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Weilbach (Bayern)

Gemeinde im Landkreis Miltenberg in Deutschland

GeographieBearbeiten

Höchster und niedrigster PunktBearbeiten

Der topographisch höchste Punkt der Gemeinde befindet sich mit 478 m ü. NN (Lage) am Gipfel der Sansenhöhe am Sansenhof, der niedrigste liegt an der Mud auf 133 m ü. NN (Lage).

GemeindegliederungBearbeiten

Weilbach hat sieben Ortsteile[2] auf drei Gemarkungen:

NameBearbeiten

EtymologieBearbeiten

Seinen Namen hat Weilbach vom gleichnamigen Weilbach[3], welcher der Mud im Gemeindegebiet zufließt.

Frühere SchreibweisenBearbeiten

Frühere Schreibweisen des Ortes aus diversen historischen Karten und Urkunden:[3]

  • 1253 Wilinbach
  • 1272 Wilebach
  • 1336 Wilnbach
  • 1360 Welnbach
  • 1395 Wylnbach
  • 1498 Weylbach
  • 1570 Weilmbach
  • 1585 Weilbach

GeschichteBearbeiten

Bis zur GemeindegründungBearbeiten

Weilbach wurde im Jahre 1201 das erste Mal urkundlich erwähnt. Der Ritter Cunrat von Wilenbach war Zeuge bei einer Grundstückssache des Hauses Dürn, dem er dienstbar war. Die Herren von Dürn waren staufische Ministerialen und von 1171 bis 1272 Schutzvögte des Klosters Amorbach.

Die meiste Zeit seiner Geschichte stand Weilbach unter Kurmainzer Herrschaft. 1803 wurde Weilbach dem Fürstentum Leiningen zugeschlagen und kam mit diesem kurz darauf zum Großherzogtum Baden. Wenige Jahre später (1810) gelangte Weilbach zum Großherzogtum Hessen-Darmstadt, seit 1816 gehört es zu Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.

VerwaltungsgeschichteBearbeiten

Im Jahr 1862 wurde das Bezirksamt Miltenberg gebildet, auf dessen Verwaltungsgebiet Weilbach lag. Wie überall im Deutschen Reich wurde 1939 die Bezeichnung Landkreis eingeführt. Weilbach war nun eine der 31 Gemeinden im Altkreis Miltenberg. Dieser schloss sich am 1. Juli 1972 mit dem Landkreis Obernburg am Main zum neuen Landkreis Miltenberg zusammen.

 
Weilbacher Kirche und alte Schule

EingemeindungenBearbeiten

Am 1. Juli 1972 wurde der Ortsteil Reuenthal der Gemeinde Reichartshausen in die Gemeinde Weilbach umgegliedert. Bei der Gemeindereform, die am 1. Juli 1977 in Kraft trat, wurde Weckbach mit seinen Ortsteilen Gönz (im Jahr 1879 eingemeindet)[4], Ohrnbach (Name bis 1870 Ohrnbach-Wiesenthal, im Jahr 1892 eingemeindet)[5], Wiesenthal und Sansenhof mit Weilbach zusammengeschlossen.[6]

PolitikBearbeiten

Erster Bürgermeister ist seit 1996 Bernhard Kern (Unabhängige Liste) – wiedergewählt wurde er jeweils in den Jahren 2002, 2008 und 2014. Bei der letzten Wahl am 16. März 2014 erhielt Kern 79,05 % der Stimmen (bei einem Gegenkandidaten). Die Wahlbeteiligung lag bei 74,30 %.

Durch den Gemeinderat wurden im Jahr 2014 Michael Müller (FW) zum Zweiten sowie Christoph Heinbücher (CSU) zum Dritten Bürgermeister gewählt.

Der Gemeinderat des Marktes Weilbach besteht aus 14 stimmberechtigten Mitgliedern. „Geborenes Mitglied“ ist Bürgermeister Bernhard Kern. Weiter entsenden in den Gemeinderat die Freien Wähler 5 Gemeinderäte (Wahl 2014 – 34,00 % der Stimmen), die CSU 4 Gemeinderäte (Wahl 2014 – 33,96 % der Stimmen) und die SPD 4 Gemeinderäte (Wahl 2014 – 32,03 %).[7] Die Wahlbeteiligung der Gemeinderatswahl lag 2014 bei 67,07 %.

4
5
4

Insgesamt 13 Sitze


Es gibt sonst keine weiteren aktiven Ortsgruppen von Parteien in Weilbach. Die SPD betreibt eine Arbeitsgemeinschaft der Jungsozialisten. Bürgermeister Kern ist im Kreisvorstand der Freien Wähler.

Kultur und Sehenswürdigkeiten, BauwerkeBearbeiten

Die Kirche, das historische Ortszentrum mit dem Drei-Röhren-Brunnen. Von der Gotthardruine, welche zur Hälfte auf Amorbacher Gemarkung steht, hat man einen Rundblick über den Odenwald und bis in den Spessart.

GotthardruineBearbeiten

 
Gotthardruine
 
Innenansicht Richtung Westen
 
Innenansicht Richtung Osten mit Chor und Kreuzigungsgruppe
 
Kreuzigungsgruppe

Die innen knapp 30 Meter lange Kirchenruine ist eine dreischiffige Pfeilerbasilika ohne Querschiff. Der Chor ist rechteckig. Südlich an ihn angrenzend liegt die ehemalige Sakristei, nördlich ein etwa 17 Meter[8] hoher Treppenturm, der heute als Aussichtsturm zugänglich ist. Die Geschichte der denkmalgeschützten Gotthardruine (auch Gotthardsruine genannt) auf dem 304 m ü. NHN hohen Gotthardsberg[9] ist sehr bewegt und liegt anfänglich etwas im Dunkeln.

Die östlich der Mud zwischen Weilbach und Amorbach etwa 150 Meter frei emporsteigende Bergkuppe hieß früher Frankenberg. Der Überlieferung nach soll hier im 8. Jahrhundert der fränkische Gaugraf Ruthard eine Burg („Castrum Frankenberg“) erbaut und die Missionare St. Pirmin und St. Amor, die um 734 das Benediktinerkloster Amorbach gründeten, auf den Frankenberg gerufen haben (überliefert hierfür ist das Jahr 714). Der Burg wurde 1138 eine dem Hl. Godehard von Hildesheim geweihte Kapelle hinzugefügt. Seitdem wird der Berg „Gotthardsberg“ oder einfach „Gotthard“ genannt.
Auf dem Reichstag zu Würzburg im Jahr 1168 unter Stauferkaiser Friedrich I., genannt Barbarossa, wurde der Beschluss gefasst, die Burg zu zerstören, da Raubritter auf ihr lebten. Nach der Zerstörung errichtete man auf dem Gotthard ein Nonnenkloster der Zisterzienserinnen, von dem in der heutigen Ruine noch die beiden Arkadenreihen und die verzierten Kämpferfriese stammen. 1439 erfolgte die Auflösung des Klosters. Sein Besitz wurde der Abtei Amorbach als Propstei zugeschlagen. Das Kloster mit allen anderen Gebäuden wurde 1525 im Bauernkrieg niedergebrannt. Im Jahr 1628 begann der Amorbacher Benediktiner-Abt Erhard Landecker dessen Wiederaufbau als Kirche, die Erzbischof Jodocus 1631 weihte. In der Folgezeit wiederholt beschädigt, brannte sie am 8. Juni 1714 durch Blitzschlag aus und besteht seitdem als die heutige Ruine. Um sie vor dem Verfall zu schützen, erhielt sie 1956 ein Dach.

Nach der Teilung der Liegenschaften des Klosters Amorbach Ende des 18. Jahrhunderts verläuft die Gemarkungsgrenze der Nachbargemeinden Weilbach und Amorbach längs durch die Ruinenmitte.[10] Vor allem vom Turm aus hat man einen herrlichen Ausblick in sieben Täler und die umliegenden Berge.

WaldlehrpfadBearbeiten

Rund um die Gotthardruine erstreckt sich ein Waldlehrpfad, der zum spielerischen Erkunden des Waldes einlädt.

DreiröhrenbrunnenBearbeiten

Der Dreiröhrenbrunnen befindet sich in der Ortsmitte von Weilbach, direkt an einer Wegkreuzung. Er hat einen großen Sandsteintrog mit einem barocken Relief. Das Wasser sprudelt aus drei Röhren. Der Brunnen ist auch als eines der Wahrzeichen des Marktes im Gemeindewappen vertreten. Zur alljährlichen Faschingseröffnung der Carnevalsgesellschaft „Weilbacher Frösch“ am 11. November wird das Wasser grün eingefärbt.

MudmühleBearbeiten

Am nordwestlichen Ausgang von Weilbach steht die 1585 vom Mainzischen Hofbaumeister Ambrosius Brosamer umgebaute Mühle mit einem Renaissancegiebel.

HallsteineBearbeiten

Hierbei handelt es sich um eine Ansammlung von interessanten Ursteinen auf der Hallhöhe im Westen Weilbachs. Ein ausgeschilderter Wanderweg führt zu diesem Naturdenkmal.

Carillon / GlockenspielBearbeiten

Im Alten Schulhof Weilbach befindet sich ein Glockenturm mit Carillon. Der Vorläufer des jetzigen Carillons war ein computergesteuertes Glockenspiel, welches im Dezember 1991 mit 24 Glocken an der Rathauswand angebracht wurde. Finanziert wurde die Anlage durch eine Privatinitiative von Weilbacher Bürgern und Vereinen unter dem Dach des Heimatvereines Weilbach-Weckbach e.V.

Nach zweijähriger Bauzeit konnte am Sonntag, 25. Juni 2006 der jetzige, 13,5 m hohe, Glockenturm eingeweiht werden. Erweitert auf 37 Glocken war es nun auch möglich, das Carillon, mit einem eingebauten Stokkenklavier (2 Manuale, 1 Pedal) von Hand zu bedienen. Dadurch gehört nun das Weilbacher Carillon zu sieben Carillons in Bayern.

Im Jahr 2016 wurde das Carillon nochmals erweitert und beherbergt nun 39 Glocken im Tonumfang über 3 1/2 Oktaven von e5 bis c2. Die Glocken haben ein Gesamtgewicht von ca. 2.032 kg, wobei die kleinste Glocke 14 kg und die größte Glocke 250 kg wiegt. Alle Glocken wurden bei der Glockengießerei Bachert gegossen.

Das Glockenspiel erklingt computergesteuert täglich um 9:10 Uhr, um 12:10 Uhr und um 18:10 Uhr.

BaudenkmälerBearbeiten

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

IndustrieBearbeiten

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die historisch zur Linde AG gehörige Fabrik der Eisenhammer gegründet. Linde stellte bis 2006 im Unternehmensbereich „Linde Material Handling“ (LMH) auch Flurfördergeräte und Lagertechnikgeräte her; bekannt wurden unter anderem die Linde-Gabelstapler. Der Konzern war auch im Besitz der bekannten Marken Still und OM Pimespo. Zum 1. August 2006 wurde LMH zunächst aus der Linde AG in die neu gegründete Kion Group GmbH ausgegliedert. Anfang November 2006 wurde diese zur Gegenfinanzierung des Erwerbs von BOC für 4 Mrd. € an ein Konsortium der Finanzunternehmen Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR) und Goldman Sachs veräußert.

In der Folge des Betriebs des Eisenhammers siedelten sich mehrere Modellbauunternehmen an, die Gussmodelle herstellen. Eine Palettenfabrik verarbeitet das Holz des Odenwalds. Auf dem neuen Gewerbegebiet-Süd siedelt ein Logistikunternehmen sowie Unternehmen aus dem Handwerk.

Seit 1977 besteht dort die Odenwälder Marzipankonditorei GmbH, ein überregional bekanntes Unternehmen, welches Marzipanfiguren und -objekte jedweder Art herstellt und bundesweit vertreibt.

VerkehrBearbeiten

Durch die Bundesstraße 469 ist Weilbach an das Fernstraßennetz angeschlossen. Die Bundesstraße führt als Umgehung an der Gemeinde vorbei. Die nächsten Autobahnanschlüsse zur A3 sind Stockstadt (42 km) und Wertheim/Lengfurt (43 km). Die Kreisstraße MIL6 führt in den Odenwald nach Vielbrunn.

Weilbach ist ein Haltepunkt der Madonnenlandbahn Seckach–Miltenberg. In Seckach zweigt die Linie von der Bahnstrecke Neckarelz–Osterburken ab und in Miltenberg von der Maintalbahn. In Seckach besteht Anschluss an die S-Bahn Rhein-Neckar, die in den Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) integriert ist. Der Bahnhof gehört außerdem zum Übergangs-Tarifgebiet des Rhein-Main-Verkehrsverbundes.

Der ÖPNV wird durch Verkehrsgemeinschaft am Bayerischen Untermain betrieben.

RadfernwegeBearbeiten

Durch den Ort führen folgende Radwanderwege:

WanderwegeBearbeiten

Der Nibelungensteig, ein 124 Kilometer langer, mit dem Gütesiegel „Wanderbares Deutschland“ zertifizierter Fernwanderweg, verläuft auf Weilbacher Gemarkung von der Gotthardsruine durch den Ortsteil Reuenthal in Richtung Miltenberg.

PersönlichkeitenBearbeiten

EhrenbürgerBearbeiten

Paul Breunig (* 6. Januar 1926; † 24. August 2006) trat im Jahr 1946 im Markt Weilbach als Gemeindesekretär ein. Von 1956 bis 1985 war er Bürgermeister der Marktgemeinde Weilbach. Ab 1966 war er Mitglied des Kreistages für drei Perioden. Von 1967 bis 1984 trug er als Vorsitzender des Bayerischen Gemeindetags, Kreisverband Miltenberg, Verantwortung.

Aufgrund seiner überragenden Verdienste wurde ihm bereits 1981 das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Außerdem war er Träger der Bürgermedaille in Gold des Marktes Weilbach. 1985 erhielt er die Ehrenbürgerwürde und 1991 die kommunale Verdienstmedaille in Silber. Am 24. August 2006 verstarb Paul Breunig in seinem Heimatort Weilbach.

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

  • Lorenz Breunig (* 11. August 1882 in Weilbach; † 15. Februar 1945), Reichstagsabgeordneter
  • Elisabeth Schüssler-Fiorenza (* 17. April 1938), katholische feministische Theologin
  • Karl Straub (* 7. Dezember 1898 in Weilbach/Unterfranken; † 1966), Kommunist, Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime, ehemaliger politischer Häftling im KZ Buchenwald
  • Norbert Walter (* 23. September 1944 in Weckbach; † 31. August 2012), Chefvolkswirt a. D. der Deutsche Bank Gruppe

KuriosesBearbeiten

Weilbach

Bis vor einigen Jahren lief „die Bach“ noch offen durch die Gemeinde. Morgens und abends hörte man die Frösche im Ort quaken. So kamen die Weilbacher zu ihrem Spitznamen/Ortsnecknamen.[11]

Weckbach

Kienspäne, meist aus Kiefernholz, die man zum Beleuchten der Stuben verwendete, wurden von den Weckbachern „Steckerle“ genannt und selbst hergestellt. Die Nachbarn gaben ihnen dafür den Ortsnecknamen „Steckerlespitzer“.[11]

WeblinksBearbeiten

  Commons: Weilbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 10. Juli 2019 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. bayerische-landesbibliothek-online (abgerufen im Jan. 2013)
  3. a b Wolf-Armin von Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen. Herkunft und Bedeutung. Oberfranken, Mittelfranken, Unterfranken. C. H. Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-59131-0, S. 236 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  4. Information zur Geschichte des Dorfes Gönz (Memento des Originals vom 6. August 2016 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.goenz.de
  5. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 523.
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 751.
  7. https://www.weilbach.de/index.php?c=hcpg&p=42
  8. Höhenangabe laut privat durchgeführten Messungen
  9. BayernAtlas der Bayerischen Staatsregierung (Hinweise)
  10. Die Gotthardsruine auf der Webseite der Interessensgemeinschaft „Freunde der Gotthardsruine“
  11. a b Werner Trost Stampes, Worzelköpp und Staffelbrunzer Landkreis Miltenberg 2003