James A. Garfield

US-amerikanischer Politiker und 20. Präsident der Vereinigten Staaten

James Abram Garfield (* 19. November 1831 in Orange Township (heutiges Moreland Hills), Cuyahoga County, Ohio; † 19. September 1881 in Elberon, Monmouth County, New Jersey) war ein amerikanischer Politiker (Republikanische Partei) und vom 4. März 1881 bis zu seinem Tod infolge eines Attentats der 20. Präsident der Vereinigten Staaten.

James A. Garfield
Unterschrift von James Garfield

Garfield wuchs in ärmlichen Verhältnissen im damaligen Grenzland (Frontier) als Halbwaise auf. Ein überzeugter Anhänger des christlichen Restoration Movements („Erneuerungsbewegung“) besuchte er dessen Western Reserve Eclectic Institute (heutiges Hiram College) und wechselte später auf das Williams College, wo er seinen Abschluss machte. Danach war er Lehrer am Hiram College, bis er 1859 in die Politik ging und in den Senat von Ohio gewählt wurde. Parallel dazu studierte er Jura. Während des Sezessionskriegs kämpfte er für die Nordstaaten und brachte es in der Unionsarmee zum Generalmajor. Ab 1863 war er Abgeordneter im Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten und zählte anfangs zur Fraktion der radikalen Republikaner und später zu den Half-Breeds („Mischlingen, Halbblütern“), die eine Verwaltungsreform anstrebten. 1876 wurde er Fraktionsführer der Republikaner im Repräsentantenhaus.

Auf dem stark umkämpften Nominierungsparteitag der Republikaner im Juni 1880 konnte er sich als Überraschungssieger und Kompromisskandidat gegen Ulysses S. Grant und James G. Blaine durchsetzen. Nach seinem Sieg bei der Präsidentschaftswahl gegen den demokratischen Bewerber Winfield Scott Hancock war er nur für wenige Monate im Amt, als er an den Folgen eines Attentates durch Charles J. Guiteau starb. Sein Mörder hatte sich zuvor erfolglos um eine Position in der Garfield-Administration beworben. Der Tod des Präsidenten ist wahrscheinlich auch auf die nach heutigen Maßstäben unsachgemäße ärztliche Behandlung zurückzuführen.

LebenBearbeiten

Familie und Ausbildung (1831–1850)Bearbeiten

 
Nachbau der Blockhütte, in der Garfield geboren wurde, im heutigen Moreland Hills.

James A. Garfield wurde nach seinem älteren Bruder James Ballou Garfield, der als Kind starb, und nach seinem Vater Abram Garfield benannt. Dessen Vorfahr Edward Garfield war 1630 aus Europa in die Massachusetts Bay Colony ausgewandert, wo seine Nachkommen für lange Zeit lebten. Abram Garfields Großvater übersiedelte nach der Amerikanischen Revolution nach Worchester in New York, wo auch sein Enkel zur Welt kam. James A. Garfields Mutter, Eliza Ballou, hatte aus Providence stammende Eltern und wurde in New Hampshire geboren. Nachdem ihr Vater gestorben war, lebte sie mit ihrer Mutter in Worchester, wo sie Abram Garfield kennenlernte. Im Februar 1820 heirateten sie und zogen in das malariaverseuchte Tal des Cuyahoga Rivers in der Western Reserve, damals vom restlichen Ohio isoliertes und durch ärmliche Lebensbedingungen gekennzeichnetes Grenzland (Frontier). Im Jahr 1829 erwarb Abram Garfield nach einem kurzfristigen geschäftlichen Erfolg als Kleinunternehmer im Kanalbau acht Hektar eigenes Farmland samt Blockhaus im Orange Township, dem heutigen Moreland Hills.[1] Hier kam zwei Jahre später James A. Garfield als jüngstes von fünf Kindern zur Welt.[2]

Im Jahr 1833 traten Garfields Eltern dem Restoration Movement („Erneuerungsbewegung“) bei, einer christlichen Erweckungsbewegung unter Führung von Alexander Campbell. Diese Kirche, die in der Western Reserve als Disciples of Christ („Jünger Christi“) bekannt war und pietistische Züge aufwies,[3] prägte den weiteren Lebensweg Garfields. Im Mai 1833 starb sein Vater an einer Lungenkrankheit,[4] was die Familie an den Rand der Armut brachte. So musste die Mutter Teile ihres Grundbesitzes verkaufen, um die drängendsten Schulden abzuzahlen, und Garfields 12-jähriger Bruder Thomas die Farmarbeiten des Vaters übernehmen.[5] Eliza Garfield heiratete im April 1842 erneut, aber verließ ihren in einem Nachbarort lebenden Mann nach einem Jahr, was in der damaligen Zeit als selten vorkommendes, skandalöses Verhalten galt. Als Jugendlicher wurde Garfield zu einem leidenschaftlichen Leser, den vor allem Seefahrtsgeschichten faszinierten. Im August 1848 verließ er kurzentschlossen die Mutter, um im nahegelegenen Cleveland auf einem Schiff anzuheuern. Letztendlich fand er eine Anstellung auf einem Kanalboot, das zwischen Cleveland und Pittsburgh verkehrte. Anfang Oktober musste er die Arbeit aufgeben und nach Hause zurückkehren, als bei ihm eine starke Fieberkrankheit ausbrach. Dort konnten ihn die Mutter und sein Grundschullehrer dazu überreden, fürs Erste weiter auf die Schule zu gehen.[6]

Ab März 1849 besuchte er eine weiterführende Akademie in Chester Township im Geauga County, die von Baptisten betrieben wurde. Zu dieser Zeit gab es kein bundesstaatliches Schulsystem in Ohio, weshalb Jugendliche auf Sekundarschulen dieser Art angewiesen waren, wenn sie nach der Grundschule weiterlernen wollten. In diesem Umfeld entwickelte Garfield einen außergewöhnlichen Bildungseifer und legte seine Seefahrtspläne rasch ad acta. Um Schule und Unterkunft in einer Pension zu finanzieren, arbeitete er in einer Zimmerei und ab November 1849 als Lehrer. Auf einer regionalen Versammlung der Disciples of Christ im März 1850 hatte er ein religiöses Erweckungserlebnis und ließ sich taufen. Hatte er bis dahin vor allem der Mutter zuliebe die Gottesdienste besucht, war er von nun an ein überzeugter „Jünger Christi“. Sein Glaube spiegelte sich in seinen politischen Überzeugungen wieder. So lehnte er den Abolitionismus, also die Sklavenbefreiung, ab, weil sich die Bibel an keiner Stelle gegen diese Institution ausspräche, und nahm nicht an den ausschweifenden Feiern zum Unabhängigkeitstag teil, sondern verbrachte die Zeit im Gebet. Aufgrund seiner religiösen Überzeugung und aus finanziellen Gründen fühlte er sich an der baptistischen Akademie zunehmend unwohl.[7]

Western Reserve Eclectic Institute und Williams College (1850–1856)Bearbeiten

 
Statue von Garfield auf dem Campus des Hiram College (2010)

Gegen Ende 1850 verließ er die Schule in Geauga und arbeitet für ein Jahr als Lehrer und Zimmerer. Im Herbst 1851 schrieb er sich am Western Reserve Eclectic Institute (heutiges Hiram College) in Hiram im Portage County ein, eine von den Disciples of Christ betriebene Bildungseinrichtung. Aufgrund seiner Vorbildung und starken Physis genoss er unter den Mitschülern hohes Ansehen. Garfield gewann in dieser Zeit weiter an Selbstvertrauen und entdeckte an sich eine außergewöhnliche Begabung als Redner. Tatsächlich wurde er später einer der effektivsten Wahlredner seiner Generation.[8] Das Curriculum umfasste neben der von ihn besonders geschätzten klassischen Bildung in Latein und Griechisch auch Geologie, Mathematik und Spencer-Schrift. Außerschulisch las er mit einer befreundeten Mitschülerin Horaz, Vergil, Sallust, Xenophon und das Neue Testament. Daher rührend verwendete er bei seinen späteren Reden im Kongress der Vereinigten Staaten oft lateinische Zitate als Stilmittel. Ab Frühjahr 1853 begann er sich als Prediger in den Kirchen der Umgebung zu betätigen. Gegen Jahresende entwickelte er eine zunehmende Leidenschaft für die Mitschülerin Lucretia Rudolph, die er seit der Akademie in Chester kannte. Ihr Vater Zeb Rudolph war ein führender Disciple und saß im Vorstand des Western Reserve Eclectic Institute. Einer Vertiefung ihrer Beziehung stand vorerst entgegen, dass sich Garfield am Eclectic Institute, an dem er seit einem Jahr selbst Unterricht gab, intellektuell unterfordert fühlte, und Anfang 1854 beschloss, auf eine Universität zu wechseln.[9] Hinzu kam, dass das Eclectic Institute keinen staatlich anerkannten Bachelor-Abschluss anbot.[10]

Im Juli 1854 wurde er nach einer kurzen Prüfung durch den Universitätspräsidenten Mark Hopkins als Student am Williams College in Williamstown, Massachusetts zugelassen. Hopkins Einfluss schärfte in den folgenden Jahren die kritische Denkfähigkeit Garfields,[11] der in dem geistigen Klima dieses neuenglischen und calvinistischen Colleges aufblühte und es später als den eigentlichen Start seines intellektuellen Lebens beschrieb. Anfangs wurde er von den zumeist jüngeren und aus wohlhabenden Verhältnissen stammenden Kommilitonen kritisch beäugt. Aufgrund seiner glänzenden Leistungen im Debattierclub, der in der Ära vor dem Aufkommen des Collegesports den Mittelpunkt studentischer Aktivitäten auf dem Campus bildete, verschaffte er sich rasch hohes Ansehen. In der Folge wurde er zum Vorsitzenden einiger Studentenclubs und zum Herausgeber des Universitätsmagazins Williams Quarterly gewählt. Weil einige der Kommilitonen streng religiöse Calvinisten waren, hielt er sich mit dem eigenen Glauben bedeckt. Den zu dieser Zeit an Bedeutung gewinnenden Studentenverbindungen (Fraternities und Sororities) stand er ablehnend gegenüber.[12] Zur Finanzierung seines Studiums arbeitete er während der Semesterferien in den umliegenden Ortschaften als Lehrer. In Pownal, Vermont, unterrichtete er an der gleichen Schule wie ein Jahr zuvor sein späterer Vizepräsident Chester A. Arthur.[13]

Garfield war ein guter, aber kein brillanter Student. Am Williams College kam er vertieft mit Naturwissenschaften in Berührung und begeisterte sich so sehr für Germanistik, dass er eine Zeit lang ein Studium in Göttingen in Erwägung zog.[14] Hopkins und das akademische Umfeld insgesamt bewirkten, dass Garfield sich für Politik zu interessieren begann. Im Frühjahr des Präsidentschaftswahljahrs 1856 besuchte er eine Wahlkampfveranstaltung für John C. Frémont und hielt hier seine erste politische Rede.[15] Einige von Garfields religiösen Überzeugungen kamen in dieser Phase ins Wanken. So bewog ihn das Studium von Theodor Körners Gedichten dazu, seinen Pazifismus zu überdenken. Die Agitation in Neuengland gegen die durch den Kansas-Nebraska Act ermöglichte Einführung der Sklaverei im Kansas-Territorium (Bleeding Kansas („Blutendes Kansas“)) führte bei ihm zu einem Gesinnungswandel. Er sprach sich nun für eine graduelle Abschaffung der Sklaverei und ein Verbot ihrer weiteren Verbreitung aus. Zwar bewahrte Garfield sich seinen Glauben, aber bis Juni 1856 war er zu der Überzeugung gelangt, dass er keine kirchliche Laufbahn mehr anstrebte. Im August schloss er das Studium ab und begann als Lehrer am Eclectic Institute in Hiram zu arbeiten.[16]

Lehrtätigkeit (1856–1859)Bearbeiten

 
Garfield und Rudolph kurz nach ihrer Verlobung

Zurück in Hiram fühlte er sich schnell von seiner Lehrtätigkeit nicht ausgefüllt. Daher engagierte er sich bei den Republikanern und predigte wieder verstärkt. Weil es an der Schule konstant Disziplinprobleme gab, wurde Direktor Hayden Anfang 1857 entlassen und Garfield zu seinem Nachfolger bestimmt, wobei der erfahrenere Norman Dunshee übergangen wurde. Unter Garfield verfolgte das Eclectic Institute eine liberalere Agenda. Die Bedeutung der Theologie wurde im Unterrichtsplan zugunsten von Fächern wie Geschichte, Naturwissenschaft und Sport herabgestuft und die Akademie für Schüler anderer Konfessionen geöffnet.[17] Als Lehrer wandte er progressive Unterrichtsmethoden an, indem er nicht nur Lernstoff vermittelte, sondern die Schüler zu selbständiger Gedankenführung und kritischer Beobachtungsgabe ermunterte. Tatsächlich prosperierte unter Garfield das Eclectic Institute trotz der Wirtschaftskrise von 1857.[18]

Obwohl er seit vier Jahren mit Rudolph verlobt war, zögerte er 1858 immer noch mit der Heirat. Erst nach Druck im Freundeskreis und durch den zukünftigen Schwiegervater kam es am 11. November 1858 zur Hochzeit.[19] Aus der Ehe gingen sieben Kinder hervor, von denen fünf das Erwachsenenalter erreichten. Der 1865 geborene James war von 1907 bis 1909 amerikanischer Innenminister. Der um zwei Jahre ältere Harry wurde Jurist, Politikwissenschaftler und Präsident des Williams College.[20] Die Ehe durchlief einige Tiefen, in den 1860er Jahren gab es immer wieder Gerüchte um außereheliche Beziehungen Garfields.[21] Im Herbst 1862 hatte er eine Affäre, die fast zur Trennung führte.[22]

In der letzten Dezemberwoche 1858 führte Garfield in Chagrin Falls eine öffentliche Debatte mit einem umherziehenden atheistischen Freidenker. Sie stieß auf großes Interesse und lockte bis zu tausend Zuschauer an. Garfield wurde allgemein als Sieger betrachtet und erlangte Prominenz in der Region. In Vorbereitung auf die Debatte hatte er sich verstärkt mit Naturwissenschaften beschäftigt und ihnen danach im Curriculum des Eclectic Institute noch mehr Bedeutung zugestanden. Dies wie auch sein Versuch, eine Schachliga mit anderen Akademien auszurichten, brachte ihm Kritik von der Fraktion der strenggläubigen Disciples ein, die Dunshee befeuerte. Obwohl Garfield selbst in einem Fall einem entflohenen Sklaven Unterschlupf gewährt hatte, hielt er die Schule aus der Politik raus und untersagte eine Kundgebung von Abolitionisten am Eclectic Institute.[23]

Bis 1859 hatte sich sein religiöser Eifer so weit gelockert, dass er nun, mit seiner aktuellen beruflichen Situation unzufrieden, mit einer Lehre zum Anwalt und einem Einstieg in die Politik zwei Tätigkeiten anstrebte, die er früher als moralisch verwerflich abgelehnt hatte. Als im August 1859 der republikanische Kandidat seines Wahlbezirks für den Senat von Ohio verstarb, stellten die lokalen Parteiführer Garfield auf, nachdem er auf dem Nominierungsparteitag das Rennen gemacht hatte. Weil sein Distrikt stramm republikanisch und abolitionistisch geprägt war, einer seiner späteren Wähler war John Brown, kam der Erfolg bei der Primary dem Einzug in den Senat gleich.[24] Entsprechend gewann er nach einem Wahlkampf, in dem es fast ausschließlich um die Sklavenfrage gegangen war, am 11. Oktober mit großem Vorsprung gegen den Demokraten Alvah Udall.[25]

Im Senat von Ohio (1859–1861)Bearbeiten

Kurz vor dem Jahresende 1859 traf Garfield in Columbus, der Hauptstadt von Ohio ein. Er bezog ein Pensionszimmer mit Jacob Dolson Cox, mit dem ihm bald eine enge politische Partnerschaft verband. Obwohl ein Neuling, schaltete er sich von seinem ersten Tag an in die Debatten im Kongress Ohios (Ohio General Assembly) ein. Seinen Gesetzesinitiativen, deren wichtigste ihm die Finanzierung einer geologischen Kartierung Ohios war, war wenig Erfolg beschieden. Besonderen Beifall in seinem Wahlbezirk erhielt Garfield für seine Rede gegen einen Gesetzesvorschlag konservativer Republikaner, der vor dem Hintergrund von John Browns Überfall auf Harpers Ferry Sicherheitszusagen an den Sklavenstaat Virginia machte. Für die Teilnahme an einer Delegation der Ohio General Assembly, die sich in Louisville mit den Abgeordneten der State Legislatures („Bundesstaat-Parlament“) von Kentucky und Tennessee traf, musste er dagegen Kritik von seinen Wählern einstecken. Insgesamt machte er vor allem durch seine Fähigkeiten als Redner auf sich aufmerksam und erlangte im Bundesstaat zunehmende Bekanntheit.[26]

Auf dem Parteitag der Republikaner in Ohio im Juni 1860 hinterließ er einen starken Eindruck und war danach ein gefragter Redner im Präsidentschaftswahlkampf von Abraham Lincoln mit Auftritten auf mehr als 40 Kundgebungen.[27] In der unmittelbar auf Lincolns Sieg folgenden Sezessionskrise, die sich an der Sklavenfrage entzündete und zur Herausbildung der Konföderierten Staaten von Amerika führte, befürwortete der ehemalige Pazifist Garfield leidenschaftlich einen Bürgerkrieg, um mit der Sklaverei endgültig Schluss zu machen. Diese Kriegsbegeisterung entsprach der allgemeinen Stimmungslage in Columbus.[28] Anfang 1861 schloss er die Anwaltslehre ab, die er zwei Jahre zuvor bei einer Kanzlei in Cleveland begonnen hatte. Mitte Februar traf er den designierten Präsidenten Lincoln und zeigte sich von ihm wenig beeindruckt. In den folgenden Jahren verhärtete sich dieses Gefühl wegen dessen Zögern in der Sklavenfrage zu Verachtung.[29]

Im SezessionskriegBearbeiten

 
Garfield als Brigadegeneral

Eintritt in die Unionsarmee und Schlacht von Middle Creek (1861–1862)Bearbeiten

Nach Ausbruch des Amerikanischen Bürgerkriegs am 12. April 1861 unterstützte er zuerst Gouverneur William Dennison junior im Senat bei der Finanzierung der hastig aufgestellten Freiwilligen-Regimenter. Außerdem brachte er ein Gesetz durch, das die Gesetzeshürden für die Bestrafung von Landesverrat gegenüber dem Bundesstaat Ohio absenkte und sich insbesondere gegen die Demokraten richtete. Nach mehreren gescheiterten Versuchen erhielt er im August von Dennison das ersehnte Kommando über ein Regiment zugewiesen, mit dem der Dienstgrad Oberstleutnant verbunden war. Nur wenige Wochen später beförderte ihn der Gouverneur zum Oberst. Garfields 42. Ohio-Freiwilligen-Infanterie-Regiment existierte zuerst nur auf dem Papier und musste von ihm selbst ausgehoben werden. Dazu wandte er sich zuerst an das Hiram College, wo er eine ganze Kompanie von Studenten rekrutierte. Bis September wuchs das 42. Ohio-Regiment auf sieben Kompanien auf und Garfield hatte mit Don Pardec und Lionel Allen Sheldon zwei Stabsoffiziere unter seinem Kommando. Ende November erreichte es mit zehn Kompanien seine volle Stärke und lagerte in Camp Chase am Stadtrand von Columbus.[30]

Garfield eignete sich parallel zu seinen Rekrutierungsbemühungen ein Grundwissen in Militärtaktik an. Ihm standen nur wenige Wochen Drill zur Verfügung, um seine Soldaten auf das Schlachtfeld vorzubereiten. Außerdem musste sich Garfield um die Ausrüstung des Regiments kümmern, die sich problematisch gestaltete. Bei der Führung der Untergebenen erwiesen sich die im Rahmen seiner Lehrtätigkeit erworbenen Kompetenzen als hilfreich. Mitte Dezember erhielt Garfield die Order, mit seinem Regiment nach Catlettsburg in Kentucky zu marschieren.[31] Dort wurde er unter das Kommando von General Don Carlos Buell gestellt, der die Army of the Ohio („Armee des Ohio“) befehligte. Das strategische Ziel der Ohio-Armee war die Einnahme von Nashville, wobei ihre linke Flanke im Tal des Big Sandy River im östlichen Kentucky von Konföderierten Truppen unter der Führung von Brigadegeneral Humphrey Marshall bedroht wurde. Buell gab Garfield das Kommando über die 18. Brigade und entsandte ihn gegen Marshalls Truppen in das unwegsame und abgelegene Terrain des Big-Sandy-River-Tals. Bis Ende Dezember stieß die Brigade über Louisa in das Quellgebiet des George’s Creek, eines kleinen Zuflusses des Big Sandy, vor und errichtete hier eine Basis. Derweil marschierte Marshall aus dem Süden kommend durch das Big-Sandy-River-Tal und befestigte Anfang Januar 1862 seine Stellung im nahegelegenen Paintsville.[32]

 
Blick über das Schlachtfeld von Middle Creek, seit 1992 ein National Historic Landmark.[33] Garfields Kommandoposten während des Gefechts befand sich auf dem Hügel in der Bildmitte, während der Anstieg zur Stellung von Marshall am rechten Bildrand teilweise zu erkennen ist.

Obwohl mit seinen 1500 Mann gegenüber Marshall in der Unterzahl und ohne Artillerie wartete Garfield nicht auf Verstärkung, sondern teilte seine Truppen auf, um am 5. Januar von allen drei Zufahrtsstraßen gleichzeitig auf Paintsville zu marschieren. Die Konföderierten überschätzten durch dieses Manöver die Truppenstärke des Gegners, räumten ihr Lager und zogen sich Richtung Süden zurück. Von diesem Moment an waren sie ständig in der Defensive. Einige Tage später setzte Garfield Marshalls Truppen entlang des Big Sandy nach. Am Middle Creek, einem weiteren Zufluss des Big Sandy, stieß er am 10. Januar auf die Konföderierten, die hinter einer Hügelkette Stellung bezogen hatten. Wiederum gelang es ihm, mittels eine Militärparade den übervorsichtigen Marshall über seine wahre Truppenstärke zu täuschen. Im Tagesverlauf griffen nie mehr als zwei Kompanien Garfields gleichzeitig die Hügelstellung der Rebellen bis in die Abendstunden an, während die eintreffende Verstärkung unter Oberst Lionel Allen Sheldon nicht mehr ins Kampfgeschehen eingriff. Marshall leistete nur schwache Gegenwehr, räumte in der darauffolgenden Nacht seine Position und setzte seinen Rückzug fort. Im Gegensatz zu den späteren Gefechten im Amerikanischen Bürgerkrieg waren die Verluste beider Seiten während der Schlacht von Middle Creek nur sehr gering. Wie bei vielen Landsleuten seiner Generation veränderte diese erste Kampferfahrung Garfields bis dahin provinzielles und behütetes Weltbild.[34]

In den Nordstaaten feierte die an Misserfolge der Unionsarmee adaptierte Presse Garfields Sieg, bis er zehn Tage später von General George Henry Thomas’ Triumph im Gefecht bei Mill Springs aus den Schlagzeilen verdrängt wurde. Nachdem sich Marshall vollständig nach Virginia zurückgezogen hatte, sah sich Garfield mit der Verwaltung des östlichen Kentucky konfrontiert. Ihm wurde die Aufgabe dadurch erleichtert, dass es in diesem Landesteil keine Sklaverei gab. Mit einer vergleichsweise moderaten Besatzungspolitik, die gemäßigter war als die der späteren Reconstruction in den Sezessionsstaaten, gelang es ihm, in der Region die Ordnung wieder herzustellen.[35] Im Februar verlegte die 18. Brigade ihr Hauptquartier von Paintsville nach Pikeville. Noch im gleichen Monat suchte sie eine Flutkatastrophe heim, in deren Nachklapp eine Seuche den Verband stark ausdünnte und viele Tote forderte. In dieser tragischen Zeit erfuhr Garfield von seiner Beförderung zum Brigadegeneral. Zwar begrüßte er ein größeres Kommando, andererseits fühlte er sich dem 42. Ohio-Regiment stark verbunden. Nachdem er mit seiner Brigade eine letzte Garnison der Rebellen auf der Passhöhe Pound Gap genommen hatte, beorderte sie Buell Ende März aus dem Big-Sandy-River-Tal nach Louisville, Kentucky.[36]

Schlacht von Shiloh und Wahl in das Repräsentantenhaus (1862)Bearbeiten

In Louisville angekommen, erhielt Grant das Kommando über die 20. Brigade samt den Befehl, sich mit seinen Truppen bei Pittsburg Landing am Westufer des Tennessee Rivers einzufinden, wo General Ulysses S. Grant eine große Armee aufstellte. Als am Morgen des 6. April 1862 die Schlacht von Shiloh am Sammelpunkt der Unionsarmee begann, waren Buell und Garfield noch mehr als 50 km vom Kampfgeschehen entfernt. Nach einem Gewaltmarsch ohne Schlaf erreichten Garfields Brigade am Vormittag des nächsten Tages Pittsburg Landing. Als sie an der Frontlinie eintrafen, hörten sie ihre Kameraden jubeln und sahen die Rebellen fliehen; ohne das sie noch in den Kampf eingreifen konnten, war die Schlacht entschieden.[37]

Nach dem Sieg übernahm General Henry Wager Halleck als Oberbefehlshaber der Unionsarmee die Truppen und marschierte auf Corinth, Mississippi. Halleck bewegte sich aus Angst vor befestigten Stellungen der Konföderierten äußerst vorsichtig und beständig eingrabend, so dass sich der Anmarsch bis Ende Mai hinzog. Während dieser Zeit erlitt die Brigade Garfields durch Fieber aufgrund von Nässe und ständiger Erdarbeiten hohe Verluste. Als die Unionsarmee endlich vor der Stadt stand, waren die Konföderierten unter General Pierre Gustave Toutant Beauregard schon vollständig abgezogen, womit die Erste Schlacht um Corinth nicht nur in den Augen Garfields ein unwürdiges und frustrierendes Ende fand. Wie viele andere Kameraden auch warf er Absolventen von West Point, wie Halleck einer war, mangelnden Kampfeswillen vor, weil sie insgeheim Anhänger der Sklaverei seien.[38]

Aufgrund seiner Bekanntheit drängten ihn Freunde, bei den Primaries für den 38. Kongress der Vereinigten Staaten gegen den bisherigen Repräsentanten John Hutchins anzutreten. Typischerweise scheute er eine aktive Bewerbung, gab keine verbindliche Antwort und überließ das weitere Vorgehen seinen Anhängern, die sofort eine Wahlkampforganisation für ihn auf die Beine stellten. Garfield bewegte sich derweil mit der 20. Brigade Richtung Chattanooga, ohne Feindkontakt zu haben. Unterwegs wurde er erstmals mit Massen ehemaliger Sklaven konfrontiert und gelangte durch diese Erfahrung zu der Überzeugung, dass die Union nur durch die Zerschlagung der Pflanzer-Klasse wiederhergestellt werden könnte. Im Spätsommer erkrankte Garfield an Gelbsucht, wurde Anfang August vom Dienst freigestellt und nach Hiram transportiert. Am 2. September siegte er in einem knappen Rennen gegen Hutchins auf dem Nominierungsparteitag und im Oktober bei den Kongresswahlen.[39]

Auf der Suche nach einem neuen Kommando in WashingtonBearbeiten

Weil seine Sitzungsperiode im Repräsentantenhaus erst im Dezember 1863 anstand und er sich kurz nach seiner Nominierung soweit erholt hatte, um in den aktiven Militärdienst zurückzukehren, begab er sich Anfang September 1862 nach Washington, D.C., wohin ihn das Kriegsministerium berufen hatte. Dort sollte ihm ein neues Kommando zugewiesen werden. Das erste Angebot von Minister Edwin M. Stanton, das eine Verwendung im Westen Virginias vorsah, schlug er aus, auch weil er auf eine Wiedervereinigung mit seinem Regiment auf dem Cumberland Gap hoffte.[40] In der Suche nach einem attraktiven Kommando fand er in Finanzminister Salmon P. Chase einen Verbündeten und Freund.[41] Wenig später wurde er dauerhaft der Hausgast von Chase. Angesteckt durch den Finanzminister und seine hochrangigen Besucher, unter ihnen Politiker aber auch Gelehrte, begeisterte sich Garfield für Finanzpolitik und studierte während seiner Wartezeit auf ein neues Kommando die einschlägige Literatur. Er wurde zu einem Anhänger von „ehrlichem“ Hartgeld samt Goldstandard und stand der unlängst begonnenen Ausgabe von Dollar-Banknoten skeptisch gegenüber, auch wenn er sie zur Finanzierung des Bürgerkriegs als unvermeidlich ansah. Diese Auffassung wurde mit der Zeit zu einem Dogma, dem er mit großem Eifer folgte und das ihn kennzeichnete.[42]

Während aus unterschiedlichen Gründen immer noch kein neues Kommando zustande kam, setzte ihn das Kriegsministerium Ende des Jahres als Jurymitglied in den Militärgerichtsverfahren gegen die Generale Irvin McDowell und Fitz-John Porter ein. Als sich das Tribunal gegen Porter hinzog, der sich wegen seines Verhaltens bei der Zweiten Schlacht am Bull Run verantworten musste, begann Garfield damit, die Werke des von ihm bewunderten Friedrich des Großen zu übersetzen. Kurz vor der Fertigstellung dieses Buchprojektes erhielt er Mitte Januar 1863 endlich einen Dienstposten zu seiner Zufriedenheit; er wurde der von Generalmajor William Starke Rosecrans geführten Army of the Cumberland („Cumberland-Armee“) zugeteilt.[43]

In der Army of the CumberlandBearbeiten

Ende Januar 1863 traf Garfield im Hauptquartier der Army of the Cumberland in Murfreesboro, Tennessee ein, wo er auf Rosecrans traf. Er verstand sich so gut mit dem umtriebigen Rosecrans, dass dieser ihn nicht aus seiner nächsten Umgebung in ein Feldkommando entließ, sondern Ende Februar zu seinem Chef des Stabes ernannte.[44] Zum Widerwillen einiger Offiziere entfaltete Garfield aufgrund seiner engen Beziehung zu Rosecrans mehr Einfluss auf die Organisation der Cumberland-Armee als in dieser Dienststellung zu dieser Zeit im amerikanischen Militär üblich war. Bis auf wenige Ausnahmen hörte der Armeechef auf seinen Rat.[45] Garfield genoss an seiner Position vor allem, dass sie ihm den Entwurf von Strategien ermöglichte, ohne sich dabei mit West-Point-Absolventen auseinandersetzen zu müssen. Deren Militärdoktrin orientierte sich an der Kriegsführung des 18. Jahrhunderts und den Werken von Antoine-Henri Jomini, während Garfield erkannte, dass der Konflikt zwischen Nord- und Südstaaten mit militärischen Mitteln allein nicht beendet werden konnte, sondern eine politische Lösung in Form der Sklavenbefreiung verlangte. Auch verstand er, dass sich der amerikanische Bürgerkrieg nicht auf Armeen beschränken ließ, weil die Sklavenhaltergesellschaft mit Gewalt zerschlagen werden musste.[46]

Nachdem Rosecrans monatelang keine Anstalten machte, der im nicht weit entfernten Tullahoma positionierten Army of Tennessee unter Braxton Bragg nachzusetzen, die er noch Anfang des Jahres in der Schlacht am Stones River besiegt hatte, wurde Garfield immer unzufriedener. Wenigstens konnte er ihn zu einem Angriff auf die Nachschublinien der Konföderierten überreden. Zu Garfields Enttäuschung wurde jedoch nicht er, sondern Oberst Abel D. Streight Ende April mit dem Überfall betraut. Dieser endete in einem Fehlschlag, als die gesamte Kavallerie-Einheit gegen General Nathan Bedford Forrest kapitulierte. Anfang Juni bewegte Garfield Rosecrans endlich zu einer Offensive der gesamten Armee, die im letzten Moment aber auf Drängen hoher Offiziere abgesagt wurde. Er erhielt den Auftrag, in einem Bericht alle Argumente zusammenzufassen, die für einen Angriff auf die Tennessee-Armee sprachen. Garfield führte in diesem Text genaue Kalkulationen an, die eine geringere Truppenstärke der Konföderierten nahelegten. Sein Schlüsselargument war, dass selbst bei einem „Unentschieden“, also einem kampflosen Rückzug Braggs, die Südstaaten eine moralische und psychologische Niederlage erlitten hätten. Rosecrans ließ sich überzeugen und am 24. Juni setzte sich die Cumberland-Armee in Bewegung.[47]

Über den schwierigsten, aber am schwächsten verteidigten Pass Manchester Gap stieß der Großteil der Army of the Cumberland auf Tullahoma vor, während eine Kavallerie-Brigade unter Oberst John T. Wilder die Nachschublinien der Konföderierten abschnitt. Bragg geriet in Panik und befahl den Rückzug über den Tennessee River Richtung Chattanooga. Als Rosecrans am 3. Juli Tullahoma nahm, fand er es daher verlassen vor. Entgegen dem Rat Garfields, der sich für eine sofortige Verfolgung der Tennessee-Armee aussprach, hielt Rosecrans fürs Erste die Stellung. Garfield machte seinen Unmut über diese Verzögerung Ende Juli in einem vertraulichen Brief an Chase Luft. Nach seinem Tod gelangte der Brief an die Öffentlichkeit und wurde von vielen als Vertrauensbruch angesehen und schadete seinem Ansehen. Allerdings sah sich Rosecrans schon vor dem Eintreffen von Garfields Schreiben in Washington enormer Kritik ausgesetzt. Erst auf Druck des Kriegsministeriums setzte sich Rosecrans wieder in Bewegung und überquerte den Tennessee River am 29. August an mehreren Stellen südlich und westlich von Chattanooga. Bragg zog seine Armee am 8. September aus Chattanooga ab und verbarg sie in den nahegelegenen Appalachen.[48]

Schlacht von ChickamaugaBearbeiten

Ohne von der gegnerischen Position zu wissen, schlug Rosecrans in Chattanooga sein Hauptquartier auf. Mitte September mehrten sich die Anzeichen, dass Bragg nicht weit entfernt lag und die verstreuten Einheiten der Cumberland-Armee wurden wieder zusammengezogen. Am Morgen des 19. September trafen die Armeen im Chickamauga Creek aufeinander, wobei der erste Tag der Schlacht keine Entscheidung brachte. Über eine missverständliche Order von Rosecrans, die nicht wie üblich von Garfield, sondern von Major Frank Bond schriftlich fixiert wurde, entstand am nächsten Tag eine Lücke in der Aufstellung der Divisionen, in die die Konföderierten unter der Führung von Generalleutnant James Longstreet vorstießen. Im Zentrum des verhängnisvollen Angriffs lag das Hauptquartier der Unionsarmee, so dass sich Rosecrans und Garfield zur Flucht gezwungen sahen. Während sich der Armeechef nach Chattanooga zurückzog, schlug sich Garfield zum linken Flügel durch, wo Generalmajor George Henry Thomas die Stellung hielt und einen weiteren Vormarsch Longstreets für Erste verhindern konnte. Als Resultat der Schlacht von Chickamauga verteidigte die Cumberland-Armee zwar ihre Position in Chattanooga, war aber von der Army of Tennessee eingekesselt.[49]

Am 23. September berichtete Garfield dem Finanzminister per Telegramm von ihrer dramatischen Situation und löste damit eine Rettungsaktion durch Stanton aus, der 20.000 Mann Verstärkung nach Chattanooga entsandte. Die Belagerung war noch im Gange, als Garfield zum Rapport nach Washington beordert wurde. Noch auf dem Rückweg erfuhr er von der Ablösung Rosecrans’ durch Thomas. Obwohl diese Entscheidung von Grant aufgrund seiner persönlichen Lageeinschätzung getroffen wurde, hielt sich in den folgenden Jahren hartnäckig das Gerücht, Garfield trage für diese Zurückstellung eine Mitverantwortung. Laut dem Biographen Allan Peskin war es vor allem der vom Kriegsministerium zur Beobachtung Rosecrans’ bestimmte Charles A. Dana,[50] der mit seinen Berichten dessen Desavouierung betrieben hatte. Dennoch sei davon auszugehen, dass Garfields Rapport an Stanton Louisville weniger günstig für Rosecrans ausgefallen sei, als er ihm zugesichert habe. In Washington angekommen, absolvierte er für die Republikaner in Maryland einige Wahlkampfauftritte, bis die Sitzungsperiode des 38. Kongresses begann. Während dieser Zeit wurde er zum Generalmajor befördert und entschloss sich nach einem Gespräch mit Lincoln, der ihm zusicherte, mehr als genug Generale zur Verfügung zu haben, seinen Sitz im Repräsentantenhaus einzunehmen.[51]

Repräsentantenhaus (1863–1880)Bearbeiten

38. Kongress (1863–1865)Bearbeiten

Weil ein Putschversuch der durch Sezession und Bürgerkrieg demoralisierten Demokraten befürchtet wurde, startete der 38. Kongress am 6. Dezember 1863 in so bedrohlicher Atmosphäre, dass Garfield verdeckt einen Revolver trug. Die Republikaner bildeten eine eher lose Gruppierung, die einzig durch die gemeinsame Kriegsunterstützung zusammengehalten wurde. Ihre Parteiführer im Haus waren allesamt radikaler gesinnt als der Präsident. Am meisten Gewicht hatten bei den radikalen Republikanern die Stimmen von Thaddeus Stevens, der dem wichtigen Committee on Ways and Means („Mittel-und-Wege-Komitee“) vorstand, Robert Cumming Schenck und Henry Winter Davis. Garfield war das jüngste Kongressmitglied und gewann anfangs vor allem wegen seines jugendlichen Aussehens Aufmerksamkeit. Einerseits fand er durch seine gesellige und freundliche Art schnell sozialen Anschluss, andererseits verärgerte er die Parteikollegen, indem er mitunter gegen die eigene Fraktion und frühere Aussagen stimmte. Rasch suchte Garfield die Konfrontation mit Stevens, der ihn aber klassisch ausmanövrierte und eine Bundesmittelzuweisung für den im Kongresswahlbezirk von Garfield liegenden Hafen von Ashtabula verhinderte. Eine erste politisch bedeutsame politische Freundschaft schloss er mit Schenck, während Winter zu seinem Mentor und Vorbild wurde.[52] Garfield teilte mit Schenck ein Pensionszimmer und war Mitglied im United States House Committee on Armed Services („Militärausschuss des Repräsentantenhauses“), dem dieser vorstand. Dieser Kongressausschuss hatte wegen des Bürgerkriegs eine besonders große Bedeutung und Arbeitsdichte.[53]

Schenck betraute Garfield mit der Überarbeitung des Wehrpflichtgesetzes, das in der Union extrem unpopulär war. Er störte sich, anders als viele seiner Fraktionskollegen, vor allem an zwei Punkten der bisherigen Bestimmung: der Möglichkeit, sich vom Dienst in der Nordstaaten-Armee über einen Ersatzmann freizukaufen, und am überregionalen Handel von lokalen „Wehrpflichtquoten“ zwischen unterschiedlichen Wahlbezirken. Nachdem der erste Gesetzesentwurf von Garfield im Juni 1864 im Haus gescheitert war, machte Lincoln persönlich den Ausschuss auf die Dringlichkeit dieses Vorhabens aufmerksam. Nach einigen Konzessionen an die Gegner fand die neue Form des Wehrpflichtgesetzes eine Mehrheit im Kongress. Eine wesentliche Änderung war, dass nun ein Freikauf vom Wehrdienst nicht mehr möglich war.[54]

Während dieser Phase seiner politischen Laufbahn trat Garfield für eine Stärkung der Bundesgewalt ein, auch gegenüber der Privatwirtschaft auf dem Felde des Eisenbahnbaus. Mit seinen Ansichten zur Südstaatenpolitik gehörte er zum radikalen Flügel der radikalen Republikaner. Laut Garfield reichte die Befreiung und Emanzipation der Sklaven im Süden nicht aus, sondern musste durch die Enteignung der rebellierenden Plantagenbesitzer begleitet werden. Für ein erstes Aufsehen sorgte er Anfang April 1864 in einer Debatte mit dem demokratischen Copperhead („Kupferkopf“) Alexander Long, den er als Konföderierten bloßstellte, als dieser sich für ein Ende des Bürgerkriegs ausgesprochen hatte. Von Lincoln hatte er eine ausgesprochen niedrige Meinung, weshalb er seiner Wiederwahl in diesem Jahr ambivalent gegenüberstand. Als der Präsident Chase nicht vor Korruptionsvorwürfen von Francis Preston Blair junior Ende April in Schutz nahm, sondern diesen nach dem Nominierungsparteitag aus dem Kabinett entfernte, stieg seine Verachtung für diesen umso mehr. Dennoch engagierte er sich nicht in kurzzeitigen Initiativen innerhalb der Partei, die eine Nominierung von Chase oder Frémont avisierten. Obwohl in Garfields Kongresswahlbezirk einige gegen das neue Wehrpflichtgesetz murrten, Gerüchte über seinen angeblich lasterhaften Lebenswandel in der Hauptstadt im Umlauf waren und er einräumte, dass Lincoln nicht seine erste Wahl als Präsident sei, nominierte ihn die lokale Republican Convention wieder als Abgeordneten für den 39. Kongress. In der folgenden Wahl besiegte er den demokratischen Konkurrenten mit einem Stimmenverhältnis von 3:1.[55]

Insgesamt konnte er in seiner ersten Amtszeit im Kongress nur wenig Erfolge vorweisen und war unter den Journalisten und Besuchern des Kapitols besser gelitten als in seiner eigenen Fraktion. Das sich abzeichnende Ende des Sezessionskriegs führte zudem zu einem Bedeutungsverlust des Militärausschuss. Aus diesen Gründen plagten ihn in der zweiten Sitzungsperiode des 38. Kongresses ab Dezember 1864 Selbstzweifel und er dachte über berufliche Alternativen nach. Unter anderem zog er eine Sozietät mit dem Disciple Jeremiah S. Black in Betracht, während eine ethisch fragwürdig konstruierte Ölbohrunternehmung mit Ralph Plumb zu einem Fehlschlag wurde. So war es eine Geschäftsreise nach New York City, auf der er am 14. April 1865 von der Ermordung Lincolns erfuhr.[56]

39. Kongress (1865–1867)Bearbeiten

Mit dem Ende des Bürgerkriegs wurden seine radikalen Ansichten hinsichtlich der Südstaatenpolitik allmählich moderater.[57] So half er Lincolns Nachfolger Andrew Johnson bei der Vermittlung der Freilassung von Alexander H. Stephens, dem ehemaligen Vizepräsidenten der Konföderierten Staaten. Als gegen Ende des Sommers einige der früheren Rebellen-Staaten durch Johnson ermutigt um Wiederaufnahme in den Kongress baten, lehnte Garfield dies ab. Während sich zwischen dem Präsidenten und seiner Partei die Entfremdung zunahm, mühte sich Johnson, Garfield als Mittelsmann zu den radikalen Republikanern zu gewinnen. Im Februar 1866 stellte Garfield in seiner wichtigsten Rede zur Frage der Reconstruction klar, dass seiner Ansicht nach die rebellierenden Staaten niemals aus der Union entlassen worden seien, sie aber durch den Bürgerkrieg ihre vollen Rechte verwirkt hätten. Der geeignetste Beweis für ihre Reue sei erbracht, wenn sie den Schwarzen das Wahlrecht einräumten. Damit äußerte er sich gemäßigter als der radikale Flügel um Stevens. Als Johnson aber wenig später mit seinem Veto für das Ende des unter Lincoln zur Betreuung der befreiten Sklaven eingerichteten Freedman’s Bureau („Freigelassenen-Agentur“) sorgte, wandte sich auch Garfield vom Weißen Haus ab und kehrte in das Lager der radikalen Republikaner zurück. Von nun an fokussierte er sich weniger auf die Südstaatenpolitik, sondern auf den Kampf gegen Johnson und die Finanzpolitik. Hier kam ihm zugute, dass er mittlerweile Mitglied im Committee on Ways and Means war.[58]

 
Greenback von 1862

Dem Zeitgeist entsprechend folgten Garfields wirtschaftspolitische Vorstellungen weitgehend dem Leitbild des Laissez-faire. Seine erste Rede im Kongress zur Geldpolitik legte den Ton aller noch folgenden fest. Garfield forderte ein Ende des Umlaufs von Banknoten (Greenbacks), deren Tauschwert zum Gold starken Schwankungen unterworfen war, und die Rückkehr zu einer auf Münzgeld beruhenden Wirtschaft. Mit dieser Haltung kollidierte er mit dem radikalen Flügel um Stevens und machte sich in seinem Wahlbezirk unbeliebt, denn insbesondere in Ohio und den anderen nordwestlichen Bundesstaaten war die mit Papiergeld verbundene Inflationspolitik populär. Dennoch blieb er ein Verfechter des „ehrlichen“ Hartgelds, das für ihn den Stellenwert eines intellektuellen und moralischen Prinzips hatte. Weniger klar gestaltete sich Garfields Position zur Zollpolitik, wo er sich mehr von politischen Erwägungen als von ideologischen Überzeugungen leiten ließ. Bei den Abstimmungen zu dieser Frage im 39. Kongress votierte er im Interesse der Landwirtschaft und Industrie seines Wahlbezirks für Schutzzölle auf Lein und Eisenschienen.[59]

Selbst in Zahlungsnöten, sah sich Garfield dazu gezwungen, als Anwalt zu praktizieren. Sein Debüt im Gerichtssaal feierte er dabei gleich auf der höchsten Bühne, nämlich im März 1866 vor dem Obersten Gerichtshof im Fall Ex parte Milligan. Er vertrat mit Black den klagenden Copperhead Lambdin P. Milligan, der in Indiana kurz vor Ende des Sezessionskriegs von einem Militärgericht wegen Landesverrat zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden war. Milligan machte geltend, dass eigentlich die zivile Gerichtsbarkeit für seinen Fall zuständig gewesen sei. Letztendlich folgte der Oberste Gerichtshof dieser Argumentation.[60] Die Wiederwahl in den 40. Kongress gelang Garfield im Oktober 1866 mit einem im Vergleich zu 1864 etwas schwächeren Stimmenverhältnis von 5:2.[61]

40. Kongress (1867–1869)Bearbeiten

Beunruhigt von dem Vorhaben der radikalen Republikaner, ein Amtsenthebungsverfahren gegen Johnson anzustrengen, kehrte er in die Hauptstadt zurück. Nachdem die Südstaaten durch das Weiße Haus bestärkt den 14. Zusatzartikel abgelehnt hatten, verhärteten sich Garfields Vorstellungen zur Ausgestaltung der Reconstruction wieder und er sprach sich für eine strikte militärische Verwaltung der ehemaligen Konföderierten aus.[62] Während der Sitzungspause im Sommer 1867 unternahm Garfield mit seiner Frau eine 14-wöchige Europareise, in deren Verlauf er auch eine Debatte im House of Commons zum Reform Act 1867 verfolgte und John Stuart Mill, Benjamin Disraeli und William Ewart Gladstone sah. Den persönlichen Höhepunkt erlebte er in Rom bei Besichtigung der antiken Stätten.[63]

Zurück in Amerika blieb Garfields Ringen um den Vorsitz im Committee on Ways and Means erfolglos und er erhielt stattdessen zu seiner Enttäuschung vom Sprecher des Repräsentantenhauses (Speaker of the United States House of Representatives) Schuyler Colfax den Vorsitz über den Militärausschuss. Dessen Hauptaufgabe bestand nach dem Ende des Bürgerkriegs darin, die Armee auf Friedensgröße zurückzufahren. Typischerweise veranlasste Garfield eine breit angelegte Organisationuntersuchung, um die zukünftigen Strukturen nicht nur schlanker, sondern auch effizienter auszuformen. Ferner versuchte er, den südstaatenfreundlichen Militärkommandeur von Texas und Louisiana General Winfield Scott Hancock zu entmachten, was sich letztendlich gegen Präsident Johnson richtete.[64] Im Juli 1868 scheiterten Garfields Vorschläge zur Truppenreduzierung aufgrund seines ungeschickten Vorgehen im Kongress am Widerstand der Ex-Generale Benjamin Franklin Butler und John A. Logan. Zum Ende des 40. Kongresses wurde ein entsprechendes Gesetz aufgrund einer Senatvorlage verabschiedet, die viele von Garfields Ideen aufgriff.[65] Im Februar 1868 brachte er zwei Gesetze in das Haus ein, die die graduelle Rückkehr zum Hartgeld und die Legalisierung des Goldhandels vorsahen. Die Vorschläge wurden zwar an die zuständigen Ausschüsse zurückverwiesen, aber wurden eines Tages wegweisend für die nationale Finanzpolitik.[66]

Lehnte er 1867 noch ein Amtsenthebungsverfahren als aussichtsloses Unterfangen ab, änderte er nach der Entlassung von Kriegsminister Stanton durch Johnson im folgenden Jahr seine Meinung. Wie viele andere Parteifreunde sah er in dieser Maßnahme des Weißen Hauses einen Bruch des Tenure of Office Act („Amtsdauergesetz“), der bei derartigen Personalentscheidungen eine Beteiligung des Senats vorschrieb. Für das knappe Scheitern des Impeachments bei der entscheidenden Abstimmung im Senat im März 1868 machte Garfield hauptsächlich die Prozessführung seines früheren Mentors und nunmehrigen obersten Bundesrichters Chase verantwortlich. Abgesehen von einer lokalen Oppositionsbewegung im industriell geprägten Warren, der Garfields Schutzzollpolitik zu weich war, gewann er ohne Probleme die Nominierung für den 41. Kongress und siegte bei den Kongresswahlen mit einem Stimmverhältnis von 2:1.[67]

Im Dezember 1868 scheiterte er mit einem Gesetzesvorschlag, der das Bureau of Indian Affairs („Amt für indianische Angelegenheiten“) unter militärische Kontrolle stellte. In der Debatte offenbarte er eine an Verachtung grenzende Einstellung zu den Indianern Für Garfield wurde dieses Vorhaben zu einer Obsession und zum Ärger des Hauses setzte er diesen Vorschlag immer wieder auf die Tagesordnung, ohne dass es zu einer Verabschiedung kam.[68]

41. Kongress (1869–1871)Bearbeiten

Der Speaker des 41. Kongresses James G. Blaine gab Garfield nicht, wie von ihm gewünscht, den Vorsitz im Committee on Ways and Means sondern im Committee on Banking and Currency („Ausschuss für Banken und Währung“).[69] Im Sommer 1869 leitete er den Unterausschuss zur Vorbereitung und Durchführung der Volkszählung im nächsten Jahr (United States Census 1870). Über diese Tätigkeit wurde Garfield zu einem starken Fürsprecher statistischer Analysen in vielfältigen Feldern. Mit seinen Ideen zur Modernisierung des Census, die unter anderem einen Ersatz der Marshals als Volkszähler durch Fachpersonal vorsahen, scheiterte er im Senat. Bezüglich des neuen Präsidenten Grant zeigte er wenig Enthusiasmus und ihr Verhältnis blieb von beiden Seiten her ein kühles. Zu einem ersten Konflikt kam es vor dem Hintergrund des Spoilssystem („Beutesystem“), bei dem zwischen jeder neuen Administration und dem Kongress die Stellenbesetzung im öffentlichen Dienst ausgehandelt wurde. Garfields Wunsch auf einen Dienstposten für einen Anhänger in der Post (United States Postal Service) blieb vom Weißen Haus unerhört. In Garfields Sinne dagegen war die Haltung des Präsidenten zur Hartgeldpolitik und die Ernennung seines Freundes Cox zum Innenminister.[70]

 
Fotografie einer Tafel aus der New Yorker Handelsbörse vom 24. September 1869, die den Verfall des Goldpreises an diesem Tag verdeutlicht. Die handschriftlichen Ergänzungen von Garfield unten im Bild legen nahe, dass dies als Beweisstück im Untersuchungsausschuss zum Schwarzen Freitag verwendet wurde

Im September scheiterte der Versuch von James Fisk und Jay Gould den Goldmarkt aufzukaufen, was zum Schwarzen Freitag von 1869 und einer anschließenden Wirtschaftskrise führte. Besondere Brisanz erhielt diese Unternehmung, die vom Committee on Ways and Means untersucht wurde, dadurch, dass Grants Schwager Abel Corbin darin verwickelt war. Auf Wunsch des Präsidenten lud Garfield Corbin nicht vor und entlastete in seinem Abschlussbericht Grant und dessen Familie. Garfield sah als eigentlichen Grund für die Wirtschaftskrise die auf den Greenbacks beruhende inflationäre Geldpolitik an. Er erarbeitete im Committee on Banking and Currency daher ein neues Bankengesetz, das aufgrund der Komplexität und seines ungeschickten Vorgehens im Kongress im Sommer 1870 jedoch scheiterte. Nach der Überarbeitung durch einen anderen Ausschuss wurde das Gesetz schließlich verabschiedet.[71] Bei den Wahlen zum 42. Kongress siegte er wie gewohnt, wobei er dieses Mal erstmals ein County an die Demokraten verlor. Da mit Schenck der Vorsitzende des Committee on Ways and Means den Wiedereinzug in das Repräsentantenhaus verpasst hatte, machte sich Garfield erneut Hoffnungen auf diese Position, die sich letztendlich nicht erfüllten. Vor allem der einflussreiche Horace Greeley hatte sich bei Blaine gegen ihn verwandt, weil er in Garfield einen verkappten Anhänger des Freihandels vermutete.[72]

42. Kongress (1871–1873)Bearbeiten

Zum Beginn der zweiten Sitzungsperiode des 42. Kongresses im Dezember 1871 erhielt Garfield den Vorsitz im Committee on Appropriations („Haushaltsausschuss“), dessen wesentliche Aufgabe die Genehmigung von Bundesmitteln für die öffentliche Verwaltung war. Er zeigte in diesem Feld ein für seine Zeit sehr modernes, ganzheitliches Verständnis für Haushaltsplanung. So strebte er eine zentrale und periodische Vergabe der exekutiven Staatsausgaben an, die bis dahin nicht jährlich vom Kongress bewilligt, sondern auf unbestimmte Zeit von jedem Ressort einzeln auf unterschiedlichen Wegen beantragt wurden, was den tatsächlichen Staatshaushalt überaus intransparent machte. Als Vorsitzender im durch überparteiliche und kollegiale Zusammenarbeit gekennzeichneten Haushaltsausschuss eignete er sich eine außergewöhnlich große verwaltungswissenschaftliche Expertise an, die von keinem seiner Amtsvorgänger im Weißen Haus erreicht worden war. Die vier Jahre im Haushaltsausschuss stellten für Garfield den Höhepunkt seiner politischen Karriere im Kongress dar.[73]

Im Verlauf der Präsidentschaft Grants wuchs Garfields Distanz zu seiner Partei. Vor allem die für eine skrupellose Ausnutzung des Spoilssystems stehenden und einen großen Einfluss auf das Weiße Haus ausübenden Faktion der Stalwarts („Feste, Starke, Mutige“) um Roscoe Conkling, Simon Cameron und Oliver Morton betrachtete er mit großem Widerwillen. Reformorientierte Ökonomen und Publizisten wie Henry Adams zogen Garfield während dieser Zeit auf ihre Seite. Neben Hartgeldpolitik standen sie für niedrige Zölle, eine Amnestie für den Süden und insbesondere eine Verwaltungsreform zur Abschaffung des Spoilssystems zugunsten einer eignungsorientierten Personalauswahl. Folglich stimmte Garfield in der Südstaatenpolitik in einigen Fällen gegen den Präsidenten und ließ die Überzeugungen der radikalen Republikaner hinter sich. Sein Einsatz für die Verwaltungsreform war allerdings nur halbherzig, weil er das Spoilssystem an sich nicht ablehnte, sondern nur über die Mühsal klagte, sich als Kongressmitglied der unzähligen Stellenbewerber insbesondere für den Postdienst zu erwehren. Garfield sah die Stellenbesetzung prinzipiell als eine exekutive Aufgabe an, die durch die Einmischung des Kongresses für Korruption anfällig geworden sei. Aus diesen Gründen unterstützte er während des 42. Kongresses die halbherzigen Reformbemühungen von Präsident Grant für die öffentliche Verwaltung. Die größte Differenz mit Grant hatte er bezüglich der Zweiten Dominikanischen Republik, deren Annexion das Weiße Haus obsessiv verfolgte, was aber letztendlich im Kongress am Parteiflügel um Charles Sumner scheiterte.[74]

Bereits im März 1871 hatte Garfield von Cox erfahren, dass einige Politiker des Reformflügels eine Parteiabspaltung vorbereiteten, um die Wiederwahl Grants zu verhindern. Als die aus diesem Prozess entstehende Liberal Republican Party Anfang 1872 John Sherman als Senator Ohios stürzen wollte, verhielt er sich ihren Avancen gegenüber passiv. Auch in den nächsten Monaten, in denen die neue Partei an Fahrt gewann, scheute er typischerweise eine Entscheidung und überließ das weitere dem Schicksal.[75] Garfield liebäugelte mit einem Abschied aus der Politik und trat in Verhandlungen um eine Partnerschaft mit einer Anwaltskanzlei in Cleveland, die nach drei Jahren ergebnislos endeten.[76]

43.–46. Kongress (1873–1880)Bearbeiten

Bis 1878 wurde Garfield ohne Unterbrechung in den Kongress gewählt. 1876 wurde er Fraktionsführer der Republikaner in Washington, D.C. 1880 wählte ihn das Parlament von Ohio als Nachfolger des ausscheidenden Allen G. Thurman in den US-Senat, in dem seine Amtsperiode am 4. März 1881 begonnen hätte. Aufgrund seiner Wahl zum Präsidenten trat er dieses Amt aber nie an.

Präsidentschaftswahlen 1880Bearbeiten

Bei der Republican National Convention im Juni 1880 in Chicago wurde Garfield als Kandidat für die bevorstehende Präsidentschaftswahl nominiert, die er dann auch gegen den demokratischen Bewerber Winfield Scott Hancock für sich entschied. Während des Wahlkampfes bildete Stephen Wallace Dorsey, der Sekretär des Republican National Committee, in Indiana eine der ersten national geführten Kampagnenorganisationen unabhängig von der oft durch Partikularinteressen geleiteten Parteiorganisation des Bundesstaates. Garfields Wahlkampf war in dieser Beziehung richtungsweisend für eine größere Autonomie der nationalen Parteiorganisation von ihren subnationalen Ablegern und eine stärkere Parteiführung durch den Präsidenten. Diese Entwicklung hin zur modernen, auf die Präsidentschaft fokussierten Partei wurde einige Jahre später durch Grover Cleveland vorangetrieben.[77]

Garfields Platz im Senat nahm John Sherman ein. Garfield ist bis heute der einzige Präsident, der direkt vom Repräsentantenhaus ins Präsidentenamt wechselte. Bis zu seiner Amtseinführung war er vor allem mit der Zusammenstellung seines Kabinetts beschäftigt.

Präsidentschaft (1880–1881)Bearbeiten

 
Bildnis James A. Garfield (In: De Huisvriend. Geillustreerd Magazijn. 1881, S. 141. Holzstich (1881))
 
Illustration der Feierlichkeiten zu Garfields Amtseinführung im März 1881
 
Das Attentat auf Präsident Garfield (Mitte rechts); links neben ihm Außenminister James G. Blaine
 
Aufbahrung von Garfields Sarg

Als Mitglied der Half-Breeds stand Garfield für eine Reform des öffentlichen Dienstes und – nunmehr auch – für moderate Behandlung der unterlegenen Südstaaten. Auch trat er für eine moralische Erneuerung der korrupt gewordenen Republikanischen Partei ein, was ihm einerseits großen Respekt einbrachte, andererseits aber auch sein Verhängnis bedeutete: Garfield wurde an der (später so genannten) Pennsylvania Station in Washington, D.C. am 2. Juli 1881 von dem geistig verwirrten Charles J. Guiteau angeschossen. In völliger Verkennung seiner kaum nennenswerten Leistungen im Wahlkampf forderte er von Garfield persönlich den Botschafterposten in Paris, wurde aber abgelehnt und hatte danach die Eingebung zu seinem Mordplan.

Eine der Kugeln in seinem Rücken konnte trotz eines von Alexander Graham Bell entwickelten Metalldetektors nicht gefunden werden. Spätere Untersuchungen ergaben, dass der Präsident während der Suche nach dem Projektil auf einem Bett mit metallischen Sprungfedern lag, was nicht bemerkt worden war.[78] Des Weiteren wurden bei den zahlreichen Untersuchungen häufig bloße Finger und nicht sterile Instrumente eingesetzt, da zu diesem Zeitpunkt Kenntnisse über krankheitserregende Keime und die Asepsis noch kaum verbreitet waren. Der Präsident starb am 19. September deshalb an den Folgen einer Infektion durch diese Kugel. Die Verteidiger seines Mörders plädierten hinterher, dass nicht die Kugel, sondern die Ärzte (vor allem Dr. Willard Bliss) den Tod des Präsidenten verursacht hätten. Guiteau wurde von Gutachtern für geisteskrank erklärt, auf öffentlichen Druck aber dennoch schuldig gesprochen und gehängt.

Während der elf Wochen zwischen dem Attentat und Garfields Tod entspann sich eine ernsthafte verfassungsrechtliche Kontroverse um die Stellung des Vizepräsidenten während der Zeit der faktischen Amtsunfähigkeit des Präsidenten.

Seine Ermordung war ein Schock – vor allem im Westen des Landes wurden daher einige Städte und Countys (Garfield County) nach ihm benannt. Seine Amtszeit wurde von seinem Vizepräsidenten Chester A. Arthur zu Ende geführt. Nach Abraham Lincoln im Jahr 1865 war Garfield der zweite US-Präsident, der an den Folgen eines Attentats starb.

Garfield hatte es geschafft, die Stellung des Präsidenten dauerhaft zu stärken; er war aber auch erstmals auf einen Ausgleich zwischen Exekutive und Legislative bedacht.

PersönlichkeitBearbeiten

Weil er aus prekären Verhältnissen stammte und von einer alleinlebenden Mutter großgezogen wurde, erlebte Garfield in der Jugend regelmäßig Demütigungen durch die soziale Umwelt. Diese Erfahrung machte ihn als Erwachsenen besonders sensibel für persönliche Angriffe, die er entweder ignorierte oder nur sehr widerstrebend beantwortete. Sein politisches Umfeld erkannte darin eine Schwäche, während die Öffentlichkeit durch dieses Verhalten den Eindruck gewann, die Vorwürfe gegen Garfield seien berechtigt.[79] Auch seine starken Selbstzweifel, die ihm beim kleinsten Missgeschick heimsuchten, schrieb er den Kindheitserlebnissen zu.[80]

Andererseits wurde Garfields ärmliche Herkunft für ihn zu einem wichtigen politischen Aktivposten. Er verkörperte den Amerikanischen Traum des Selfmademan, der durch harte Arbeit und Fleiß den sozialen Aufstieg geschafft hatte.[81] Aus einer gewissen Schicksalsgläubigkeit heraus und weil er es für ein „vulgäres“, seinen religiösen Überzeugungen widersprechendes Verhalten hielt, lehnte er die initiative Bewerbung um Stellen und Ämter ab.[82] Dieses fatalistische Element sorgte dafür, dass er in kritischen Momenten mitunter eine auffällige Passivität zeigte und selbst hinter Rückschlägen eine höhere Bestimmung vermutete.[83]

Garfield war stolz darauf, unter den Politikern als Intellektueller zu gelten. Parallel zu seiner beruflichen Karriere verfolgte er stets Studienprojekte wie zum Beispiel die Übersetzung von Horaz oder Johann Wolfgang von Goethe.[84] 1876 lieferte Garfield einen von mehreren Beweisen zum Satz des Pythagoras.[85] Garfield war von geselliger und freundlicher Natur, so dass er in seiner Umgebung stets schnell sozialen Anschluss fand.[86] Politische Gegner verfolgte er nicht mit leidenschaftlichem Hass, wie dies die Erzfeinde Conkling und Blaine untereinander zu tun pflegten.[87] Zum Nachteil gereichte ihm, dass er eine freundschaftliche Bitte nur schwer abschlagen konnte, was ihm den Ruf einbrachte, eine schlechte Menschenkenntnis zu haben.[88]

Ehrungen und DenkmälerBearbeiten

Zum ehrenden Angedenken Garfields errichtete man 1890 auf seinem Grab auf dem Lake View Cemetery in Cleveland einen turmartigen Rundbau, das James A. Garfield Memorial. Dieses Bauwerk wurde im November 1973 in das National Register of Historic Places („Nationales Verzeichnis historischer Orte“; NRHP) eingetragen.[89] Das James A. Garfield Monument steht in den Gartenanlagen vor dem Kapitol in Washington, D.C. Es ist eine Bronzestatue von John Quincy Adams Ward auf einem gestalteten Granitsockel von Richard Morris Hunt.

Lawnfield in Mentor, Ohio, das Haus, in dem Garfield von 1876 bis zum Antritt seiner Präsidentschaft im März 1881 lebte, war bis 1936 in Familienbesitz. Das Anwesen wurde im Januar 1964 zum National Historic Landmark („Nationales historisches Wahrzeichen“) erklärt und im Oktober 1966 in das NRHP aufgenommen.[90] Im Dezember 1980 erhielt der Ort auf Beschluss des Kongresses den Status einer National Historic Site („Nationale historische Stätte“) zuerkannt.[91] Während der Präsidentschaftswahl 1880 führte Garfield von hier aus die erste Front Porch Campaign („Verandawahlkampf“) der amerikanischen Geschichte, das heißt, er betrieb seinen Wahlkampf von der Veranda seines Hauses aus, ohne die verschiedenen Bundesstaaten zu bereisen.[92]

Außerdem sind sechs Countys in den Vereinigten Staaten nach ihm benannt.[93] Mehrere Berge tragen seinen Namen, zwei davon stehen in Colorado, nämlich im Mesa und im San Juan County. Weitere liegen im Grafton County, New Hampshire und im King County (Washington), Washington.

In der Serie der Präsidentendollars wurden ab November 2011 Münzen mit dem Konterfei von Garfield geprägt.

Kulturelle RezeptionBearbeiten

Garfield spielt eine zentrale Rolle in der 19. Folge der elften Staffel der Fernsehserie American Dad. Die Episode trägt den Titel Garfield and Friends.

WerkeBearbeiten

  • James Harry Brown, Frederick D Williams (Hrsg.): The Diary of James A. Garfield. Vier Bände. Michigan State University, East Lansing 1967–1981.

LiteraturBearbeiten

  • Ulrike Skorsetz: James A. Garfield (1881): Der verhinderte Reformer. In: Christof Mauch (Hrsg.): Die amerikanischen Präsidenten: 44 historische Portraits von George Washington bis Barack Obama. 6., fortgeführte und aktualisierte Auflage. Beck, München 2013, ISBN 978-3-406-58742-9, S. 219–221.
  • Candice Millard: Destiny of the Republic. A Tale of Madness, Medicine and the Murder of a President. Anchor Books, New York NY 2012, ISBN 978-0-7679-2971-4.
  • Ira Rutkow: James A. Garfield (= The American Presidents Series. Hrsg. von Arthur M. Schlesinger, Sean Wilentz. The 20th President). Times Books, New York 2006, ISBN 0-8050-6950-X.
  • Kenneth D. Ackerman: The Dark Horse: The Surprise Election and Political Murder of President James A. Garfield. Carroll & Graf, New York 2003, ISBN 0-7867-1151-5.
  • Robert O. Rupp (Hrsg.): James A. Garfield. A Bibliography (= Bibliographies of the Presidents of the United States. Bd. 20). Greenwood Press, Westport CT u. a. 1997, ISBN 0-313-28178-5 (Stellt die Forschungsliteratur bis 1998 zusammen).
  • Allan Peskin: Garfield. A Biography. Neuauflage der Erstausgabe von 1978. Kent State University Press, Kent, Ohio 1999, ISBN 0-87338-210-2.

WeblinksBearbeiten

Commons: James A. Garfield – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikiquote: James A. Garfield – Zitate (englisch)
Wikisource: James A. Garfield – Quellen und Volltexte (englisch)

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ira Rutkow: James A. Garfield. New York 2006, S. 4. (books.google.de)
  2. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 3–6. (books.google.de)
  3. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 18. (books.google.de)
  4. Ira Rutkow: James A. Garfield. New York 2006, S. 4. (books.google.de)
  5. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 7 f. (books.google.de)
  6. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 10–13. (books.google.de)
  7. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 13–20. (books.google.de)
  8. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 20–23. (books.google.de)
  9. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 27–32. (books.google.de)
  10. Ira Rutkow: James A. Garfield. New York 2006, S. 7. (books.google.de)
  11. Ira Rutkow: James A. Garfield. New York 2006, S. 8. (books.google.de)
  12. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 33–39. (books.google.de)
  13. Ira Rutkow: James A. Garfield. New York 2006, S. 8. (books.google.de)
  14. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 39 f. (books.google.de)
  15. Ira Rutkow: James A. Garfield. New York 2006, S. 8 f. (books.google.de)
  16. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 43–46. (books.google.de)
  17. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 47–50. (books.google.de)
  18. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 52 f. (books.google.de)
  19. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 54 f. (books.google.de)
  20. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 609 f. (books.google.de)
  21. Ira Rutkow: James A. Garfield. New York 2006, S. 43. (books.google.de)
  22. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 160f. (books.google.de)
  23. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 55–58. (books.google.de)
  24. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 59–62. (books.google.de)
  25. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 65. (books.google.de)
  26. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 67–74. (books.google.de)
  27. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 76 f. (books.google.de)
  28. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 79 f. (books.google.de)
  29. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 82 f. (books.google.de)
  30. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 86–93, 98. (books.google.de)
  31. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 94–98, 101. (books.google.de)
  32. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 100–109. (books.google.de)
  33. Listing of National Historic Landmarks by State: Kentucky. National Park Service, abgerufen am 20. Februar 2022.
  34. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 109–119. (books.google.de)
  35. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 120–124. (books.google.de)
  36. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 126–131. (books.google.de)
  37. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 132–137. (books.google.de)
  38. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 137–140. (books.google.de)
  39. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 140–148. (books.google.de)
  40. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 148. (books.google.de)
  41. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 150f. (books.google.de)
  42. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 153–156. (books.google.de)
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  78. Vgl. Bill Bryson: Made in America. An Informal History of the English Language in the United States. New Edition. Black Swan, London 1998, ISBN 0-552-99805-2, S. 102.
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  85. Vgl. dazu Victor E. Hill, IV.: President Garfield and the Pythagorean Theorem. In: Math Horizons. Vol. 9, No. 3, Februar 2002, ISSN 1072-4117, S. 9–11, 15.
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  93. Charles Curry Aiken, Joseph Nathan Kane: The American Counties: Origins of County Names, Dates of Creation, Area, and Population Data, 1950–2010. 6. Auflage. Scarecrow Press, Lanham 2013, ISBN 978-0-8108-8762-6, S. XIV. (books.google.de)