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Bislohe (umgangssprachlich: „Bislou[2]) ist ein Stadtteil von Fürth in Mittelfranken.[3]

Bislohe
Stadt Fürth
Koordinaten: 49° 30′ 38″ N, 11° 0′ 30″ O
Höhe: 299 m ü. NHN
Einwohner: 442 (25. Mai 1987)[1]
Postleitzahl: 90765
Vorwahl: 0911
Schloss Bislohe (2013)
Schloss Bislohe (2013)

GeographieBearbeiten

Das Dorf bildet eine geschlossene Siedlung mit dem nördlich gelegenen Schmalau und dem südöstlich gelegenen Sack. Der Ort ist im Westen und Osten von den Äckern des Knoblauchslands umgeben.[4]

GeschichteBearbeiten

Es kann davon ausgegangen werden, dass der Ort wie die meisten anderen Knoblauchsland-Dörfer in der Waldrodungsperiode von 1000 bis 1300 entstand. Im Berg’schen Reichslehenbuch von 1396 wird dieser als „Pisloh“ erstmals urkundlich erwähnt. Das Grundwort des Ortsnamens leitet sich vom mittelhochdeutschen Wort „loh“ (=Sumpfwiese) ab, das Bestimmungswort wahrscheinlich von „binze“ (=Binse).[2]

1503 wird erstmals ein heute nur noch in kleinen Resten, verbaut in moderne Gebäude, sichtbares Wasserschloss „Pislo“ erwähnt. Als Besitzer wurden wohlhabende Nürnberger Bürger erwähnt, zunächst die Brüder Bühler, im Dreißigjährigen Krieg wechselte der Besitz dann an die Schwabs, 1777 schließlich an den Nürnberger Herrn von Haller. Im Mai 1552 wird Bislohe durch ein Heer des Brandenburger Markgrafen Alcibiades zerstört.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bildete Sack mit Bislohe und Braunsbach eine Gemeinde. In Bislohe gab es 5 Haushalte (1 Herrensitz, 4 Güter). Das Hochgericht übte die Reichsstadt Nürnberg aus, was vom brandenburg-bayreuthischen Oberamt Baiersdorf bestritten wurde. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft und die Grundherrschaft über alle Anwesen hatte der Nürnberger Eigenherr von Haller inne.[5]

1796 wurde Bislohe preußisch, 1808 ging es an Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde Bislohe dem 1808 gebildeten Steuerdistrikt Buch zugeordnet. Es gehörte auch der 1813 gegründeten Ruralgemeinde Buch an. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) wurde Bislohe in die neu gebildete Ruralgemeinde Sack umgemeindet. In der freiwilligen Gerichtsbarkeit unterstand der ganze Ort von 1823 bis 1848 dem Patrimonialgericht Bislohe.[6] Das bayerische Urkataster zeigt „Bisloh“ in den 1810er Jahren als einen Weiler mit fünf Höfen nördlich des Schlosses und einem Weiher.[7]

Zu Zerstörungen kam es durch durchziehende französische Heere und auch im Zweiten Weltkrieg wurde Bislohe schwer in Mitleidenschaft gezogen.

Am 1. Juli 1972 wurde Bislohe im Zuge der Gemeindegebietsreform in die Stadt Fürth eingegliedert.

Heute ist der Ort, neben der Wohnbebauung, die direkt unter der Einflugschneise des Flughafen Nürnberg liegt, hauptsächlich durch ausgedehnte, lärmintensive Industriegebiete, (bspw. Schrottverwerter, Speditionsgewerbe etc.) geprägt.

Kulturell unterhält auch die Musikzentrale dort seit den 2000er Jahren einen festen Standort (Proberaumzentrum).[8]

BaudenkmälerBearbeiten

  • Bisloher Hauptstraße 6a: Rest eines ehemaligen Herrensitzes
  • Haus Nr. 10: Gemeindehaus. Kleinerer erdgeschossiger Quaderbau mit Satteldach, am Giebel bezeichnet CH CH 1825.[9]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Jahr 001818 001840 001861 001871 001885 001900 001925 001950 001961 001970 001987
Einwohner 50 92 81 65 72 77 72 131 289 245 442
Häuser[10] 10 10 12 11 11 15 54 94
Quelle [11] [12] [13] [14] [15] [16] [17] [18] [19] [20] [1]

ReligionBearbeiten

Der Ort ist seit der Reformation überwiegend evangelisch-lutherisch. Die Einwohner evangelisch-lutherischer Konfession sind nach St. Peter und Paul (Poppenreuth) gepfarrt, die Einwohner römisch-katholischer Konfession nach Heiligste Dreifaltigkeit (Stadeln).

VerkehrBearbeiten

Eine Gemeindeverbindungsstraße führt südlich am Ronhof vorbei nach Poppenreuth bzw. nördlich über Schmalau nach Großgründlach zur Kreisstraße N 3. Eine weitere Gemeindeverbindungsstraße führt südwestlich nach Kronach.

ÖPNV: Eine direkte Anbindung an die Infra Fürth und somit an das öffentliche Verkehrsnetz ist mit den Buslinien 178 und 179 gegeben.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Bislohe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, DNB 94240937X, S. 323 (Digitalisat).
  2. a b W. Wiessner, S. 13f.
  3. Martin Schramm: Fürther Stadtteile festgelegt. In: Stadtarchive in der Metropolregion Nürnberg. Stadtarchiv Fürth, 1. Juni 2016, abgerufen am 2. April 2018.
  4. Bislohe im BayernAtlas
  5. H. H. Hofmann, S. 101.
  6. H. H. Hofmann, S. 232f.
  7. Bisloh auf BayernAtlas Klassik
  8. Heavy Metal am Schrottplatz: Neues Proberaumzentrum in Bislohe. In: Nordbayern.de. 5. August 2008, abgerufen am 2. April 2018.
  9. A. Gebeßler, S. 73. Denkmalschutz aufgehoben, Objekt evtl. abgerissen. Ursprüngliche Hausnummerierung.
  10. Es werden nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840, 1852 als Häuser, 1871 bis 1987 als Wohngebäude.
  11. Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise nach seiner durch die neueste Organisation erfolgten Constituirung enthaltenen Ortschaften: mit Angabe a. der Steuer-Distrikte, b. Gerichts-Bezirke, c. Rentämter, in welchen sie liegen, dann mehrerer anderer statistischen Notizen. Ansbach 1818, S. 10 (Digitalisat).
  12. Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Selbstverlag, Ansbach 1846, S. 92 (Digitalisat).
  13. Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 1028, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  14. kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen von 1871), Sp. 1193, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  15. Karl von Rasp: Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. Hrsg.: K. Bayer. Statistisches Bureau. München 1888, Abschnitt III, Sp. 1124 (Digitalisat).
  16. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1192 (Digitalisat).
  17. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1229 (Digitalisat).
  18. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, Abschnitt II, Sp. 1064 (Digitalisat).
  19. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, DNB 453660959, Abschnitt II, Sp. 782 (Digitalisat).
  20. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, DNB 740801384, S. 167 (Digitalisat).