Lunden

Gemeinde in Schleswig-Holstein

Lunden (plattdeutsch: Lunnen) ist eine Gemeinde im Norden vom Kreis Dithmarschen in Schleswig-Holstein. Seit 1975 ist sie ein staatlich anerkannter Erholungsort.[2]

Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Lunden
Lunden
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Lunden hervorgehoben

Koordinaten: 54° 20′ N, 9° 1′ O

Basisdaten
Bundesland: Schleswig-Holstein
Kreis: Dithmarschen
Amt: Kirchspielslandgemeinden Eider
Höhe: 9 m ü. NHN
Fläche: 4,65 km2
Einwohner: 1701 (31. Dez. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 366 Einwohner je km2
Postleitzahl: 25774
Vorwahl: 04882
Kfz-Kennzeichen: HEI, MED
Gemeindeschlüssel: 01 0 51 071
Adresse der Amtsverwaltung: Kirchspielsschreiber-
Schmidt-Straße 1
25779 Hennstedt
Website: www.gemeinden-lunden-lehe-krempel.de
Bürgermeister: Jörn Walter (SPD)
Lage der Gemeinde Lunden im Kreis Dithmarschen
Karte
NaTour-Centrum in Lunden
Luftbild (Mai 2012)
Denkmalsplatz

GeographieBearbeiten

Geographische LageBearbeiten

Das Gemeindegebiet von Lunden erstreckt sich im Norden des Naturraums Heide-Itzehoer Geest am Übergang in die Dithmarscher Marsch unweit der Eider.[3][4]

GemeindegliederungBearbeiten

Lunden West und Lunden Außendeich liegen im Gemeindegebiet.[5]

NachbargemeindenBearbeiten

Nachbargemeinden sind im Uhrzeigersinn im Norden beginnend die Gemeinden Lehe, Sankt Annen, Krempel und Groven (alle im Kreis Dithmarschen).

GeologieBearbeiten

Das Gemeindegebiet ist geprägt durch das Nebeneinander von Marsch und Moor. Der Westteil des Gemeindegebiets beim Ortsteil Wollersum an der Eider zählt zur hier vergleichsweise früh eingedeichten Dithmarscher Marsch vom 1615 eingedeichten Lundener Neuenkoog. Entsprechend dem Zeitpunkt der Eindeichung dieses Bereichs einer Flussmarsch wird der Boden heute üblicherweise als Kleimarsch klassifiziert. Östlich davon schließt sich der Bereich eines geologischen Donns an, welcher bis heute den Siedlungskern (Dorf) aufnimmt. Östlich davon folgt schließlich beim Lundener Moor ein Bereich, welcher bereits spätestens im mittleren Pleistozän, dem Saale-Komplex, geformt wurde.[6]

GeschichteBearbeiten

Die erste urkundliche Erwähnung von Lunden datiert bereits aus dem Jahre 1140 durch den Erzbischof von Bremen. Der Ortsname stammt wahrscheinlich aus dem dänischen „Lunn“ (inselartige Erhebung) oder „Lund“ (Wäldchen).

Von 1450 bis 1453 sowie 1484 kam die Pest nach Lunden.

Von 1516 bis 1532 bestand in Lunden ein Kloster des Franziskanerordens. Es gehörte zunächst zur dänischen Ordensprovinz Dacia und kam 1520 zur Sächsischen Franziskanerprovinz Saxonia, bis es infolge der Reformation aufgehoben wurde. Die Klostergebäude wurden 1539 abgerissen.

Am 27. Februar 1529 wurde Lunden durch die Dithmarscher Landesversammlung das Stadtrecht verliehen. Im Jahre 1559, nachdem die Bauernrepublik Dithmarschen in der Letzten Fehde ihr Ende fand, ging dieses Recht wieder verloren.

Von 1806 bis 1816 diente der bekannte lutherische Theologe Claus Harms als Pfarrer des Ortes.

Im Jahr 1885 hatte Lunden 1586 Einwohner.

Am 1. April 1934 wurde die Kirchspielslandgemeinde Lunden aufgelöst. Alle ihre Dorfschaften, Dorfgemeinden und Bauerschaften wurden zu selbständigen Gemeinden/Landgemeinden, so auch ihr Hauptort Lunden.[7]

 
Lunden um 1895

PolitikBearbeiten

GemeindevertretungBearbeiten

Seit der Kommunalwahl 2013 hat die SPD sechs Sitze, die CDU vier Sitze und die Wählergemeinschaft WGL drei Sitze in der Gemeindevertretung.[8]

WappenBearbeiten

Blasonierung: „Gespalten. Vorn in Gold ein rotbewehrter, schwarzer halber Adler am Spalt, hinten in Silber ein mit dem Griff nach oben gestellter roter Rost.“[9]

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

Siehe auch: Liste der Kulturdenkmale in Lunden

 
St. Laurentiuskirche in Lunden. Im Vordergrund: Gräber des Geschlechterfriedhofs

Von besonderer Bekanntheit für Lunden ist der hier befindliche sogenannte Geschlechterfriedhof bei der alten städtischen St.-Laurentius-Kirche. Letztgenannte wurde im 12. Jahrhundert erbaut und im Jahr 1471 erweitert. Einige Gräber des Geschlechterfriedhofs, wie der Sulemannen-Keller und der Nannen-Keller, können besichtigt werden. Hier wurde auch einer der bedeutendsten Politiker der Bauernrepublik Dithmarschen beigesetzt, der Achtundvierziger Peter Swyn (1480/1481–1537). Neben dem Grabstein ist eine Stele erhalten, auf welcher dessen Ermordung abgebildet ist.

Der germanistische Mediävist Karl Müllenhoff, seit 1846 Professor für Germanistik in Kiel, war Sammler der Sagen, Märchen und Lieder der Herzogthümer Schleswig-Holstein und Lauenburg. Eine seiner gesammelten Sagen entstammt die Gestalt des Klaus Nanne aus Lunden.

Das Gebäude der ehemaligen Volksschule beheimatet heute das Heimatmuseum, welches inzwischen zum sogenannten NaTour-Centrum erweitert wurde. Dort werden seit 2001 Ausstellungen über die örtliche Landschaft und über die engen Verknüpfungen zwischen Natur und den in diesem Raum lebenden Menschen gezeigt.[10]

Vom Ortskern sind es zwei Kilometer bis zur Eider bei der Badestelle Wollersum.

VerkehrBearbeiten

Durch das Gemeindegebiet verläuft die schleswig-holsteinische Landesstraße 156. Daneben verfügt Lunden über einen Haltepunkt an der Marschbahn, der im Stundentakt mittels der Regionalexpress-Linie 6 im Schienenpersonennahverkehr vom Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein angefahren wird. Der Busverkehr beschränkt sich weitestghend auf den Schulbusverkehr zur im Ort ansässigen Grundschule.

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter der GemeindeBearbeiten

Mit Lunden verbundenBearbeiten

  • Caspar Ulenberg (1548–1617), katholischer Theologe, Bibelübersetzer, Dichter und Komponist, war 1570/1571 Lehrer in Lunden
  • Friedrich Jansen (1883–1945), Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus
  • Uwe Dag Berlin (* 1958), Schauspieler, lebt in Lunden[11]

WeblinksBearbeiten

Commons: Lunden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistikamt Nord – Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 4. Quartal 2019 (XLSX-Datei) (Fortschreibung auf Basis des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Übersicht über die anerkannten Kur-, Erholungs- und Tourismusorte in Schleswig-Holstein. (PDF) S. 3, abgerufen am 18. April 2021. (ohne Jahreszahl)
  3. Duerrehilfe_Liste_Gemeinde.pdf. (PDF) S. 17, abgerufen am 18. April 2021.
  4. Digitaler Atlas Nord. Abgerufen am 18. April 2021.
  5. Schleswig-Holstein-Topographie. Bd. 6: Kronprinzenkoog - Mühlenrade. Flying-Kiwi-Verl. Junge, Flensburg 2006, ISBN 978-3-926055-85-9, S. 222 (dnb.de [abgerufen am 26. Juli 2020]).
  6. Geologische Übersichtskarte von Schleswig-Holstein 1:250.000. (PDF) Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume, 2012, abgerufen am 18. April 2021.
  7. Statistisches Landesamt Schleswig-Holstein (Hrsg.): Die Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 1867–1970. Statistisches Landesamt Schleswig-Holstein, Kiel 1972, S. 251.
  8. @1@2Vorlage:Toter Link/www.amt-eider.de(Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: Endergebnis der Kommunalwahl 2013)
  9. Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein
  10. NaTour-Centrum Lunden. Abgerufen am 27. Dezember 2019.
  11. Schauspieler kritisiert Zustände in Zügen der Deutschen Bahn