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Kirchzell

Gemeinde im Landkreis Miltenberg in Deutschland

GeografieBearbeiten

Geografische LageBearbeiten

Kirchzell ist die flächenmäßig größte Gemeinde im Landkreis Miltenberg und bewirtschaftet 1300 ha Waldbestand. Die Gemeinde liegt im Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald. Das Buntsandsteingebiet wird von Waldbach, Gabelbach und Mud zum Main hin entwässert. Der topographisch höchste Punkt der Gemeinde befindet sich mit 548 m ü. NN (Lage) am Gipfel des Berges Der Kolli am Dreiländereck, der niedrigste liegt an der Mud auf 170 m ü. NN (Lage).

Städte in der näheren Umgebung sind:

GemeindegliederungBearbeiten

Kirchzell hat neun Ortsteile[2] auf vier Gemarkungen:

NachbargemeindenBearbeiten

Nachbargemeinden sind:

NameBearbeiten

EtymologieBearbeiten

Der Name Kirchzell besteht aus den mittelhochdeutschen Wörtern kirche und cëlle, im Sinne von Wirtschaftshof. Das kirch im Namen bezieht sich auf das dortige Gotteshaus, was die Schreibweise von 1534 Kirch zu Zell bestätigt.[3]

Frühere SchreibweisenBearbeiten

Frühere Schreibweisen des Ortes aus diversen historischen Karten und Urkunden:[3]

  • 1271 Celle
  • 1395 Zelle
  • 1457 Kirchczell
  • 1460 Kirchzelle
  • 1532 Kirch Zel
  • 1534 Kirch zu Zell
  • 1570 Kirchzell

GeschichteBearbeiten

Bis zur GemeindegründungBearbeiten

Kirchzell ist eine Gemeinde mit 1200-jähriger Geschichte. Kirchzell verdankt seine Gründung der Benediktinerabtei in Amorbach. Im Jahre 1168 geriet das Kloster Amorbach und damit auch Kirchzell unter die Herrschaft der Herren von Dürn. Dieses Fürstengeschlecht errichtete am Preunschener Berg die Burg Wildenberg (auch Wildenburg), die ein Glanzstück des Burgenbaues der Stauferzeit war. 100 Jahre später verkauften die Edelherren von Dürn ihre Ländereien an den Erzbischof von Mainz. Im Jahre 1700 wurde Kirchzell als Mittelpunktgemeinde des „Kirchzeller Grundes“ das Marktrecht verliehen. Das mainzische Amt wurde im Reichsdeputationshauptschluss (1803) den Fürsten von Leiningen zugesprochen, 1806 durch Baden mediatisiert und 1810 an Hessen-Darmstadt abgetreten. Im Rezess Hessen/Bayern (Frankfurt 1816) fiel es schließlich an Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.

VerwaltungsgeschichteBearbeiten

Im Jahr 1862 wurde das Bezirksamt Miltenberg gebildet, auf dessen Verwaltungsgebiet Kirchzell lag. Wie überall im Deutschen Reich wurde 1939 die Bezeichnung Landkreis eingeführt. Kirchzell war nun eine der 31 Gemeinden im Altkreis Miltenberg. Dieser schloss sich am 1. Juli 1972 mit dem Landkreis Obernburg am Main zum neuen Landkreis Miltenberg zusammen.

EingemeindungenBearbeiten

Am 1. Januar 1975 wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Ottorfszell, Preunschen (Gemeindename bis 1870 Preunschen-Buch)[4] und Watterbach in den Markt Kirchzell eingegliedert.[5] Zu ihnen gehörten die Ortsteile Breitenbuch und Buch sowie die Weiler Dörnbach, Breitenbach, Schrahmühle und Hofmühle.

PolitikBearbeiten

Kommunalwahl 2014[6]
Wahlbeteiligung: 69,5 %
 %
50
40
30
20
10
0
44,1 %
37,0 %
18,9 %

MarktgemeinderatBearbeiten

Der Marktgemeinderat besteht aus 14 Mitgliedern, die sich für die Wahlperiode 2014–2020 wie folgt aufteilen:

Sitzverteilung im Marktgemeinderat Kirchzell seit 2014
   
Insgesamt 14 Sitze

BürgermeisterBearbeiten

Bürgermeister ist Stefan Schwab von der CSU.

WappenBearbeiten

Blasonierung: „In Rot eine kleine silberne Kirche mit Dachreiter und Säulenportal an der Stirnseite, beides mit aufgesetztem schwarzem Kreuz, begleitet vorne von einem linksgewendeten, goldenen Bischofsstabkopf, hinten von einem sechsspeichigen, silbernen Rad.“

Wappenerklärung: Die Kirche fungiert als redendes Wappensymbol, Bischofsstab und Mainzer Rad weisen auf die Zugehörigkeit zu Kurmainz und zum Kloster Amorbach hin.

WirtschaftBearbeiten

Kirchzell hat folgende Verkehrsanbindungen:

  • ca. 45 km zum Autobahnanschluss A 81
  • ca. 50 km zum Autobahnanschluss A 3
  • ca. 51 km zum ICE in Aschaffenburg
  • ca. 6 km zur Regionalbahn in Amorbach
  • ca. 89 km zum Flughafen Frankfurt/Main

Bildung und KulturBearbeiten

MuseenBearbeiten

  • Waldmuseum im »Watterbacher Haus« im Ortsteil Preunschen. Das Watterbacher Haus ist ein sogenanntes Wohnstallhaus und gilt als eines der ältesten Bauernhäuser im Odenwald. Das „Firstständerhaus“ wurde um 1475 erbaut. Ursprünglich stand es in Watterbach. 1982 wurde es nach Preunschen versetzt. Im Waldmuseum wird die forstgeschichtliche Entwicklung des Odenwaldes, die Waldnutzung früherer Zeiten, die Korbmacherei und das Zapfenpflücken dargestellt.

BauwerkeBearbeiten

  • Reste des Limes, einst Schutzwall der Römer gegen die Germanen
  • hochmittelalterliche Burgruine Wildenberg (auch Wildenburg) aus der Stauferzeit, auf der Wolfram von Eschenbach Teile seines Parzival geschrieben haben soll.
  • ältester Bildstock im Odenwald in Breitenbuch aus dem Jahre 1483, weitere historische Bildstöcke auch in den anderen Ortsteilen
  • Watterbacher Haus – ältestes Fachwerkhaus im Odenwald

WanderwegeBearbeiten

Durch die Ortsteile Breitenbach, Ottorfszell und Preunschen führt der Nibelungensteig, ein 124 Kilometer langer, mit dem Gütesiegel "Wanderbares Deutschland" zertifizierter Fernwanderweg.

MusikBearbeiten

Kirchzell besitzt seit 1891 einen Gesangverein, der inzwischen aus vier Chören besteht.

  • Männerchor (seit 1891)
  • Frauenchor (seit 1999)
  • VoCapella (seit 2002)
  • Piccolino (seit 2005)
  • Chor 4 You

Männer- und Frauenchor, sowie VoCapella stehen unter der Leitung von Hermann Trunk. Piccolino und Chor 4 You werden von Birgit Wagner geleitet.

SportBearbeiten

Der 1908 gegründete Handballverein TV Kirchzell spielt in der Saison 2016/17 in der 3. Liga. Der Fußballclub Kickers Kirchzell wurde im Jahr 1922 gegründet.

KuriosesBearbeiten

Kirchzell

Auch in Kirchzell hat man in der Mitte des 19. Jahrhunderts die Bohne angebaut. Im Dialekt nannte man die sie umgebende längliche Hülse "Schludde", also die ganze Frucht "Schluddebohne". Die kuriose Wortschöpfung war natürlich für die Nachbarorte Grund für den Spitznamen - Ortsnecknamen.[7]

Ottorfszell

Raben und Krähen sind die Vögel mit der größten Intelligenz, das haben Wissenschaftler in einer Untersuchung festgestellt. Dies bescheinigen auch die Nachbargemeinden, indem sie die Bewohner des Gabelbachtales mit dem Ortsnecknamen „Talkrabbe“ bedachten.[8]

Watterbach

Den Spottnamen, Ortsnecknamen „Gräbbeleshüpfer“ haben die Watterbacher von ihren Nachbarn erhalten, weil sie durch landwirtschaftlich genutzte Flächen Bewässerungsgräben zogen, um auf dem hochliegenden Gebiet einigermaßene Erträge zu erzielen.[9]

LiteraturBearbeiten

  • Ernst Rockstroh: Gewitter über Kirchzell
  • Thomas Ratzka: 300 Jahre Marktrecht Kirchzell

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 10. Juli 2019 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20111123/184317&attr=OBJ&val=1692
  3. a b Wolf-Armin von Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen. Herkunft und Bedeutung. Oberfranken, Mittelfranken, Unterfranken. C. H. Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-59131-0, S. 118 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  4. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 523.
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 750.
  6. Statistik kommunal 2015
  7. Werner Trost Stampes, Worzelköpp und Staffelbrunzer Lkr. Miltenberg 2003
  8. S. o.
  9. S. o.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Kirchzell – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien