Hauptmenü öffnen

Steinach (umgangssprachlich: „Schdainach“[2]) ist ein Ortsteil der kreisfreien Stadt Fürth in Mittelfranken.

Steinach
Stadt Fürth
Koordinaten: 49° 30′ 54″ N, 10° 59′ 42″ O
Höhe: 297 m ü. NHN
Einwohner: 60 (25. Mai 1987)[1]
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 90765
Vorwahl: 0911
Ortseingang von Osten, Ummauerung des Schlosses (2003)
Ortseingang von Osten, Ummauerung des Schlosses (2003)

GeografieBearbeiten

Das Dorf liegt vier Kilometer nördlich des historischen Fürther Stadtkernes direkt unter der Einflugschneise des Nürnberger Flughafens. Nordöstlich des Ortes verläuft bei dem Industriegebiet Schmalau die Grenze zu Nürnberg, westlich fließt der Bucher Landgraben, ein linker Zufluss der Gründlach.[3]

GeschichteBearbeiten

1326 wurde der Ort als „Steinach“ erstmals urkundlich erwähnt, als Gottfried von Brauneck seine Güter im Ort an die Burggrafschaft Nürnberg verkaufte. Der Ortsname leitet sich von Stein mit angehängtem Kollektivsuffix -ach ab und bedeutet demnach steinige Gegend.[2]

Das ehemalige Schloss wurde als ländlicher Barockbau von 1659 bis 1661 errichtet. Die noch erhaltene Ummauerung zeigt den Kernbereich des ehemaligen Herrschaftssitzes an.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Steinach 6 Haushalte (1 Herrensitz, 1 Schenkstätt, 4 Höfe). Das Hochgericht übte die Reichsstadt Nürnberg aus, was vom brandenburg-bayreuthischen Oberamt Baiersdorf bestritten wurde. Alleiniger Grundherr war die Burkhard von Löffelholzische Familienfideikommiß.[4]

Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde Steinach dem 1813 gebildeten Steuerdistrikt und Ruralgemeinde Buch zugeordnet. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) wurde Steinach in die neu gebildete Ruralgemeinde Boxdorf umgemeindet. In der freiwilligen Gerichtsbarkeit unterstanden 8 Anwesen von 1821 bis 1830 dem Patrimonialgericht Steinach.[5]

Das bayerische Urkataster zeigt den Weiler Steinach in den 1810er Jahren mit sechs Herdstellen und einer parkartigen Anlage.[6] Der Ludwig-Donau-Main-Kanal erreichte Steinach in den 1840er Jahren und östlich des Ortes verlief ab 1850 die Trasse der Ludwigs-Nord-Süd-Bahn, ohne dass es dort einen Halt gab.[7]

Der Ludwigskanal wurde in den 1960er Jahren zugeschüttet und mit der Bundesautobahn 73 überbaut. Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde Steinach am 1. Januar 1972 ein Stadtteil von Fürth.

Die Schlossummauerung wurde mit modernen Zusatzbauten und Mauerdurchbrüchen gegenüber dem Ursprungszustand verändert. Kritiker sehen darin eine der Verschandelung gleichkommende Reduzierung des denkmalpflegerischen Wertes. Unter anderem wurde in den Schlossgarten ein Gebäude gebaut, das als Tonstudio dient.

BaudenkmälerBearbeiten

  • Haus Nr. 1: Zugehörige Fachwerkscheune des frühen 18. Jh. auf Quadersockel.[8]
  • Haus Nr. 2: Ehemaliges Bauernhaus
  • Haus Nr. 3: Breit lagerndes, erdgeschossiges Wohnstallhaus, massiv und verputzt. Stattlicher, dreigeschossiger Giebel mit Gesimsteilung, Eckvoluten auch an der Giebelschräge und Inschrift J.J. 1799.[8]
  • Haus Nr. 4: Erdgeschossiges Wohnstallhaus, Sandsteinquader, verputzt (auch der östliche Fachwerkgiebel); noch 18. Jh.[8]
  • Haus Nr. 6: Ehemaliges Nebengebäude des Schlosses
  • Haus Nr. 7/7a: Ehemaliges Schloss
  • Haus Nr. 8: Zugehörige große Fachwerkscheune des 18. Jh., im Südteil massiv erneuert. Sandsteinpfeiler der Hofeinfahrt mit Kugelbekrönung, ebenso wie bei Haus Nr. 9.[8]
  • Haus Nr. 10: Ehemaliges Vogtshaus des Schlosses

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Jahr 001818 001840 001861 001871 001885 001900 001925 001950 001961 001970 001987
Einwohner 50 54 71 66 62 73 77 127 121 79 60
Häuser[9] 11 10 12 13 13 15 18 18
Quelle [10] [11] [12] [13] [14] [15] [16] [17] [18] [19] [1]

ReligionBearbeiten

Der Ort ist seit der Reformation überwiegend evangelisch-lutherisch. Die Einwohner evangelisch-lutherischer Konfession sind nach St. Laurentius (Großgründlach) gepfarrt, die Einwohner römisch-katholischer Konfession sind in die Dreifaltigkeitskirche (Stadeln) gepfarrt.

VerkehrBearbeiten

Eine Gemeindeverbindungsstraße verläuft westlich nach Stadeln bzw. östlich nach Schmalau. Eine weitere Gemeindeverbindungsstraße verläuft nördlich zur Kreisstraße FÜs 7, die wiederum zu einer Anschlussstelle der Bundesautobahn 73 (Frankenschnellweg) führt.

Steinach ist mit der VGN-Buslinie 178 erschlossen. In Schmalau besteht eine weitere Zustiegsmöglichkeit zur Linie 179.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Steinach (Fürth) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, DNB 94240937X, S. 323 (Digitalisat).
  2. a b W. Wiessner, S. 93f.
  3. Steinach im BayernAtlas
  4. H. H. Hofmann, S. 174.
  5. H. H. Hofmann, S. 227.
  6. Steinach auf BayernAtlas Klassik
  7. Steinach an der Ludwigsbahn, Karte von 1860 bei BayernAtlas Klassik
  8. a b c d A. Gebeßler, S. 160f. Denkmalschutz aufgehoben, Objekt evtl. abgerissen.
  9. Es werden nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840, 1852 als Häuser, 1871 bis 1987 als Wohngebäude.
  10. Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise nach seiner durch die neueste Organisation erfolgten Constituirung enthaltenen Ortschaften: mit Angabe a. der Steuer-Distrikte, b. Gerichts-Bezirke, c. Rentämter, in welchen sie liegen, dann mehrerer anderer statistischen Notizen. Ansbach 1818, S. 88 (Digitalisat).
  11. Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Selbstverlag, Ansbach 1846, S. 87 (Digitalisat).
  12. Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 1027, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  13. kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen von 1871), Sp. 1191, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  14. Karl von Rasp: Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. Hrsg.: K. Bayer. Statistisches Bureau. München 1888, Abschnitt III, Sp. 1123 (Digitalisat).
  15. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1191 (Digitalisat).
  16. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1227 (Digitalisat).
  17. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, Abschnitt II, Sp. 1061 (Digitalisat).
  18. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, DNB 453660959, Abschnitt II, Sp. 779 (Digitalisat).
  19. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, DNB 740801384, S. 167 (Digitalisat).