Papierindustrie

ein Wirtschaftszweig, der zur Grundstoffindustrie gehört und sich mit der Herstellung von Papier, Karton und Pappe befasst
Papierfabrik in Villa Lagarina, Italien (Fotografie von Paolo Monti, 1980)

Die Papierindustrie ist ein Wirtschaftszweig, der zur Grundstoffindustrie gehört und sich mit der Herstellung von Papier, Karton und Pappe befasst. Viele Papier erzeugende Unternehmen sind heute international verflochten.

ProduktspektrumBearbeiten

Der Verband Deutscher Papierfabriken unterscheidet nach den Verwendungszwecken folgende vier Produktbereiche:[1]

Außerdem handelt die Papierindustrie mit Papierzellstoff und lufttrockenem Holzstoff. Diese Faserstoffe sind Zwischenprodukte (sogenannte Halbstoffe) bei der Produktion von Papier, Karton und Pappe.[2]

Papierindustrie weltweitBearbeiten

Weltweit wurden im Jahr 2017 knapp 413 Millionen Tonnen Papier, Karton und Pappe produziert. Die größten Produzenten sind (2017):[3]

Viele Unternehmen sind international verflochten. Es wird geschätzt, dass die 20 größten Papierhersteller derzeit einen Anteil von fast 40 % an der weltweiten Papier-, Karton und Pappeproduktion haben. Die zehn größten Papierhersteller (nach Produktion 2016) weltweit sind:

  1. en:Nine Dragons Paper Holdings Limited
  2. International Paper
  3. Oji Paper
  4. UPM
  5. Nippon Paper
  6. Smurfit Kappa Group
  7. Sappi
  8. Stora Enso
  9. Resolute Forest Products
  10. SCA

Papierindustrie in EuropaBearbeiten

Knapp 24,3 % der Papierproduktion weltweit entfällt mit rund 90,9 Mio. t auf die europäische Papierindustrie. Durch die Konsolidierung der europäischen Papierindustrie im letzten Jahrzehnt ist die Zahl der Unternehmen, Papierfabriken und Papiermaschinen in Europa gesunken, die Produktionskapazität jedoch gleichzeitig gestiegen. Der Umsatz der europäischen Papierindustrie betrug 2016 rund 81 Mrd. EUR. 177.000 Menschen arbeiten in der europäischen Zellstoff- und Papierindustrie.

Papierindustrie in DeutschlandBearbeiten

Die deutsche Papierindustrie, deren wirtschaftspolitische Interessen durch den Verband Deutscher Papierfabriken (VDP) vertreten werden, war 2018 mit einem Produktionsvolumen von rund 22 Mio. t Papier, Karton und Pappe die Nummer eins in Europa und steht weltweit hinter China, den USA und Japan an vierter Stelle.

Die Produktion gliedert sich in vier Hauptsortengruppen:

  • 55 % Verpackungspapiere und -karton
  • 32 % grafische Papiere
  • 7 % Hygienepapiere
  • 6 % technische Papiere und Spezialpapiere

Die knapp 40.000 Mitarbeiter der deutschen Zellstoff- und Papierindustrie erwirtschafteten 2019 in 165 Werken einen Umsatz von 14,4 Mrd. Euro. Deutschland ist auch einer der größten Absatzmärkte weltweit. Unter anderem benötigt die exportorientierte deutsche Industrie Packstoffe aus Papier, Karton und Pappe. Die strategische Bedeutung des deutschen Marktes hat dazu geführt, dass – gemessen an der Produktion – rund 50 % der deutschen Papierindustrie in ausländischer Hand sind. Dieser Wert ist jedoch auf Grund neuer Kapazitäten inländischer Unternehmen rückläufig. Neben großen internationalen Konzernen gibt es viele mittelständische Unternehmen, die in ihren Produktsegmenten nicht selten Weltmarktführer sind. Deutschland exportiert 45 % seiner Produktion. Wichtigster Exportmarkt mit 59 % ist Westeuropa.

Die zehn größten Papierhersteller in Deutschland (2018) sind:

  1. Essity
  2. Smurfit Kappa
  3. UPM
  4. Papierfabrik Palm
  5. Mondi
  6. Wepa
  7. Progroup
  8. Sappi
  9. Papierfabrik August Koehler
  10. Felix Schoeller Gruppe

Aktuelle Lage der deutschen PapierindustrieBearbeiten

Die Produktion der deutschen Papierindustrie ist 2019 leicht zurückgegangen. Die Branche hat 2019 rund 22 Mio. Tonnen Papier, Karton und Pappe hergestellt, 2,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Entwicklung der einzelnen Sortengruppen verlief jedoch weiter sehr unterschiedlich. Mit einem leichten Plus von 0,7 Prozent setzten Verpackungspapiere und -karton ihren Wachstumskurs fort. Sie machen mittlerweile 55 Prozent des Produktionsvolumens aus. Die grafischen Papiere verzeichneten mit einem Minus von 8,3 Prozent einen weiteren Rückgang. Der Anteil von Druck- und Schreibpapieren liegt jetzt bei 32 Prozent.

Hygienepapiere (−0,6 Prozent) blieben in der Produktion weitgehend stabil. Technische und Spezialpapiere, die eine Vielzahl von Produkten umfassen, wiesen ein Minus von 2,8 Prozent auf. Ihr Anteil an der Produktion liegt bei 7 bzw. 6 Prozent.

Der Umsatz der Branche fiel um 6,6 Prozent auf 14,3 Mrd. Euro. Dies ist sowohl auf die anhaltend gute Konjunktur im Verpackungsmarkt als auch auf die – insbesondere wegen dramatisch gestiegener Zellstoffpreise erforderlichen – Preisanpassungen bei den grafischen Papieren zurückzuführen. Die Zahl der Beschäftigten in der deutschen Zellstoff- und Papierindustrie war mit −1,7 Prozent auf Grund einzelner Schließungen nur leicht rückläufig. Sie liegt jetzt bei 39.850.

Mit Sorge beobachtet die Branche die Entwicklung der Energie- und Klimapolitik auf nationaler und europäischer Ebene. Durch die zeitnah umgesetzten Ausstiegszenarien aus Kernkraft und Kohle sieht sie die Versorgungssicherheit der Industrie gefährdet. Auch die internationale Wettbewerbsfähigkeit drohe unter einseitigen Belastungen zu leiden. Ob die in der EU angedachte CO2-Grenzsteuer und der damit verbundene Wegfall aller bisherigen Ausgleichsmaßnahmen für die energieintensiven Industrien dieses Problem löse, müsse vor dem Hintergrund der internationalen Handelskrisen äußerst kritisch hinterfragt werden.[4]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Jürgen Dispan (2013): Papierindustrie in Deutschland. Branchenreport 2013. Stuttgart (= IMU-Informationsdienst Nr. 2/2013), online

WeblinksBearbeiten

Wiktionary: Papierindustrie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Deutschland, Österreich, Schweiz

International

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Verband Deutscher Papierfabriken: Papierkompass 2019 [1], siehe Tabellen zu Deutschland.
  2. Verband Deutscher Papierfabriken: Papierkompass 2019 [2], siehe Tabellen zu Export und Import in Deutschland.
  3. Verband Deutscher Papierfabriken: Papierkompass 2019 [3], siehe Tabelle zur internationalen Produktion.
  4. Pressemitteilung des Verbandes Deutscher Papierfabriken vom 4. März 2020.[4]