Hauptmenü öffnen

Das Patriziat der Reichsstadt Nürnberg, die für den Inneren Rat berechtigten Familien, stellte das eigentliche Machtzentrum Nürnbergs bis zur französischen Besetzung im Jahr 1806 dar.

Von 1256 bis zur französischen Besetzung und der folgenden Einverleibung durch Bayern am 15. September 1806 wurde Nürnberg vom Rat regiert, wobei bis 1427 noch viele Kompetenzen in der Stadt und dem Umland bei den ab 1105 eingesetzten Burggrafen lagen. Nach dem Kauf des Burggrafenamtes im Jahr 1427 hatte der Rat die alleinige Herrschaft inne.

Der Rat gliederte sich in den „Inneren Rat“ und den „Großen Rat“. Dabei stellte der Innere Rat, in dem neben nur acht Vertretern der Handwerke nur patrizische Familien, das Patriziat der Stadt, vertreten waren, das eigentliche Machtzentrum und den Inhaber der Souveränität dar. Die Reichsstadt Nürnberg selbst bezeichnete sich – wie auch andere Reichsstädte – als „Republik“. Neben der Anlehnung an das römische Vorbild bedeutet der Begriff hier auch den Gegensatz zu den ansonsten üblichen monarchischen Regierungsformen. „Republik“ darf aber nicht mit „Demokratie“ gleichgesetzt werden.

Bildnis der Elsbeth Tucher von Albrecht Dürer, 1499

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

UrsprungBearbeiten

Die für den Rat berechtigten Familien, die sich – allerdings erst seit der Renaissance – ebenfalls nach römischem Vorbild Patrizier nannten, waren die politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich führenden Familien in der Reichsstadt. Sie stammten überwiegend aus der Ministerialität. Nach dem Untergang des Stauferreiches zogen die meisten der Reichsministerialenfamilien, wie zum Beispiel die Pfinzing, Stromer, Haller, Muffel oder Groß aus dem Reichsland (Terra Imperii) in die Stadt.

StadtadelBearbeiten

Zwischen dem Landadel und dem Stadtadel gab es anfangs keine Unterschiede, doch seit etwa der Mitte des 14. Jahrhunderts gingen die Wege auseinander. Der neue Stadtadel gelangte durch Handel (Fernhandel), Finanzgeschäfte und durch gewinnreiche Beteiligungen an Montanunternehmen, insbesondere in der Oberpfalz, in der Regel zu großem Reichtum und begründete allmählich eine Städtearistokratie.

Vom Landadel wurde ihnen die Stifts- und die Turnierfähigkeit verweigert, weshalb die Söhne der Patrizier das sogenannte „Gesellenstechen“ durchführten und das Patriziat damit begann, eigene Standesklöster zu stiften. Viele Patrizierfamilien ließen sich vom Kaiser die Adelsqualität durch kaiserliche Adels- oder Wappenbriefe bestätigen, die häufig mit Wappenbesserungen verbunden waren. Andere Familien fügten, um zu demonstrieren, dass sie sich adelig fühlten, ihrem ursprünglichen Familiennamen einen Zusatz mit „von“ und den Namen zugekaufter Landsitze an. In den meisten Fällen wurde dieser Zusatz später vom Kaiser auch als Adelsprädikat anerkannt.

KooptationBearbeiten

Durch das Aussterben vieler stadtadeliger Familien im Laufe des späten Mittelalters, war man gezwungen, den Rat durch Kooptation neuer ehrbarer Familien zu ergänzen. Im 15. Jahrhundert fanden zweiundzwanzig neue Familien den Aufstieg ins Patriziat, darunter die Kreß, Rieter und die Harsdörffer. Aus dem Handwerksstand schafften nur die Fütterer, über Finanzgeschäfte und das Verlagswesen, die Aufnahme in den Inneren Rat. Vielfach wurden Geschlechter, die aus oberdeutschen Städten zugezogen waren, wie etwa die Welser aus Augsburg, die Ehinger aus Ulm sowie die Imhoff und Paumgartner aus Lauingen, in den Rat kooptiert. Der Kreis der ratsfähigen Familien wurde, mit dem Erlass des Tanzstatuts von 1521, endgültig festgeschrieben und das Patriziat von zweiundvierzig Familien schloss sich kastenartig ab. Nach diesem Erlass bestimmte das Geblütsprinzip der „genießenden Familie“ die Nürnberger Gesellschaft und Politik, denn nur diese zweiundvierzig Familien waren ratsfähig. Von 1536 bis 1729 wurden nur noch die Schlüsselfelder kooptiert und den Oelhafen und Scheurl die Gerichtsfähigkeit zuerkannt. Aufgrund des Aussterbens einiger Familien mussten im 18. Jahrhundert zunächst sechs und dann nochmals drei Familien kooptiert werden, da nicht mehr alle Ämter und Deputationen besetzt werden konnten.

Nobiles NorimbergensesBearbeiten

Die reichen Patrizier, auch als Nobiles Norimbergenses bezeichnet, hoben sich durch die Kleiderordnungen als erster Stand deutlich hervor. Ein von Rat erlassenes Modediktat regelte Form, Qualität und Ausschmückung dessen, was die Vertreter des ersten Standes, zur Aufrechterhaltung der Ständeordnung, tragen sollen. Sie zogen sich mehr und mehr von den Handelsgeschäften zurück, erwarben ausgedehnte Landgüter, pflegten auf ihren prunkvoll ausgestatteten Herrensitzen demonstrativ den adeligen Lebensstil und versuchten ihre kaufmännische Vergangenheit zu verdrängen. Sie vernachlässigten darüber aber vor allem die wirtschaftlichen Belange der ihnen anvertrauten Stadt und trugen mit ihrer Prunksucht maßgeblich zur immer weiter zunehmenden Verschuldung Nürnbergs bei. Auch nach dem Dreißigjährigen Krieg hatten sie keine Lehren gezogen und gaben, aus Prestigegründen, das Geld mit vollen Händen aus.

Erstmals etwas bekannt wurden diese Missstände 1696 durch den vordersten Losunger Paul Albrecht Rieter von Kornburg. Er versuchte diesen Fehlern entgegenzuwirken und die Finanzen neu zu ordnen (Abbau der Staatsverschuldung), drang jedoch beim Rat nicht durch. Aus Protest legte er sein Amt nieder, gab sein Bürgerrecht auf, schloss sich der Reichsritterschaft an und zog sich nach Kornburg zurück.

RitterschaftBearbeiten

Obwohl neununddreißig Patrizierfamilien die Eigenherrschaft über rund 3.000 bäuerliche Hintersassen besaßen, wurde ihnen vom Ritteradel, vereint in der Reichsritterschaft, die Ebenbürtigkeit abgesprochen, mit Ausnahme der Rieter von Kornburg. Als der Streit um die Gleichrangigkeit, die Titulatur und Anrede im Jahre 1654 eskalierte, wandte sich das Patriziat an den Kaiser.

In den Privilegien von 1696 und 1697 bestätigte Kaiser Leopold den patrizischen Familien ihren alten Adel und das Recht, neue Familien aufzunehmen. Er stellte fest, dass sie lange „ehe sie sich in die Stadt begeben, in einem adeligen und Rittermäßigen Stand“ gelebt hätten, wären zu Turnieren zugelassen gewesen, zu Rittern geschlagen und in adelige Stifte und Ritterorden aufgenommen worden, enthielten sich aller Handelsgeschäfte und anderer bürgerlicher Gewerbe, und ihnen wäre die Regierung einer volkreichen Stadt anvertraut. Dem Rat wurde korporativ (als Stand) das Prädikat „Edel“ zugestanden und den drei Vordersten Ratsherren seit 1721 der Titel „Wirklicher Geheimer Rat des Kaisers“ verliehen. Der Reichsritterschaft gegenüber mussten die Ansprüche auf Ebenbürtigkeit und die Titulatur „Edel“ erst noch durchgesetzt werden. Mehrere patrizische Familien, wie die Geuder, Kreß, Welser, Tucher, Imhoff und Holzschuher, konnten in den folgenden Jahrzehnten, durch den Erwerb von Rittergütern, ihre Immatrikulation bei der Reichsritterschaft in Franken erreichen. Es galt nur für das Nürnberger Patriziat, dass der Ratssitz in der Stadt und die Mitgliedschaft bei der freien Reichsritterschaft in einer Person vereinigt werden konnte. Um beim Kanton ein Amt zu übernehmen, mussten die Patrizier ihr Bürgerrecht aufgeben. Gleichrangigkeit und Gleichwertigkeit mit der freien Reichsritterschaft hatten die ratsfähigen Familien zweifellos in kaiserlichen und fürstlichen Verwaltungsdiensten und beim Militärdienst erlangt. Sie stiegen im Offizierskorps des Fränkischen Reichskreises und im kaiserlichen Heer bis in die höchsten Ränge auf.

Durch die Rieterstiftung wurde die Stadt Nürnberg 1753 Mitglied der Reichsritterschaft.

Ende des PatriziatsBearbeiten

Nach Ende der reichsstädtischen Zeit, wurde der Rat der Stadt entmachtet, die Ebenbürtigkeit des alten Patriziats wurde jedoch auch vom Königreich Bayern anerkannt und von den fünfundzwanzig beim Übergang an Bayern noch existierenden Patriziergeschlechtern wurden die, nach dem Tanzstatut, alten Familien in die Freiherrenklasse immatrikuliert. Die erst im Verlauf des 18. Jahrhunderts kooptierten Familien wurden dagegen nur in die Klasse der einfachen Adeligen aufgenommen.

Die Interessen der Patrizier wurden auch nach dem Übergang an Bayern durch den 1799 von ihnen gegründeten Selekt des Nürnberger Patriziats vertreten.

(siehe auch: Bürgermeister der Stadt Nürnberg)

PatrizierfamilienBearbeiten

Name Erste Erwähnung Im Rat ab: Adelstitel seit: Anmerkungen Persönlichkeiten Wappen
Ebner von Eschenbach 1251 1319 1813 Christine Ebner (1277–1356)
Erasmus Ebner (1511–1577)
Marie von Ebner-Eschenbach (1830–1916)
Moritz von Ebner-Eschenbach (1815–1898)
Fürer von Haimendorf 1295 1501 1599 Christoph Fürer von Haimendorf (1663–1732)
Geuder von Heroldsberg 1253 1349 1697 † 1963 Rabensteiner Linie
(Nachkommen: Brunel-Geuder (weibliche Linie))
Grundherr von Altenthann und Weiherhaus 1265 1340 1547
Gugel von Brand und Diepoltsdorf 1450 1729 1543 Fabius von Gugel (1910–2000)
Haller von Hallerstein 1293 1314 1790 August(in) Haller von Hallerstein (1703–1774)
Harsdorf von Enderndorf
(auch: Harsdörffer/Harsdorfer/Harstörfer)
1377 1450 1697 Georg Philipp Harsdorf (1607–1658),
Holzschuher von Harrlach 1228 1319 1547 Rudolf Sigmund von Holzschuher (1777–1861)
Imhoff 1340 1402 1697 Gustaaf Willem Imhoff (1705–1750)
Kreß von Kressenstein 1307 1418 1530 Otto Kreß von Kressenstein (1850–1929)
Friedrich Kreß von Kressenstein (1870–1948)
Franz Kreß von Kressenstein (1881–1957)
Löffelholz von Kolberg 1420 1440 1512
Oelhafen von Schöllenbach 1363 1729 1489 seit 1546 gerichtsfähig
Praun 1383 1788 1789 † 1867 ältere Linie
Nachkommen: jüngere Linie – Münchner Raum
Scheurl von Defersdorf 1440 1729 1540 seit 1580 gerichtsfähig Christoph von Scheurl II (1481–1542)
Stromer von Reichenbach 1230 1291 1697 Peter Stromer (um 1315–1388)
Ulman Stromer (1329–1407)
Wolf Jacob Stromer (1561–1614)
Otto Stromer von Reichenbach (1831–1891)
Ernst Stromer von Reichenbach (1871–1952)
Wolfgang Stromer von Reichenbach (1922–1999)
Tucher von Simmelsdorf 1309 1340 1697 Endres Tucher (1423–1507)
Hans Tucher (1428–1491)
Anton Tucher (1458–1524)
Volckamer von Kirchensittenbach 1337 1362 1813
Welser von Neunhof und zu Beerbach 1420 1504 1368 † 1797 Augsburger Linie
† 1878 Neunhofer Linie
Nachfolger: Ulmer Linie der Welser
Augsburg:
Bartholomäus V. Welser (1484–1561)
Bartholomäus VI. Welser (1512–1546)
Philippine Welser (1527–1580)

Nürnberg:
Carl Wilhelm von Welser (1663–1711)
Ulm:
Johann Michael von Welser (1869–1943)

AbgewandertBearbeiten

Name Erste Erwähnung Im Rat ab: Adelstitel seit: Anmerkungen Persönlichkeiten Wappen
Bosch
auch: Posch[1]
1467[2] 1536[3] Im Rat bis 1678[4] Wolfgang II Bosch (1500–1558), Erzieher von Herzog Albrecht von Bayern, Kanzler des Rentamts Straubing.[5]

Johann Adam von Posch

Eyb – Pilgram von Eyb 1165 Mitglieder des fränkischen Adels
Hegner von Altenweiher
Hegner von Altweyer und Moos
Edle und Ritter von Högen (Högn)
Hegener, Hegnein, Heegn
1385 1441–1459 um 1600 abgewandert in die Oberpfalz nach Böhmen (Kostrzan, Kosterschan

Kosterzan, Kostrcany) und Ungarn (Versecz)

Ulman Hegner, Bürgermeister von Nürnberg (1441–1459)
Langmann (Patrizier) 1352 Im Rat bis 1369; † 1381 Cunz Langmann, Ratsherr
Adelheid Langmann, Mystikerin
Münzmeister (Patrizier)
Haller genannt Münzmeister
1418 im Rat bis 1423, abgewandert
Rehlinger (Patrizier)
auch: Rehlingen, Rehling
1302 1468–1475 1302 in Augsburg erwähnt
1475 wieder nach Augsburg abgewandert
siehe auch: Rehling
Wolf von Wolfsthal 1469 1499 1500 im Rat bis 1504
abgewandert um 1605
von Maximilian I. geadelt, ab 1707 Reichsgrafen; † 1717[6]

ErloschenBearbeiten

Name Erste Erwähnung Im Rat ab: Adelstitel seit: Anmerkungen Persönlichkeiten Wappen
Ammon (Patrizier)
Ammann
1357 † 1483
Behaim von Schwarzbach auf Kirchensittenbach 1285 1319 1681 † 1942
Derrer von Unterbürg 1319 1355 † 1706
Eisvogel (Patrizier) 1296 1332 † 1627
Esler (Patrizier) 1274 † ?
Flexdorfer (Patrizier) 1305 1380 † 1449
Fütterer (Patrizier) 1304 1501 † 1586
Geuschmid (Patrizier) 1270 1347 † ?
Grabner (Patrizier) † ?
Graser (Patrizier) 1311 1395 † 1470
Groland von Oedenberg 1305 1346 † 1720
Groß (Patrizier) 1274 1319 † 1589 Konrad Groß
Haid (Patrizier)
Heyden/Haiden/Heiden
1305 1357 † 17. Jh.
Hirschvogel (Patrizier) 1380 1450 † 1550
Kammermeister (Patrizier) 1303 1443 † 1741
Katterbeck (Patrizier) 1283 1318 † 1395
Kestel (Patrizier) 1355 † 1355
Koler von Neunhof 1246 1319 † 1688
Krauter (Patrizier) 1352 Im Rat bis 1369; † 1450
Küdorfer 1236 1318 Im Rat bis 1369; † 1598
ab 1400 im fränkischen Adel
Lemmel (Patrizier)
auch: Lemlein[7]
1249 1447 Im Rat bis 1473; † 1513 (Nürnberg Hauptlinie)
Maurer (Patrizier)
auch: Meurl
1249 1342 † um 16. Jh.
Meichsner (Patrizier) 1396 1453 † 17. Jh.
Mendel (Patrizier) 1305 1354 † 1631
Mentelein (Patrizier) im Rat bis 1344; † 1361 (?)
Muffel von Eschenau
Muffel von Ermreuth
1286 1318 † 1784
Nadler (Patrizier) 1347 im Rat 1347 und 1352; † 1360
Neumarkter (Patrizier) 1259 1332 † 1361
Nützel von Sündersbühl 1272 1319 † 1747
Ortlieb (Patrizier) 1260 1332 Im Rat bis 1442; † 1478
Paumgartner von Holnstein und Grünsberg 1255 1396 † 1726
Peller von Schoppershof 1559 1788 1585 † 1870
Peßler (Patrizier) 1427 1729 † 1786
Pfinzing von Henfenfeld 1233 1274 † 1764
Pirckheimer (Patrizier) 1358 1386 † 1530 Willibald Pirckheimer (1470–1530) berühmter Humanist und Freund Albrecht Dürers
Pömer von Diepoltsdorf 1286 1395 1697 † 1814
Prünsterer (Patrizier) 1358 1455 † um 1500 Franz Prünsterer wurde 1619 Ratsherr der Hansestadt Lübeck
Puck (Patrizier) 1344 nur 1344 im Rat; † 1427
Reich (Patrizier)
auch: Reichel
1372 1447 † 1578
Rieter von Kornburg und Kalbensteinberg 1361 1437 1447 † 1753
Rummel von Zant und Lonnerstadt 1281 1402 † 1807
Sachs (Patrizier) 1360 im Rat bis 1372; † 1500 (ca.)
Schlüsselfelder von Kirchensittenbach 1382 1536 † 1709
Schmugenhofer (Patrizier) 1291 im Rat bis 1378; † 1469
Schopper (Patrizier) 1267 1319 † 16. Jh. oder abgewandert
Schürstab (Patrizier)
Schürstab von Oberndorf[8]
1299 1355 † 1743
Schütz (Patrizier)
Schütz von Hagenbach[8]
1404 nur 1404 und 1405 im Rat, dann abgewandert; † 1540[9] 1310–1540 Rittergut Hagenbach.
Seibold (Patrizier) 1352 nur 1352 im Rat; † 1369 (ca.)
Starck von Röckenhof 1387 1453 † 1715
Tetzel von Kirchensittenbach 1326 1343 † 1736
Stein (Patrizier) 1291 im Rat bis 1365; † 1395 (Nürnberger Linie)
Steinlinger (Patrizier), Steinling 1397 im Rat bis 1455; † in Nürnberg 1477; † 1984
Teufel (Patrizier) 1233 ? im Rat bis 1441; † 1451
Thill (Patrizier)
Hack von Suhl
1422 1729 † 1771
Toppler (Patrizier)
Topler
1408 1475 † 1687 Heinrich Toppler
Valzner (Patrizier) 1401 1403 im Rat bis 1418; † 1423
Viehtel (Patrizier)
auch: Pecus
1285 1318 † ?
Vorchtel (Patrizier) 1243 1319 † 1515
Wagner (Patrizier) † ?
Waldstromer von Reichelsdorf 1223 1729 1551 † 1844
Weigel (Patrizier) 1285 1332 † 1430
Woelckern (Patrizier) 1530 1788 1728 † 1905
Zenner (Patrizier) 1377 im Rat 1377 und 1379, † ?
Zingel (Patrizier) 1367 1435 † 1539
Zollner vom Brand 1340 1402 † 1776

Der zweite StandBearbeiten

In der Ständegliederung der Reichsstadt Nürnberg wurde zwischen dem durch Ratsfähigkeit ausgezeichneten ersten Stand, dem Patriziat, und dem als Ehrbarkeit bezeichneten zweiten Stand unterschieden, dessen Mitglieder in Einzelfällen auch Gerichtsfähigkeit besaßen. Der Begriff „erbar“ bezeichnete ursprünglich sowohl die ratsfähigen, später dem Patriziat zuzurechnenden Geschlechter, deren Mitglieder und auch den Kreis von Familien, aus denen sich das Patriziat bis ins 16. Jahrhundert und in neun Fällen im 18. Jahrhundert rekrutierte und mit denen sie durch Heirat verbunden waren. Im 16./17. Jahrhundert wurde mit „erbar“ gerade der patrizische Stand bezeichnet, bis dieser 1697 das Recht zugebilligt bekam, sich als „edel“ zu titulieren.

Unter gerichtsfähigen Geschlechtern verstand man seit der endgültigen Ausbildung der Nürnberger Ständegliederung jenen kleinen Kreis von Familien, die lange Zeit dem Patriziat anderer, rangähnlicher Städte angehört hatten und bereits mit kaiserlichen Wappen- oder Adelsbriefen ausgestattet waren. Im späten 16. Jahrhundert waren es nur die Oelhafen und die Scheurl, im 17./18. Jahrhundert kamen noch einige andere hinzu. Die gerichtsfähigen Familien zählten, wie die Familien der Ehrbarkeit, zum zweiten Stand in der Nürnberger Gesellschaft, sie konnten Ämter besetzen, die sonst nur durch Ratsfähigkeit zu erlangen waren, der Zugang zum Inneren Rat blieb ihnen verwehrt.

Durch das Aussterben von Ratsfamilien, schafften es einige „Geschlechter der Ehrbarkeit“ und gerichtsfähige Familien, in das Patriziat kooptiert zu werden.

Ehrbare FamilienBearbeiten

Name Erste Erwähnung Ehrbar ab: Adelstitel seit: Anmerkungen Persönlichkeiten Wappen
Ditl † ?
Fürleger 1310 1495 1625 † ? Gottfried Fürleger war der letzte nachgewiesene Vertreter des Geschlechts (* 1702,† ?)
Gundelfinger 1350 1550 wegen Überschuldung geflüchtet
Halbwachs
Halbwachsen
† ?
Held (genannt Hagelsheimer) 1357 † 1682
genannt nach Schloss Hagelsheim an der Tauber
Kämmerer † ?
Ketzel (auch: Kötzel) 1438 1422/35 aus Augsburg nach Nürnberg zugewandert; † 1588
Koburger/Koberger † ? Anton Koberger
Köler † ?
Kötzler 1298 † 1674
Krell † ?
Tuchhändler, Montanunternehmer
Letscher † ?
Lochaim 1373 † 1546 (?) Wolflein von Lochamer (Lochaim), um 1500, Besitzer des Lochamer-Liederbuchs; nach ihm wurde diese Sammlung benannt
Melber † ?
Örtel † 1666[10]
Ploben
auch: Plob von Ploben
Plauen
1451 † 1619[11]
Pucher † ?
Römer † ?
Schedel † 1571 Hartmann Schedel
Schlaudersbach 1495 † 17. Jh.
Schleicher † ?
Schmidmeyer von Schwarzenbruck 1380 † 1707
Schnöd 1342 1552 nach Ulm ausgewandert
Stockamer † ?
Trainer † ?
Voit von Wendelstein † 1718

Gerichtsfähige FamilienBearbeiten

Name Erste Erwähnung Gerichtsfähig ab: Adelstitel seit: Anmerkungen Persönlichkeiten Wappen
Dietherr von Anwanden 1431 1730 1813 † 1819
Furtenbach auf Reichenschwand 1371 1768 1813 † 1957
Gammersfelder von Solar 1466 1730 1466 † 1740[12][13]
Petz von Lichtenhof 1450 1730 1813
Viatis 1538 1730 1818 † 1834 Bartholomäus Viatis

KaufmannsfamilienBearbeiten

Einigen Familien war es trotz hohen Ansehens, großen Vermögens und verwandtschaftlicher Verbindungen zu Patrizierfamilien nicht gelungen in den inneren Zirkel der Reichsstadt zu gelangen, sie haben ungeachtet dessen einen wesentlichen Beitrag zum Ruhm und zur Blüte Nürnbergs geleistet und werden aus diesem Grund erwähnt.

Name Erste Erwähnung Adelstitel seit: Anmerkungen Persönlichkeiten Wappen
Landauer 14. Jahrhundert † 1515
Landauersches Zwölfbrüderhaus

Weitere Nürnberger AdelsfamilienBearbeiten

Name Erste Erwähnung in Nürnberg ab: Adelstitel seit: Anmerkungen Persönlichkeiten Wappen
Dilherr von Thumenberg 1423 1531 1600 † 1707 erste Nürnberger Linie
(† 1758 zweite Nürnberger Linie)
Johann Michael Dilherr
(Hennebergische Linie der Dilherr)
Gründlach 1140 1140 ? † 1314/15 Nürnberger Linie
† 1464 Berg-Hertingsberger Linie
Leopold I. von Gründlach
Winkler von Mohrenfels 1156 ?

WappengalerieBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Julie Meyer: Die Entstehung des Patriziats in Nürnberg. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg. (MVGN), Band 27, 1928, S. 1–96. (online)
  • Gunther Friedrich: Bibliographie zum Patriziat der Reichsstadt Nürnberg. (= Nürnberger Forschungen. Band 27). Verein für Geschichte der Stadt Nürnberg. Edelmann, Nürnberg 1994, ISBN 3-87191-203-4.
    • Buchbesprechung durch Peter Zahn, in: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg. Band 82, 1995, S. 353–355, (online)
  • Eugen Kusch: Nürnberg. Lebensbild einer Stadt. 5. Auflage. mit einem neuen Kapitel „1945–1989“ von Christian Köster. Verlag Nürnberger Presse Druckhaus Nürnberg, Nürnberg 1989, ISBN 3-920701-79-8.
  • Christoph von Imhoff (Hrsg.): Berühmte Nürnberger aus neun Jahrhunderten. 2. Auflage. Hofmann, Nürnberg 1989, ISBN 3-87191-088-0. (Neuauflage: Edelmann Buchhandlung, 2000)
  • Michael Diefenbacher, Rudolf Endres (Hrsg.): Stadtlexikon Nürnberg. 2., verbesserte Auflage. W. Tümmels Verlag, Nürnberg 2000, ISBN 3-921590-69-8 (online).
    • Walter Bauernfeind: Alte Genannte. S. 62.
    • Rudolf Endres: Patriziat. S. 808.
  • Geschlechtsregister von Johann Gottfried Biedermann
  • Johannes Müllner: Die Annalen der Reichsstadt Nürnberg von 1623. Teil II: Von 1351–1469. Nürnberg 1972, S. 157–170.
  • Chronologische Aufstellung der Genannten des Großen Rats der Stadt Nürnberg (1560–1670). Handschrift des 17. Jhdts, (Digitalisat)
  • Michael Diefenbacher: Die Adelslandschaft – Burgen, Schlösser, Herrensitze, in: Wolfgang Wüst (Hrsg.): Bayerns Adel – Mikro- und Makrokosmos aristokratischer Lebensformen. Referate der internationalen und interdisziplinären Tagung. Kloster Banz, Bad Staffelstein, 26.-29. Mai 2016, Frankfurt am Main, New York, Bern u. a. (Peter Lang Verlag) 2017, S. 163–187. ISBN 978-3-631-73453-7.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Patrizier (Nürnberg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Rudolf Johann Helmers: Erneuert und vermehrtes Siebmacher Wappenbuch. Nürnberg 1695–1701.
  2. Johann Ferdinand Roth: Geschichte des Nürnbergischen Handels. Vol. I & II, Leipzig 1800–1801.
  3. Peter Fleischmann, Manfred H. Grieb (Hrsg.); Johann Ferdinand Roth: Das Verzeichnis aller Genannten des Größeren Rats zu Nürnberg aus dem Jahr 1802. 2002, ISBN 3-89557-155-5.
  4. Peter Fleischmann, Manfred H. Grieb (Hrsg.); Johann Ferdinand Roth: Das Verzeichnis aller Genannten des Größeren Rats zu Nürnberg aus dem Jahr 1802. 2002, ISBN 3-89557-155-5.
  5. Hans Joachim Schmid: Die Schlüsselberger, Förnberger und Bosch. BFFK 37 (2014)
  6. Erwähnung der Wolf von Wolfsthal
  7. Siegel der Lemmel
  8. a b Geschichte von Oberndorf (Memento des Originals vom 18. April 2012 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.fischkueche-reck.de
  9. Geschichte von Hagenbach (Memento des Originals vom 15. September 2011 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.reifen-waechter.de
  10. Organ des Germanischen Museums: Anzeiger für Kunde der Deutschen Vorzeit. Nr. 2, Februar 1855.
  11. Christoph von Ploben
  12. Erwähnung der Gammerfelder in Solar (Memento vom 13. Mai 2016 im Internet Archive)
  13. Festschrift der Freiwilligen Feuerwehr Solar-Grauwinkl: Chronik Solar Grauwinkl Auhof, Hilpoltstein 2002. Autoren: Willi Stengl, Anton Strobl, Irmgard Prommersberger