Groschlag (Adelsgeschlecht)

Adelsgeschlecht
Groschlag'sches Wappen im Siebmacher
Die Dieburger Burg um 1700
Die barocke kurmainzische Zehntscheuer in Dieburg, ursprünglich Groschlag’scher Stadtbesitz

Die Groschlag zu Dieburg waren ein ursprünglich südhessisches Uradelsgeschlecht aus dem Odenwald und vom Rhein. Es bestanden zeitweise mehrere Nebenlinien, die aber alle nach wenigen Generationen wieder ausstarben.

NameBearbeiten

Der Name „Groschlag“ (auch Graslack(e), Grasloc oder Gravesloc, Graslach, Graslacke Gra(i)szloch, Gras(z)lag(k), Groszlock, Graislock, Grasch(s/ß)lag, Graeslach, Groschlach und Gro(e)schlagk[1]) entspricht dem der Wüstung Groschlag zwischen Frankfurt am Main und Hanau. Es ist aber urkundlich nicht zu belegen, dass der Geschlechtername davon abgeleitet ist. Der Namen gebende Stammsitz der Herren und Freiherren war der gleichnamige Ort Dieburg, wo sie seit dem 12. Jahrhundert als Burgmannen des Dieburger Schlosses zu Ansehen und Würden kamen.

GeschichteBearbeiten

MittelalterBearbeiten

Nach den kritisch zu hinterfragenden Aufzeichnungen Johann Gottfried Biedermanns (vgl. Literatur) wurden ein Friedrich Groschlag 942, ein Wolfgang Groschlag 996, und ein weiterer Ritter dieses Namens 1080 bei Ritterturnieren verzeichnet. Der darin aufgeführte Stammherr Anselm Groloch von 1254 ist sonst nicht belegt, dagegen zwischen 1236 ein (oder mehrere) Rudolfus Grasloc (Grawesloc) als Münzenbergischer Vogt und als Zeuge im Eheverlöbnis der Adelheid von Tübingen und Kuno II. von Münzenberg.

Seit 1254 sind sie als Burgmannen mit den Dörfern Münster, Werlach (heute Wüstung), Messel (noch 1443 Münzenberg-Eppsteinisches Lehen der Groschlag) und Eppertshausen belehnt. Rudolf Groschlag wird durch Ulrich von Münzenberg mit der Kistelberger Mühle nahe Dieburg belehnt. Rudolf hatte einen Bruder und drei Söhne. 1269 erfolgte dieselbe Belehnung – diesmal aber vom Bistum Mainz (der oder einer der Rudolf(e) ist jetzt Vizedom an St. Peter und Alexander in Aschaffenburg). 1276 verkaufte ein Rudolf von Groschlag seine Güter zu Großrohrheim (Gernsheim) an das Kloster Otterberg[2].

Die Familie besaß umfangreiche Lehen in und um Dieburg mit Burg- und Mannlehen, diversen Gütern und Anteile am Hochgericht vom Bistum Mainz. Mit Ende des 13. Jahrhunderts gelangte sie zu einem kleinen Herrschaftsgebiet, das nordöstlich von Dieburg bis an das Amt Babenhausen reichte und die Orte Saibach, Sickenhofen und Hergershausen umfasste und von der Herrschaft Hanau zu Lehen ging. Vom Kloster Fulda hatten sie ein Drittel des Ortes Raibach zu Lehen und erhielten Güter in Umstadt, Ostheim, Seligenstadt und im Freigericht Alzenau. Schon 1276 waren die Groschlags mit Lehensgütern im Ort Klein-Zimmern belehnt. Güter in Groß-Zimmern, Urberach und Ober-Ramstadt folgten.

1304 ist ein Grasloc von Cronenberg[3] belegt, der sein Gut in Altendieburg[4] an Theoderich genannt Zenechin, Ritter von Bommersheim, verkaufte. Diese Grasloc von Cronenberg sind eine Nebenlinie derer von Kronberg, die aus den Groschlag stammend den Namen der Frau mitführten, auch dort erbberechtigt waren, jedoch nach kurzer Zeit ausstarben.

1343–1374 stellten die Groschlag den Propst im Kloster Höchst. Die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts ist von umfangreichen Besitzerweiterungen durch Heinrich den Älteren, Henne und Heinrich den Jüngeren von Groschlag und deren Söhnen (Phillipp, Heinrich und Hans) gekennzeichnet. Die kleinen Herrschaftsbereiche nördlich von Dieburg (Messel, Eppertshausen und Münster) und westlich von Babenhausen (Hergershausen und Sickenhofen) wurden ausgebaut. Im Zuge der Änderung der Herrschaftsverhältnisse im Kondominat Umstadt gingen ihre Lehensverhältnisse im Gebiet vom Kloster Fulda an die Kurpfalz über.[5]

Bis zu seinem Ableben 1419 war ein Heinrich von Groschlag Burgmann auf der Burg Starkenburg und im Besitz eines Burglehens des Mainzer Erzbischofs Konrad III.[6]

Im 15. Jahrhundert waren sie Burgmannen auf der Burg Breuberg und hatten, neben den Echter von Mespelbrunn, den größten Anteil an den Burglehen.

 
Ausschnitt aus der Karte des Geometers Joseph Mantel: "Beschreibung des Freyherrlich von Groschlagischen Lustgartens nebst zugehörigen Wiessen und Baumstüken zu Stokau" von 1789, heute im Museum Schloss Fechenbach, Dieburg. Das unbefestigte Lustschloss Schloss Stockau mit dem historischen Schlossgarten lag an der Gersprenz.[7] Es wurde nach der adligen Familie auch als Groschlag´sches Schloss bezeichnet.

Frühe NeuzeitBearbeiten

 
Solmser Landrecht, Titelblatt der Ausgabe von 1571

Seit 1496 (Weistum) besaßen sie den Untergerichtsbezirk Westerngrund des reichsritterschaftlichen Territoriums Landgericht Krombach. Nach dem Aussterben der Herren von Rieneck 1559 und dem Erbfall an das Bistum Mainz kauften sie die ganze Gerichtsbarkeit des Amtes Krombach, die sie bis 1666 besaßen.[8] Unrühmlich sind dabei die geführten Hexenprozesse unter den Landgerichtsherren Groschlag, bei denen von 1627 bis 1629 über 50 Menschen zu Tode kamen.

1576 sind sie als einer der Grundherren des Ortes Rembrücken urkundlich nachgewiesen. 1685 erreichte Johann Philipp Ernst von Groschlag, kurmainzischer Geheimrat und Amtmann zu Gernsheim, dass Kaiser Leopold ihn in den Freiherrenstand erhob.

Im Herrschaftsbereich der Familie wurde das Solmser Landrecht zum Gewohnheitsrecht. Hintergrund war, dass auch umliegende Territorien dieses damals „moderne“, systematisch und schriftlich aufgezeichnete Recht von 1571, das zudem aus der unmittelbaren Nachbarschaft stammte, übernahmen. Das Gemeine Recht galt nun nur noch, wenn das Solmser Landrecht für einen Sachverhalt keine Bestimmungen enthielt. Das Solmser Landrecht blieb auch im Großherzogtum Hessen geltendes Recht[9], das erst zum 1. Januar 1900 von dem einheitlich im ganzen Deutschen Reich geltenden Bürgerlichen Gesetzbuch abgelöst wurde.

Ab 1687 erbaut er das Groschlag'sche Schloss Stockau, dem durch Friedrich Carl Willibald Freiherr von Groschlag zu Dieburg im 18. Jahrhundert ein Schlossgarten zugefügt wurde, den auch Johann Wolfgang von Goethe besuchte. Die Familie gehörte mit den Ulnern von Dieburg zum wohl bedeutendsten adligen Geschlecht im westlichen Bachgau und waren dem Ritterkanton Odenwald im Fränkischen Ritterkreis der Reichsritterschaft zugeordnet.

1723 heiratete Philip Carl Anton Freiherr von Groschlag zu Diepurg, Herr zu Messel, Sickenhofen, Hergershausen und Eppertshausen, Kaiserlicher würklicher Geheimer Rath und Cammer Gerichts Präsident zu Wetzlar, Ritter des königlich polnischen weißen Adler Ordens (* 1692 in Dieburg, † 1757 in Wetzlar, 1743–1757 katholischer Reichskammergerichtspräsident)[10] Maria Philippina Franzisca Freiin von Bicken (einzige weibliche Nachfahrin dieses Wetzlarer Adelshauses).

Die Groschlag waren zeitweise Burgmannen der Burg Friedberg[11] und besaßen wohl auch ab spätestens 1626 allein die Wasserburg Klein-Zimmern.

Das Geschlecht starb 1799 mit dem Tod von Friedrich Carl Willibald Freiherr von Groschlag zu Dieburg im Mannesstamm aus. Die Lehen fielen an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt. Nur Eppertshausen und der Klein-Zimmerer Besitz blieb bei den weiblichen Nachkommen und kam erst 1826 endgültig an das Großherzogtum Hessen. Letzte weibliche Nachkommin des Groschlag'schen Adelsgeschlechtes war Gräfin Anna Maria von Lerchenfeld-Köfering (1775–1854), die mit Maximilian Emanuel Graf von und zu Lerchenfeld (1772–1809), bayerischer Gesandter am Reichstag, in Dresden und Kassel verheiratet war. Sie übergab das Schloss mit den dazugehörigen Feldern der Gemeinde Klein-Zimmern. Es wurde 1864 von Bischof Emmanuel Wilhelm von Ketteler für die so genannte „St.-Josephs-Knabenanstalt“ und das heutige St.-Josephs-Haus erworben. 1854 starb diese letzte Groschlagtochter in Köfering bei Regensburg.

Urkunden, ArchiveBearbeiten

Das Groschlag'sche Archiv aus Seligenstadt kam 1880 und 1912 ins Hessische Landesarchiv nach Darmstadt. 1954 und 1962 erfolgten dort die Vereinigungen weiterer Groschlag'scher Bestände aus anderen Abteilungen.

WappenBearbeiten

In Blau drei von Rot und Silber in zwei Reihen geschachte Schrägbalken (Schräglinksbalken), zwischen dem ersten und zweiten Balken schräg eine goldene Krone. Die Helmzier ist ein wachsender Männerrumpf in blauem, wie der Schild bezeugtes Gewand. Die Helmdecken waren rot-silbern im Siebmacher, blau-silbern im Aschaffenburger Wappenbuch, blau-golden bei Zobel, bei den beiden letzteren Quellen jeweils auch ohne die Krone abgebildet und die Schachbalken sind schrägrechts dargestellt.

SonstigesBearbeiten

 
Das Gemälde mit dem heutigen Titel: Trigonometrischer Disput, gemalt um 1774. Es zeigt den letzten Ahnherren der Groschlags und seine Ehefrau

Ein Gemälde des Barockmalers Georg Melchior Kraus (1737–1806), das im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg mit dem Titel Trigonometrischer Disput (Der trigonometrische Streit) verwahrt wird, stellt das Groschlagsche Ehepaar Friedrich Carl Willibald Freiherr von Groschlag zu Dieburg (1729–1799) und seine Ehefrau Freiin Sophie Helene, geborene Gräfin von Stadion (1753–1828), dar und ist wohl um 1774 entstanden.[13][14]

Bekannte NamensträgerBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Gerhard Fridrich Albrecht: Genealogisches Handbuch. Frankfurt a. M. 1776, S. 71 ff. (books.google.de).
  • Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte. Band 41, Gesellschaft für Mittelrheinische Kirchengeschichte. 1989, S. 214 ff.
  • Groschlag. In: Johann Gottfried Biedermann: Geschlechts=Register Der Reichs Frey unmittelbaren Ritterschafft Landes zu Francken löblichen Orts Ottenwald … Kulmbach / Untersteinach, 16. Februar 1751, S. 342–348 (books.google.de).
  • Heinrich Bingemer: Das Frankfurter Wappenbüchlein. 2. Auflage. Kramer, Frankfurt 1987, ISBN 3-7829-0348-X, S. 21 Tafel 14.
  • Karl Diel: Ein Parkvorbild der Goethezeit. Der Lustgarten der Freiherren von Groschlag zu Dieburg. Darmstadt 1941, L. C. Wittich Verlag.
  • Karin-Jutta Krüger: Karl Friedrich Willibald von Groschlag (1729–1799): Ein Beitrag zur kurmainzer Politik und zur Aufklärung im Rhein-Main-Gebiet. München, 1970.
  • Peter Murmann: Balthasar Groschlag von Dieburg: ein Mainzer Domherr der Lutherzeit. Band 11 von Dieburger Kleine Schriften, Verlag AVA, 1995.
  • Peter Murmann: Groschlag und Hanau: eine Quelle des 18. Jahrhunderts zu den hanauischen Lehen der Familie Groschlag v. Dieburg. Archäolog. u. Volkskundl. Arbeitsgemeinschaft, 1992.
  • Johann Wilhelm Christian Steiner: Alterthümer und Geschichte des Bachgaus im alten Maingau. 3 Bände, Darmstadt 1829; hier Band 3: Geschichte des Stadt Dieburg und Topographie der ehemaligen Centen und Ämter Umstadt, Babenhausen und Dieburg. (books.google.de).
  • Hellmuth Gensicke: URKUNDEN DER FAMILIE GROSCHLAG v. DIEBURG; Regesten (156 Stück) (= Repertorien Hessisches Staatsarchiv Darmstadt) Bestand B 17 (PDF; 160 kB). In: Archivinformationssystem Hessen (Arcinsys Hessen), Stand: August 2006, abgerufen am 16. September 2016.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Teilweise wird der Name in derselben Urkunde mehrfach anders geschrieben. Dabei wandelt sich die Namensform von Grasloc im 13. Jahrhundert, zu Graszlagk im 15. Jahrhundert, um mit Beginn des 16. Jahrhunderts in Groslag oder Graheslag und ab Mitte des 16. Jahrhunderts in Groschlach verändert zu werden, bis sich Ende des 16. Jahrhunderts in leicht veränderten Schreibweisen das Groschlag (teilweise in Form sz und gk geschrieben) durchsetzt.
  2. Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins Band 6, Grossherzogliches General-Landesarchiv zu Karlsruhe, Karlsruhe 1855, S. 305.
  3. Siehe: Stammliste des Hauses Kronberg
  4. Eines der drei Dörfer um die im 12. Jahrhundert neuentstandene Burg Dieburg im Wildbann Dreieich, heute in der Stadt Dieburg aufgegangen
  5. AKTIVLEHEN, Lehns- und Adelsbriefe von Hessen-Darmstadt und anderen Rechtsvorgängern der Großherzöge von Hessen.(= Repertorien Hessisches Staatsarchiv Darmstadt) Bestand A 5, S. 142 (PDF; 669 kB). In: Archivinformationssystem Hessen (Arcinsys Hessen), Stand: August 2007, abgerufen am 16. September 2016.
  6. Würzburger Diözesan Geschichtsblätter (PDF; 2,2 MB) 64. Band, Sonderdruck, Würzburg 2002, Dieter Michael Feineis: Die Bickenbacher und die Herrschaft Hohenberg, S. 24.
  7. Seinem Namen hat das Schloss von der Wüstung Stockau, die sich über Stocken (1379), Stockenau (1429), Stockaw (1593), Stockhaw (1545) zur Bezeichnung des Schlosses Stockau ausgebildet hat und damals nahe Dieburg (heute Teil der Stadt) lag.
  8. Denkmalpflegerischer Erhebungsbogen im Rahmen der Dorferneuerung Hofstädten, Gemeinde Schöllkrippen, Landkreis Aschaffenburg, Regierungsbezirk Unterfranken (PDF; 3,5 MB), S. 9–10 und Kommunale Allianz Kahlgrund-Spessart - Gemeinde Krombach (Memento des Originals vom 9. März 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.kommunale.allianz.kahlgrund-spessart.de
  9. Arthur B. Schmidt: Die geschichtlichen Grundlagen des bürgerlichen Rechts im Großherzogtum Hessen. Curt von Münchow, Giessen 1893, S. 106, sowie beiliegende Karte.
  10. Sigrid Jahns: Das Reichskammergericht und seine Richter, Teil 1, Böhlau Verlag, Köln Weimar Wien 2011, ISBN 978-3-412-06403-7. S. 678
  11. Heraldikwebseite Bernhard Peter das Groschlag'sche Wappen auf dem barocken St. Georgsbrunnen der Burg Friedberg
  12. Stadt Eppertshausen – Wappengeschichte@1@2Vorlage:Toter Link/www.eppertshausen.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (PDF; 92 kB).
  13. Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums 2007 (PDF; 566 kB) Kurzinhalte S. 10.
  14. Main-Echo-Onlinedienst: Gemälde belegt Familienstreit im Hause Groschlag - Heimatverein: Hans Dörr stellt unbekanntes Bild vor. vom 12. Oktober 2011.