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Herboldshof (Fürth)

Ortsteil der Stadt Fürth, Bayern, Deutschland

Herboldshof (umgangssprachlich: „Heʳboldshūf“[2]) ist ein Ortsteil der mittelfränkischen Stadt Fürth in Bayern.

Herboldshof
Stadt Fürth
Koordinaten: 49° 31′ 16″ N, 10° 59′ 24″ O
Höhe: 290 m ü. NHN
Einwohner: 201 (25. Mai 1987)[1]
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Eingemeindet nach: Fürth
Postleitzahl: 90765
Hempelsäcker mit Blick auf Herboldshof
Hempelsäcker mit Blick auf Herboldshof

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

Das Dorf liegt 5 Kilometer nördlich des Stadtkernes von Fürth in einer lettengründige Ebene auf Keuperschichten oberhalb des 1 km westlich verlaufenden Regnitzgrundes. Südwestlich fließt der Bucher Landgraben, einem linken Zufluss der Gründlach, durch den Ort. Im Westen liegen die Loheäcker.[3] Im Süden liegen die heute als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesenen Hempelsäcker.[4]

GeschichteBearbeiten

Nördlich von Herboldshof bestand eine 1,2 Hektar große Siedlung vorgeschichtlicher Zeitstellung, die mit Nummer D-5-6431-0075 als Bodendenkmal ausgewiesen ist, sowie mit D-5-6431-0067 eine Siedlung der Urnenfelder- und der späten Latènezeit und D-5-6431-0066 eine Siedlung der Frühbronze- und Urnenfelderzeit mit mittelalterlicher Wüstung auf weiteren 3,5 Hektar. Der mittelalterliche Usus der Städte Nürnberg und Fürth war es, die in großer Mengen anfallenden Fäkalien in die nördlichen Gebiete hinauszufahren und dort an Waldrändern und Bachläufen abzuladen. Über Jahrhunderte hinweg entstanden so aus den früher eher kargen Sand- und Lettengründen die nährstoffreichen Kulturböden des Knoblauchslandes. Herboldshof besteht seit unbekannter Zeitstellung inmitten dieses Gebietes als bäuerliche Ansiedlung.[5]

1504 wurde der Ort als „Herbolczhoff“ erstmals urkundlich erwähnt. Bestimmungswort des Ortsnamens ist der Personenname Herbolt.[2]

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Herboldshof 7 Haushalte. Das Hochgericht übte die Reichsstadt Nürnberg aus, was vom brandenburg-bayreuthischen Oberamt Baiersdorf bestritten wurde. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Landpflegamt Nürnberg inne. Grundherren waren die Nürnberger Eigenherren von Löffelholz (1 Halbhof, 4 Güter) und von Volckamer (2 Güter).[6]

Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde Herboldshof dem 1813 gebildeten Steuerdistrikt und Ruralgemeinde Buch zugeordnet. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) wurde Herboldshof in die neu gebildete Ruralgemeinde Boxdorf umgemeindet. In der freiwilligen Gerichtsbarkeit unterstanden 5 Anwesen von 1825 bis 1835 dem Patrimonialgericht Gibitzenhof.[7]

Einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung brachten Herboldshof die 1840er Jahre, als den Ort der unmittelbar östlich verlaufende Ludwig-Donau-Main-Kanal erreichte. Die Schleuse 82 wurde errichtet und ein Übungslager der leichten Kavallerie bezog dort Stellung.[8] In den 1950er Jahren wurde der Ludwigs-Kanal aufgegeben und in den 1960er Jahren zugeschüttet.

Ein weiteres sehr ereignisreiches Jahr wurde 1972 für Herboldshof. Es brachte mit der Bundesautobahn 73 auf der ehemaligen Trassenführung des alten Kanales und der Eingemeindung nach Fürth im Zuge der Gebietsreform in Bayern eine weitere wirtschaftliche Belebung.

Herboldshof ist noch heute überwiegend landwirtschaftlich geprägt. Die Feldwirtschaft ist teilweise zugunsten derer mit Frühkulturen in riesigen Gewächshausanlagen gewichen. (siehe Luftbild bei Weblinks) Als Wohngebiet ist die Gegend weiterhin unattraktiv geblieben. Die Lage des Ortes zwischen der Bahnstrecke Nürnberg–Bamberg (S-Bahn), der A 73 (Frankenschnellweg) und direkt unterhalb der Einflugschneise des 1955 eröffneten Flughafen Nürnberg (Albrecht-Dürer-Airport) bringen eine allgegenwärtige hohe Lärmbelastung und Lichtverschmutzung mit sich.

Ehemalige BaudenkmälerBearbeiten

  • Haus Nr. 4: Erdgeschossiges Wohnstallhaus aus Sandsteinquadern. Traufseitig zur Straße. Dreigeschossiger Südgiebel bezeichnet 17 PZ 57.[9]
  • Haus Nr. 6: Erdgeschossiges Wohnstallhaus, massiv, Anlage noch 18. Jh. Profilierte Fensterbänke. Inschrift des dreigeschossigen Straßengiebels verwittert. Hofgiebel aus Fachwerk.[9]
  • Haus Nr. 9: Erdgeschossiges Wohnstallhaus von 1800; massiv, Fenster und Türen teils verändert. Südgiebel bezeichnet CE 1800, mit Bauernhauszeichen. Nordgiebel zum Hof aus Fachwerk (K-Streben).[9]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Jahr 001818 001840 001861 001871 001885 001900 001925 001950 001961 001970 001987
Einwohner 55 57 60 46 62 57 54 106 77 139 201
Häuser[10] 9 9 11 11 11 12 15 44
Quelle [11] [12] [13] [14] [15] [16] [17] [18] [19] [20] [1]

ReligionBearbeiten

Der Ort ist seit der Reformation überwiegend evangelisch-lutherisch. Die Einwohner evangelisch-lutherischer Konfession sind nach St. Laurentius (Großgründlach) gepfarrt, die Einwohner römisch-katholischer Konfession nach Herz Jesu (Mannhof).

VerkehrBearbeiten

Die Kreisstraße FÜs 4/N 3 verläuft nordwestlich nach Mannhof bzw. östlich nach Großgründlach. Die FÜs 5 verläuft südlich nach Stadeln.

Die VGN vertaktet Herboldshof mit der Infra Linie 174 wochentags 20-minütig mit dem Stadtkern. Samstags erfolgt die Abfertigung halbstündig, an Sonntagen nur stündlich. Freitag, Samstags und vor Feiertagen fährt nachts der Nightliner N 17 stündlich den Ort an. In 300 Metern Entfernung südwestlich besteht zudem am Bahnhof Vach eine Zustiegsmöglichkeit zur S1. (Bahnstrecke Nürnberg–Bamberg)

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Herboldshof (Fürth) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, S. 323 (Digitalisat).
  2. a b W. Wiessner, S. 52.
  3. Herboldshof im BayernAtlas
  4. Landschaftsschutzgebiet Hempeläcker
  5. Herboldshof im Bayernatlas Klassik
  6. H. H. Hofmann, S. 126.
  7. H. H. Hofmann, S. 227.
  8. Chevauxlegers-Regiment Fürth-Herboldshof
  9. a b c A. Gebeßler, S. 109. Denkmalschutz aufgehoben, Objekt evtl. abgerissen. Ursprüngliche Hausnummerierung.
  10. Es werden nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840, 1852 als Häuser, 1871 bis 1987 als Wohngebäude.
  11. Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise nach seiner durch die neueste Organisation erfolgten Constituirung enthaltenen Ortschaften: mit Angabe a. der Steuer-Distrikte, b. Gerichts-Bezirke, c. Rentämter, in welchen sie liegen, dann mehrerer anderer statistischen Notizen. Ansbach 1818, S. 39 (Digitalisat).
  12. Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Selbstverlag, Ansbach 1846, S. 87 (Digitalisat).
  13. Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 1027, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  14. kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen von 1871), Sp. 1191, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  15. Karl von Rasp: Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. Hrsg.: K. Bayer. Statistisches Bureau. München 1888, Abschnitt III, Sp. 1123 (Digitalisat).
  16. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1191 (Digitalisat).
  17. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1227 (Digitalisat).
  18. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, Abschnitt II, Sp. 1060 (Digitalisat).
  19. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, Abschnitt II, Sp. 779 (Digitalisat).
  20. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, S. 167 (Digitalisat).