Widzew Łódź

polnischer Fußballverein

Widzew Łódź [ˈvidzɛf ˈwutɕ] (offiziell RTS Widzew Łódź SA) ist ein polnischer Fußballverein, der nach dem Łódźer Stadtteil Widzew benannt ist.

Widzew Łódź
Widzew Łódź
Basisdaten
Name RTS Widzew Łódź SA
Sitz Łódź, Polen
Gründung 1910
Farben rot-weiß
Präsident Przemysław Klementowski
Website widzew.com
Erste Fußballmannschaft
Cheftrainer Janusz Niedźwiedź
Spielstätte Widzew-Stadion
Plätze 18.008
Liga Ekstraklasa
2021/22   2. Platz, I liga
Heim
Auswärts

GeschichteBearbeiten

Er wurde am 5. November 1910 als TMRF Widzew gegründet, bedeutet "Verein für körperliche Entwicklung" (auf polnisch: Towarzystwo Miłośników Rozwoju Fizycznego) und ist nach dem Stadtteil Widzew in der Stadt Łódź benannt, in dem sich das Stadion befindet. Bis 2014 stand die Abkürzung "RTS" für Arbeitersportverein (auf Polnisch: Robotnicze Towarzystwo Sportowe). Nach dem Zusammenbruch des Vereins im Jahr 2014 wurde er auf Initiative der Fans unter dem Namen "Reaktivierung der Sporttraditionen Widzew Łódź" wieder aufgebaut (auf Polnish: Reaktywacja Tradycji Sportowych Widzew Łódź). Der Verein ist jedoch seinen Wurzeln in der Arbeiterklasse treu geblieben. Daher fungiert er im Bewusstsein der Bevölkerung immer noch als Arbeitersportverein, und das Jahr 1910 gilt als sein Gründungsdatum. Gegründet wurde der Club ursprünglich bei der Heinzel und Kunitzer Aktiengesellschaft. Genauer gesagt wurde der Club von polnischen Arbeitern und deutschen Industriellen gegründet. Drei Jahre später (ca. 1913) wurde Oskar Kohn Generaldirektor der Widzew Munufaktura, auch bekannt als WIMA. Da Lodz damals unter der Herrschaft des russischen Zaren stand, konnte das Adjektiv "Arbeiter" im ursprünglichen Namen nicht verwendet werden. Der Name des Vereins wurde nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit Polens geändert. Diese Änderung wurde von den damaligen Aktivisten der Polnischen Sozialistischen Partei vorgenommen (auf polnisch: Polska Partia Socjalistyczna), die sich und dem Verein zum Ziel gesetzt hatten, die Körperkultur unter der Arbeiterbevölkerung von Lodz zu fördern. Die traditionellen Mannschaftsfarben sind Rot und Weiß. Der Verein ist viermaliger polnischer Meister und außerdem konnte man schon je einmal den polnischen Pokal sowie den polnischen Superpokal gewinnen. In der Saison 1982/83 erreichte man das Halbfinale im Europapokal der Landesmeister. Nachdem man im Spieljahr 2002/03 als 9. der polnischen Meisterschaft abschloss, stieg man im folgenden Jahr als Letzter der Tabelle in die 2. Liga ab. Widzew Łódź schaffte in der Saison 2005/06 den sofortigen Wiederaufstieg in die Ekstraklasa als Tabellenerster. Im Januar 2008 wurde der Verein nach einem Manipulationsskandal zum Zwangsabstieg verurteilt und musste in der Saison 2008/09 in der 1. Liga, der zweithöchsten polnischen Spielklasse antreten. Eigentlich sollte der Verein in die 2. Liga, die dritthöchste Spielklasse, zurückgestuft werden, weil Widzew auch nach sportlichen Kriterien abgestiegen wäre. Jedoch entschied man sich, Widzew in der 1. Liga antreten zu lassen.[1]

Seit der Saison 2008/09 ist der Verein im Privatbesitz eines polnischen Geschäftsmannes. Da Widzew die Saison nach dem Zwangsabstieg als Tabellenerster abschloss, wurde am 25. Juni 2009 vom Sportgericht entschieden, ob Widzew in der Saison 2009/10 in der Ekstraklasa antreten darf oder noch eine weitere Saison in der 1. Liga verweilen muss. Der polnische Verband annullierte den sportlichen Aufstieg und erteilte dem Verein keine Lizenz. 2009/10 wiederholte Widzew die Meisterschaft und erreichte den Aufstieg in die Ekstraklasa. In der Saison 2013/14 belegte der Club in der Ekstraklasa den letzten Tabellenplatz und stieg in die 1. Liga ab. 2014/15 konnte Widzew auch in der 1. Liga die Klasse nicht halten, dazu kamen erhebliche finanzielle Probleme. Daraufhin wurde Widzew wegen Mängel in den Lizenzierungsunterlagen, durch den polnischen Verband PZPN, die Lizenz für die 2. Liga entzogen und für die Saison 2015/16 in die fünftklassige 4. Liga zurückgestuft. Unterdessen wird der Bau des neuen Stadions vorangetrieben. In der Saison 2015/16 konnte Widzew sich als Erster den Aufstieg in die 3. Liga (4. Spielklasse) sichern. In der Saison 2017/18 schaffte der Verein den Aufstieg in die 2. Liga. In der Saison 2019/20 schaffte der Verein den Aufstieg in die 1. Liga. Zur Saison 2022/23 spielt Widzew wieder in der Ekstraklasa. Der Verein ist dafür bekannt, dass er einige der leidenschaftlichsten und zahlreichsten Fans im ganzen Land hat.

StadionBearbeiten

Die Mannschaft trägt ihre Heimspiele im Widzew-Stadion (polnisch Stadion Widzewa Łódź) aus. Das ursprünglich 1930 in Eigenarbeit von damaligen Mitgliedern des Vereins errichtete Stadion bot 10.500 Zuschauern Platz (ausschließlich Sitzplätze). Nach dem letzten Spiel am 22. November 2014 wurde das alte Stadion von Januar 2015 bis Februar 2017 durch einen Neubau mit 18.018 Sitzplätzen ersetzt. Der inoffizielle, aber häufig verwendete Name des Stadions lautet Herz von Lodz (auf polnisch: Serce Łodzi).

ErfolgeBearbeiten

  • Polnischer Meister: 1981, 1982, 1996, 1997
  • Polnischer Pokalsieger: 1985
  • Polnischer Superpokalsieger: 1996
  • Europapokal der Landesmeister Halbfinalist 1983
  • Meister der zweiten Liga: 1975, 2006, 2009, 2010

Im Superpokal stehen sich der Meister und Pokalsieger des jeweiligen Spieljahres gegenüber.

EuropapokalbilanzBearbeiten

Saison Wettbewerb Runde Gegner Gesamt Hin Rück
1977/78 UEFA-Pokal 1. Runde England  Manchester City (a)2:2(a) 2:2 (A) 0:0 (H)
2. Runde Niederlande  PSV Eindhoven 3:6 3:5 (H) 0:1 (A)
1979/80 UEFA-Pokal 1. Runde Frankreich  AS Saint-Étienne 2:4 2:1 (H) 0:3 (A)
1980/81 UEFA-Pokal 1. Runde England  Manchester United (a)1:1(a) 1:1 (A) 0:0 (H)
2. Runde Italien  Juventus Turin 4:4
(4:1 i. E.)
3:1 (H) 1:3 n. V. (A)
3. Runde England  Ipswich Town 1:5 0:5 (A) 1:0 (H)
1981/82 Europapokal der Landesmeister 1. Runde Belgien  RSC Anderlecht 2:6 1:4 (H) 1:2 (A)
1982/83 Europapokal der Landesmeister 1. Runde Malta  Hibernians FC 7:2 4:1 (A) 3:1 (H)
2. Runde Osterreich  SK Rapid Wien 6:5 1:2 (A) 5:3 (H)
Viertelfinale England  FC Liverpool 4:3 2:0 (H) 2:3 (A)
Halbfinale Italien  Juventus Turin 2:4 0:2 (A) 2:2 (H)
1983/84 UEFA-Pokal 1. Runde Schweden  IF Elfsborg (a)2:2(a) 0:0 (H) 2:2 (A)
2. Runde Tschechoslowakei  Sparta ČKD Prag 1:3 1:0 (H) 0:3 (A)
1984/85 UEFA-Pokal 1. Runde Danemark  Aarhus GF 2:1 2:0 (H) 0:1 (A)
2. Runde Deutschland  Bor. Mönchengladbach (a)3:3(a) 2:3 (A) 1:0 (H)
3. Runde Sowjetunion  FK Dinamo Minsk 1:2 0:2 (H) 1:0 (A)
1985/86 Europapokal der Pokalsieger 1. Runde Turkei  Galatasaray Istanbul (a)2:2(a) 0:1 (A) 2:1 (H)
1986/87 UEFA-Pokal 1. Runde Osterreich  LASK Linz 2:1 1:1 (A) 1:0 (H)
2. Runde Deutschland Bundesrepublik  Bayer 05 Uerdingen 0:2 0:0 (H) 0:2 (A)
1992/93 UEFA-Pokal 1. Runde Deutschland Bundesrepublik  Eintracht Frankfurt 02:11 2:2 (H) 0:9 (A)
1995/96 UEFA-Pokal 1. Runde Wales  Bangor City 5:0 4:0 (A) 1:0 (H)
2. Runde Ukraine  Tschornomorez Odessa 1:1
(5:6 i. E.)
0:1 (A) 1:0 n. V. (H)
1996/97 UEFA Champions League Qualifikation Danemark  Brøndby IF (a)4:4(a) 2:1 (H) 2:3 (A)
Gruppenphase Deutschland  Borussia Dortmund 3:4 1:2 (A) 2:2 (H)
Spanien  Atlético Madrid 1:5 1:4 (H) 0:1 (A)
Rumänien  Steaua Bukarest 2:1 0:1 (A) 2:0 (H)
1997/98 UEFA Champions League 1. Qualifikationsrunde Aserbaidschan  Neftçi Baku PFK 10:00 2:0 (A) 8:0 (H)
2. Qualifikationsrunde Italien  AC Parma 1:7 1:3 (H) 0:4 (A)
1997/98 UEFA-Pokal 1. Runde Italien  Udinese Calcio 1:3 1:0 (H) 0:3 (A)
1999/2000 UEFA Champions League 2. Qualifikationsrunde Bulgarien  Litex Lowetsch 5:5
(3:2 i. E.)
1:4 (A) 4:1 n. V. (H)
3. Qualifikationsrunde Italien  AC Florenz 1:5 1:3 (A) 0:2 (H)
1999/2000 UEFA-Pokal 1. Runde Lettland  Skonto Riga 2:1 0:1 (A) 2:0 (H)
2. Runde Frankreich  AS Monaco 1:3 1:1 (H) 0:2 (A)
Legende: (H) – Heimspiel, (A) – Auswärtsspiel, (N) – neutraler Platz, (a) – Auswärtstorregel, (i. E.) – im Elfmeterschießen, (n. V.) – nach Verlängerung

Gesamtbilanz: 66 Spiele, 23 Siege, 12 Unentschieden, 31 Niederlagen, 86:108 Tore (Tordifferenz −22)

Bekannte SpielerBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. shortnews.de: Widzew Lodz zum Zwangsabstieg verurteilt.