Passwang

Bergkamm im Jura, Solothurn, Schweiz

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Passwang
Passwang-Südseite bei Mümliswil-Ramiswil

Passwang-Südseite bei Mümliswil-Ramiswil

Himmelsrichtung West Südost
Passhöhe 943 m ü. M.
Kanton Solothurn
Talorte Erschwil Mümliswil
Ausbau Passstrasse (Scheiteltunnel)
Erbaut 1729–1732 (alte Strasse), 1931–1933 (neue Strasse)
Profil
Ø-Steigung 4,5 % (490 m / 11 km) 5,4 % (386 m / 7,1 km)
Max. Steigung 11 % 11 %
Karte (Solothurn)
Passwang (Kanton Solothurn)
Passwang
Koordinaten 616431 / 245299Koordinaten: 47° 21′ 30″ N, 7° 39′ 22″ O; CH1903: 616431 / 245299

Der Passwang, früher auch Barschwang (solothurnerdeutsch: Ba(r)schwang [baʳʃˈvaŋ], [baʃˈvaŋ][1]), ist ein Bergkamm auf dem Gemeindegebiet von Mümliswil-Ramiswil im Solothurner Jura, Schweiz. Hauptgipfel des Bergkamms ist der Vogelberg 1204 m ü. M. Der Passwang grenzt im Nordwesten und Norden an die solothurnische Gemeinde Beinwil und an Lauwil im Kanton Basel-Landschaft. Über den Passwang führt der gleichnamige Gebirgspass mit einer Strasse, die mit einer Passhöhe von 943 m ü. M. über Mümliswil und Beinwil die südlichen Teile des Kantons Solothurn mit dem Schwarzbubenland verbindet. Die heutige Passhöhe liegt in einem kurzen Tunnel. Rund 700 Meter östlich des nördlichen Tunnelportals liegt die Passwanghöhe (992 m ü. M.) und weitere 150 Meter östlich Mittler Passwang, mit 1001 m ü. M. der natürliche und historische Pass über den Bergkamm. Der Passwang gilt auch als Aussichtspunkt.

NameBearbeiten

Der Name ist erstmals um 1480 als boswand und boschwand bezeugt, später unter anderem als Porschwand (erstmals 1521), Baschwang (erstmals 1582), Barschwang (erstmals 1716).[2] Noch das Geographische Lexikon der Schweiz führt seinen Artikel über den Passwang (1905) unter dem Lemma Passwang oder Barschwang.[3] Der Namenforscher Rolf Max Kully vermutet eine ursprüngliche Namensform *borswand mit der Bedeutung «Rodung auf der Anhöhe», von althochdeutsch bor «Anhöhe» und swand «Schwende, Rodung». Der Name sei damit verwandt mit jenem des Bergs Born bei Olten. Die ältere Deutung als «bare», kahle Schwende weist Kully zurück.[4] Kullys Deutung wurde 2010 vom Solothurnischen Namenbuch übernommen.[1] Die volksetymologische Umdeutung zu «Pass bei der Felswand» (mundartliche Aussprache Wang) angesichts der steilen Felswand in der Nähe der Passhöhe wurde schon 1928 in einem Artikel des Basler Sekundarlehrers A. Meier verworfen; spätere Autoren haben sich ihm angeschlossen.[4][5] Die mundartliche Aussprache Barschwang hat sich in den Flurnamen Mittleri und Oberi Barschwangweid erhalten.[6]

GeographieBearbeiten

Lage und LandschaftBearbeiten

 
Bergrücken nahe dem Vogelberg

Die Passwangkette im weitesten Sinne erstreckt sich auf einer Länge von etwa 22 Kilometern zwischen dem Mont Raimeux an der Kantonsgrenze Bern/Jura und dem Oberem Hauenstein südlich des Waldenburgertals im Kanton Basel-Landschaft. Ihre höchsten Erhebungen erreicht sie mit 1204 m ü. M. jeweils im Kanton Solothurn an der Hohen Winde und am Vogelberg. Nördlich und südlich wird das Gebiet von weiteren mehr oder weniger ausgeprägten Ketten flankiert.

Die Passwangstrasse zwischen Beinwil und Mümliswil ist der einzige Strassenübergang, der die nördlichen (Schwarzbubenland) und südlichen Kantonsteile von Solothurn miteinander verbindet. Es handelt sich dabei um einen Diagonalpass, der den Gebirgskamm schräg und nicht wie üblich orthogonal überquert. Der Passbegriff als solcher ist ohnehin nur bedingt zutreffend.[7] Die naturräumlichen Gegebenheiten sind für den Strassenbau aufgrund des tektonisch komplexen Gebiets eher ungünstig. Außerdem fehlt dem Passwang vor allem eine gut ausgeprägte, von den Tälern aus sichtbare Übergangsstelle.[8]

Eine topographisch-morphologische Besonderheit der Passwangstrasse besteht bei Neuhüsli unterhalb der Nordrampe, wo ein Bergsturz 1598 einen See aufschüttete. Die Verlandungsebene des bereits im 18. Jahrhundert trockengelegten Gewässers ist heute noch teilweise zu erkennen, die Strasse wird über einen künstlichen Damm, genannt Schanz, daran vorbeigeführt.[9]

Geologie und GeomorphologieBearbeiten

 
Passwang-Nordseite beim Zingelentunnel mit charakteristischer Fluh

Das Passwanggebiet ist Teil des Kettenjuras und zeichnet sich durch einen sehr unübersichtlichen Ketten- bzw. Faltenverlauf aus. Jüngere Störungen, die sich durch die Auffaltung des Kettenjuras ergaben, verschnitten sich mit älteren Störungen, die auf das Einsinken des Rheintalgrabens zurückgehen. Durch horizontalen Schub wurde die Sedimentdecke auf den salz- und gipsführenden Tonen des mittleren Muschelkalkes abgeschert und zu Falten aufgeworfen. Die große Rheintalflexur bewirkte dabei eine Versteifung. Als sichtbare Folge dieser Vorgänge existiert in diesem Gebiet eine Vielzahl von Kurzketten (Brachyantiklinalen). Aufgrund weiteren Vorschiebens der Ketten östlich der versteiften Flexur reissen die Falten häufig auf und Querbrüche entstehen, die meistens als Transversalverschiebungen erscheinen.[10]

Die Passwangkette besteht im Kern aus Braunem Jura, der auf einer Länge von zwölf Kilometern nach Norden überschoben und teilweise aufgerissen wurde. Die Tektonik bestimmen zwei grosse Querbrüche im Bereich zwischen dem Scheltenpass und Nunningen. Eine sekundäre, nach Norden überliegende Faltung tritt an der Hohen Winde hinzu. Die Südseite der Passwangkette ist zwischen Scheltenpass und Passwang steil, aber ohne Komplikationen. Vom Scheiteltunnel der Passstrasse (Zingelentunnel) ostwärts, beginnt das Massiv zu überkippen und ist durch verschiedene Störungen zerrissen. Die dadurch entstandene Lücke wurde für den Bau der Passwangstrasse genutzt.[11] Beispielsweise beim Zingelentunnel zeigt sich der komplexe geologische Bau der Kette: Am Nordportal steigt der Braunjura-Südschenkel fast senkrecht und überkippt an der glatten Fluh. Bis zur Tunnelmitte folgt ein Paket gewellter bis etwa horizontal liegender Schichten des oberen Braunjuras. Am Südportal verläuft die Tunnelröhre in einem bergwärts einfallenden, zerklüfteten und zerrütteten Sackungskomplex des oberen Hauptrogensteins.[12]

Bei Limmern nördlich von Mümliswil besteht am Südosthang des Vogelbergs das Schweizer Geotop Nr. 116. Dabei handelt es sich um gut erhaltene Stromatolithe aus der Lias-Zeit mit einem Alter von 177 Millionen Jahren. Diesen algenähnlichen Gebilden wird ein hoher wissenschaftlicher Wert zugeschrieben, wenngleich sie sich ökologisch nicht eindeutig interpretieren lassen. Als Erzeuger kommen sowohl Algen und Pilze als auch Bakterien in Frage. Der Aufschluss ist Teil eines der wenigen vollständigen Lias-Profile (Rhät bis Opalinuston) des Faltenjuras.[13]

PasswangstrasseBearbeiten

GeschichteBearbeiten

 
Pflästerung der alten Passwangstrasse (Südseite) in der Nähe der Passhöhe

Der ursprüngliche Weg über den Passwang ist bereits seit dem Mittelalter als «öffentliche Strasse» belegt.[14] Indizien wie ein Fund römischer Münzen in Erschwil an der Passwangstrasse lassen die Vermutung zu, dass der Übergang schon in römischer Zeit benutzt wurde, aber Klarheit sei diesbezüglich, so Max Banholzer 1975, nicht zu gewinnen.[15] Der südseitige Teil des Wegs befand sich östlich vom heutigen Strassenverlauf. Auf beiden Seiten bestanden erhebliche Steigungen und der Pass war bis ins 18. Jahrhundert schwierig zu befahren. Eine gewisse Bedeutung hatte der Pass für den Kanton Solothurn, seit dieser im 15. und 16. Jahrhundert die heute als Schwarzbubenland bekannten Gebiete erworben hatte, als Verbindung in den südlichen Kantonsteil und zur Hauptstadt Solothurn, aber für den Handelsverkehr zwischen Basel und Solothurn dienten die beiden Hauenstein-Pässe.[16] Um teure Basler Zölle auf aus Lothringen bezogenes Salz zu umgehen, strebte Solothurn zu Beginn des 18. Jahrhunderts an, dieses vom Elsass über fürstbischöfliches Gebiet einzuführen. Zu diesem Zweck wurde die Passwangstrasse von 1729 bis 1732 ausgebaut.[16] Die Strasse hatte aber weiterhin einen schlechten Ruf; so schrieb Urs Peter Strohmeier in seiner Beschreibung des Kantons Solothurn 1836:

«Die Straße über diesen Berg wurde 1730 unter dem Bauherrn Suri erbauet; sie steigt an vielen Orten über 20 Fuß Prozent, und ist unstreitig die schlechteste Communikationsstraße der Schweiz, obwohl sie eine der volkreichsten Amteien und die ausgedehnteste mit den vier übrigen und der Hauptstadt des Kantons verbindet. Es scheint, man habe beim Baue dieser halsbrechenden Straße die höchsten Joche und unschicklichsten Stellen geflissentlich ausgewählt, um sie da durchzuführen.»

Urs Peter Strohmeier: Der Kanton Solothurn, historisch, geographisch, statistisch geschildert[17]

Unter anderem aufgrund von Basler Gegenmassnahmen (Verbesserung der Strasse über den Oberen Hauenstein, Zollermässigungen), aber auch wegen der starken Steigungen und der von der fürstbischöflichen Regierung nicht wie vereinbart erstellten Verbindung AllschwilReinach erlangte die Passwangstrasse nicht die Bedeutung, die ihr der Kanton Solothurn damals zugedacht hatte.[18]

1852 reichten 18 Gemeinden aus dem Schwarzbubenland und vier Gemeinden aus dem damaligen Bezirk Balsthal-Thal beim Solothurner Kantonsrat eine Petition ein, der Regierungsrat sei zu beauftragen, «die Korrektion der Paßwangstraße anzuordnen, mit Befolgung der kürzesten Linie und möglichst geringer Steigung».[19] Die Petition wurde für erheblich erklärt und die Regierung legte dem Kantonsrat im Mai 1853 Pläne für eine neue Strasse mit einem Basistunnel von ca. 550 Meter Länge durch die Barrenfluh vor. Der Kantonsrat verzichtete jedoch im Dezember 1853 darauf, dieses Projekt zu verfolgen. Gründe dafür waren die hohen Kosten und die vielversprechende Entwicklung des Eisenbahnverkehrs in der Schweiz.[20]

Von 1921 bis 1923 wurde ein nordseitiger Abschnitt im Tal der Lüssel bis Unterbeinwil korrigiert.[21] 1925 setzten sich der damalige Nationalrat Hermann Obrecht und Josef Borer, Präsident der Schweizerischen Isola-Werke in Breitenbach (heute Von Roll) für den Bau einer motorverkehrstauglichen Passwangstrasse ein.[22] In den folgenden Jahren wurden verschiedene Projekte diskutiert. Peter R. Huber schrieb in seiner Arbeit von 2012: «Alle Diskussionsteilnehmer, seien es Privatpersonen, Regierungs- und Kantonsräte, Gemeinden und Initiativkomitees befürworteten den Ausbau der Passstrasse, aber jeder und alle hatten eine andere Meinung darüber, wie dies geschehen solle.»[23] Geprüft wurden folgende Vorschläge:[24]

 
Übersicht der Projekte am Passwang. Von links nach rechts: Basistunnel, realisiertes «Zwischenprojekt», «Bauprojekt 1928» und Verlauf der alten Passwangstrasse.
  • Verbesserung der bestehenden Strasse.
  • Ein Basistunnel von 700 m Länge durch den Krattenberg unter der Barrenfluh, die Teil des Sonnenbergs ist, der das Guldental von Beinwil trennt.
  • «Bauprojekt 1928»: Eine auf der Südseite etwa parallel zur alten Passwangstrasse verlaufende neue Strasse mit einer Brücke über den Tümmelbach und Tunnel durch die Felswand Glatte Fluh bei der Erhebung Zingelen mit einer Länge von 175 m.
  • «Zwischenprojekt»: Ebenfalls mit dem Zingelen-Tunnel, aber einem neuen, bei Ramiswil von der Scheltenpass-Strasse abzweigenden Verlauf der Strasse über Hagli und Hagliberg.

Ein Expertengutachten empfahl das «Zwischenprojekt» im April 1930 «als das weitaus rationellste».[25] Dieses wurde in der Folge vom Kantonsrat genehmigt. Indem das Projekt nicht als Neubau einer Strasse eingestuft, sondern als Bestandteil des kantonalen Ausbauprogramms budgetiert wurde, konnte eine Volksabstimmung vermieden werden.[26] Der Bau erfolgte von 1931 bis 1933.[14]

In der Zeit der Weltwirtschaftskrise herrschte auch im Kanton Solothurn grosse Arbeitslosigkeit. Der Passwangstrassenausbau konnte als Arbeitsbeschaffungsmassnahme dienen und die beauftragten Bauunternehmer mussten Arbeitslose beschäftigen, die ihnen vom kantonalen Arbeitsamt zugewiesen wurden. Die Initiative für den Bau der Strasse ging jedoch nicht darauf zurück und das Projekt war somit, so Peter R. Huber, «nicht Teil eines formulierten Gesamtprojekts zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und ihrer Folgen».[27]

Umfangreiche Sanierungsarbeiten am Tunnel und auf der Südseite erfolgten 1997.[28] Seit 2016 wird auch die Nordseite saniert. Die gesamte Sanierung, die bis 2022/23 dauern soll,[29] verursacht aufgrund von Planungsfehlern erheblich höhere Kosten als ursprünglich veranschlagt.[30]

2019 verlieh der Solothurner Heimatschutz den Solothurner Heimatschutzpreis an das Kulturerbe Passwangstrasse. Damit sollte die «gesellschaftliche Bedeutung in Kombination mit innovativen technischen Lösungen, welche die Passwangstrasse einzigartig macht» gewürdigt werden.[31]

Heutige StrassenBearbeiten

 
Tunnel des Passwang
 
Passwang aus der Vogelperspektive: Blick nach Südwesten

Die neue Passwangstrasse folgt im Wesentlichen dem Verlauf, den sie durch das Sanierungs- und Ausbauprojekt mit dem Tunnelbau von 1931 bis 1933 erhalten hat. Sie verbindet als Kantonsstrasse 267 in Südost-Nordwest-Richtung den Ort Balsthal und das Guldental mit dem solothurnischen Schwarzbubenland und dem Laufental im Kanton Basel-Landschaft.

Die knapp fünf Kilometer lange St. Wolfgangsstrasse verläuft von Balsthal bis Mümliswil, das als eigentlicher Talort auf der Ostseite gilt, und überwindet dabei 74 Höhenmeter. Im weiteren Verlauf wechselt der Strassenname zu Ramiswiler- bzw. ab Ramiswil zu Passwangstrasse und behält diesen bis Erschwil bei.

Von Mümliswil bis zur Passhöhe überwindet die Strasse auf 7,1 Kilometer 386 Höhenmeter, was einer durchschnittlichen Steigung von 5,4 % entspricht. Das Steigungsmaximum liegt bei 11 %. Etwa drei Kilometer vor der Passhöhe zweigt westwärts eine Strasse in Richtung des Scheltenpasses ab.[32] Im mittleren und oberen Teil kurz vor der Passhöhe winden sich jeweils drei Spitzkehren durch den Berg. Die vollständig auf Solothurner Kantonsgebiet befindliche Passhöhe auf 943 m ü. M. verläuft durch einen fast genordeten, rund 180 Meter langen Tunnel durch den Jurafels. Der enge Tunnel weist keine Mittelstreifenmarkierung auf. Grosse Fahrzeuge dürfen nur ohne Gegenverkehr im Tunnel verkehren.

Die Nordwestrampe überwindet vom Pass bis Erschwil auf 11 Kilometern 490 Höhenmeter und entspricht damit einer Durchschnittssteigung von 4,5 %. Das Steigungsmaximum liegt ebenfalls bei 11 %. Im oberen Teil der Rampe gibt es drei engere und eine weitere Spitzkehre. Etwa ab der Mitte der Nordwestrampe bis nach Erschwil verläuft die Passstrasse parallel zur Lüssel, einem rechten Nebenfluss der Birs.

Die Passwangstrasse ist weiterhin die kürzeste Verbindung zwischen dem nördlichen und südlichen Teil des Kantons Solothurn, wenn auch ihre Bedeutung durch die Fertigstellung der Autobahn A 2 und die Eröffnung des Belchentunnels 1970 zurückgegangen ist.[14]

Über den Passwang verkehrt eine Postauto-Linie von Zwingen nach Balsthal.[33] Bis zum Fahrplanwechsel vom Dezember 2006 gab es keine durchgehenden Kurse;[34] separate Kurse von der Nordseite (Laufen/Zwingen) und der Südseite (Balsthal) wendeten jeweils am Wendeplatz beim Nordportal.

Die alte Passwangstrasse auf der Südseite ist heute teilweise asphaltiert, teilweise unbefestigt. Ein kurzes Stück in der Nähe der Passhöhe weist immer noch die alte Steinpflästerung auf.[35] Die Strasse ist als Wanderweg ausgeschildert und dient auch forstwirtschaftlichen Zwecken.[36] Die Route der 2. Solothurner Waldwanderung verläuft teilweise über die alte Passwangstrasse, von der sie abzweigt, bevor sie oberhalb von Mümliswil in den Wald führt.[37]

Verarbeitung in Kunst und LiteraturBearbeiten

Peter Birmann zeichnete 1813 ein Panorama, das die Aussicht vom Passwang zeigt. Eine Aquarell-Ansicht des Bogentals nördlich vom Passwang mit Blick auf den Vogelberg von Jakob Christoff Bischoff stammt ebenfalls aus diesem Jahr. In den 1860er Jahren veröffentlichte Anton Winterlin ein Passwang-Panorama mit vollständiger Rundsicht als Lithographie. 1906 erschien ein weiteres Panorama als kolorierte Lithographie von Fritz Dürrenberger-Senn. Dürrenberger besuchte den Passwang für dieses Panorama, das als besonders genau gilt, während zweier Jahre etwa zwanzigmal.[38]

In seiner Ballade Der Tod am Barschwang hat der Dichter Albin Fringeli einen tödlichen Bergrutsch am Passwang im Dialekt des Schwarzbubenlands beschrieben, darin nach der Einschätzung des Schriftstellers und Journalisten Thomas Brunnschweiler «die Wucht der Balladen von Schiller» erreichend.[39] Während eines Unwetters verschwindet ein Bauernhaus unter einem «Strom vo Stei un Drägg»:


Im Augebligg isch alls vergrabe,
Dr Wääg verspeert dur s Tal durabe,
Ghei Huus un Heimet isch meh z gseh,
Am alte Platz – ne grosse See.
Dört unge schloofe gross und chly,
Die, wo im Heimet blibe sy.

Aus: Albin Fringeli, Der Tod am Barschwang.[40]

Der Band Solothurner Sagen (1972) von Elisabeth Pfluger enthält mit Di guldigi Flue die Sage eines reichen, protzenden und den Armen gegenüber geizigen Sennen am Passwang, der in seiner Geltungssucht gar die ganze Zingelen-Fluh habe vergolden lassen, aber dafür gestraft und ins Unglück gestürzt worden sei: Die Weide sei ihm mit Haus und Hof bei einem Unwetter weggerutscht. «Aber die glatti Zingelflue glänzt no hüt i der Obesunne wi der Guldgrund vomene alte Muetergottesbild»[41] (Aber die glatte Zingelfluh glänzt noch heute in der Abendsonne wie der Goldgrund eines alten Muttergottesbilds). Gewährsleute der Sage waren Emil Nussbaumer aus Mümliswil (1967) und Johann Ankli aus Beinwil (1970).[42] Weitere Geschichten aus dem Passwang-Gebiet finden sich auch in Pflugers Veröffentlichungen Settigi Sache gids (2004) und Gschicht und Gschichte (2011).

In seinem Buch Dr Passwang-Louis (1997), das erzählerische und romanhafte Abschnitte mit Elementen eines Sachbuchs verbindet, berichtet der Schriftsteller Franz Walter von seiner Spurensuche nach Luigi Bottati (1889–1981), einem als «Passwang-Louis» bekannten Original. «Passwang-Louis» stammte aus Oberitalien, kam 1931 beim Bau der Passwangstrasse als Arbeiter ins Guldental und blieb in der Gegend.[43] Die Musikgesellschaft Konkordia Mümliswil hat für Januar 2020 die Aufführung eines «musikalischen Bilderbogens» von Marco Nussbaumer auf Grundlage des Buches und mit Franz Walter als Erzähler angekündigt.[44]

RadsportBearbeiten

In der Tour de Suisse wurde der Passwang von 1934 bis 2019 insgesamt 18 Mal befahren und gehört damit zusammen mit dem Zurzacherberg zu den meist befahrenen Schweizer Bergpässen unter 1000 Meter sowie auch insgesamt zu den zehn am meisten befahrenen Pässen des wichtigsten Schweizer Radrennens. Der Bergpass wird in der Tour de Suisse als Berg der 2. Kategorie klassifiziert.

In der Auflistung werden neben dem jeweiligen Sieger des Bergpreises am Passwang auch die Start- und Zielorte sowie die Länge der Etappen aufgeführt: [45]

Zuletzt führte am 18. Juli 2019 die 4. Etappe der 83. Austragung der Tour de Suisse von Murten, im nördlichen Kanton Freiburg, über den Passwang nach Arlesheim, südlich von Basel. Die 163,9 Kilometer lange Strecke mit 1980 Höhenmeter erreichte nach etwa der Hälfte der Strecke den Passwang.[46] Den Bergpreis am Passwang gewann 2019 der Niederländer Taco Van der Hoorn.[47]

Sperrstelle PasswangBearbeiten

Die 20 Kilometer lange Passwangstrasse verbindet das Laufental mit dem schweizerischen Mittelland und ist damit das nordwestliche Einfallstor ins Zentrum der Schweizer Industriezone. Die Strasse über den Gebirgspass Passwang diente während des Ersten Weltkriegs der Verschiebung von Grenztruppen über den Jura.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden bei den Engnissen der Passwangstrasse tiefgestaffelte befestigte Sperrstellen angelegt, um einen gegnerischen Vorstoss von Norden ins Mittelland verhindern oder aufhalten zu können. Diese Befestigungen wurden während des Kalten Kriegs ergänzt und weiter ausgebaut.[48][49]

Bau und Betrieb der Bunker und Geländepanzerhindernisse gehörten zur Aufgabe der für diesen Grenzraum zuständigen Grenzbrigade 4. Bei Mümliswil befanden sich ein Regimentskommandoposten und der 1942 erstellte und 1965 zu einer autarken «Führungsfestung» ausgebaute Kommandoposten Lobisei der Grenzbrigade 4.[50]

  • Infanteriebunker Lange Brücke, Beinwil SO A 3639
  • Infanteriebunker Lange Brücke A 3640
  • Infanteriebunker Schachen, Beinwil SO A 3641: 24-mm-PzBk 38
  • Infanteriebunker Schachen A 3642: Mg-Stand
  • Infanteriebunker Schachen A 3643: 7,5-cm-Feldkanone, später 9-cm-Pak
  • Infanteriebunker Schachen A 3644: 7,5-cm-Feldkanone, später 9-cm-Pak
  • Geländepanzerhindernis GPH mit Bachsperre Schachen
  • Infanteriebunker Neuhüsli A 3645
  • Infanteriebunker Passwang Ost A 3648
  • Infanteriebunker Passwang West A 3649
  • Infanteriewerk Pak A 3668 Mümliswil Süd
  • Kommandoposten KP Lobisei Grenzbrigade 4 A 3669 Mümliswil
  • Infanteriebunker zwei 8,4-cm-Kanonen A 3670 St. Wolfgang
  • Regiments-Kommandoposten Rgt 49 F 4300 Herrenhüsli, Mümliswil

LiteraturBearbeiten

  • Hans Mollet: Zur Geologie des Zingelentunnels der neuen Passwangstrasse. In: Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaft Solothurn. Band 9 (1928-1931), [1932], S. 63–76, doi:10.5169/seals-543225.
  • Bericht über den Bau der Passwangstrasse. Bau-Departement des Kantons Solothurn, Solothurn 1935.
  • Max Banholzer: Die Passwangstrasse. In: Jurablätter. Band 37, Nr. 5, 1975, S. 77–79.
  • Urs Wiesli: Die alte Passwangstrasse. In: Jurablätter. Band 57, Nr. 12, 1995, S. 185–189.
  • Dominik Wunderlin et al.: Wasserfallen, Passwang. Ein Reise(ver)führer. Dietschi, Olten / Balsthal / Waldenburg 1998, ISBN 3-9520709-4-7.
  • Peter R. Huber: Arbeitsbeschaffungsmassnahmen des Kantons Solothurn in der Zwischenkriegszeit. Passwangstrassenausbau und Dünnernkorrektion. In: Jahrbuch für solothurnische Geschichte. Band 85, 2012, S. 147–288, doi:10.5169/seals-392511.

WeblinksBearbeiten

 Commons: Passwang – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

AnmerkungenBearbeiten

  1. a b Die Flur- und Siedlungsnamen der Amtei Dorneck-Thierstein (= Solothurnisches Namenbuch. Band 2). Hrsg. von Markus Gasser und Thomas Franz Schneider. Schwabe, Basel 2010, ISBN 978-3-7965-2658-9, S. 655 f., Artikel Passwang.
  2. Die Flur- und Siedlungsnamen der Amtei Dorneck-Thierstein (= Solothurnisches Namenbuch. Band 2). Hrsg. von Markus Gasser und Thomas Franz Schneider. Schwabe, Basel 2010, ISBN 978-3-7965-2658-9, S. 655 f., Artikel Passwang; vgl. Passwang. In: ortsnamen.ch. Abgerufen am 1. November 2019.
  3. Charles Knapp, Maurice Borel, Victor Attinger, Heinrich Brunner, Société neuchâteloise de géographie (Herausgeber): Geographisches Lexikon der Schweiz. Band 3: Krailigen – Plentsch. Verlag Gebrüder Attinger, Neuenburg 1905, S. 707, Stichwort Passwang oder Barschwang  (Scan der Lexikon-Seite).
  4. a b Rolf Max Kully: Der Bergname Passwang neu gedeutet. In: Oltner Tagblatt. 27. April 2006 (ortsnamen.ch [PDF]).
  5. Die Flur- und Siedlungsnamen der Amtei Dorneck-Thierstein (= Solothurnisches Namenbuch. Band 2). Hrsg. von Markus Gasser und Thomas Franz Schneider. Schwabe, Basel 2010, ISBN 978-3-7965-2658-9, S. 655 f., Artikel Passwang; vgl. auch Passwangstrasse. In: ortsnamen.ch. Abgerufen am 5. November 2019.
  6. Die Flur- und Siedlungsnamen der Amtei Thal-Gäu (= Solothurnisches Namenbuch. Band 4). Hrsg. von Beatrice Hofmann-Wiggenhauser und Jacqueline Reber. Schwabe, Basel 2017, ISBN 978-3-7965-3696-0, S. 424, unter dem Artikel Passwang.
  7. Urs Wiesli: Geographie des Kantons Solothurn. Kantonaler Lehrmittelverlag Solothurn, Solothurn 1969, S. 196.
  8. Urs Wiesli: Die alte Passwangstrasse. In: Jurablätter. Band 57, Nr. 12, 1995, S. 185–189, hier S. 186.
  9. Urs Wiesli: Die alte Passwangstrasse. In: Jurablätter. Band 57, Nr. 12, 1995, S. 185–189, hier S. 187.
  10. Urs Wiesli: Geographie des Kantons Solothurn. Kantonaler Lehrmittelverlag Solothurn, Solothurn 1969, S. 39.
  11. Urs Wiesli: Geographie des Kantons Solothurn. Kantonaler Lehrmittelverlag Solothurn, Solothurn 1969, S. 41.
  12. Urs Wiesli: Geographie des Kantons Solothurn. Kantonaler Lehrmittelverlag Solothurn, Solothurn 1969, S. 43.
  13. Liasische Stromatolithe, Passwang (Mümliswil-Ramiswil, SO). Akademien der Wissenschaften Schweiz, abgerufen am 5. Dezember 2019.
  14. a b c Lukas Schenker: Passwang. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 22. April 2009, abgerufen am 1. November 2019.
  15. Max Banholzer: Die Passwangstrasse. In: Jurablätter. Band 37, Nr. 5, 1975, S. 77–79, hier S. 77.
  16. a b Oliv Jeker: Die alte Passwangstrasse. In: Bericht über den Bau der Passwangstrasse. Bau-Departement des Kantons Solothurn, Solothurn 1935, S. 1–2.
  17. Urs Peter Strohmeier: Der Kanton Solothurn, historisch, geographisch, statistisch geschildert. Huber, St. Gallen / Bern 1836, S. 36 (e-rara.ch).
  18. Oliv Jeker: Die alte Passwangstrasse. In: Bericht über den Bau der Passwangstrasse. Bau-Departement des Kantons Solothurn, Solothurn 1935, S. 6.
  19. Oliv Jeker: Die alte Passwangstrasse. In: Bericht über den Bau der Passwangstrasse. Bau-Departement des Kantons Solothurn, Solothurn 1935, S. 8.
  20. Peter R. Huber: Arbeitsbeschaffungsmassnahmen des Kantons Solothurn in der Zwischenkriegszeit. Passwangstrassenausbau und Dünnernkorrektion. In: Jahrbuch für solothurnische Geschichte. Band 85, 2012, S. 147–288, hier S. 207–208, doi:10.5169/seals-392511.
  21. Max Banholzer: Die Passwangstrasse. In: Jurablätter. Band 37, Nr. 5, 1975, S. 77–79, hier S. 78.
  22. Peter R. Huber: Arbeitsbeschaffungsmassnahmen des Kantons Solothurn in der Zwischenkriegszeit. Passwangstrassenausbau und Dünnernkorrektion. In: Jahrbuch für solothurnische Geschichte. Band 85, 2012, S. 147–288, hier S. 209, doi:10.5169/seals-392511.
  23. Peter R. Huber: Arbeitsbeschaffungsmassnahmen des Kantons Solothurn in der Zwischenkriegszeit. Passwangstrassenausbau und Dünnernkorrektion. In: Jahrbuch für solothurnische Geschichte. Band 85, 2012, S. 147–288, hier S. 212, doi:10.5169/seals-392511.
  24. Bericht über den Bau der Passwangstrasse. Bau-Departement des Kantons Solothurn, Solothurn 1935, S. 14–21.
  25. Bericht über den Bau der Passwangstrasse. Bau-Departement des Kantons Solothurn, Solothurn 1935, S. 21.
  26. Peter R. Huber: Arbeitsbeschaffungsmassnahmen des Kantons Solothurn in der Zwischenkriegszeit. Passwangstrassenausbau und Dünnernkorrektion. In: Jahrbuch für solothurnische Geschichte. Band 85, 2012, S. 147–288, hier S. 126–127, doi:10.5169/seals-392511.
  27. Peter R. Huber: Arbeitsbeschaffungsmassnahmen des Kantons Solothurn in der Zwischenkriegszeit. Passwangstrassenausbau und Dünnernkorrektion. In: Jahrbuch für solothurnische Geschichte. Band 85, 2012, S. 147–288, hier S. 223, doi:10.5169/seals-392511.
  28. Josef Tschan-Studer: Gegenverkehr, Steine und Lawinen: Der Passwang muss saniert werden. In: Solothurner Zeitung. 23. November 2011. Abgerufen am 3. November 2019.
  29. Fränzi Zwahlen-Saner: Eine Brücke am Berg: Sanierung der Passstrasse mit ungewöhnlichen Mitteln. In: Solothurner Zeitung. 12. Juni 2016. Abgerufen am 3. November 2019.
  30. Teure Sanierung: Zusatzkredit für Passwangstrasse sorgt für heftige Kritik. In: Regionaljournal Aargau/Solothurn. SRF. 8. März 2017. Abgerufen am 3. November 2019.
  31. «Solothurner Heimatschutzpreis 2019» Kulturerbe Passwangstrasse. Solothurner Heimatschutz. Abgerufen am 3. November 2019.
  32. Eigentlich zweigt die (neue) Passwangstrasse an dieser Stelle von der bereits vorher bestehenden Scheltenpass-Strasse ab, die jedoch weniger ausgebaut ist.
  33. Passwang-Linie. PostAuto AG. Abgerufen am 3. November 2019.
  34. Schweiz. Offizielles Kursbuch. Band Autobusse, 2005/2006 und 2006/2007, Fahrplanfelder 230.55 und 412.15.
  35. 2. Solothurner Waldwanderung: Alte Passwangstrasse (PDF; 2.11 MB) Kanton Solothurn, Amt für Wald, Jagd und Fischerei. Abgerufen am 9. November 2019.
  36. Urs Wiesli: Die alte Passwangstrasse. In: Jurablätter. Band 57, Nr. 12, 1995, S. 185–189, hier S. 186.
  37. 2. Solothurner Waldwanderung: Luftige Kreten, tiefe Schluchten (PDF; 1.23 MB) Kanton Solothurn, Amt für Wald, Jagd und Fischerei. Abgerufen am 9. November 2019.
  38. René Salathé: Der Passwang in der Kunst. In: Wasserfallen, Passwang. Ein Reise(ver)führer. Dietschi, Olten / Balsthal / Waldenburg 1998, ISBN 3-9520709-4-7, S. 35–40.
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  40. Albin Fringeli: Dem Bleibenden auf der Spur. Lenos Verlag, Basel 2011, ISBN 978-3-85787-417-8, S. 143–145, hier S. 145.
  41. Elisabeth Pfluger: Di guldigi Flue. In: Solothurner Sagen. Staatskanzlei des Kantons Solothurn, Solothurn 1972, S. 232–233.
  42. Elisabeth Pfluger: Solothurner Sagen. Staatskanzlei des Kantons Solothurn, Solothurn 1972, S. 408.
  43. Franz Walter: Dr Passwang-Louis. Editions Heuwinkel, Carouge/Genève / Neu-Allschwil/Basel 1997, ISBN  3-906373-14 (defekt), S. 20–28.
  44. Fränzi Zwahlen-Saner: «Dr Passwang Louis» – das Leben des Vagabunden wird zum musikalischen Ereignis. In: Solothurner Zeitung. 26. September 2019. Abgerufen am 12. Januar 2020.
  45. Statistik-Dokument der Tour de Suisse (PDF), u. a. S. 58, 64, abgerufen am 8. November 2019
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  50. A3669 Kommandoposten Grenzbrigade 4 Lobisei. In: Festung Oberland. Abgerufen am 19. Januar 2020.
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