaupt 2982 Häuser bewohnen.«
Die Naturprodukte als: »1686 Pferde, 445 Fohlen; 52 Bullen; 199 Ochsen; 3844 Kühe; 1936 Rinder; 3591 Schweine; 737 Schafe; 229 Ziegen; 4 Esel. – Fische. Viel Getreide, namentlich Waizen, besonders zu Biblis; Korn, Gerste, Spelz, Hirse und Welschkorn; Futterkräuter, als Klee, Heu, Rüben, sehr viel Kartoffel, Oelgewächse, Gemüse; Wein, besonders beliebt der Starkenburger; auch zu Nordheim ist etwas Weinbau; sehr viel Tabak, fast Hauptprodukt, der beste bei Virnheim; Hanf; viel Torf zu Lampertheim.«
Gewerbe und Handel als: »Ackerbau und Viehzucht. Die Viehzucht ist in einigen Orten bedeutend. Mehrere Gemeinden, namentlich Lampertheim, haben Baumschulen, in welchen viele veredelte Stämme gezogen werden. Das Mühlengewerbe ist nur in Heppenheim von Bedeutung. Lampertheim hat eine Tabaksfabrik. Gerbereien und Leinwandbleichereien befinden sich zu Heppenheim. 1 Salmiakfabrik, so wie 1 Leim- und 1 Seifensiederei zu Neuschloß. Tabak, besonders in Blättern, wird sehr viel abgesetzt; auch viel Getreide wird ausgeführt; etwas Heu; sodann viel Torf, namentlich nach Worms. Die Viehmärkte zu Großrohrheim setzen viel Geld in Cirkulation. Die Hauptstraße von Darmstadt durch die Bergstraße berührt nur Heppenheim; eine Straße setzt Lorsch mit Bensheim in Verbindung.«

AuflösungBearbeiten

Im Rahmen der Verwaltungsreform 1832 wurden die Landratsbezirke zu Landkreisen zusammengefasst. Der Landratsbezirk Heppenheim ging dabei (gemeinsam mit dem Landratsbezirk Bensheim) in dem neuen Kreis Bensheim auf.[4]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Großherzogliche Verordnung „Die Eintheilung des Landes in Landraths- und Landgerichtsbezirke betreffend“ vom 14. Juli 1821; in: Hess. Reg. Bl. 1821, Nr. 33, S. 403 (online bei google books)
  2. M. Borchmann, D. Breithaupt, G. Kaiser: Kommunalrecht in Hessen. W. Kohlhammer Verlag, 2006, ISBN 3-555-01352-1, Seite 20 (Online bei google books)
  3. a b c d Georg W. Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Starkenburg. Band 1. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt Oktober 1829, S. 104 ff. (Online bei Google Books).
  4. Edikt vom 6. Juni 1832; in: Regierungsblatt des Großherzogtums Hessen 1832 S. 365 ff