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Goldene Kamera

deutscher Film- und Fernsehpreis
Dieser Artikel behandelt den deutschen Film- und Fernsehpreis. Für den Filmpreis in Cannes siehe Caméra d’Or.
Die Goldene Kamera

Die Goldene Kamera ist ein deutscher Film- und Fernsehpreis, der seit der 51. Verleihung von der Funke Mediengruppe ausgerichtet wird. Deutsche Schauspieler und internationale Hollywood-Stars werden einmal im Jahr mit der goldenen Trophäe für herausragende Leistungen ausgezeichnet. Die Preisvergabe ist nicht nur auf Fernseh- und Filmschaffende begrenzt, auch wenn diese den Schwerpunkt der Ausgezeichneten bilden. Auch Musik-Acts zählen regelmäßig zu den Preisträgern.

Die Verleihung der Goldenen Kamera 2017, also die 52. Verleihung dieser Auszeichnung, fand am 4. März 2017 statt.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Während die Verleihung anfänglich nur im kleinen Rahmen mit einigen hundert Gästen stattfand, wird die Goldene Kamera mittlerweile in einer großen Fernseh-Gala mit bis zu 1200 Gästen vergeben.

Die Verleihung der Goldenen Kamera war früher stark an die Fernsehzeitschrift Hörzu gebunden. Als die Zeitschrift noch zu der Axel Springer SE gehörte, war die TV-Zeitschrift es auch, die als Ausrichter fungierte. 2014 übernahm die Funke Mediengruppe die Tageszeitungen Berliner Morgenpost, Hamburger Abendblatt und Bergedorfer Zeitung und einige Zeitschriften von der Axel Springer SE, darunter auch die Hörzu.[1] Damit wurde die Verleihung nicht mehr unter dem Dach der Axel Springer SE veranstaltet. Mit der 51. Verleihung ist die Funke Mediengruppe Ausrichter der Gala.

Finanzielle Unterstützung durch die Stadt HamburgBearbeiten

Seit 2015 zahlt die Stadt Hamburg der Funke-Mediengruppe jährlich 150.000 € für die Verleihung der Goldenen Kamera in Hamburg.[2] Das Geld stammt aus den Einnahmen der Kultur- und Tourismustaxe.[2]

TrophäeBearbeiten

Die Goldene Kamera wurde von dem Berliner Künstler Wolfram Beck geschaffen. Beck orientierte sich bei der Erschaffung an einer Farnsworth-Kamera – der ersten elektronischen Kamera der Welt. Hergestellt wurde die Goldene Kamera – die es zeitweise auch als Silberne und Bronze-Kamera gab – in den meisten Jahren in der Silberwarenmanufaktur Koch & Bergfeld in Bremen. Das Kameramodell besteht aus 18 Karat vergoldetem Sterlingsilber, ist 25 cm hoch und wiegt etwa 900 g. Abhängig vom aktuellen Silberpreis hat die Trophäe somit Stand Februar 2013 einen Materialwert von rund 625 Euro. Mit Ausnahme der Schauspieler-Nachwuchspreise ist die Auszeichnung ansonsten undotiert.

Auswahl der PreisträgerBearbeiten

Ein fester Bestandteil seit der ersten Verleihung im Jahr 1966 ist die Hörzu-Leserwahl, die im Jahr 2016 ausgeweitet wurde. Seit der 51. Verleihung können die Leser aller Programmzeitschriften und die der Tageszeitungen der Funke Mediengruppe ihre Favoriten in vorgegebenen Kategorien wählen.

Im Jahr 2003 erfolgte die Wahl der nationalen Preisträger durch die Goldene-Kamera-Academy. Hierbei handelt es sich um ein Experten-Gremium von Preisträgern der vergangenen Jahre. Die Runde wurde von Hörzu-Chefredakteur Jörg Walberer ins Leben gerufen.[3] Seit der Goldenen Kamera 2008 wird der Preis in festgelegten Kategorien verliehen. Die Jury wird dabei im jährlichen Wechsel von namhaften Vertretern aus Film und Fernsehen unterstützt.

JuryBearbeiten

Viele der Preisträger werden von einer Jury gewählt, der der Chefredakteur von Hörzu, TV Digital, Gong sowie Bild+Funk vorsitzt. Zudem zählen zu der Jury Mitglieder der Hörzu-Redaktion (die Zeitschrift richtete den Preis bis zur 50. Preisverleihung aus) und Vertreter aus Film und Fernsehen.

Über das Verfahren schreibt die Goldene Kamera: „Wer sich am Ende in geheimer Wahl durchsetzen konnte, erfahren auch die Jurymitglieder erst […] im Rahmen der ZDF Live-Übertragung der Gala.“[4]

Nach eigener Darstellung sind „[d]ie entscheidenden Punkte: Hat mich der Film berührt? Ragt die Qualität der Macher und Hauptdarsteller aus der Vielzahl heraus?“[4]

Bezogen auf die Vergabe der Goldenen Kamera an La La Land als Bester Film international und die Überreichung der Trophäe an dessen Hauptdarsteller Ryan Gosling äußerten sich die Verantwortlichen der Goldenen Kamera gegenüber der Welt.

„In einer Stellungnahme erklärt der Verlag auf Nachfrage der „Welt“ nun seine Sichtweise des Geschehens. Ryan Gosling, einer der Hauptdarsteller von „La La Land“, habe seit Ende vergangenen Jahres „ganz oben auf der Liste der Redaktion für eine Goldene Kamera“ gestanden. Es sei aber nicht möglich gewesen, ihn für die Veranstaltung in Hamburg zu gewinnen. „Umso erfreulicher schien es“, so die Stellungnahme, „dass sich Anfang Februar eine Agentur meldete und anbot, den ,La La Land’-Hauptdarsteller Ryan Gosling zu vermitteln.“ Nun war die Kategorie für den besten Schauspieler bereits an Colin Farrell vergeben, der offenbar leichter zu haben war als der Mann der Stunde, Ryan Gosling. Der selbst zu keinem Zeitpunkt ahnte, dass ihm ein deutscher Medienpreis in Hamburg verliehen werden sollte. „Deshalb entschied sich die Redaktion der Goldenen Kamera den Film ,La La Land’ auszuzeichnen und den Preis stellvertretend für das gesamte Film-Team Ryan Gosling zu übergeben.“ Der Verlag: „Das ist kein ungewöhnliches Verfahren.““

[5]

PreisträgerBearbeiten

Die meisten Goldenen Kameras wurden bisher an Rudi Carrell, Thomas Gottschalk, Günther Jauch und Loriot verliehen. Sie erhielten die Auszeichnung je vier Mal – Carell in den Jahren 1974, 1982, 1991 und 2006, Gottschalk in den Jahren 1983, 1985, 1994 und 2002, Jauch in den Jahren 1988, 2001, 2011 und 2016 sowie Loriot in den Jahren 1969, 1977, 2003 und 2015 (posthum). Immerhin drei Mal ging der Preis an Peter Alexander (1969, 1979, 1983), Frank Elstner (1976, 1983, 1999), Uschi Glas (1983, 1989, 1994), Harald Juhnke (1980, 1995, 2000), Hape Kerkeling (1990, 2005, 2015), Witta Pohl (1985, 1987, 1993), Hans Rosenthal (1974, 1979, 1984) und Harry Valérien (1965, 1976, 1988).

Schauspieler-PreiseBearbeiten

Eine Auswahl der mit der Goldenen Kamera ausgezeichneten Schauspieler seit Einführung der regulären Kategorien „Schauspieler/-in – National“ und „Schauspieler/-in – International“ im Jahr 2002 sowie eine Auswahl der mit dem Lebenswerk ausgezeichneten Darsteller (National/International).

Jahr Schauspieler/-in – National Lebenswerk – National Schauspieler/-in – International Lebenswerk – International
2017 Wotan Wilke Möhring und Lisa Wagner Dieter Thomas Heck Colin Farrell und Nicole Kidman Jane Fonda
2016 Jörg Hartmann und Maria Simon Gerard Butler und Julianne Moore Helen Mirren
2015 Ulrich Matthes und Martina Gedeck Kevin Spacey Arnold Schwarzenegger und Susan Sarandon
2014 Nadja Uhl und Thomas Thieme Bruno Ganz Gwyneth Paltrow und Matthew McConaughey Diane Keaton
2013 Claudia Michelsen und Charly Hübner Dieter Hallervorden Sigourney Weaver und Clive Owen Al Pacino
2012 Nina Kunzendorf und Dietmar Bär Mario Adorf Scarlett Johansson und Denzel Washington Morgan Freeman
2011 Anna Loos und Ulrich Tukur Armin Mueller-Stahl Renée Zellweger und John Travolta Michael J. Fox
2010 Senta Berger und Matthias Schweighöfer Joachim Fuchsberger Diane Kruger und Richard Gere Danny DeVito
2009 Anja Kling und Christian Berkel Meryl Streep und Daniel Craig Clint Eastwood
2008 Ulrike Krumbiegel und Matthias Brandt Alfred Biolek Hilary Swank Robert De Niro
2007 Corinna Harfouch und Edgar Selge Liselotte Pulver Nicolas Cage
2006 Barbara Rudnik und Ulrich Noethen Rudi Carrell Charlize Theron
2005 Alexandra Maria Lara und Herbert Knaup Bruce Willis Jerry Lewis und Goldie Hawn
2004 Nicolette Krebitz und Michael Mendl Jack Nicholson und Sylvester Stallone Tony Curtis
2003 Martina Gedeck und Jürgen Vogel Vicco von Bülow („Loriot“) Salma Hayek und Hugh Grant Dustin Hoffman
2002 Heike Makatsch und Heino Ferch Johannes Heesters Cate Blanchett

Für Nachwuchsdarsteller wird separat der mit 20.000 Euro dotierte Goldene Kamera Nachwuchspreis vergeben.

Preise für den Bereich des österreichischen FernsehensBearbeiten

Von 1961 bis 1986 erschien Hörzu auch in einer Österreich-Ausgabe.[6] Demgemäß gab es (zusätzliche) Nominierungen sowie Prämierungen für den Bereich des österreichischen Fernsehens. 1970 wurde erstmals (möglicherweise ausschließlich) für die Domäne des österreichischen Fernsehens die Publikumskamera ausgeschrieben, deren erster Preisträger Heinz Conrads war.[7] Preisträger waren auch Hugo Portisch und Sepp Riff für die Serie Österreich II im Jahr 1983.

PreisverleihungBearbeiten

Im Laufe der Jahre wurde die Goldene Kamera in verschiedenen Örtlichkeiten, unter Einsatz verschiedener Moderatoren, vergeben. Seit 1987 wird die Verleihung im Fernsehen übertragen; zunächst abwechselnd von ARD und ZDF, seit 1994 ausschließlich vom ZDF.[8]

2009 fand keine Verleihung im Rahmen einer Gala statt. Die Preisträger wurden bei einer Pressekonferenz bekanntgegeben. Vorausgegangen war eine Pressemitteilung der Axel Springer AG vom 8. Dezember 2008. Springer meldete, dass alle Veranstaltungen im Jahr 2009, darunter auch die Verleihung der Goldenen Kamera, abgesagt würden. Begründet wurde die Absage mit der internationalen Finanzkrise. Der Verlag wolle mit der Sparmaßnahme Entlassungen verhindern.[9] Im Jahr darauf wurde die Auszeichnung wie gewohnt im Gala-Rahmen vergeben.

(In Klammern steht das Jahr der Goldenen Kamera, nicht das Jahr der Verleihungsgala, die bis 1996 immer im Folgejahr stattfand. Zum Beispiel fand die Verleihung der Goldenen Kamera 1996 im Februar 1997 statt.)

AustragungsorteBearbeiten

ModerationBearbeiten

Die meisten Moderationen übernahm bisher Thomas Gottschalk (13-mal), gefolgt von Hans Bluhm (9-mal) und Werner Veigel (7-mal).
Im Laufe der Jahre wurde die Verleihung der Goldenen Kamera von den folgenden Personen moderiert:
(In Klammern steht das Jahr der Goldenen Kamera, nicht das Jahr der Verleihungsgala, die bis 1996 immer im Folgejahr stattfand. Zum Beispiel fand die Verleihung der Goldenen Kamera 1996 im Februar 1997 statt.)

Zuschauerzahlen der FernsehübertragungenBearbeiten

Jahr Zuschauerzahl Quelle
1990 12,46 Mio. [8]
2014 3,47 Mio. [8]
2017 3,09 Mio. [8]

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Meldung der FAZ vom 30. April 2014 (Memento vom 12. Mai 2014 im Internet Archive)
  2. a b Boris Rosenkranz: „Goldene Kamera“ ist Hamburg und dem ZDF einen Preis wert. uebermedien.de, 17. März 2017, abgerufen am 21. März 2017.
  3. Nominierungen für die Goldene Kamera. In: Stern.de, 9. Januar 2003. Abgerufen am 2. Februar 2010.
  4. a b Unsere Jury: Auf der Suche nach den Besten. goldenekamera.de, 16. Dezember 2016, abgerufen am 21. März 2017.
  5. Christian Meier: Goldene Kamera fordert Preis vom falschen Ryan Gosling zurück. Die Welt, 6. März 2017, abgerufen am 21. März 2017.
  6. Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund.
    Permalink Deutsche Nationalbibliothek.
  7. Gold für Vivi und Dietmar. In: Arbeiter-Zeitung, 9. Jänner 1971, S. 9, Mitte rechts.
  8. a b c d Jens Schröder: „Goldene Kamera“ mit so wenigen Zuschauern wie nie zuvor, ARD triumphiert auf Platz 1 bis 5. Meedia, 5. März 2017, abgerufen am 21. März 2017.
  9. Pressemitteilung: Axel Springer AG beschließt Veranstaltungspause für 2009. In: Website der Axel Springer AG. Abgerufen am 2. Februar 2010.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Goldene Kamera – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien