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Kleinwallstadt

Gemeinde im Landkreis Miltenberg in Deutschland

GeografieBearbeiten

Geografische LageBearbeiten

Kleinwallstadt liegt in der Region Bayerischer Untermain auf der rechten, hier östlichen Seite des Mains. Der topographisch höchste Punkt der Gemeinde befindet sich mit 359 m ü. NN (Lage) am Eichelsberg nordwestlich von Eichelsbach, der niedrigste liegt im Main auf 112,5 m ü. NN (Lage).

GemeindegliederungBearbeiten

Es gibt zwei Ortsteile[2]:

Die Gemarkungen sind Kleinwallstadt und Hofstetten.

NachbargemeindenBearbeiten

Markt
Sulzbach am Main
Gemeinde
Leidersbach
Gemeinde
Großwallstadt
  Gemeinde
Hausen
Markt
Elsenfeld

Von Großwallstadt ist der Markt durch den Main getrennt.

NameBearbeiten

EtymologieBearbeiten

Der Name Kleinwallstadt setzt sich aus den althochdeutschen Wörtern Walah für Romane und stat für Wohnstätte zusammen. Als Erklärung ergibt sich daraus Wohnstätte der Romanen. Die zeitweise verwendeten Namenszusätze Klein, Wenig und Bischofs sowie die latinisierten Differenzierungen minor (der kleinere) und Episcopi (des Bischofs) sollten es von Großwallstadt unterscheiden. Der Zusatz Bischofs bezieht sich auf die Grundherrschaft des Bischofs.[3]

Frühere SchreibweisenBearbeiten

Frühere Schreibweisen des Ortes aus diversen historischen Karten und Urkunden:[3]

  • 1000 Ualohostat
  • 1184 Walhestat
  • 1248 Walstat
  • 1282 Walgestat
  • 1291 Walhenstat
  • 1305 Walhestad Episcopi
  • 1306 Byschouis-Walstad
  • 1310 Walhestad minori
  • 1310 Kleinwalhestad
  • 1345 Cleinem Walstat
  • 1348 wenigin Walestad
  • 1352 kleynen Wallestadt
  • 1391 Minoriwalstat
  • 1401 Walstad Episcopi
  • 1458 Cleyn Walstat
  • 1504 Walstat Episcapi
  • 1561 Kleinwallstadt

GeschichteBearbeiten

Bis zur GemeindegründungBearbeiten

Kleinwallstadt war schon sehr früh besiedelt. Bodenfunde aus der Hallstattzeit weisen auf die vorgeschichtlichen Bewohner hin. Bei einem neuen Fund (1980) wurden weibliche Skelettreste mit schönen Grabbeigaben aus alemannischer Zeit (4.–5. Jahrhundert) zu Tage gefördert.

 
Wappen der Focke von Wallstadt aus dem Fenster im Rittersaal des Schlosses Mespelbrunn

Kleinwallstadt, auch Bischofswallstadt, wurde schon im frühen 8. Jahrhundert von den Klöstern Lorsch und Amorbach missioniert. Im Jahre 1023 setzte der Erzbischof von Mainz dort eine Vogtei und ein Zehntgericht über einen großen Teil des Spessarts ein. Im 12. und frühen 13. Jahrhundert waren die Herren von Waldenberg mit dem Ort belehnt. Sie errichteten um 1185 auf einem Bergvorsprung östlich des Ortes die Burg Wallberg (Waleberc), die aber schon Mitte des 13. Jahrhunderts zerstört wurde. Die Reste des Alten Schlosses wurden 2006 bis 2010 archäologisch erforscht. Teile der Burgmauer und Gebäudefundamente in den Fundamenten sind ansatzweise restauriert. Eine Anschauungstafel erläutert Aufbau und Geschichte der Burg. Seit dem 16. Jahrhundert waren die Focke von Wallstadt im Ort ansässig.[4] Ihren Wohnsitz, den Ingelheimer Hof neben dem Rathaus und die zugehörigen Güter verkaufte der letzte seiner Familie, Philipp Albrecht Focke von Wallstadt, Domherr in Mainz, 1587 an die Echter von Mespelbrunn, mit deren Aussterben ging der Besitz an die Reichsgrafen von Ingelheim.

Unter Erzbischof Johann Schweikhard von Kronberg wurden 1611 in Kleinwallstadt 84 Hexen hingerichtet. Da während der Schwedenkriege (Dreißigjähriger Krieg) Kleinwallstadt sehr mitgenommen wurde und sämtliche Aufzeichnungen und Urkunden vernichtet wurden, erließ der Erzbischof von Mainz im Jahre 1733 für Kleinwallstadt und seine umliegenden Dorfschaften eine neue Zunftordnung. Daraus geht hervor, dass vormals in Kleinwallstadt und Umgebung schon reges Gewerbetreiben herrschte, denn sie zählt 17 Berufe auf, wie Bender, Bierbrauer, Zimmermann, Maurer, Hafner, Färber, Glaser, Strümpfweber und Leineweber. Die sicher schon früher gewährten Marktrechte bestätigte und verbriefte der Kurfürst von Mainz 1737 neu.

Das Vogteiamt Kleinwallstadt des Erzstifts Mainz fiel mit diesem im Reichsdeputationshauptschluss 1803 an das neugebildete Fürstentum Aschaffenburg, mit dem es 1814 als Departement des Großherzogtums Frankfurt zu Bayern kam. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.

VerwaltungsgeschichteBearbeiten

Im Jahr 1862 wurde das Bezirksamt Obernburg gebildet, auf dessen Verwaltungsgebiet Kleinwallstadt lag. Wie überall im Deutschen Reich wurde 1939 die Bezeichnung Landkreis eingeführt. Kleinwallstadt war nun eine der 35 Gemeinden im Landkreis Obernburg am Main. Mit der Auflösung des Landkreises Obernburg kam Kleinwallstadt am 1. Juli 1972 in den neu gebildeten Landkreis Miltenberg.

EingemeindungenBearbeiten

Am 1. Juli 1971 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Hofstetten eingegliedert.[5]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Jahr 1840 1900 1939 1950 1961 1970 1987 1991 1995 2000 2005 2010 2015
Einwohner 1812 1881 2452 3569 4016 4778 4876 5211 5479 5650 5844 5757 5781

PolitikBearbeiten

MarktgemeinderatBearbeiten

Der Marktgemeinderat besteht aus 20 Mitgliedern. Nach der Wahl zum Marktgemeinderat am 16. März 2014 mit einer Wahlbeteiligung von 54,85 % ergab sich folgende Aufteilung der Sitze für die Wahlperiode 2014–2020:[6]

Partei / Liste Stimmenanteil Sitze
CSU 43,95 % 9
SPD 23,24 % 5
Grüne 10,69 % 2
Freie Wähler 22,13 % 4

BürgermeisterBearbeiten

Bürgermeister ist Thomas Köhler (CSU). Er wurde im Jahr 2002 Nachfolger von Karlheinz Bein (SPD). Thomas Köhler wurde 2008 sowie 2014 jeweils für weitere sechs Jahre im Amt bestätigt.

GemeindefinanzenBearbeiten

Im Jahr 2017 betrugen die Gemeindesteuereinnahmen 4.949.000 Euro, davon waren 960.000 Euro Gewerbesteuereinnahmen (netto).

WappenBearbeiten

Blasonierung: In Silber ein roter römischer Wachtturm mit Zeltdach, oben rechts ein gespaltenes und zweimal von Silber und Schwarz schräglinks geteiltes Schildchen, oben links ein rotes Schildchen, darin ein sechsspeichiges silbernes Rad.

Der Wachturm verweist auf den römischen Limes, der hier verlief. Das kleine Wappen in Schwarz-Weiß ist das Familienwappen der Vocken (oder Focke) von Wallstadt, die hier bis zu ihrem Aussterben 1624 Lehnsherren und Vögte waren. Das andere kleine Wappen in Rot-Silber zeigt das Mainzer Rad und verweist damit auf die lange Beziehung zum Kurfürstentum Mainz.

Das Wappen wird seit 1955 auf Beschluss des Gemeinderats und mit Zustimmung des bayerischen Innenministeriums geführt.[7]

StädtepartnerschaftenBearbeiten

Partnergemeinde von Kleinwallstadt ist die ehemalige französische Gemeinde Saint-Pierre-sur-Dives in der Normandie, die seit 2017 Teil der neuen Gemeinde Saint-Pierre-en-Auge ist.

BaudenkmälerBearbeiten

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

WirtschaftBearbeiten

Es gab 2017 nach der amtlichen Statistik im Bereich der Land- und Forstwirtschaft keine, im produzierenden Gewerbe 416 und im Bereich Handel, Verkehr und Gastgewerbe 185 Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 438 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 2345. Im verarbeitenden Gewerbe gab es vier, im Bauhauptgewerbe acht Betriebe. Zudem bestanden 2016 zehn landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von insgesamt 362 Hektar, davon waren 168 Hektar Ackerfläche und 193 Hektar Dauergrünfläche.

VerkehrBearbeiten

 
Bahnhof Kleinwallstadt

Der Bahnhof Kleinwallstadt liegt an der Maintalbahn (AschaffenburgWertheim). Durch den Ort führt die Staatsstraße 2309 und der Main-Radweg.

BildungBearbeiten

Es gab 2018 folgende Einrichtungen:

  • Vier Kindergärten mit insgesamt 304 Plätzen, in denen 301 Kinder betreut und gefördert wurden;
  • Zwei öffentliche Volksschulen, in denen insgesamt 439 Schülerinnen und Schüler von 31 Lehrern unterrichtet wurden (Schuljahr 2017/2018).

KuriosesBearbeiten

Kleinwallstadt

Alle Bürger der unmittelbar am Main gelegenen Orte hatten den Spitznamen „Mainbrunzer“, wobei nach Dialekt der Main (Maa, Mää, Mee, Moo, Moa) variierte. Alle ließen einmal ihren Strahl in der Nähe des Mains ab.

Die Kleinwallstädter und die Großwallstädter beschimpften sich an beiden Mainufern als „Pollacken“.[8] Das Wort hat eine positive wie negative Bedeutung; wurden doch die Studenten der königl. Forstlichen Hochschule Aschaffenburg nach ihrer Couleur „Forstpollacken“ genannt. In ihrem Wichs bereicherten sie das Stadtbild von Aschaffenburg und Umgebung.

Hofstetten

Die Hofstettener haben in ihrem Gemeindegebiet einige Lehmvorkommen, so fertigten sie die Steine für ihre Häuser selbst. Die im Handverfahren hergestellten Backsteine wurden als „Russen“ bezeichnet. So kamen die Bürger zu ihrem SpitznamenOrtsnecknamen.[9]

DialektBearbeiten

Die vielseidisch Grumbiern

Es Kind freescht: „Mudde wous koche mer haid?“

Mudde: „Grumbiern!

Woans sou bleibd wis is, gidds Grumbiern!

Woans zu dinn wärd, gidds oafach Grumbiernsubbe!

Woans oubrennt, gidds noch woas gans gurres,

Grumbiernpoannekuche!“[10]

Die vielseitige Kartoffel

Das Kind fragt: „Mutter was kochen wir heute?“

Mutter: „Kartoffeln!

Wenn sie so bleiben wie sie sind, gibt es Kartoffeln!

Wenn sie zu dünn werden, gibt es einfach Kartoffelsuppe!

Wenn sie anbrennen, gibt es noch etwas ganz Gutes,

Kartoffelpuffer!“

In Kleinwallstadt geborenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Felix Mader: Die Kunstdenkmäler von Bayern. Unterfranken XXIII. Bez.-Amt Obernburg. Verlag R. Oldenbourg, München 1925 (Unveränderter Nachdruck. ebenda 1981, ISBN 3-486-50477-0).

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 10. Juli 2019 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20111123/191126&attr=OBJ&val=1694
  3. a b Wolf-Armin von Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen. Herkunft und Bedeutung. Oberfranken, Mittelfranken, Unterfranken. C. H. Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-59131-0, S. 120–121 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  4. Dazu findet sich mehr bei Bernhard Peter: Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1728 Kleinwallstadt (Landkreis Miltenberg, Unterfranken)
  5. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 544.
  6. Ergebnis Gemeinderatswahl 2014 in Kleinwallstadt, abgerufen am 1. Juli 2019
  7. http://www.hdbg.eu/gemeinden/index.php/detail?rschl=9676133 Haus der Bayerischen Geschichte – Markt Kleinwallstadt: Wappen
  8. Werner Trost Stampes, Worzelköpp und Staffelbrunzer Lkr. Miltenberg 2003
  9. s. o.
  10. Rita Lebert: Im Kloawällschder Dialekt gebabbeld. 2. Auflage. Eigenverl., Kleinwallstadt 2002.