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Poppenreuth (umgangssprachlich: „Bobmraid“[2]) ist ein Ortsteil der kreisfreien Stadt Fürth in Mittelfranken.

Poppenreuth
Stadt Fürth
Koordinaten: 49° 28′ 55″ N, 11° 0′ 55″ O
Höhe: 302 m ü. NHN
Einwohner: 1954 (25. Mai 1987)[1]
Eingemeindung: 1. Januar 1900
Postleitzahl: 90765
Vorwahl: 0911
Poppenreuth von Süden (2014)
Poppenreuth von Süden (2014)

GeografieBearbeiten

Das Pfarrdorf liegt etwa zwei Kilometer östlich des historischen Fürther Stadtkernes an der Grenze zu Nürnberg. Im Osten grenzt das fränkische Knoblauchsland am, im Süden fließt die Pegnitz und direkt über dem Ortsgebiet verläuft die Einflugschneise des Flughafen Nürnberg.[3]

GeschichteBearbeiten

 
Darstellung der Überführung der Gebeine des Heiligen Sebaldus von Poppenreuth nach Nürnberg auf einem Wandteppich um 1410
 
Poppenreuth um 1850 von Westen (Handelshafen Fürth) auf Infotafel
 
Evangelische Kirche
St. Peter und Paul (2010)

Der Ortsname bedeutet „Rodung des Poppo“. Die Dorfgründung – als kleiner Weiler um die Kirche gruppiert – liegt in der Mitte des 9. Jahrhunderts. Erste urkundliche Erwähnung findet der Ort 1303 in einer Urkunde des Nürnberger Burggrafen Konrad des Frommen als „Boppenrevt“.[2] Es werden 7 Höfe genannt, die als Geschenk an das Bistum Bamberg gingen. Um das Jahr 1410 war die Kirche als Wehrkirche angelegt und von einer festen Mauer umgeben. Die älteste Abbildung ist ein Wandteppich aus dieser Zeit. Die Darstellung zeigt den Ochsenkarren der der Legende nach den Sarg des heiligen Sebald von Poppenreuth nach Nürnberg transportiert haben soll. 1450 wurde Poppenreuth im Ersten Markgrafenkrieg niedergebrannt. Die Jahreszahl 1456 über dem Westeingang zeugt vom Wiederaufbau. Auch im Zweiten Markgrafenkrieg wurde das Dorf 1553 erneut zerstört. Nach der Reformation gehörten zum Marktsprengel Poppenreuth 10 Dörfer des Knoblauchslands.

Die heute evangelische Pfarrkirche St. Peter und Paul war bis ins 13. Jahrhundert Mutterkirche von St. Sebald in Nürnberg. In ihrer heutigen Gestalt mit dem markanten Westturm geht sie in der Bausubstanz bis ins frühe 15. Jahrhundert zurück; der 1522 vollendete spätgotische Chor wird Hans Beheim d. Ä. zugeschrieben. Das Bild des Innern prägt eine doppelgeschossige, heute holzsichtige Langhausempore (1859/60). Im Chor steht ein spätgotischer Flügelaltar (Ende 15. und Anfang 16. Jahrhundert), der im 19. Jahrhundert in dieser Form als neugotisches Kunstwerk zusammengefügt wurde. Die farbigen Glasfenster im Chor wurden 1881/82 hergestellt, wobei in das linke Fenster Reste von Scheiben des 16. Jahrhunderts eingearbeitet wurden.

Im Dreißigjährigen Krieg hatten diese durch Brandschatzung und Hungersnot sehr zu leiden. Von der Bevölkerung von Poppenreuth war nur ein Viertel verblieben. Auf einem Stich von 1708 ist die Dorfmitte neben der Kirche mit Pfarrhaus, Dorfbrunnen und zwei Wirtshäusern dargestellt.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Poppenreuth 39 Haushalte. Das Hochgericht übte das brandenburg-ansbachische Oberamt Cadolzburg, was von der Reichsstadt Nürnberg bestritten wurde. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das bambergische Dompropsteiamt Fürth inne. Grundherren waren das Dompropsteiamt Fürth (2 Dreiviertelhöfe, 4 Halbhöfe, 3 Viertelhöfe, 4 Gütlein, 2 Häuslein, 2 Wirtshäuser, 1 Schenkstatt, 1 Hirtenhaus); die Reichsstadt Nürnberg: Katharinenamt (1 Gut), Landesalmosenamt (1 Pfarrhof); das Rittergut Röckenhof (4 Güter, 1 Badhaus); Nürnberger Eigenherren: von Imhoff (2 Güter), von Kreß (2 Halbhöfe), von Löffelholz (1 Hof, 3 Güter, 1 Schmiedstatt), Burkard von Löffelholzscher Familienfideikomiss (1 Gut), von Oelhafen (1 Halbhof, 2 Güter).[4]

Ab 1796 unterstand Poppenreuth kurzzeitig dem preußischen König Friedrich-Wilhelm II. Zehn Jahre später endete die preußische Herrschaft mit der Zugehörigkeit Frankens zu Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1808 das Steuerdistrikt Poppenreuth gebildet. Im selben Jahr wurde die Ruralgemeinde Poppenreuth gebildet, die deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt war. Sie unterstand in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Nürnberg und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Fürth (1920 in Finanzamt Fürth umbenannt). In der freiwilligen Gerichtsbarkeit unterstanden 7 Anwesen von 1825 bis 1836 dem Patrimonialgericht (PG) Gibitzenhof, 2 Anwesen von 1823 bis 1835 dem PG Höfen, 3 Anwesen bis 1812 und von 1818 bis 1846 dem PG Neunhof und 5 Anwesen bis 1812 und von 1820 bis 1836 dem PG Röckenhof.[5] Das bayerische Urkataster zeigt Poppenreuth in den 1810er Jahren als ein Kirchdorf mit 42 Anwesen.[6] Im Jahr 1843 wurde Poppenreuth zum Kanalanlieger, als am Ludwig-Donau-Main-Kanal der Handelshafen Fürth nur 600 m westlich des Ortes entstand. Auch die Ludwig-Süd-Nord-Bahn führte damals dort vorbei, jedoch gab es keinen eigenen Haltepunkt.

Ab 1862 wurde Poppenreuth vom Bezirksamt Fürth verwaltet. Die Gerichtsbarkeit ging 1862 an das Landgericht Fürth über, seit 1880 liegt sie beim Amtsgericht Fürth. Die Gemeinde hatte eine Gebietsfläche von 3,578 km².[7] Am 1. Januar 1900 wurde Poppenreuth ein Stadtteil von Fürth.[8]

Poppenreuth hat sich seit dem in den 1950er Jahren einsetzenden Bauboom in seiner Siedlungsfläche von ehemals knapp fünf Hektar mehr als verdreißigfacht. Das bebaute Gebiet des Ortsteils umfasst heute etwa 1,7 km²

BaudenkmälerBearbeiten

  • Historischer Ortskern
  • Evangelisch-Lutherische Pfarrkirche St. Peter und Paul
  • Friedhof
  • Pfarrhaus

Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Fürth-Poppenreuth

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1925 1950 1961 1970 1987
Einwohner 287 318 370 370 390 429 519 631 662 818 837 863 * * 1530 1537 1478 1954
Häuser[9] 42 45 61 87 * * 181 236 485
Quelle [10] [11] [12] [12] [13] [12] [14] [12] [12] [7] [12] [12] [15] [16] [17] [18] [19] [1]
* Ort wird zu Fürth gerechnet.

ReligionBearbeiten

Der Ort ist seit der Reformation überwiegend protestantisch. Die Einwohner evangelisch-lutherischer Konfession sind nach St. Peter und Paul (Poppenreuth) gepfarrt, die Einwohner römisch-katholischer Konfession sind nach St. Christophorus (Poppenreuth) gepfarrt.

VerkehrBearbeiten

Poppenreuth ist über die Anschlussstelle Fürth-Poppenreuth (AS 37) an den Frankenschnellweg (A 73) und damit an das deutsche Fernstraßennetz angeschlossen. Eine Gemeindeverbindungsstraße verläuft nördlich an Ronhof vorbei nach Großgründlach, eine weitere Gemeindeverbindungsstraße verläuft südöstlich zur Kriegsopfersiedlung.

Die Buslinien 39 & 175 der infra fürth verbinden die Ortschaft mit dem Netz des Fürther Stadtverkehrs, welches zum VGN gehört.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Poppenreuth (Fürth) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, S. 323 (Digitalisat).
  2. a b W. Wiessner, S. 72f.
  3. Poppenreuth im BayernAtlas
  4. H. H. Hofmann, S. 160. Dort fälschlicherweise 36 Haushalte angegeben.
  5. H. H. Hofmann, S. 225; Adreß- und statistisches Handbuch für den Rezatkreis im Königreich Baiern. Kanzlei Buchdruckerei, Ansbach 1820, S. 63 (Digitalisat).
  6. Poppenreuth auf BayernAtlas Klassik
  7. a b Karl von Rasp: Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. Hrsg.: K. Bayer. Statistisches Bureau. München 1888, Abschnitt III, Sp. 1123 (Digitalisat).
  8. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 601.
  9. Es werden nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840, 1852 als Häuser, 1871 bis 1987 als Wohngebäude.
  10. Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise nach seiner durch die neueste Organisation erfolgten Constituirung enthaltenen Ortschaften: mit Angabe a. der Steuer-Distrikte, b. Gerichts-Bezirke, c. Rentämter, in welchen sie liegen, dann mehrerer anderer statistischen Notizen. Ansbach 1818, S. 72 (Digitalisat).
  11. Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Selbstverlag, Ansbach 1846, S. 208 (Digitalisat).
  12. a b c d e f g Historisches Gemeindeverzeichnis. Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952. In: Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192. München 1953, S. 172, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).
  13. Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 1028, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  14. kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen von 1871), Sp. 1193, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  15. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1143–1144 (Digitalisat).
  16. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1181–1182 (Digitalisat).
  17. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, Abschnitt II, Sp. 1016 (Digitalisat).
  18. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, Abschnitt II, Sp. 747–748 (Digitalisat).
  19. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, S. 167 (Digitalisat).