Dorf- und Gemeindeherrschaft

Rechtsinstitution im Heiligen Römischen Reich

Die Dorf- und Gemeindeherrschaft war ein Rechtskreis des ausgehenden Mittelalters und der frühen Neuzeit.

DefinitionBearbeiten

Bei der Dorf- und Gemeindeherrschaft (DGH) handelte es sich um einen besonderen Rechtsbereich im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, dessen Zweck es war, die Modalitäten im dörflichen und kommunalen Zusammenlebens zu regeln. Der DGH fiel vor allem in denjenigen Regionen des Reiches eine wichtige Rolle zu, die territorialherrschaftlich sehr stark fragmentiert waren. Denn in diesen Regionen war nicht die Hochgerichtsbarkeit die allgemeine Grundlage der Landeshoheit, sondern ein Konglomerat aus verschiedensten Herrschaftsrechten. Die DGH war dabei innerhalb dieses Rechtsgemenges das wichtigste Kriterium zur Durchsetzung der Landeshoheit über eine Ortschaft, ebenso wie die eng damit verschränkte Hegung des Kirchweihschutzes.[1] Eine besonders wichtige Rolle spielte die DGH in den sogenannten Kondominatsdörfern, also jenen Orten, die als Kondominate von mehreren Territorialmächten verwaltet wurden, wie etwa Fürth.[2] Die DGH fiel in der Regel demjenigen Grundherrn zu, der über die größten Besitzanteile eines Ortes verfügte.[3] In einigen Fällen konnte sie aber auch ganerblich gemeinsam (cumulative) oder abwechselnd (alternative) ausgeübt werden.[4]

Die Dorf- und Gemeindeherrschaft war mit der Wahrnehmung folgender Aufgaben verbunden:[5]

  • die von der Gemeinde gewählten Amtsträger mussten bestätigt und verpflichtet werden
  • die vogteiliche Gerichtsbarkeit über das im unmittelbaren Besitz der Gemeinde befindliche Grundeigentum war auszuüben, dies betraf vor allem die Wege, den Dorfanger und den Gemeindewald („zu Gassen, Feld und Flur“[6])
  • die Gemeinderechnung war einer jährlichen Rechnungsprüfung zu unterziehen
  • die dörfliche Rechtsordnung war zu beaufsichtigen

LiteraturBearbeiten

  • Gertrud Diepolder: Bayerischer Geschichtsatlas. Hrsg.: Max Spindler. Bayerischer Schulbuch Verlag, München 1969, ISBN 3-7627-0723-5.
  • Walter BauernfeindVorlage:Stadtlexikon Nürnberg/Wartung/Kürzel: Dorfherrschaft. In: Michael Diefenbacher, Rudolf Endres (Hrsg.): Stadtlexikon Nürnberg. 2., verbesserte Auflage. W. Tümmels Verlag, Nürnberg 2000, ISBN 3-921590-69-8, S. 221 (Gesamtausgabe online).
  • Heinrich Weber: Kitzingen. In: Historischer Atlas von Bayern. Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 1967.
  • Hanns Hubert Hofmann: Mittel- und Oberfranken am Ende des Alten Reiches (1792). In: Historischer Atlas von Bayern. Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 1954.
  • Hanns Hubert Hofmann: Unterfranken und Aschaffenburg mit den Hennebergischen und Hohenlohischen Landen am Ende des Alten Reiches (1792). In: Historischer Atlas von Bayern. Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 1956.
  • Duncker und Humblot (Hrsg.): Handbuch für Sozialkunde. Berlin/München 1952, ISBN 978-3-428-00573-4.

WeblinkBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Gertrud Diepolder: Bayerischer Geschichtsatlas. Hrsg.: Max Spindler. Bayerischer Schulbuch Verlag, München 1969, ISBN 3-7627-0723-5, S. 98–99.
  2. Heinrich Weber: Kitzingen. In: Historischer Atlas von Bayern. Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 1967, S. 145.
  3. Walter Bauernfeind: Stadtlexikon Nürnberg. Hrsg.: Michael Diefenbacher, Rudolf Endres. 2., verbesserte Auflage. W. Tümmels Verlag, Nürnberg 2000, ISBN 3-921590-69-8, S. 221. (Online).
  4. Hanns Hubert Hofmann: Mittel- und Oberfranken am Ende des Alten Reiches (1792). In: Historischer Atlas von Bayern. Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 1954, S. 10.
  5. Duncker und Humblot (Hrsg.): Handbuch für Sozialkunde. Berlin/München 1952, ISBN 978-3-428-00573-4 (google.de [abgerufen am 12. Mai 2019]).
  6. Hanns Hubert Hofmann: Unterfranken und Aschaffenburg mit den Hennebergischen und Hohenlohischen Landen am Ende des Alten Reiches (1792). In: Historischer Atlas von Bayern. Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 1956, S. 17.