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Das Dorf Reutles (umgangssprachlich: „Raidles“[1]) ist ein Stadtteil von Nürnberg in der Nordwestlichen Außenstadt und bildet zusammen mit Groß- und Kleingründlach den statistischen Bezirk 79.

Stadt Nürnberg
Koordinaten: 49° 32′ 2″ N, 11° 1′ 29″ O
Höhe: 302 m ü. NHN
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 90427
Vorwahl: 0911
Kapelle St. Felicitas

GeographieBearbeiten

Die Stadtrandsiedlung bildet mit dem südwestlich gelegenen Großgründlach eine geschlossene Siedlung und liegt im Norden der Stadt. Nachbarorte sind (dem Uhrzeigersinn folgend und im Norden beginnend) der Erlanger Stadtteil Tennenlohe sowie die Nürnberger Stadtteile Neunhof und Boxdorf. Im Osten liegen die Waldgebiete Eichenlohe und Neunhofer Forst. Im Westen grenzt das Flurgebiet Bei der Marter an.[2]

GeschichteBearbeiten

Das Dorf entstand im 12. Jahrhundert durch eine Rodung der Herren von Gründlach und wurde 1329 als „Revtleins“ erstmals urkundlich erwähnt. Der Ortsname leitet sich vom mittelhochdeutschen Wort „riute“ mit angehängtem Diminutivsuffix ab und bedeutet demnach kleine Rodung.

Die Grundherrschaft oblag ab 1625 den Pfinzing von Henfenfeld, die gleichzeitig die Burgherren von Großgründlach waren, zu dem es seitdem gehört.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Reutles 16 Haushalte (2 Halbhöfe, 6 Güter, 8 Gütlein). Das Hochgericht übte die Reichsstadt Nürnberg aus, was vom brandenburg-bayreuthischen Oberamt Baiersdorf bestritten wurde. Die Grundherrschaft über alle Anwesen hatte der Nürnberger Eigenherr von Haller inne.[3]

Wie alle anderen Dörfer im Knoblauchsland stand Reutles ab 1796 unter der Verwaltung Preußens und kam 1810 zum Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde Reutles dem 1811 gebildeten Steuerdistrikt Großgründlach zugeordnet. Es gehörte auch der im selben Jahr gegründeten Ruralgemeinde Großgründlach an. In der freiwilligen Gerichtsbarkeit unterstand der ganze Ort von 1821 bis 1848 dem Patrimonialgericht Großgründlach.[4]

Ab Ende des Zweiten Weltkriegs wuchs es infolge reger Bautätigkeit mit Großgründlach zusammen und wurde am 1. Juli 1972 im Zuge der Gebietsreform in Bayern nach Nürnberg eingemeindet.

BaudenkmälerBearbeiten

  • Felicitaskapelle von 1379, Reutleser Straße
  • Bauernhäuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert entlang der Reutleser Straße

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Jahr 001818 001840 001861 001871 001885 001900 001925 001950 001961 001970 001987
Einwohner 108 136 125 122 143 117 136 185 242 258 *
Häuser[5] 19 20 23 22 24 28 38 *
Quelle [6] [7] [8] [9] [10] [11] [12] [13] [14] [15] [16]
* Ort wird zu Großgründlach gerechnet.

ReligionBearbeiten

Der Ort ist seit der Reformation überwiegend protestantisch. Die Einwohner evangelisch-lutherischer Konfession sind nach St. Laurentius (Großgründlach) gepfarrt, die Einwohner römisch-katholischer Konfession sind nach St. Hedwig (Großgründlach) gepfarrt.

VerkehrBearbeiten

Über die Reutleser Straße besteht eine Verbindung zur Bundesstraße 4 und über diese zur Anschlussstelle Erlangen-Tennenlohe der Bundesautobahn 3. Im Nahverkehr erschließen die Stadtbuslinien 29 und 290 den Stadtteil.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Reutles – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. W. Wiessner, S. 78f.
  2. Reutles im BayernAtlas
  3. H. H. Hofmann, S. 163.
  4. H. H. Hofmann, S. 228.
  5. Es werden nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840, 1852 als Häuser, 1871 bis 1987 als Wohngebäude.
  6. Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise nach seiner durch die neueste Organisation erfolgten Constituirung enthaltenen Ortschaften: mit Angabe a. der Steuer-Distrikte, b. Gerichts-Bezirke, c. Rentämter, in welchen sie liegen, dann mehrerer anderer statistischen Notizen. Ansbach 1818, S. 75 (Digitalisat).
  7. Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Selbstverlag, Ansbach 1846, S. 90 (Digitalisat).
  8. Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 1028, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  9. kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen von 1871), Sp. 1192, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  10. Karl von Rasp: Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. Hrsg.: K. Bayer. Statistisches Bureau. München 1888, Abschnitt III, Sp. 1123 (Digitalisat).
  11. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1191 (Digitalisat).
  12. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1229 (Digitalisat).
  13. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, Abschnitt II, Sp. 1061 (Digitalisat).
  14. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, Abschnitt II, Sp. 780 (Digitalisat).
  15. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, S. 167 (Digitalisat).
  16. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, S. 323 (Digitalisat).