Turckheim

französische Gemeinde

Turckheim (deutsch Türkheim) ist eine französische Gemeinde mit 3820 Einwohnern (Stand 1. Januar 2020) im Département Haut-Rhin in der Europäischen Gebietskörperschaft Elsass und in der Region Grand Est. Die frühere Reichsstadt gehört zum Arrondissement Colmar-Ribeauvillé und zum Kanton Wintzenheim.

Turckheim
Turckheim (Frankreich)
Staat Frankreich
Region Grand Est
Département (Nr.) Haut-Rhin (68)
Arrondissement Colmar-Ribeauvillé
Kanton Wintzenheim
Gemeindeverband Colmar Agglomération
Koordinaten 48° 5′ N, 7° 17′ OKoordinaten: 48° 5′ N, 7° 17′ O
Höhe 219–840 m
Fläche 16,46 km²
Einwohner 3.820 (1. Januar 2020)
Bevölkerungsdichte 232 Einw./km²
Postleitzahl 68230
INSEE-Code
Website http://www.turckheim.fr/

Stadtzentrum

GeographieBearbeiten

 
Blick auf Turckheim

Das Stadtzentrum liegt sechs Kilometer westlich von Colmar im Oberelsass auf 232 m über dem Meer an der Fecht. Das Fechttal, das auch als Münstertal bezeichnet wird (nach der Stadt Munster) tritt hier aus den Vogesen in die Oberrheinebene ein. Das Gemeindegebiet ist Teil des Regionalen Naturparks Ballons des Vosges.

Die Westhälfte der Gemeinde wird von dicht bewaldeten Höhen der Vogesen bestimmt (deutsch Türkheimer Wald), die eine maximale Höhe von 840 m Meereshöhe erreichen. Zu Turckheim gehört auch ein Teil des hochgelegenen Weilers Trois-Épis im Nordwesten. Der einstige Wallfahrtsort ist heute ein Zentrum für medizinische Versorgung, Kur- und Nachsorgeeinrichtungen.

Nachbargemeinden von Turckheim sind Niedermorschwihr und Ammerschwihr im Norden, Ingersheim im Nordosten, Wintzenheim im Osten und Süden, Zimmerbach und Walbach im Südwesten sowie Labaroche im Nordwesten.

GeschichteBearbeiten

 
Das „Untertor“ von Turckheim

Aufgrund römischer Funde wird angenommen, dass die Gegend von Turckheim bereits in römischer Zeit besiedelt war. Als germanische Stämme über den Rhein ins Römische Reich einfielen, ließ sich der Stamm der Thüringer hier nieder, der dem Ort zu seinen Namen Thorencohaime bzw. Thuringheim verholfen haben dürfte. Im frühen Mittelalter gehörte Thuringheim zum Teil zur Abtei Münster, zum Teil zur Herrschaft Hohlandsberg. 1312 wurde Türkheim Freie Reichsstadt des Heiligen Römischen Reichs, erhielt 1354 bereits Markt- und Stadtrechte und schloss sich im gleichen Jahr dem Elsässischen Zehnstädtebund, der Dekapole, an. Die drei Tortürme und die Befestigung stammen aus dieser Zeit. Im Westfälischen Frieden erhielt die französische Krone die Habsburger Besitzungen im Elsass zugesprochen und bemühte sich in der Folge um die Herrschaft über die Städte der Dekapole. Am 5. Januar 1675 wurden das Heer des Kaisers und das des Großen Kurfürsten durch Turenne in der Schlacht bei Türkheim vor den Toren des Ortes geschlagen, so dass sie sich eiligst bei Straßburg über den Rhein zurückziehen mussten.[1] Die Stadt wurde geplündert. Diese Ereignisse richteten sich besonders auf das nahegelegene, bedeutendere Colmar. Die Ortschaft wurde 1680 zusammen mit Colmar Kaysersberg und Münster im Georgiental mit deren Besitz (24 Ortschaften) vom Königreich Frankreich annektiert.[2]

Von 1871 bis 1918 und von 1940 bis 1944 gehörte die Stadt – wie auch der Rest des Elsass – wieder zum Deutschen Reich (Reichsland Elsass-Lothringen bzw. Gau Baden-Elsass). Zwischen 1899 und 1937 verkehrte eine elektrische Kleinbahn zum Wallfahrtsort Trois Épis (Drei Ähren).

 
Rathaus (Hôtel de ville)
 
Turm der Kirche St. Anna

DemographieBearbeiten

Bevölkerungsentwicklung vom 18. Jahrhundert bis zum Ende des Ersten Weltkriegs
Jahr Einwohner Anmerkungen
1780 kleine ehemalige Reichsstadt mit 160 Feuerstellen (Haushaltungen)[3]
1824 1976 davon 1926 Katholiken und 50 Juden, die eine Synagoge haben[1]
1836 2747 [4]
1861 2946 [5]
1866 2929 [6]
1872 2674 am 1. Dezember, in 349 Häusern[7]
1880 2496 am 1. Dezember, einschließlich Militär, auf einer Fläche von 1647 ha, in 345 Häusern, davon 2370 Katholiken, 25 Protestanten und 80 Juden[8]
1885 2511 [9]
1890 2462 in 373 Häusern mit 597 Haushaltungen, davon 2374 Katholiken, 16 Protestanten, sieben sonstige Christen und 65 Juden;[9] nach anderen Angaben davon zwölf Evangelische[5]
1905 2594 [10][5]
1910 2522 am 1. Dezember[11][5][12]
Anzahl Einwohner seit Ende des Zweiten WeLtkriegs
Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2007 2019
Einwohner 3028 3028 3609 3510 3567 3594 3731 3831

Denkmäler und SehenswürdigkeitenBearbeiten

Drei viereckige Türme, die Porte du Brand, die Porte de Munster und die zur Rheinebene weisende Porte de France sind neben Resten der Stadtmauer Zeugnisse der Stadtbefestigung aus dem 14. Jahrhundert. Wie in Obernai wurde auch in Turckheim die Kirche aus dem 12. Jahrhundert abgebrochen. Nur der Turm der Kirche St. Anna blieb neben dem Rathaus (Hôtel de ville) bestehen. An Turckheims ehemaligem Marktplatz, dem Place Turenne, stehen alte Häuser, die Bürgerstube (Corps de Garde), vor der ein sehenswerter Brunnen mit Marienfigur steht. Eines der eindrucksvollsten Fachwerkhäuser Turckheims ist das „Gasthaus zu den zwei Schlüsseln“ (Hôtel des deux-clefs), das einen mit geschnitzten Figuren verzierten Erker mit schönen Butzenscheibenfenstern besitzt, der auf einer steinernen Säule ruht. Zwischen Mai und Oktober zieht ein Nachtwächter (le veilleur de nuit) mit Hellebarde, Laterne, Horn und Gesang um 22 Uhr durch die Gassen. Ein kleines Museum mit Uniformteilen, Handfeuerwaffen und anderen Exponaten informiert über die Kämpfe am Ende des Zweiten Weltkriegs um den „Poche de Colmar“.[13]

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

Turckheims wirtschaftliche Basis beruht auf einem der wenigen Elsässer Weine, die durch ihre Lage bekannt geworden sind: dem Türkheimer Brand. Nachdem früher die Textil- und Papierindustrie eine wichtige Rolle spielten, ist heute der Tourismus Haupterwerbszweig in Turckheim. Daneben pendeln viele Einwohner in die Gewerbegebiete des Verdichtungsraumes Colmar.

Die Gemeinde besitzt seit 1868 einen Bahnhof an der Bahnstrecke Colmar–Metzeral.

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Türkheim, Landkreis Colmar, Elsaß-Lothringen, in: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Türkheim (meyersgaz.org).
  • Sigmund Billings: Geschichte und Beschreibung des Elsasses und seiner Bewohner von den ältesten bis in die neuesten Zeiten, Basel 1782, S. 345–349 (Google Books).
  • Die alten Territorien des Elsaß nach dem Stand vom 1. Januar 1648. Mit Ortsverzeichnis und zwei Kartenbeilagen. Statistische Mittheilungen über Elsaß-Lothringen, Heft 27. Herausgegeben vom Statistischen Bureau für Elsaß-Lothringen. Verlag M. DuMont-Schauberg, Straßburg 1896, S. 78 (Google Books).
  • Theodor Franz Xaver Hunkler: Geschichte der Stadt Colmar und der umliegenden Gegend, Colmar 1838, S. 516–520 (Google Books).
  • Johann Friedrich Aufschlager: Das Elsass. Neue historisch-topographische Beschreibung der beiden Rhein-Departemente, Zweiter Theil, Johann Heinrich Heitz, Straßburg 1825, S. 109, Ziffer 6 (Google Books).
  • Franz Xaver Kraus: Kunst und Alterthum in Elsass-Lothringen. Beschreibende Statistik. Band II: Ober-Elsass, Friedrich Bull, Straßburg 1881, S. 673–678 (Google Books).
  • Julius Rathgeber: Münster im Gregorienthal. Ein Beitrag zur politischen, kirchlichen und kulturhistorischen Geschichte des elsässischen Münsterthales, Karl J. Trübner, Straßburg 1874 (Google Books).
  • F. Bresch: Stadt und Thal Münster im Elsass im dreissigjährigen Krieg, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, Neue Folge, Band X, Karlsruhe 1895, S. 383–423 (Google Books).
  • Le Patrimoine des Communes du Haut-Rhin. Flohic Editions, Band 2, Paris 1998, ISBN 2-84234-036-1, S. 1328–1337.

WeblinksBearbeiten

Commons: Turckheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Johann Friedrich Aufschlager: Das Elsass. Neue historisch-topographische Beschreibung der beiden Rhein-Departemente, Zweiter Theil, Johann Heinrich Heitz, Straßburg 1825, S. 109, Ziffer 6 (Google Books).
  2. Maximilian du Prel: Die Deutsche Verwaltung in Elsass-Lothringen 1870-1879. Denkschrift mit Benutzung amtlicher Quellen. Karl J. Trübner, Straßburg 1879, S. 7 (Google Books).
  3. Sigmund Billings: Geschichte und Beschreibung des Elsasses und seiner Bewohner von den ältesten bis in die neuesten Zeiten, Basel 1782, S. 345 (Google Books).
  4. Theodor Franz Xaver Hunkler: Geschichte der Stadt Colmar und der umliegenden Gegend, Colmar 1838, S. 516–520 (Google Books).
  5. a b c d Michael Rademacher: Landkreis Colmar, Elsaß-Lothringen. Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: treemagic.org.
  6. Vollständiges geographisch-topographisch-statistisches Orts-Lexikon von Elsass-Lothringen. Enthaltend: die Städte, Flecken, Dörfer, Schlösser, Gemeinden, Weiler, Berg- und Hüttenwerke, Höfe, Mühlen, Ruinen, Mineralquellen u. s. w. mit Angabe der geographischen Lage, Fabrik-, Industrie- u. sonstigen Gewerbethätigkeit, der Post-, Eisenbahn- u. Telegraphen-Stationen u. geschichtlichen Notizen etc. Nach amtlichen Quellen bearbeitet von H. Rudolph. Louis Zander, Leipzig 1872, Sp. 62 (Google Books).
  7. C. Stockert, Das Reichsland Elsaß-Lothringen. Geographischer Leitfaden für die Höheren Lehranstalten, Friedrich Bull, Straßburg 1873, S. 79 (S. 49 und Google Books).
  8. Statistisches Büreau des Kaiserlichen Ministeriums für Elsaß-Lothringen: Ortschafts-Verzeichniß von Elsaß-Lothringen. Aufgestellt auf Grund der Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1880. C. F. Schmidts Universitäts-Buchhandlung Friedrich Bull, Straßburg 1884, S. 58, Ziffer 733 (Google Books).
  9. a b Statistisches Büreau des Kaiserlichen Ministeriums für Elsaß-Lothringen: Die Bewegung der Bevölkerung in Elsaß-Lothringen, Druck von M. DuMont-Schauberg, Straßburg 1893, S. 58–59, Ziffer 5 (S.Google Books).
  10. Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 19, Leipzig/Wien 1909, S. 812 (Zeno.org).
  11. Türkheim, Landkreis Colmar, Elsaß-Lothringen, in: Meyers Gazetteer (mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Türkheim).
  12. Kreis Colmar, Elsaß-Lothringen - gemeindeverzeichnis.de (U. Schubert, 2021)
  13. Museum von Turckheim