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Boxdorf (Nürnberg)

Ortsteil von Nürnberg in Bayern

Die Ortschaft Boxdorf (umgangssprachlich: „Bogsdoʳf“[2]) gehört zur Stadt Nürnberg (Statistischer Stadtteil 7 – Nordwestliche Außenstadt).

Boxdorf
Statistischer Bezirk 78
Statistischer Distrikt 781Vorlage:Infobox Ortsteil einer Gemeinde in Deutschland/Wartung/Alternativname falsch
Stadt Nürnberg
Wappen von Boxdorf
Koordinaten: 49° 30′ 59″ N, 11° 1′ 29″ O
Höhe: 299 m
Fläche: 3,4 km²
Einwohner: 2835 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 833 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 90427
Vorwahl: 0911
Karte
Lage des statistischen Bezirks 78 Boxdorf in Nürnberg
Boxdorfer Weiher
Boxdorfer Weiher

Inhaltsverzeichnis

LageBearbeiten

Statistische Nachbarbezirke
Großgründlach
  Neunhof
Buch Kraftshof

GeographieBearbeiten

Boxdorf liegt im Nordwesten des Nürnberger Stadtgebietes, unmittelbar westlich der autobahnähnlich ausgebauten Bundesstraße 4. Der Ort gehört noch zum westlichen Randbereich des Knoblauchslandes. Durch den Ort fließt der Bachgraben, der ein linker Zufluss der Gründlach ist.[3]

GeschichteBearbeiten

Der Ort gehörte vermutlich schon im 8. Jahrhundert zur Königsmark Fürth. 1293 wurde ein „Chunradus de Pokkesdorf“ urkundlich erwähnt, was zugleich die erste urkundliche Erwähnung des Ortes ist.[2] Die Urkunde ist im Nürnberger Urkundenbuch unter Nr. 853 aufgeführt. Die Übersetzung der lateinischen Urkunde lautet:

„Ich, Konrad Truchseß von Limburg und mit Frau Guta, meine Gemahlin, bekennen mit dieser Urkunde, dass wir unseren Hof in Leichendorf, den Konrad genannt von Boxdorf dort bewirtschaftet und besitzt, und der uns zu Eigentum gehört, verkauft haben mit allen seinen Zugehörungen an Feldern, Wiesen, Weiden, Wäldern und Hölzern, angebaut oder unbewirtschaftet, bekannt oder erst noch festzustellen, dem Ulrich genannt Haller, Bürger zu Nürnberg, und seinen Erben um 81 Pfund Haller, die wir von ihm vollständig empfangen haben.“

1342 wird der Ort als „Pokstorf“ erwähnt, 1430 als „Bockstorff“. Das Bestimmungswort des Ortsnamens ist das mittelhochdeutsche Wort „bock“ (=Rehbock), der wohl als Beiname für den Gründer der Siedlung verwendet wurde.[2]

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Boxdorf 24 Haushalte. Das Hochgericht übte die Reichsstadt Nürnberg aus, was aber vom brandenburg-bayreuthischen Oberamt Baiersdorf bestritten wurde. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Landpflegamt Nürnberg inne. Grundherren waren das Landesalmosenamt Nürnberg (1 Gut); die Nürnberger Eigenherren von Fürer (3 Güter, 1 Seldengut), von Grundherr (3 Güter, 2 Seldengüter), von Imhoff (1 Gut), von Kreß (2 Höfe, 5 Seldengüter, 2 Halbhöfe), von Löffelholz (1 Seldengut), Burkhard v. Löffelholzscher Familienfideikommiß (1 Gut, 1 Seldengut) und von Viatis (1 Gut). Daneben gab es ein gemeindliches Hirtenhaus.[4]

Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1813 das Steuerdistrikt Buch gebildet, zu der auch Boxdorf gehörte. Es gehörte auch der im selben Jahr gegründeten Ruralgemeinde an. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) wurde die Ruralgemeinde Boxdorf, zu der Herboldshof und Steinach gehörten. Sie unterstand in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Erlangen und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Erlangen. In der freiwilligen Gerichtsbarkeit unterstanden 5 Anwesen von 1823 bis 1835 dem Patrimonialgericht (PG) Boxdorf, 1 Anwesen von 1822 bis 1827 dem PG Buch, 5 Anwesen von 1822 bis 1836 dem PG Haimendorf, 5 Anwesen von 1802 bis 1846 dem PG Neunhof, 2 Anwesen von 1821 bis 1835 dem PG Steinach und 1 Anwesen bis 1812 und von 1823 bis 1835 dem PG Zerzabelshof.[5] Ab 1862 wurde Boxdorf vom Bezirksamt Fürth verwaltet (1938 in Landkreis Fürth umbenannt). Die Gerichtsbarkeit ging 1862 an das Landgericht Fürth über, seit 1880 liegt sie beim Amtsgericht Fürth. Die Finanzverwaltung wurde 1871 vom Rentamt Fürth (1920 in Finanzamt Fürth umbenannt) übernommen. 1912 wurde Kleingründlach von Eltersdorf nach Großgründlach umgemeindet. Die Gemeinde hatte 1961 eine Gebietsfläche von 5,112 km².[6]

Am 1. Juli 1972 wurde die Gemeinde Boxdorf im Rahmen der Gebietsreform aufgelöst: Herboldshof und Steinach und wurden nach Fürth eingegliedert und Boxdorf nach Nürnberg.[7][8] Der letzte Bürgermeister vor der Eingemeindung war Alfred Rohrmüller.

BaudenkmälerBearbeiten

  • Boxdorfer Hauptstr. 1: Zugehörige Fachwerkscheune auf Sandsteinsockel; wohl 1. Hälfte des 19. Jh.; Satteldach.[9]
  • Boxdorfer Hauptstr. 18: Zweigeschossiges massives, verputztes Wohnhaus, um 1905, mit Krüppelwalmdach; offener Holzdachreiter mit Kuppeldach. Großer Giebelerker mit Jugendstilfachwerk.[9]
  • Erich-Ollenhauer-Str. 1: Zugehörige Fachwerkscheune des 18. Jh.; zum Teil verbrettert. Satteldach.[9]
  • Hasengasse 7: Bauernhaus
  • Hasengasse 9: Ehemaliges Bauernhaus
  • Steinacher Str. 8: Hofanlage
  • Steinacher Str. 12: Ehemaliges Wohnstallhaus

Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Nürnberg/Nordwestliche Außenstadt#Boxdorf

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Gemeinde Boxdorf

Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970
Einwohner 255 323 340 353 370 363 373 405 439 442 456 465 549 544 529 496 549 662 721 867 933 953 1212 2711
Häuser[10] 52 57 66 79 86 91 115 204
Quelle [11] [12] [13] [13] [14] [13] [15] [13] [13] [16] [13] [13] [17] [13] [13] [13] [18] [13] [13] [13] [19] [13] [6] [20]

Ort Boxdorf

Jahr 001818 001840 001861 001871 001885 001900 001925 001950 001961 001970 001987 002015
Einwohner 150 212 239 261 318 419 418 700 1014 2493 2474 2835
Häuser[10] 32 38 56 62 67 88 171 644
Quelle [11] [12] [14] [15] [16] [17] [18] [19] [6] [20] [21] [1]

ReligionBearbeiten

Der Ort ist seit der Reformation überwiegend protestantisch. Die Einwohner evangelisch-lutherischer Konfession sind nach St. Georg (Kraftshof) gepfarrt, die Einwohner römisch-katholischer Konfession sind nach St. Thomas (Boxdorf) gepfarrt.

VereineBearbeiten

Der größte Verein in Boxdorf ist der ASC Boxdorf mit einem breiten Sportangebot und dem Schwerpunkt Fußball. Außerdem werden Tischtennis, Volleyball, Wandern, Laufen, Judo, Ju-Jutsu, Taekwondo, Kickboxen, Rock'n'Roll, Gymnastik, Tennis und Theater angeboten.

Weiterhin gibt es den Schützenverein Gut Schuß Boxdorf; hier wurde bis zum Jahresende 2013 Schießen mit Luftdruckwaffen (Luftgewehr, Luftpistole, 5-schüssige Pistole) und Bogenschießen angeboten. Seit 2014 wird nur noch Bogenschießen angeboten. Der Verein schießt unter anderem in der 1. Bundesliga Bogenschießen Gruppe Süd.

Die Freiwillige Feuerwehr wurde 1884 gegründet.

WirtschaftBearbeiten

Bedeutende Unternehmen mit Sitz in Boxdorf sind

  • das Tagungshotel Schindlerhof
  • die SoftMaker Software GmbH
  • der Spielwarenimporteur Postler Hans GmbH & Co. KG

VerkehrBearbeiten

Die Bundesstraße 4 tangiert den Ort östlich und verläuft in Richtung Norden zu einer Anschlussstelle der A 3 bzw. in Richtung Südosten an Buch vorbei zum Altstadtring in Nürnberg. Die Kreisstraße N 3 verläuft westlich nach Großgründlach bzw. östlich nach Neunhof. Eine Gemeindeverbindungsstraße verläuft westlich nach Schnalau bzw. südöstlich nach Kraftshof. Eine weitere Gemeindeverbindungsstraße verläuft südlich nach Braunsbach.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Boxdorf – Sammlung von Bildern

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Stadt Nürnberg, Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth (Hrsg.): Statistisches Jahrbuch der Stadt Nürnberg 2016. Dezember 2015, ISSN 0944-1514, 18 Statistische Stadtteile und Bezirke, S. 244–245, S. 245 (nuernberg.de [PDF; 6,3 MB; abgerufen am 1. November 2017]).
  2. a b c W. Wiessner, S. 14.
  3. Boxdorf im BayernAtlas
  4. H. H. Hofmann, S. 102f.
  5. H. H. Hofmann, S. 227; Adreß- und statistisches Handbuch für den Rezatkreis im Königreich Baiern. Kanzlei Buchdruckerei, Ansbach 1820, S. 31 (Digitalisat).
  6. a b c Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, Abschnitt II, Sp. 779 (Digitalisat).
  7. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 602.
  8. Stadt Nürnberg, Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth (Hrsg.): Statistisches Jahrbuch der Stadt Nürnberg 2016. Dezember 2015, ISSN 0944-1514, 18 Statistische Stadtteile und Bezirke, S. 19–20, S. 20 (nuernberg.de [PDF; 6,3 MB; abgerufen am 1. November 2017]).
  9. a b c G. P. Fehring u. a., S. 273. Denkmalschutz aufgehoben, Objekt evtl. abgerissen.
  10. a b Es werden nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840, 1852 als Häuser, 1871 bis 1987 als Wohngebäude.
  11. a b Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise nach seiner durch die neueste Organisation erfolgten Constituirung enthaltenen Ortschaften: mit Angabe a. der Steuer-Distrikte, b. Gerichts-Bezirke, c. Rentämter, in welchen sie liegen, dann mehrerer anderer statistischen Notizen. Ansbach 1818, S. 15 (Digitalisat). Für die Gemeinde Boxdorf zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Herboldshof (S. 39) und Steinach (S. 88).
  12. a b Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Selbstverlag, Ansbach 1846, S. 87 (Digitalisat). Laut Historischem Gemeindeverzeichnis hatte die Gemeinde 319 Einwohner.
  13. a b c d e f g h i j k l m n Historisches Gemeindeverzeichnis. Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952. In: Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192. München 1953, S. 172, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).
  14. a b Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 1027, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  15. a b kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen von 1871), Sp. 1191, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  16. a b Karl von Rasp: Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. Hrsg.: K. Bayer. Statistisches Bureau. München 1888, Abschnitt III, Sp. 1123 (Digitalisat).
  17. a b K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1191 (Digitalisat).
  18. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1227 (Digitalisat).
  19. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, Abschnitt II, Sp. 1060–1061 (Digitalisat).
  20. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, S. 167 (Digitalisat).
  21. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, S. 323 (Digitalisat).