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Die Automobil-Weltmeisterschaft 1958 war die 9. Saison der Automobil-Weltmeisterschaft, die heutzutage als Formel-1-Weltmeisterschaft bezeichnet wird. In ihrem Rahmen wurden über elf Rennen in der Zeit vom 19. Januar 1958 bis zum 19. Oktober 1958 die Fahrerweltmeisterschaft und erstmals der Internationale Pokal der Formel-1-Konstrukteure ausgetragen.

Automobil-Weltmeisterschaft 1958
Weltmeister
Fahrer: Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Mike Hawthorn
Konstrukteur: Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vanwall
Saisondaten
Anzahl Rennen: 11
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Der FIA-Ehrentitel Großer Preis von Europa wurde 1958 an den Großen Preis von Belgien vergeben.

Mike Hawthorn gewann zum ersten und einzigen Mal die Fahrer-Weltmeisterschaft. Vanwall wurde zum ersten und einzigen Mal Konstrukteursweltmeister.

Fahrerisch brachte das Jahr den Rücktritt des fünffachen Weltmeisters Juan Manuel Fangio, und die Teams Ferrari und Vanwall stritten um seine Nachfolge. Zwar konnte Vanwall-Pilot Stirling Moss vier Rennen gewinnen, außer seinen Siegen hatte er jedoch kaum Zielankünfte vorzuweisen. Seinem Rivalen Mike Hawthorn im Ferrari gelang nur ein Sieg, aber fünf zweite Plätze sorgten am Ende dafür, dass er mit einem Punkt Vorsprung Weltmeister wurde. Darüber hinaus war es ein trauriges Jahr für die Formel 1: Mit Pat O’Connor, Luigi Musso, Peter Collins und Stuart Lewis-Evans ließen gleich vier Piloten ihr Leben, und auch Weltmeister Hawthorn, der zu Saisonende zurücktrat, überlebte seinen Titelgewinn nur um wenige Monate.

Mike Hawthorn, Großer Preis von Argentinien, 1958

Inhaltsverzeichnis

Änderungen 1958Bearbeiten

Die Saison 1958 brachte einige neue Regeln. So wurde die Mindestdistanz eines Rennens von bisher drei auf zwei Stunden verkürzt, die Verwendung von handelsüblichem Treibstoff anstelle der bislang verwendeten Spezialgemische wurde Vorschrift, für geteilte Plätze gab es keine Punkte mehr und erstmals wurde die Konstrukteurs-WM ausgetragen. Bereits im Herbst 1958 wurde ein erneuter Wechsel zu Formel-2-Fahrzeugen beschlossen, aber dies erst Formel-1-Saison 1961 auch in der Weltmeisterschaft umgesetzt.[1]

Die WM-LäufeBearbeiten

GP Argentinien – Buenos Aires (19. Januar 1958)Bearbeiten

Platz Fahrer Team Zeit
1 Stirling Moss Cooper-Climax 2:19:33,7
2 Luigi Musso Ferrari + 2,7
3 Mike Hawthorn Ferrari + 12,6
4 Juan Manuel Fangio Maserati + 53,0
5 Jean Behra Maserati + 2 Runden

Nur zehn Fahrer nahmen am Saisonauftakt in Argentinien teil, für einige Teams, darunter Vanwall, kamen die Regeländerungen einfach zu früh. Moss durfte deshalb in Rob Walkers Privatteam starten, mit einem Cooper, der im Gegensatz zu den herkömmlichen Fahrzeugen mit einem Mittelmotor ausgerüstet war. Um keine Zeit bei Reifenwechsel zu verlieren, setzte Moss alles auf eine Karte und fuhr das Rennen nonstop durch. So konnte er die leistungsstärkeren Ferraris gerade noch hinter sich lassen. Sein Sieg bedeutete den ersten Sieg eines Mittelmotor-Wagens in der Formel 1-Weltmeisterschaft.

GP Monaco – Monte Carlo (18. Mai 1958)Bearbeiten

Platz Fahrer Team Zeit
1 Maurice Trintignant Cooper-Climax 2:52:27,9
2 Luigi Musso Ferrari + 20,2
3 Peter Collins Ferrari + 38,8
4 Jack Brabham Cooper-Climax + 3 Runden
5 Harry Schell B.R.M. + 9 Runden

Nacheinander führten Behra im B.R.M., Moss im Vanwall und Hawthorn im Ferrari, schieden aber alle drei aus. So konnte am Ende der Mittelmotor-Cooper seinen zweiten Sieg in Folge feiern. Für Maurice Trintignant war es der letzte Sieg. Das Rennen brachte das Debüt von Lotus. Der spätere Weltmeister Graham Hill konnte den noch nicht konkurrenzfähigen Lotus T12 69 Runden im Rennen halten, bevor er mit einer gebrochenen Halbwelle ausfiel. Der spätere Formel 1-Chef Bernie Ecclestone versuchte sich erfolglos in einem Connaught zu qualifizieren. Luigi Musso übernahm mit einem weiteren zweiten Platz die Führung in der Gesamtwertung ohne ein Rennen gewonnen zu haben, dies gelang erst 2007 erneut einem Fahrer, Lewis Hamilton.

GP Niederlande – Zandvoort (26. Mai 1958)Bearbeiten

Platz Fahrer Team Zeit
1 Stirling Moss Vanwall 2:04:49,200
2 Harry Schell B.R.M. + 47,9
3 Jean Behra B.R.M. + 1:42,3
4 Roy Salvadori Cooper-Climax + 1 Runde
5 Mike Hawthorn Ferrari + 1 Runde

Nach einem Jahr Pause stand erneut der GP der Niederlande in Zandvoort auf dem Programm. Bei stürmischem Wetter feierte Stirling Moss einen eindrucksvollen Sieg. Britische Teams belegten die Plätze eins bis vier und ließen die Konkurrenz aus Italien alt aussehen.

500 Meilen von Indianapolis – Indianapolis (30. Mai 1958)Bearbeiten

Schon die zeitliche Abfolge – das Rennen fand nur vier Tage nach dem GP der Niederlande statt – machte deutlich, wie wenig Rücksicht die Formel 1 und die Indianapolis 500 aufeinander nahmen, und so waren auch keine Europäer am Start. 14 der 33 Fahrzeuge waren in eine Startkollision verwickelt, bei der Pat O’Connor tödlich verletzt wurde. Nach einem Rennen mit vielen Führungswechseln gewann Jimmy Bryan vor George Amick.

GP Belgien /GP Europa – Spa-Francorchamps (15. Juni 1958)Bearbeiten

Platz Fahrer Team Zeit
1 Tony Brooks Vanwall 1:37:06,3
2 Mike Hawthorn Ferrari + 20,7
3 Stuart Lewis-Evans Vanwall + 3:00,9
4 Cliff Allison Lotus-Climax + 4:15,5
5 Harry Schell B.R.M. + 1 Runde

Der Vanwall von Moss blieb bereits am Start liegen, und so konnte sein Teamkollege Tony Brooks einen sicheren Sieg einfahren. Dramatisch wurde es erst am Ende des Rennens: Brooks' Getriebe ging in der letzten Kurve kaputt und sein Bolide rollte kraftlos über die Ziellinie. Mit Maria Teresa de Filippis auf Maserati nahm erstmals eine Frau an einem WM-Lauf teil, sie beendete das Rennen als Zehnte.

GP Frankreich – Reims (6. Juli 1958)Bearbeiten

Platz Fahrer Team Zeit
1 Mike Hawthorn Ferrari 2:03:21,3
2 Stirling Moss Vanwall + 24,6
3 Wolfgang von Trips Ferrari + 59,7
4 Juan Manuel Fangio Maserati + 2:30,6
5 Peter Collins Ferrari + 5:24,9

Auf dem Hochgeschwindigkeitskurs von Reims konnte Ferrari die Vorteile seines starken Motors klar ausspielen, Hawthorn und Musso fuhren auf und davon. Beim Zweikampf der beiden kam es zur Tragödie, als Musso von der Strecke abkommt und tödlich verunglückt. Für Juan Manuel Fangio war es das letzte Rennen, nach seinem vierten Platz erklärte er seinen Rücktritt vom Rennsport.

GP Großbritannien – Silverstone (19. Juli 1958)Bearbeiten

Platz Fahrer Team Zeit
1 Peter Collins Ferrari 2:09:04,2
2 Mike Hawthorn Ferrari + 24,2
3 Roy Salvadori Cooper-Climax + 50,6
4 Stuart Lewis-Evans Vanwall + 50,8
5 Harry Schell B.R.M. + 2 Runden

Da Moss mit Motorschaden ausschied, war das Rennen eine klare Angelegenheit für Ferrari, Collins und Hawthorn feierten einen Doppelsieg. Für Erstaunen sorgte der dritte Platz des schwächer eingeschätzten Roy Salvadori im Mittelmotor-Cooper.

GP Deutschland – Nürburgring (3. August 1958)Bearbeiten

Platz Fahrer Team Zeit
1 Tony Brooks Vanwall 2:21:15,0
2 Roy Salvadori Cooper-Climax + 3:29,7
3 Maurice Trintignant Cooper-Climax + 5:11,2
4 Wolfgang von Trips Ferrari + 6:16,3
5 Bruce McLaren Cooper-Climax + 6:26,3

Zwei Wochen nach seinem Sieg in Silverstone führte Peter Collins erneut einen GP an, als er in der zehnten Runde im Streckenabschnitt Pflanzgarten von der Strecke abkommt und gegen einen Baum geschleudert wird – am Abend stirbt er in einem Krankenhaus in Bonn. Da auch Moss und Hawthorn ausscheiden, ist der Sieg von Tony Brooks nicht gefährdet, und erneut belegen die Coopers mit den Rängen zwei und drei Spitzenplätze.

GP Portugal – Porto (24. August 1958)Bearbeiten

Platz Fahrer Team Zeit
1 Stirling Moss Vanwall 2:11:27,8
2 Mike Hawthorn Ferrari + 5:12,750
3 Stuart Lewis-Evans Vanwall + 1 Runde
4 Jean Behra B.R.M. + 1 Runde
5 Wolfgang von Trips Ferrari + 1 Runde

Erstmals wurde ein WM-Lauf in der portugiesischen Stadt Porto ausgetragen, die Strecke führt zum Teil über Kopfsteinpflaster und Straßenbahnschienen. Moss führte das Rennen an, als sich Hawthorn in der Schlussphase drehte. Er ließ seinen Ferrari gegen die Fahrtrichtung anrollen und wurde schlussendlich Zweiter. Für dieses Manöver sollte Hawthorn disqualifiziert werden, doch Moss setzt sich für ihn ein, sodass er in der Wertung bleibt. Es ist das Rennen des legendären Lesefehlers von Moss, der ihm möglicherweise den Titel kostete: Hawthorn hatte die schnellste Runde hingelegt (für die es damals noch einen Extrapunkt gab), und seine Box signalisierte Moss Hawthorn Rec. (=record); Moss las allerdings Hawthorn Reg. (=regular) und forcierte gegen Ende nicht mehr. So ging der Punkt für die schnellste Runde an Hawthorn, und am Ende wurde er mit einem Punkt Vorsprung Weltmeister.

GP Italien – Monza (7. September 1958)Bearbeiten

Platz Fahrer Team Zeit
1 Tony Brooks Vanwall 2:03:47,8
2 Mike Hawthorn Ferrari + 24,2
3 Phil Hill Ferrari + 28,3
4 M.Gregory/C.Shelby Maserati + 1 Runde
5 Roy Salvadori Cooper-Climax + 8 Runden

Das Duell Moss gegen Hawthorn ging weiter, Moss musste allerdings mit Getriebeschaden aufgeben. Dafür holte sein Teamkollege Tony Brooks die Kastanien aus dem Feuer und verwies die Ferrari-Piloten auf die Plätze. Für die Viertplatzierten Gregory und Shelby gab es gemäß dem neuen Reglement, das Fahrertausch verbot, keine Punkte mehr.

GP Marokko – Ain Diab (19. Oktober 1958)Bearbeiten

Platz Fahrer Team Zeit
1 Stirling Moss Vanwall 2:09:15,1
2 Mike Hawthorn Ferrari + 1:24,7
3 Phil Hill Ferrari + 1:25,5
4 Joakim Bonnier B.R.M. + 1:46,7
5 Harry Schell B.R.M. + 2:33,7

Zum einzigen Mal wurde in Marokko ein WM-Lauf ausgetragen, die 7,7 km lange Strecke verlief in Ain-Diab, einem Vorort von Casablanca. Die Ausgangslage war klar: Siegt Moss, muss Hawthorn Zweiter werden, ansonsten ist der Vanwall-Pilot Weltmeister. Moss führte vom Start weg und Hawthorn lag nur auf dem vierten Platz, da schied der vor ihm liegende Brooks aus. Hawthorn war nun Dritter, da trat die Ferrari-Stallorder in Kraft: der zweitplatzierte Phil Hill ließ Hawthorn überholen und sicherte so seinem Teamkollegen den Titel. Erneut gab es einen Toten zu beklagen: der junge Vanwall-Pilot Stuart Lewis-Evans drehte sich auf einer Öllache und sein Wagen fing Feuer. Sechs Tage später erlag er seinen Brandverletzungen.

Für Vanwall blieb immerhin der erstmals ausgetragene Konstrukteurstitel, doch zog sich das Team, genau wie Weltmeister Hawthorn, zum Saisonende zurück.

WeltmeisterschaftswertungenBearbeiten

FahrerwertungBearbeiten

1 Vereinigtes Konigreich  Mike Hawthorn Ferrari 42
2 Vereinigtes Konigreich  Stirling Moss Cooper-Climax / Vanwall 41
3 Vereinigtes Konigreich  Tony Brooks Vanwall 24
4 Vereinigtes Konigreich  Roy Salvadori Cooper-Climax 15
5 Vereinigtes Konigreich  Peter Collins Ferrari 14
6 Vereinigte Staaten 48  Harry Schell B.R.M. 14
7 Frankreich  Maurice Trintignant Cooper-Climax 12
8 Italien  Luigi Musso Ferrari 12
9 Vereinigtes Konigreich  Stuart Lewis-Evans Vanwall 11
10 Vereinigte Staaten 48  Phil Hill Ferrari 9
11 Deutschland Bundesrepublik  Wolfgang Graf Berghe von Trips Ferrari 9
12 Frankreich  Jean Behra B.R.M. 9
13 Vereinigte Staaten 48  Jimmy Bryan Salih/Epperly-Offenhauser 8
14 Argentinien  Juan Manuel Fangio Maserati 7
15 Vereinigte Staaten 48  George Amick Epperly-Offenhauser 6
16 Vereinigte Staaten 48  Johnny Boyd Kurtis-Offenhauser 4
17 Vereinigte Staaten 48  Tony Bettenhausen Epperly-Offenhauser 4
18 Australien  Jack Brabham Cooper-Climax 3
19 Vereinigtes Konigreich  Cliff Allison Lotus-Climax 3
20 Schweden  Joakim Bonnier B.R.M. 3
21 Vereinigte Staaten 48  Jim Rathmann Epperly-Offenhauser 2

Die ersten fünf jedes Rennens bekamen 8, 6, 4, 3 bzw. 2 Punkte, einen weiteren Punkt gab es für die schnellste Rennrunde. Die besten sechs Resultate der insgesamt 11 Rennen wurden gewertet.

† Während der Saison starben Peter Collins, Pat O'Connor und Luigi Musso. Stuart Lewis-Evans starb nach dem letzten Rennen.

KonstrukteurswertungBearbeiten

1 Vereinigtes Konigreich  Vanwall 48
2 Italien  Ferrari 40
3 Vereinigtes Konigreich  Cooper-Climax 31
4 Vereinigtes Konigreich  B.R.M. 18
5 Italien  Maserati 6
6 Vereinigtes Konigreich  Lotus-Climax 3

Die ersten fünf jedes Rennens bekamen 8, 6, 4, 3 bzw. 2 Punkte, einen weiteren Punkt gab es für die schnellste Rennrunde. Die besten sechs Resultate wurden gewertet. Punkte gab es jeweils nur für den bestklassierten Fahrer jedes Teams.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Automobil-Weltmeisterschaft 1958 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Werner J. Haller, Christian Eichenberger, Leopold Wieland: Große Regeländerungen und ihre Folgen, Motorsport aktuell, Ausgabe MSA 4/2014, Seite 6.