Edgar Selge

deutscher Schauspieler

Edgar Selge (* 27. März 1948 in Brilon) ist ein deutscher Schauspieler und Schriftsteller.

Edgar Selge bei der Berlinale 2019
Edgar Selge auf der Berlinale 2008

LebenBearbeiten

Edgar Selge wurde als dritter von fünf Söhnen des promovierten Juristen und Regierungsdirektors Edgar Selge und dessen Frau Signe, geb. Wiehe, in der Lungenklinik Hoheneimberg, einem Tuberkulosekrankenhaus in Brilon im Sauerland geboren.[1][2] Seine Eltern waren Ende des Zweiten Weltkrieges aus Königsberg in Ostpreußen über Bückeburg nach Herford in Westfalen geflohen, wo sein Vater Direktor der Justizvollzugsanstalt für Jugendliche wurde.[3] Hier wuchs Selge, wenige Meter vom Gefängnis entfernt, in einem protestantisch geprägten Elternhaus auf.[4][5] Nach dem Besuch des Herforder Friedrichs-Gymnasiums wechselte er auf das musische Christian-Dietrich-Grabbe-Gymnasium in Detmold und legte dort im Jahr 1967 sein Abitur ab.

Er begann zunächst ein Klavierstudium an der Musikhochschule Detmold bei Gregor Weichert und setzte dieses in Wien fort. Das Klavierstudium brach er ab und zog nach München, wo er in der Theatertruppe Theater in der Marktlücke an der Erarbeitung und Aufführung einer Revue über die deutsche Sozialdemokratie mitwirkte. Von 1969 bis 1972 studierte er u. a. bei Ernesto Grassi Philosophie und Germanistik in München und Dublin. Ab 1974 besuchte er die Otto-Falckenberg-Schule und schloss dort seine Ausbildung zum Schauspieler 1975 ab.

Im selben Jahr debütierte er an den Staatlichen Schauspielbühnen Berlin. 1978 führte er beim „Dublin Theatre Festival“ Regie in Tom Stoppards Every Good Boy Deserves Favour.

Seit 1978 war Selge an den Münchner Kammerspielen engagiert. Er spielte unter anderem den Andreas Kragler in Trommeln in der Nacht (1979), Bleichenwang in Was ihr wollt (1980), Saint Just in Dantons Tod (1980), den Sekretär in Maria Magdalena (1981), Arkas in Iphigenie auf Tauris (1981), Marinelli in Emilia Galotti (1984), Licht in Der zerbrochne Krug (1986) und George Garga in Bertolt Brechts Im Dickicht der Städte (1988). 1989 stellte er den Oberlehrer Arnholm in Ibsens Die Frau vom Meer dar.

Im August 1991 verließ Selge das Ensemble der Münchner Kammerspiele, gastierte aber dort weiterhin. Einem breiten TV-Publikum ist er als einarmiger Kommissar Jürgen Tauber in den vom BR produzierten Folgen der Krimiserie Polizeiruf 110 bekannt geworden.

Selge war in erster Ehe mit der Schauspielerin Daphne Moore verheiratet,[3] 1985 heiratete er die Schauspielerin Franziska Walser. Das Paar hat einen Sohn und eine Tochter. Edgar Selge und Franziska Walser sind aktive Mitglieder von „BASTA – Das Bündnis für psychisch erkrankte Menschen“, einer Kampagne gegen die Diskriminierung psychisch Kranker.[6]

2021 erschien das erste Buch von Edgar Selge mit dem Titel Hast du uns endlich gefunden mit autobiografischen Anteilen.[7][8]

Der Regisseur und Drehbuchautor Titus Selge ist ein Neffe von Edgar Selge – Sohn seines ältesten Bruders, des Literaturwissenschaftlers Martin Selge.

TheaterengagementsBearbeiten

Filmografie (Auswahl)Bearbeiten

Hörspiel (Auswahl)Bearbeiten

SchriftenBearbeiten

AuszeichnungenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Edgar Selge – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Jürgen Hendrichs: 10.000 Euro Spende für den Briloner Heimatbund. 13. August 2020, abgerufen am 18. Oktober 2021 (deutsch).
  2. Vgl. Edgar Selge: Hast Du uns endlich gefunden, Hamburg 2021, S. 217.
  3. a b Vgl. Who's who in the Arts, Bd. 2, 1975, S. 227.
  4. Edgar Selge im Munzinger-Archiv, abgerufen am 27. März 2018 (Artikelanfang frei abrufbar)
  5. Edgar Selge. PR Emami, abgerufen am 27. März 2018.
  6. Unsere Schirmherren Franziska Walser und Edgar Selge im Fernsehen. In: Newsblog. BASTA, 2. Oktober 2017, abgerufen am 10. Oktober 2021.
  7. Edgar Selge – Hast du uns endlich gefunden. In: rowohlt.de. Rowohlt Verlag, abgerufen am 1. Oktober 2021.
  8. Tobias Rüther: Es funktioniert nur wenn man es tut. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Nr. 40, 10. Oktober 2021, S. 33.
  9. Die Auswertung: Die größte Ehre. In: kultiversum. Die Kulturplattform. Abgerufen am 25. August 2016.
  10. deutschlandfunk.de: "Der Faust" für Neuenfels, Selge und Castorf