Drei-Ähren-Bahn

Elektrische Bahn Türkheim – Drei Ähren
Elektrische Bahn Türkheim – Drei Ähren
Elektrische Bahn Türkheim – Drei Ähren
Strecke der Drei-Ähren-Bahn
Historische Streckenverlaufskarte um 1900
Streckenlänge:8,7 km
Spurweite:1000 mm (Meterspur)
Maximale Neigung: 98 
Minimaler Radius:30 m
Höchstgeschwindigkeit:18 km/h
   
0,0 Türkheim
   
1,2 Elektrische Zentrale
   
8,7 Drei Ähren

Die Drei-Ähren-Bahn bestand aus der Elektrischen Bahn Türkheim – Drei Ähren mit einer Spurweite von 1000 mm und der Förderbahn Drei Ähren – Uhlhorst mit einer Spurweite von 600 mm. Sie wurde während des Ersten Weltkriegs vom Deutschen Heer betrieben.

Elektrische Bahn Türkheim – Drei ÄhrenBearbeiten

GeschichteBearbeiten

Am 23. April 1896 beschloss der Landesausschuss des Reichslandes Elsaß-Lothringen, bei der deutschen Regierung den Antrag für den Bau einer Bergbahn von der sechs Kilometer westlich von Colmar gelegenen Kleinstadt Türkheim zum Wallfahrtsort Drei Ähren (französisch Trois Épis) zu stellen, dessen Kapelle Unsere Liebe Frau von den drei Ähren ein beliebtes Ausflugsziel war. Die dafür veranschlagten Kosten lagen laut einer Mitteilung an den Bürgermeister vom 19. Mai 1896 bei 400.000 Mark.[1] Dabei dürften wie bei anderen Waldbahnen im Reichsland Elsaß-Lothringen auch militär-strategische Überlegungen eine Rolle gespielt haben, da sie als Heeresfeldbahn genutzt werden konnte, falls Frankreich das Gebiet zurückerobern wollte.[2] Der Bezirkspräsident übergab dem Bürgermeister am 2. Dezember 1897 das Wegerecht für die Trassenführung der Hauptstrecke und beauftragte ihn die genaue Route zu vermessen und festzulegen. Der Streckenbau wurde durch den Verkauf des Holzes der entlang der Trasse gefällten Bäume teilfinanziert, obwohl der Gemeinderat am 10. Dezember 1897 mit 10 zu 4 Stimmen gegen die Rodung gestimmt hatte.

Nachdem die „Elektrizitäts-Aktiengesellschaft vormals Schuckert & Co. Nürnberg“ den Bürgermeister am 3. Januar 1898 informierte, dass der Landrat des Kreises Colmar ihr die Betriebskonzession für die Straßenbahn Türkheim – Drei Ähren und das dafür und für die in der Nähe gelegenen Fabriken und die Straßenbeleuchtung erforderliche Elektrizitätswerk unter Auflagen vergeben werde, beschloss der Gemeinderat am 15. Januar 1898 , dass „falls die Bahn gebaut werden wird“, die Firma Schuckert oberhalb und entlang der gesamten Länge der Strecke im Wald einen Weg für den Transport von Holz einzurichten habe, während der Arbeiten an Straßen, Wegen und Schienen einen Förster für 80 Mark pro Monat einstellen müsse sowie und alle Schäden an Straßen und Wegen reparieren müsse.[1]

 
Militärischer Betrieb an der Haltestelle Drei Ähren während des Ersten Weltkriegs

Nach einem erfolgreichen Probelauf vom 19. Mai 1899 wurde die Elektrische Bahn Türkheim − Drei Ähren am 5. Juni 1899 offiziell in Betrieb genommen.[1] Zeitweise bestanden Pläne, die Strecke von Türkheim nach Winzenheim zu verlängern und so mit dem Colmarer Klein- und Straßenbahnnetz zu verbinden.[3] Eine Verwirklichung der Pläne unterblieb. Nach der militärischen Nutzung der Bahn im Ersten Weltkrieg wurde sie ab 1919 unter dem Namen Société d’Electricité de Turckheim et Tramways de Turckheim aux Trois Epis (TTE) betrieben, bis sie am 1. April 1937 stillgelegt und schließlich abgebaut wurde.

StreckenverlaufBearbeiten

Drei Ähren liegt gut 400 Meter höher als Türkheim, was der Bahn den Charakter einer Bergbahn – allerdings ohne Zahnradbetrieb – gab: Bei einer Gesamtlänge von 8,7 Kilometern betrug die Maximalsteigung 9,8 %.

Die elektrische Zentrale für die Stromversorgung lag bei Kilometer 1,2 der Bahn und war mit ihr durch einen Gleisanschluss verbunden, der sich in vier Gleise zum Kohlenraum, dem Wagenschuppen mit 2 Ständen à 3 Wagen und zur Reparaturwerkstätte verzweigte.[4]

BetriebBearbeiten

Für den Betrieb standen neben einem Güterwagen und einem Packwagen sieben Straßenbahnwagen zur Verfügung. Die mittlere Geschwindigkeit betrug bei der Bergfahrt 12,5 km/h, bei der Talfahrt 11 km/h. Das untere Sechstel der Bahnstrecke konnte bergauf mit 18 km/h befahren werden.[4]

Förderbahn Drei Ähren – UhlhorstBearbeiten

Förderbahn Drei Ähren – Uhlhorst
Umladestelle von der 1000-mm-Trambahn auf die 600-mm-Feldbahn[5]
Rekonstruktion des Streckenverlaufs auf einer alten Wanderkarte[6][7][8]
Streckenlänge:11,3 km
Spurweite:600 mm (Schmalspur)
0 Drei Ähren
Schienenseilbahn
Wallfahrtskirche
9,4 Bärenstall
11,3 Lingekopf–Barrenkopf–Uhlhorst

GeschichteBearbeiten

 
Schienenseilbahn am Barrenkopf

Während des Ersten Weltkrieges wurde von der Baukompanie R 22 eine 11,3 km lange Feldbahn mit einer Spurweite von 600 mm von Drei Ähren bis zum Feldbahnhof Uhlhorst verlegt, um die Frontlinie beim Lingekopf, Kleinkopf, Barrenkopf und Hartmannsweilerkopf westlich von Drei Ähren mit Baumaterial für die Bunker, Stacheldraht, Waffen, Munition und Nachschub zu versorgen und in der Gegenrichtung verwundete Soldaten in die Lazarette zu bringen.[9] Bei den Gefechten entlang der Bahnstrecke kamen tausende französische und deutsche Soldaten ums Leben.[10][11]

Am 31. Dezember 1917 übernahm das bayrische FeBA 24 (Feldbahnamt) die Strecke und betrieb sie bis zum Mai 1918. Danach übernahm das FeBA 50 die Strecke bis zum Kriegsende.[12][13]

StreckenverlaufBearbeiten

An der Bergstation der elektrischen Bahn wurden die Güter auf die Feldbahnwagen der Förderbahn umgeladen. Diese konnten über eine Schienenseilbahn bis zum Bahnhof der Förderbahn auf dem Platz vor der alten Wallfahrtskirche Notre-Dame-des-Trois-Épis hochgezogen werden.

An der Haltestelle Bärenstall bog eine Zweigstrecke nach Norden zum Lingekopf ab. Die Stammstrecke führte über Schratzmännle, Barrenkopf und Kleinkopf zum Endbahnhof Uhlhorst nördlich von Hohrodberg.[12][13]

Zwischen Barren- und Kleinkopf befand sich eine weitere Schienenseilbahn, die einen Unterschied von 50 Höhenmetern auf einer 100 m langen Strecke überwand.[14] Die Förderbahn wurde in der Nachkriegszeit stillgelegt und von französischen Truppen abgebaut.[12]

BetriebBearbeiten

Die sogenannte Förderbahn wurde als Pferdebahn oder mit einer Benzollok betrieben. Die Fahrzeit für die 11,3 km lange Strecke betrug etwa 1½ Stunden.[12]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Société d'histoire et d'archéologie Wickram: Tramway Turckheim-Trois Épis : anecdotes, histoires et images. S. 9–22.
  2. Infrastructure ferroviaire de France – reseaux speciaux.
  3. Erhard Born: Das elsässisch-mittelbadische Schmalspurnetz. In: Erhard Born (Bearb.): Schmalspur zwischen Vogesen und Schwarzwald. Selbstverlag, Schwäbisch Gemünd 1972, ISBN 3-9800014-0-7, S. 19.
  4. a b Geh.-Baurath Walloth aus Colmar: Zum Bau der Drei-Aehrenbahn, einer neuen Bergbahn in den Vogesen. In: Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — XVIII. Jahrgang.1899.
  5. a b c Zur Erinnerung an die Bereisung von Bahnen, die vom Kodeis B (Kommandeur der Eisenbahntruppen) gebaut bzw. betrieben wurden, in der Zeit vom 28.5. - 3.6.1918, Goswin von Haag, Hauptmann & Kommandeur der Eisenbahntruppen i.B. der Armee-Abt B.
  6. Historische Wanderkarte. 1910.
  7. Georges Brun: Le champ de bataille du Linge et le réseau des tranchées principales.
  8. Höhenprofil und Länge des Streckenverlaufs auf Google Maps.
  9. Verwundetentransport mit der elektrischen Bahn.
  10. M. Norbert Schickel et al: Historischer Rundweg 1914-18: Hohrodberg-Linge.
  11. Cora Stephan: Schrecken und Poesie einer vergessenen Front. Welt, 24. Mai 2013.
  12. a b c d Andreas Bärwald (Der Mansfelder): Die elektrische Bergbahn von Türckheim nach Drei Ähren und die 600mm Drei Ährenbahn. 11. Dezember 2015.
  13. a b Jürgen Ehret: Kriegsbahnen im Oberelsass : 1914 - 1918 Ed. Winterwork, 2014. S. 274-279.
  14. Rüdiger Fach und Günter Krall: Heeresfeldbahnen der Kaiserzeit. Kenning, Nordhorn, 2002. S. 110

Koordinaten: 48° 5′ 57,7″ N, 7° 13′ 58,4″ O