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Atzenhof (umgangssprachlich: „Adsnhūf“[1]) ist ein Stadtteil von Fürth in Mittelfranken.

Atzenhof
Stadt Fürth
Koordinaten: 49° 30′ 15″ N, 10° 57′ 10″ O
Höhe: 295 m ü. NHN
Einwohner: 520 (1999)
Eingemeindung: 1. Januar 1918
Postleitzahl: 90768
Vorwahl: 0911
Ehemaliger Müllberg bei Atzenhof, jetzt Erholungsgebiet und Solaranlage, über den Kanal von Südwest (2003)
Ehemaliger Müllberg bei Atzenhof, jetzt Erholungsgebiet und Solaranlage, über den Kanal von Südwest (2003)
dito, von Südost
Kriegerdenkmal in Atzenhof (2013)

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

Das Dorf liegt im Nordwesten von Fürth am rechten Ufer der Zenn zwischen Unterfarrnbach und Vach. Seit 1972 wird der Ort vom Main-Donau-Kanal (Europa-Kanal) in zwei Hälften geteilt. An der östlichen Seite des Kanals liegt der Hafen Fürth.

Der Hügel (49° 31′ N, 10° 58′ O) der ehemaligen Mülldeponie ist begrünt und steht nunmehr als Spaziergelände zur Verfügung. Die Aussicht nach Erlangen, Nürnberg, Fürth, zur Alten Veste (Zirndorf) und nach Vach ist eindrucksvoll. Auch kann man von hier sehr gut die den Nürnberger Flughafen anfliegenden Flugzeuge beobachten. Am Fuße des Berges befindet sich ein Golfplatz. Beeindruckend ist auch die große Trogbrücke des Rhein-Main-Donau-Kanals über den Zenngrund.[2]

GeschichteBearbeiten

Der Ort wurde 1303 als „Atzenhoven“ erstmals urkundlich erwähnt, als der Nürnberger Burggraf Konrad die Hofmark Fürth, zu der auch Atzenhof zählte, an das Domkapitel im Bamberg abtrat. Das Bestimmungswort des Ortsnamens ist der Personenname Atzo.[1]

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Atzenhof 15 Haushalte. Das Hochgericht übte das brandenburg-ansbachische Stadtvogteiamt Langenzenn aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das bambergische Dompropsteiamt Fürth inne. Grundherren waren das Dompropsteiamt Fürth (1 Hof, 8 Gütlein, 4 Häuslein, 1 Hirtenhaus) und ein Herr Bauer zu Vach (1 Hof).[3]

Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde Atzenhof dem 1808 gebildeten Steuerdistrikt Unterfarrnbach zugeordnet. Es gehörte auch der im selben Jahr gegründeten Ruralgemeinde Unterfarrnbach an.[4] Am 1. Januar 1918 wurde Atzenhof nach Fürth eingegliedert.

1916 wurde der Militärflugplatz Atzenhof eingerichtet, der durch die Flughafenbahn mit der Strecke Nürnberg–Würzburg verbunden war. Von 1920 bis 1934 gab es hier einen internationalen Verkehrsflughafen, bevor der Flughafen im Nürnberger Stadtteil Marienberg in Betrieb genommen wurde. Ab 1934 nutzte die Reichsluftwaffe das Gelände bis zum Einmarsch der US-Amerikaner am 18. April 1945 als Fliegerhorst.

Nach 1945 wurde das Flugplatzgelände zunächst von der United States Air Force als Militärstützpunkt mit Flugbetrieb und anschließend von der U.S. Army bis 1993 unter dem Namen „Monteith Barracks“ als Standort einer Panzereinheit und als Army Airfield (AAF) genutzt.

Nach dem Abzug der U.S. Army wurde das Gelände einer zivilen Nutzung zugeführt, wobei der teilweise denkmalgeschützte historische Gebäudebestand erhalten werden konnte.

BaudenkmälerBearbeiten

  • Atzenhofer Straße: Kriegerdenkmal
  • Atzenhofer Straße 44: Zugehörige Scheune mit einfachem Fachwerk, noch 18. Jh. Straßengiebel. Neuer Ostanbau.[5]
  • Atzenhofer Straße 48: Wohnstallhaus
  • Atzenhofer Straße 50: Erdgeschossiges Bauernhaus, zwei Flügel, Mitte des 18. Jh. Langgestreckte, verputzte Straßenfront mit vier Türen und acht Fenstern. Westflügel am Nordgiebel mit Muschelbekrönung.[5]
  • Flugplatzstraße: Ehemaliger Flughafen Nürnberg-Fürth
  • Käthe-Brand-Straße: Ehemaliger Funkbunker

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Jahr 001818 001840 001861 001871 001885 001900 001925 001950 001961 001970 001987 001999
Einwohner 48 113 137 137 192 206 * 235 286 327 337 520
Häuser[6] 16 18 27 28 * 33 51 86
Quelle [7] [8] [9] [10] [11] [12] [13] [14] [15] [16] [17]
* Ort wird zu Unterfarrnbach gerechnet.

ReligionBearbeiten

Der Ort ist seit der Reformation überwiegend protestantisch. Die Einwohner evangelisch-lutherischer Konfession sind nach St. Johannis (Burgfarrnbach) gepfarrt, die Einwohner römisch-katholischer Konfession sind nach St. Marien (Burgfarrnbach) gepfarrt.

Energiegewinnung auf der ehemaligen MülldeponieBearbeiten

Seit 1995 wird aus dem Inneren der Hochdeponie Gas zur Stromgewinnung abgesaugt (ca. 1 Mio. m³ jährlich). Die Stadt Fürth errichtete ab dem Spätsommer 2003 zusammen mit der regionalen Solarwirtschaft am Südhang des 60 m hohen Berges das größte Solarkraftwerk Nordbayerns. Die Photovoltaikanlage ging am 23. Dezember 2003 offiziell ans Netz und soll jährlich 957.000 Kilowattstunden Strom produzieren. An der Investitionssumme von 4,65 Mio. Euro sind die Bürger der Region mit 1 Mio. und die Stadt Fürth mit 500.000 Euro beteiligt. Die neue Nutzung hat dem Hügel den Namen Energie- oder Solarberg eingebracht.

VerkehrBearbeiten

Die Gemeindeverbindungs-/Kreisstraße FÜs 5 verläuft nordöstlich nach Stadeln bzw. südlich nach Unterfarrnbach. Eine Gemeindeverbindungsstraße verläuft westlich nach Ritzmannshof, eine weitere Gemeindeverbindungsstraße verläuft südwestlich nach Burgfarrnbach.

Seit dem Sommer 1972 steht an der Lände Fürth bei Atzenhof am Main-Donau-Kanal ein kleines, leistungsfähiges trimodales Güterverkehrszentrum Schiff/Schiene/Straße zur Verfügung.[18]

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Atzenhof – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b W. Wiessner, S. 10f.
  2. Atzenhof im BayernAtlas
  3. H. H. Hofmann, S. 99f.
  4. H. H. Hofmann, S. 226.
  5. a b A. Gebeßler, S. 49. Denkmalschutz aufgehoben, Objekt evtl. abgerissen.
  6. Es werden nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840, 1852 als Häuser, 1871 bis 1987 als Wohngebäude.
  7. Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise nach seiner durch die neueste Organisation erfolgten Constituirung enthaltenen Ortschaften: mit Angabe a. der Steuer-Distrikte, b. Gerichts-Bezirke, c. Rentämter, in welchen sie liegen, dann mehrerer anderer statistischen Notizen. Ansbach 1818, S. 6 (Digitalisat).
  8. Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Selbstverlag, Ansbach 1846, S. 210 (Digitalisat).
  9. Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 1028, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  10. kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen von 1871), Sp. 1194, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  11. Karl von Rasp: Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. Hrsg.: K. Bayer. Statistisches Bureau. München 1888, Abschnitt III, Sp. 1124 (Digitalisat).
  12. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1192 (Digitalisat).
  13. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1182 (Digitalisat).
  14. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, Abschnitt II, Sp. 1015 (Digitalisat).
  15. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, Abschnitt II, Sp. 747 (Digitalisat).
  16. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, S. 167 (Digitalisat).
  17. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, S. 323 (Digitalisat).
  18. Hafen Fürth. (Nicht mehr online verfügbar.) Auf: binnenhafen.info, archiviert vom Original am 10. Juli 2015; abgerufen am 21. Mai 2015.