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Willibald Pirckheimer, porträtiert von Albrecht Dürer (1503)
Eigenhändiges Konzept Pirckheimers zu einem Brief, 1519. Nürnberg, Stadtbibliothek, Pirkheimerpapiere Blatt 122
Willibald Pirckheimers Grab auf dem Johannisfriedhof in Nürnberg

Willibald Pirckheimer (auch Bilibald Pirkheimer, lateinisch Bilibaldus; * 4. Dezember 1470 in Eichstätt; † 22. Dezember 1530 in Nürnberg) war ein deutscher Renaissance-Humanist, Jurist und Übersetzer, Feldherr, Künstler und Kunstsammler sowie Mäzen. Er war ein Freund Albrecht Dürers und Berater Kaiser Maximilians I. Von 1496 bis 1523 gehörte er (mit Unterbrechungen) dem Nürnberger Rat an.

LebenBearbeiten

Als Sohn des Anwalts Johannes Pirckheimer in der fürstbischöflichen Residenzstadt Eichstätt geboren, durchlief Willibald Pirckheimer ein siebenjähriges Studium in Italien, an den Universitäten in Padua und Pavia. Er folgte damit einer Familientradition, die sein Großonkel Thomas Pirckheimer etabliert hatte, der sich als erster juristischen und humanistischen Studien in Italien zugewandt hatte. Seine ältere Schwester Caritas Pirckheimer war Äbtissin des Nürnberger Klaraklosters. Vermutlich 1495 begegnete er erstmals Albrecht Dürer.

Er war Mitglied eines Kreises von Nürnberger Humanisten, dem auch Conrad Celtis, Sebald Schreyer (1446 bis 1520) und Hartmann Schedel, der Verfasser der Schedelschen Weltchronik, angehörten. Er übersetzte zahlreiche klassische Werke ins Deutsche sowie griechische Werke ins Lateinische. In diesem Zusammenhang ist seine Herausgabe der Geographia von Ptolemäus im Jahre 1525 zu erwähnen. Kaiser Maximilian I. beriet sich mit ihm über literarische Fragen.

1499 wurde Pirckheimer vom Nürnberger Magistrat zum Kommandanten des reichsstädtischen Truppenkontingents im Schwabenkrieg gegen die Eidgenossen ernannt, in der Landgrafschaft Klettgau plünderten seine Truppen mehrere Dörfer, so vor allem Rechberg. Er erhielt bei seiner Rückkehr einen goldenen Pokal überreicht. Eine Anspielung darauf findet sich möglicherweise in Dürers Stich Nemesis um 1502.

Da Dürer keine klassische Ausbildung genossen hatte, wird üblicherweise angenommen, dass die zahlreichen klassischen und humanistischen Anspielungen in seinen Werken auf Gespräche mit Pirckheimer zurückgehen; als Ausnahme hierzu gilt hauptsächlich Melencolia I. Pirckheimer lieh Dürer das Geld für dessen zweite Italienreise um 1506/1507, und zehn Briefe von Dürer an Pirckheimer aus Italien bezeugen ihre enge Freundschaft.

Pirckheimers Büchersammlung war über Nürnberg hinaus bekannt, ebenso seine Sammlung aller möglichen Kunstgegenstände (Diese Sammlung wurde durch Willibald Imhoff (ein Enkel Pirckheimers) erweitert und diente als Grundlage des um 1545 gegründeten Imhoffschen Kunstkabinetts).[1]

Wie Dürer liegt Pirckheimer auf dem Nürnberger St.-Johannis-Friedhof begraben (Grab St. Johannis I / 1414).

PublizistBearbeiten

Pirckheimer engagierte sich in den gelehrten Auseinandersetzungen seiner Zeit. Insbesondere setzte er sich für Johannes Reuchlin im Judenbücherstreit und Martin Luther ein. Wahrscheinlich war er der Autor der 1520 unter dem Pseudonym „Joannes Franciscus Cottalambergius“ veröffentlichten Satire Eccius Dedolatus (etwa: Der gehobelte Eck), mit der der Luthergegner Johannes Eck verspottet wurde. Jedenfalls ließ ihn Eck deshalb in die päpstlichen Bannbullen von 1520 und 1521 gegen Luther und seine Anhänger aufnehmen. Dem Protestantismus gegenüber war Pirckheimer aber eher kritisch eingestellt.

KünstlerBearbeiten

Gemeinsam mit Johannes Stabius entwarf er das allegorische Grundgerüst zum „Triumphzug“ und der „Ehrenpforte Maximilians I.“ (die Albrecht Dürer illustrierte), in denen das politische Konzept Maximilians I. propagiert wurde. Pirckheimer war auch maßgeblich am Entwurf des ikonografischen Programms des Nürnberger Rathaussaales beteiligt. Dürer, der wohl frühzeitig in die Planungen eingebunden war, war von 1521 bis 1522 ab für die Umsetzung verantwortlich; die Ausmalung des Saales war nicht vor 1528 bis 1530 fertig.

Jurist und GutachterBearbeiten

Eine herausragende Rolle spielte Willibald Pirckheimer für die Rezeption des römischen Rechts in Deutschland. Gregor Haloander, ein junger Gelehrter, hatte in Italien Materialien für die von ihm geplante kritische Ausgabe der Pandekten von Justinian gesammelt und sich für die Durchführung dieses Plans um Unterstützung an den Nürnberger Rat gewandt. Eine Ratskommission bat im Jahr 1528 Willibald Pirckheimer um eine gutachterliche Stellungnahme, die äußerst günstig ausfiel. Dies und die Befürwortung durch den Reformator Philipp Melanchthon hat dazu geführt, dass im Jahr 1529 mit Unterstützung der Stadt Nürnberg das römische Recht in dem von Gregor Haloander bearbeiteten Text unter dem Titel Digestorum seu Pandectarum libri quinquaginta erscheinen konnte.

Pirckheimer im GedächtnisBearbeiten

 
Georg Schweigger: Bildnismedaillon Willibald Pirckheimer, Nürnberg 1638 (Bode-Museum, Berlin)

Ausgaben und ÜbersetzungenBearbeiten

  • Emil Reicke, Helga Scheible (Hrsg.): Willibald Pirckheimers Briefwechsel. (= Humanistenbriefe. 4) 7 Bände. Beck, München 1940–2009 (kritische Edition; Bände 1 und 2 von Reicke, Bände 3–7 von Scheible).
  • Niklas Holzberg (Hrsg.): Eckius dedolatus. Der enteckte Eck. Reclam, Stuttgart 1983, ISBN 3-15-007993-4 (lateinischer Text und Übersetzung).
  • Wolfgang Schiel (Hrsg.): Der Schweizerkrieg, übersetzt aus dem Lateinischen von Ernst Münch. Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1988, ISBN 978-3-85648-094-3.
  • Wolfgang Kirsch (Hrsg.): Willibald Pirckheimer: Verteidigungsrede oder Selbstlob der Gicht. Dingsda, Leipzig 2013, ISBN 978-3-928498-47-0 (lateinischer Text und deutsche Übersetzung).

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Doris Wolfangel: Dr. Melchior Ayrer (1520–1579). Medizinische Dissertation Würzburg 1957, S. 37.