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Birnthon

Ortsteil von Nürnberg in Bayern

Der mittelfränkische Weiler Birnthon ist ein als Exklave im Landkreis Nürnberger Land im Nürnberger Reichswald gelegener Ortsteil der Stadt Nürnberg mit etwa 100 Einwohnern.

Stadt Nürnberg
Koordinaten: 49° 24′ 44″ N, 11° 15′ 44″ O
Höhe: 385 m
Einwohner: 100
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 90475
Vorwahl: 09128
Der zur Stadt Nürnberg gehörende Weiler Birnthon
Der zur Stadt Nürnberg gehörende Weiler Birnthon

LageBearbeiten

Der Ort liegt fünf Kilometer östlich der Nürnberger Stadtgrenze (Ortsteil Fischbach), etwas südlich der Landstraße Nürnberg-Altdorf. Zusammen mit den beiden nahegelegenen Ortschaften Brunn und Netzstall bildet er als Distrikt 970 den statistischen Bezirk 97 des Nürnberger Stadtgebietes. Birnthon wird westlich der Ortsbebauung vom Ludergraben durchflossen.

 
Herrensitz Birnthon

GeschichteBearbeiten

Birnthon geht auf eine hochmittelalterliche Zeidlerei im Nürnberger Reichswald zurück. Erstmals schriftlich erwähnt wurde es 1309 als Wirtschaftsgut eines Nürnberger Bürgers und durfte zunächst nicht weiter ausgebaut werden.[1] Erst 1495 wurde das Gut zu einem umfriedeten Landsitz gestaltet und im 15. Jahrhundert stetig erweitert.[1] Im Zweiten Markgrafenkrieg wurde der Herrensitz 1552 niedergebrannt und blieb unter mehreren Besitzerwechseln über zwei Generationen hinweg bis in die 1610er Jahre hinein größtenteils eine Wüstung. Zwischen 1609 und 1619 wurde der Sitz als Vierseithof mit stattlichem Haupthaus wieder aufgebaut. Den Dreißigjährigen Krieg überstand das Anwesen unbeschadet, wurde in den 1680er Jahren teilweise erneuert und um zwei Weiher erweitert. Aus dieser Zeit stammen auch die ältesten dendrochronologisch nachweisbaren Bauteile der denkmalgeschützten Gebäude.[2]

Die Anwesen wurden im 17. Jahrhundert mehrfach weitervererbt, stetig erweitert und gelangten schließlich in den Besitz der Familienstiftung derer von Hallerstein und Kressenstein. Mit dem Gemeindeedikt (1808) wurde die Feudalherrschaft zerschlagen, die Besitzung zweigeteilt und der Verwaltungshoheit der Gemeinde Fischbach zugeschlagen (1818).[1] Das bayerische Urkataster zeigt in den 1810er Jahren für Birnthon fünf Gehöfte mit einem gemeinsamen Brunnen, sowie die beiden Weiher und einen Feldbrunnen in den nördlichen gelegenen landwirtschaftlichen Flächen.[3] Die beiden Weiher wurden im zwanzigsten Jahrhundert zugeschüttet und teils überbaut. Den ehemaligen Hofraum quert eine Dorfstraße und der Brunnen wurde mit einer Garage überformt.

Bis zur kommunalen Gebietsreform hatte Birnthon zu der bis dahin selbstständigen Gemeinde Fischbach gehört, seit deren 1972 erfolgter Eingliederung in die Stadt Nürnberg bildet es eine der drei innerhalb des Landkreises Nürnberger Land gelegenen bewohnten Nürnberger Exklaven.

Infrastruktur / SehenswertesBearbeiten

In Birnthon befindet sich ein restaurierter Herrensitz.[1] Im Ortskern stehen die fünf südwestlichen Gebäude des aus ehemals zehn Baukörpern bestehenden Vierseithofes unter Denkmalschutz.[2] In den Räumen einer ehemaligen Gastwirtschaft war seit Mitte der 1990er Jahre die türkische Dönüs-Therapieeinrichtung[4] untergebracht, die überwiegend Drogenabhängige orientalischer Abstammung aufnahm. Im August 2015 wurde die überschuldete Einrichtung aufgegeben.[5] Im Ort befindet sich weiterhin die Big Horn Ranch des Nürnberger Westernclubs.[6]

siehe auch: Baudenkmale in Birnthon

VerkehrBearbeiten

Gemeindestraßen erschließen Birnthon zu der unmittelbar nördlich verlaufenden Kreisstraße LAU 13 hin. Diese verbindet den Ort nach Westen über Fischbach nach Nürnberg und in östlicher Richtung nach Altdorf. Der ÖPNV versorgt Birnthon an der LAU 13 an zwei Bushaltestellen mit der Stadtbuslinie 59 / N59 nach Nürnberg – Langwasser hin. Morgens gibt es zusätzlich eine einzelne Fahrt der Linie 96 zur Nürnberger Meistersingerhalle, die hauptsächlich von Schülern und Studenten genutzt wird.

SchutzgebieteBearbeiten

Birnthon ist von Bannwald und von den Landschaftsschutzgebieten Birnthon (LSG-00536.12[7]) und Brunn–Netzstall (LSG-00536.11[8]) umschlossen, weshalb die Bauleitplanung der Stadt für den bis heute dörflich strukturierten Ortsteil keine bauliche Erweiterung zulässt.

Die mageren Flachland-Mähwiesen (Alopecurus pratensis, Sanguisorba officinalis) um den Siedlungskörper von Birnthon sind Bestandteil des 43 Hektar umfassenden FFH-Gebiets Rodungsinseln im Reichswald. Der Erhalt des Offenlandcharakters der Rodungsinseln mit den nährstoffarmen bis mäßig nährstoffreichen Standorten und der typischen Vegetation stellt das gebietsbezogene Erhaltungsziel dieses europäischen Schutzgebiets dar.[9] Das artenreiche, größtenteils magere Grünland auf Sandsteinkeuper wurde als überregional bedeutsamer Lebensraum im Arten- und Biotopschutzprogramm (ABSP) von Bayern eingestuft.[10]

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Birnthon (Nuremberg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten