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Dorfprozelten

Gemeinde im Landkreis Miltenberg in Deutschland
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Dorfprozelten
Dorfprozelten
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Dorfprozelten hervorgehoben
Koordinaten: 49° 47′ N, 9° 23′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Unterfranken
Landkreis: Miltenberg
Höhe: 141 m ü. NHN
Fläche: 11,34 km2
Einwohner: 1790 (31. Dez. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte: 158 Einwohner je km2
Postleitzahl: 97904
Vorwahl: 09392
Kfz-Kennzeichen: MIL, OBB
Gemeindeschlüssel: 09 6 76 118
Gemeindegliederung: 1 Ortsteil[2]
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Schulgasse 2
97904 Dorfprozelten
Website: www.dorfprozelten.de
Bürgermeister: Dietmar Wolz (FW)
Lage der Gemeinde Dorfprozelten im Landkreis Miltenberg
AschaffenburgLandkreis AschaffenburgLandkreis Main-SpessartHohe Wart (gemeindefreies Gebiet)Gemeindefreies Gebiet ForstwaldGemeindefreies Gebiet Hohe BergCollenbergDorfprozeltenAltenbuchWörth am MainWeilbach (Bayern)Sulzbach am MainStadtprozeltenSchneeberg (Unterfranken)RüdenauRöllbachObernburg am MainNiedernbergNeunkirchen (Unterfranken)MönchbergMömlingenMiltenbergLeidersbachLaudenbach (Unterfranken)Klingenberg am MainKleinwallstadtKleinheubachKirchzellHausen (bei Aschaffenburg)GroßwallstadtGroßheubachFaulbachEschau (Unterfranken)Erlenbach am MainElsenfeldEichenbühlBürgstadtAmorbachAmorbachHessenBaden-WürttembergKarte
Über dieses Bild

Dorfprozelten ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Miltenberg und eine der ältesten Siedlungen am Untermain.

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

Geographische LageBearbeiten

Dorfprozelten liegt in der Region Bayerischer Untermain. Der topographisch höchste Punkt der Gemeindegemarkung befindet sich mit 474 m ü. NN südlich von Wildensee, der niedrigste liegt im Main auf 129 m ü. NN.

 
Gemarkung Dorfprozelten

GemeindegliederungBearbeiten

Dorfprozelten hat ein Ortsteil[2] mit zwei Orten[3]:

Es gibt nur die Gemarkung Dorfprozelten, in dessen Südwesten das Forsthaus[4] Kollenberg liegt.

NachbargemeindenBearbeiten

Markt
Eschau
Gemeinde
Collenberg
  Stadt
Stadtprozelten
Stadt
Freudenberg
Stadt
Wertheim

NameBearbeiten

EtymologieBearbeiten

Der Name setzt sich aus dem mittelhochdeutschen Wort brat, das Braten oder Fleisch bedeutet und dem althochdeutschen selde für Haus zusammen. Bratselde bedeutet demnach etwa so viel wie Ort, an dem Reisende speisen können; etwa eine Herberge. Der Zusatz Dorf sowie die zeitweise verwendeten Wörter Alten, Unter und Nieder wurden zur Unterscheidung von Stadt- und Langenprozelten hinzugefügt.[5]

Frühere SchreibweisenBearbeiten

Frühere Schreibweisen des Ortes aus diversen historischen Karten und Urkunden:[5]

  • 1009 Brotselden
  • 1248 Altinbrotselden
  • 1311 Bratselden daz dorf
  • 1317 Niderm Bratselden
  • 1320 Unterprotzelten
  • 1359 Nidernprotselden
  • 1370 Dorf Brotselden
  • 1379 Brotselden daz dorffe
  • 1483 Dorffbrotselden
  • 1594 Dorffprocelden
  • 1694 Dorff Proceld
  • 1881 Dorfprozelten

GeschichteBearbeiten

Bis zur GemeindegründungBearbeiten

In einer chronikalen Aufzeichnung aus dem 14. Jahrhundert wird erwähnt, dass der Mainzer Erzbischof Willigis im Jahre 1009 die Weihe eines Gotteshauses in „Brotselden“ vorgenommen hat.

Der Ort im Erzstift Mainz wurde laut Reichsdeputationshauptschluss 1803 ein Teil des neugebildeten Fürstentums Aschaffenburg des Fürstprimas von Dalberg, mit welchem (nun ein Departement des Großherzogtums Frankfurt) es 1814 schließlich an Bayern fiel. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.

VerwaltungsgeschichteBearbeiten

Im Jahre 1862 wurde das Bezirksamt Marktheidenfeld gebildet, auf dessen Verwaltungsgebiet Dorfprozelten lag. 1939 wurde wie überall im Deutschen Reich die Bezeichnung Landkreis eingeführt. Dorfprozelten war nun eine der 47 Gemeinden im Landkreis Marktheidenfeld. Mit der Auflösung des Landkreises Marktheidenfeld kam Dorfprozelten am 1. Juli 1972 in den neu gebildeten Landkreis Miltenberg.

1978 schloss sich die Gemeinde der neu gegründeten Verwaltungsgemeinschaft Stadtprozelten an. Zum 1. Januar 1994 wurde Dorfprozelten wieder aus dieser entlassen.

20. und 21. JahrhundertBearbeiten

Der Ort beherbergte bis in die 1970er Jahre eine große Sandsteinindustrie. Dorfprozeltener Steinhauer waren unter anderem am Bau des Winterpalais in Sankt Petersburg, des Mainzer Doms, des Reichstags in Berlin und vieler anderer bedeutender Bauwerke beteiligt. Der Abbau des Sandsteins förderte auch die Schifffahrt, welche Dorfprozelten für einige Zeit zum größten Binnenschifferdorf Deutschlands werden ließ. Heute beherbergt Dorfprozelten verschiedene Industriezweige. Unter anderem siedelte sich ein großer Automobilzulieferer an. An den Hängen des Mains wird mit dem „Dorfprozeltener Predigtstuhl“ auch ein hervorragender Frankenwein angebaut.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

  • 1961: 1639 Einwohner
  • 1970: 1627 Einwohner
  • 1987: 1741 Einwohner
  • 1991: 1794 Einwohner
  • 1995: 1870 Einwohner
  • 2000: 1972 Einwohner
  • 2005: 1933 Einwohner
  • 2010: 1797 Einwohner
  • 2015: 1761 Einwohner
  • 2016: 1770 Einwohner
  • 2017: 1790 Einwohner[6]

PolitikBearbeiten

Nach der Wahl 2014 ergab sich diese Sitzverteilung im Gemeinderat[7]:

3
5
4

Insgesamt 12 Sitze


Bürgermeister ist seit Mai 2008 Dietmar Wolz (Freie Wähler), er wurde 2014 im Amt bestätigt.

BaudenkmälerBearbeiten

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

Wirtschaft einschließlich Land- und ForstwirtschaftBearbeiten

Es gab 1998 nach der amtlichen Statistik im produzierenden Gewerbe 192 und im Bereich Handel und Verkehr keine sozialversicherungspflichtigen Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 54 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 717. Im verarbeitenden Gewerbe gab es neun, im Bauhauptgewerbe zwei Betriebe. Zudem bestanden im Jahr 1999 fünf landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 17 ha. Größter Arbeitgeber ist der Magna-Konzern.

BildungBearbeiten

Es gibt folgende Einrichtungen (Stand: 1999):

  • Kindergärten: 100 Kindergartenplätze mit 88 Kindern
  • Grundschule: eine mit acht Lehrern und 104 Schülern

KuriosesBearbeiten

In Dorfprozelten gab es viele Schiffleute (Binnenschiffer), es war das größte Schifferdorf am Untermain; gefragt wohin die Reise gehe, antwortete einer „ham (heim – nach Hause) nix wie ham“

Vor dem Ersten Weltkrieg lebte ein Schiffmann namens Karl, er hatte einen Sprachfehler und wurde von den Einheimischen nur „Karl-Karl“ genannt. Eines Tages stand er am Miltenberger Bahnhof und wartete auf seine Zugverbindung. Ein Bekannter kam vorbei und fragte ihn: „Na Karl, wo willst du denn hin?“ er antwortete stotternd: „Prozzele, Prozzele, ham-ham“.

Noch heute, wenn sich jemand als „Prozzeler“ vorstellt, wird er mit dem Ortsnecknamen „ham-ham“ gegrüßt.[8]

Gebräuchlich ist in der Gemeinde auch die humorvolle Redewendung „mir ham a Prozzela“ (Wir haben gerade Brotzeit).

LiteraturBearbeiten

  • Dorfprozelten am Main – Ein Dorf im Wandel seiner 1000jährigen Geschichte – Teil 1 (Georg Veh, Walter Arnold, Josef Weiß, Werner Zöller, Elsa Lang, 1995)
  • Dorfprozelten am Main – Ein Dorf im Wandel seiner 1000jährigen Geschichte – Teil 2 (Georg Veh, 2002)
  • Dorfprozelten – Schüler, Schulmeister, Schulhäuser 1600–1998 (Georg Veh, 1998)
  • Der „Kindsmord“ von Dorfprozelten (Georg Veh, 1994)

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Dorfprozelten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien