Friedrichskoog

Gemeinde in Deutschland
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Friedrichskoog
Friedrichskoog
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Friedrichskoog hervorgehoben

Koordinaten: 54° 0′ N, 8° 53′ O

Basisdaten
Bundesland: Schleswig-Holstein
Kreis: Dithmarschen
Amt: Marne-Nordsee
Höhe: 2 m ü. NHN
Fläche: 53,35 km2
Einwohner: 2574 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 48 Einwohner je km2
Postleitzahl: 25718
Vorwahlen: 04854, 04856
Kfz-Kennzeichen: HEI, MED
Gemeindeschlüssel: 01 0 51 034
Adresse der Amtsverwaltung: Alter Kirchhof 4/5
25709 Marne
Website: www.amt-marne-nordsee.de
Bürgermeister: Bernd Thaden (SPD)
Lage der Gemeinde Friedrichskoog im Kreis Dithmarschen
Karte

Friedrichskoog (kurz Fri’ko bzw. Frie’ko oder als Spitzname Friko rsp. Frieko, abgeleitet von der plattdeutschen Bezeichnung Friechskouch, die wiederum auf den Namen „Friech“ als traditionelle Dithmarscher-Platt-Version des Namens Friedrich verweist) ist eine Gemeinde im Südwesten des Kreises Dithmarschen in Schleswig-Holstein. Ihr im 19. und 20. Jahrhundert durch Eindeichungen entstandener Kern liegt auf einer Halbinsel an der Helgoländer Bucht, Nordsee und wird seeseitig von der Elbmündung sowie der Meldorfer Bucht bzw. dem Nationalpark Wattenmeer begrenzt. Neben den Kögen zählen zur Gemeinde auch die Vogelschutzinsel Trischen sowie die größte deutsche Bohr- und Förderinsel Mittelplate.

GeografieBearbeiten

LageBearbeiten

Die Gemeinde Friedrichskoog liegt am 54. Grad nördlicher Breite in der während der letzten 300 Jahre durch Landgewinnung gezielt gewonnenen Jung- bzw. Kalkmarsch Süderdithmarschens. Den Übergang in die weitgehend selbständig gewachsene und durch landwirtschaftliche Nutzung entkalkte „Alte Marsch“ bzw. Kleimarsch markiert die östlich verlaufende Bundesstraße B 5; deren Verlauf entspricht annähernd dem des sogenannten „1000-jährigen Deichs“.[2]

Seeseitig ist die Halbinsel umgeben vom Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer.

GemeindegliederungBearbeiten

Die Gemeinde Friedrichskoog gliedert sich in den Friedrichskoog, den Kaiserin-Auguste-Viktoria-Koog, den Dieksanderkoog und die rund zehn Kilometer vom Festland entfernte Insel Trischen.

In dem in den Jahren 1853 bis 1854 eingedeichten und entsprechend der damaligen Herrschaftsverhältnisse nach dem dänischen König und holsteinischen Herzog Friedrich VII. benannten Friedrichskoog befinden sich die Ortsteile Friedrichskoog I–III; die Bezeichnungen entsprechen den Haltestellen der früheren Bahnstrecke St. Michaelisdonn–Friedrichskoog. Friedrichskoog III hat sich aufrgrund von Neubaugebieten aus den 1930er und 1980er Jahren sowie seiner Zentralfunktion mit Bürgerbüro und Kirche, Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleistungsunternehmen zum heutigen „Friedrichskoog-Ort“ entwickelt. Am nordwestlichen Ende des Friedrichskoogs befindet sich das seit den 1960er Jahren entstandene und touristisch geprägte See- und Nordseeheilbad „Friedrichskoog-Spitze“ als eigener Ortsteil.

Nördlich vom Friedrichskoog liegt der nach Einigungskriegen und Reichsgründung im Jahr 1899 eingedeichte und nach der deutschen Kaiserin Auguste Viktoria von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg benannte Auguste-Viktoria-Koog. Er ist weitgehend landwirtschaftlich geprägt. Seine Besiedlung besteht entlang der den Koog erschließenden Straße.

Südwestlich vom Friedrichskoog schließt sich der im Jahr 1935 eingedeichte Dieksanderkoog an. Er ist nach der ehemaligen Insel Dieksand benannt und in seinem nörlichen Teil durch den ehemaligen Hafen zweigeteilt. In Hafennähe befinden sich u. a. alte und neue „Fischersiedlung“ sowie Kindergarten „Wirbelwind“ und Grundschule „Marschenschool“; diese Teile des Koogs bilden mit Friedrichskoog-Ort eine lediglich durch den Deich getrennte Einheit. Weiter südwestlich liegt der eigentliche Ortsteil Dieksanderkoog mit der Neulandhalle. Auch der Dieksanderkoog ist ansonsten weitgehend landwirtschaftlich geprägt.

Trischen ist eine 180 Hektar große „Vogelinsel“ bzw. (Wander-) Düne[3] im Wattenmeer. Von März bis Oktober wird sie von einem Vogelwart bewohnt. Für andere Besucher ist die Insel aus Gründen des Naturschutzes gesperrt.

NachbargemeindenBearbeiten

Direkt angrenzende Nachbargemeinden sind Kronprinzenkoog im Osten und Kaiser-Wilhelm-Koog im Süden.

Größere umliegende Orte sind die Städte Meldorf (Distanz ca. 23 km) im Nordosten und Marne (ca. 12 km) im Südosten als Unterzentren sowie die ebenfalls im Südosten gelegene Stadt Brunsbüttel (ca. 26 km) als Mittelzentrum.[4]

Flora und FaunaBearbeiten

Das Land, das erst im 19. und 20. Jahrhundert eingedeicht wurde, ist ausnehmend fruchtbar. In der Elbmündung entwickelte es sich aus natürlicher Landgewinnung, die erst zum Entstehen der Dieksander Hallig – heute Friedrichskoog – dann zum Entstehen des Dieksanderkoogs und heute zu umfangreichen Salzwiesen an der Küste führte. Die Salzwiesen zwischen Hafen und Trischendamm waren 2001 insgesamt 485 ha groß und bis zu 1,2 km breit. Ungefähr die Hälfte der Fläche wird intensiv beweidet, die andere Hälfte aus Naturschutzgründen nicht. Etwa 40 ha dienten als Spülfläche, um Schlick aufzunehmen, der aus dem Hafenbecken gebaggert wurde. Seit den Naturschutzmaßnahmen nahm die Zahl der Vegetationstypen von 5 auf 17 zu, dominante für intensiv genutztes Grünland typische Gesellschaften wie der Andelrasen ist von 53 % auf 13 % gesunken, dafür zeigten sich erstmals beweidungsempfindliche Pflanzengesellschaften wie Strandquecken-Flur oder Salzmelden-Flur. Der 2001 am weitesten verbreitete Vegetationstyp war die Schlickgras-Flur, die ein Viertel der Fläche einnahm.[5] Im meerseitigen Anschluss an die Salzwiesen sowie auf der dem Hafen abgewandten Seite des Trischendammes liegt das Wattgebiet Mittelplate mit bis zu 12 km meerseitiger Ausdehnung.

GeschichteBearbeiten

Die Gemeinde, benannt nach dem dänischen König Friedrich VII., entstand ab 1853 durch Eindeichungen aus der Nordsee und umfasste vor allem die damalige Insel Dieksand. Das Land wurde nach Beendigung des Deichbaus von der dänischen Krone verkauft.

Am 23. März 1901 wurde der im Jahr 1899 eingedeichte Auguste-Viktoria-Koog eingegliedert.

Vor dem 12. Oktober 1904 trug die Gemeinde den Namen Frederik-VII.-Koog. Etwa am 26. Juli 1932 fand in Friedrichskoog eine Wahlversammlung der SPD anlässlich der bevorstehenden Reichstagswahl vom 31. Juli 1932 statt. Dabei kam es zu einem Gewaltexzess von 80 bis 100 nicht uniformierten NSDAP-Leuten, die nach Friedrichskoog gebracht worden waren. Sie jagten Mitglieder der Versammlung durch den Ort. Schüsse fielen. Am Ende wurde der 17 Jahre alte Schiffer Herbert Jäger von NSDAP-Leuten gefoltert und ermordet.[6]

Aus unbewohnten Teilen der Gemeinden Friedrichskoog, Kronprinzenkoog und Kaiser-Wilhelm-Koog sowie aus katastermäßig noch nicht erfassten Teilen des in den Jahren von 1933 bis 1935 eingedeichten Adolf-Hitler-Kooges (heute Dieksanderkoog, als nationalsozialistische Mustersiedlung geschaffen) wurde am 1. November 1935 eine neue Gemeinde mit dem Namen Adolf-Hitler-Koog gebildet. In diese neue Gemeinde wurde die bestehende Gemeinde Friedrichskoog am 1. April 1939 eingegliedert. Diese Gemeinde wurde wiederum am 25. August 1945 in Dieksanderkoog umbenannt. Am 1. April 1948 erhielt sie den bis heute gültigen Namen Friedrichskoog.[7]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Datum Einw.
3. Dezember 1867 1212
1. Dezember 1880 1347
1. Dezember 1890 1381
1. Dezember 1900 1432
1. Dezember 1910 1458
8. Oktober 1919 1648
17. Mai 1939 2481
13. September 1950 4336
6. Juni 1961 2938
27. Mai 1970 2872
31. Dezember 2002 2457
31. Dezember 2007 2469
31. Dezember 2012 2457

PolitikBearbeiten

GemeindevertretungBearbeiten

Bei der Kommunalwahl 2013 kam folgende Zusammensetzung der Gemeindevertretung zustande:[8]

Partei / Liste Sitze
CDU 5
KWV 5
SPD 3

Wappen und Flagge (inoffiziell)Bearbeiten

Friedrichskoog führt kein Wappen. Ein inoffizielles Wappen und auch eine inoffizielle Hissflagge sind jedoch im Gemeindebild allgegenwärtig, auch wenn sie nicht von der Gemeinde selbst verwendet werden.

Das Wappen ist zweigeteilt. Es stellt oben einen Bauernhof dar, bestehend aus Wohnhaus und baulich abgesetztem Wirtschaftsgebäude (eine in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts übliche Form, die neben anderen in der Gemeinde zu finden ist; die beiden Gebäudeteile werden in der Regel durch einen kurzen, schmalen Küchen- und Waschküchen-Trakt verbunden, der in der Darstellung jedoch nicht zu erkennen ist), der auf die Fruchtbarkeit des Bodens verweisen soll; unten sind die Nordsee mit Brandung und ein Deich dargestellt. Eine Blasonierung existiert nicht.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Walgebäude mit Hallenspielplatz am Hafen (2013)
 
Ehemaliges Seezeichen „Trischenbake“ in der Seehundstation
 
Holländerwindmühle „Vergißmeinnicht“ in Friedrichskoog
 
Deich und Salzwiesen am Trischendamm

Überregional bekannt ist die im Jahr 1985 eröffnete und am ehemaligen Hafen gelegene Seehundstation Friedrichskoog, da sie Drehort für die in den Jahren 2001 bis 2009 ausgestrahlte Fernsehserie Hallo Robbie![9] war. Darüber hinaus ist die Station die einzige zur Aufzucht von Heulern autorisierte Stelle an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste. Auch sind die täglichen Fütterungen der ständig in der Station lebenden Seehunde und Kegelrobben Ziel für zahlreiche Tagestouristen. Beginnend mit dem Jahr 2020 wird die Seehundstation umgestaltet und erweitert. Dabei soll die als Landmarke weithin sichtbare und seit dem Jahr 2001 als „Touristenattraktion“[10] geltende Trischenbake“ (früher auch „Buschsandbake“ aufgrund wechselnder Bezeichnungen der Insel Trischen[11]) weichen; von der Station wurde das 22 Meter hohe ehemalige Seezeichen als „Geschenk“ öffentlich angeboten.[12]

Ebenfalls am ehemaligen Hafen befindet sich seit dem Jahr 2008 ein Gebäude in Form eines Wals. Der mit 25 Brettschichtholzbindern in einer Länge von 125 Metern, einer Breite von 25 Metern und einer Höhe von 15 Metern mit innen sichtbarem „Skelett“ errichtete Holzbau zählt zu den weltweit größten Gebäuden in Walform. Er wird aktuell als Hallenspielplatz bzw. „Indoorspielpark“ genutzt. Auf einer Fläche von 2500 m² gibt es u. a. ein Kletter-Labyrinth, Trampolins und Hüpfburgen sowie eine Elektro-Kart-Bahn.

Unmittelbar neben dem Walgebäude befindet sich ein Infozentrum der Schutzstation Wattenmeer, das neben einer naturkundlichen Ausstellung auch Wattwanderungen, Salzwiesenführungen und vogelkundliche Exkursionen anbietet.

Auch verläuft durch den ehemaligen Hafen der 54. Breitengrad. Darauf weist ein Stein auf der Deichkrone nahe der Seehundstation hin. Er wurde nicht ganz korrekt platziert, da seine Position dann etwas weiter südlich in der Nähe des Schöpfwerkes sein müsste. In jedem Fall liegt Friedrichskoog auf ähnlicher geografischer Breite wie beispielsweise Danzig und die russischen Kommandeur-Inseln.[13]

Als Kulturdenkmale in Friedrichskoog sind in die Denkmalliste des Landes Schleswig-Holstein die evangelische Christuskirche, die einstöckige Galerieholländermühle „Vergißmeinnicht“ sowie die Neulandhalle eingetragen.

Die im Jahr 1964 fertiggestellte Christuskirche wird von der Kirchengemeinde „Vereinigte Süderdithmarscher Köge“ unverändert als Gotteshaus genutzt. Vor dem Bau bestand nach Angaben der Kirchengemeinde das Gerücht, dass Friedrichskoog in einer Sturmflut untergehen würde, bekäme der Ort eine eigene Kirche.[14]

Für die 1860 errichtete und 1906 umgebaute Windmühle hat sich auch die Bezeichnung „Hochzeitsmühle“ eingebürgert, da im Erdgeschoss durch das Amt Marne-Nordsee standesamtliche Trauungen vorgenommen werden können.

Die Neulandhalle im Ortsteil Dieksanderkoog wurde 1935 in der Zeit des Nationalsozialismus als Versammlungsstätte erbaut. Nach dem Krieg wurde das Gebäude umgenutzt und befand sich zuletzt im Eigentum der evangelischen Kirche, die dort ein Ferienheim für Kinder und Jugendliche betrieb, welches aber mangels Wirtschaftlichkeit geschlossen wurde. Seit 2019 befindet sich dort nun ein „historischer Lernort“[15] in Form einer mit mehreren Tafeln beschrifteten musealen Außenanlage. Für die Halle selbst konnte noch kein neuer „angemessener“ Verwendungszweck gefunden werden.

Der 1935/36 erbaute Trischendamm an der „Spitze“ sollte ursprünglich eine gezeitenunabhängige Verbindung mit dem damaligen Trischenkoog und gleichzeitig den Küstenschutz gewährleisten. Der Bau wurde jedoch nach 2200 Metern vorzeitig abgebrochen. Der Damm führt heute durch Salzwiesen und Watt, vorbei an Buhnen und Lahnungen hinaus in die Nordsee. Er wird vor allem von Touristen gern für Spaziergänge genutzt. Im Mai 2019 wurde ein Konzept für den Ausbau und die touristische Attraktivierung des Trischendamms präsentiert;[16] bis zum Sommer 2020 soll die Ausführungsplanung abgeschlossen sein.

WirtschaftBearbeiten

LandwirtschaftBearbeiten

 
Kohlanbau in Dieksanderkoog

Die Marsch-Böden (Kalkmarsch) der Köge zählen zu den produktivsten Standorten Schleswig-Holsteins und erreichen mit etwa 85 Bodenpunkten Höchstwerte in der Bonitierung im Rahmen der von der Finanzverwaltung durchgeführten Bodenschätzung.[17] Zudem ist aufgrund des Nordseeklimas die Gefahr des Schädlingsbefalls minimiert.

Traditionell werden die Köge für den Anbau von Getreide und Zuckerrüben genutzt. Ab dem Ende des 19. Jahrhunderts gewann auch in Friedrichskoog der für Dithmarschen typische Anbau von Weiß- und Rotkohl an Bedeutung. Ergänzend wurde im 20. Jahrhundert die Schafzucht eingeführt; die Tiere weiden nicht nur auf den Deichen, sondern auch auf den abgeernteten Kohlfeldern.

In den letzten Jahren ist insbesondere der Anbau von Feldgemüse und anderen Hackfrüchten deutlich vielfältiger geworden. Hierzu trugen veränderte Markterfordernisse, der allgemeine Strukturwandel in der Landwirtschaft sowie die zunehmende Direktvermarktung über (auch touristisch bedeutende) Hofläden bei, die aus Kundensicht eine größere Auswahl und damit breitere Sortimente erfordert.

Nicht zuletzt haben Pferdezucht (überwiegend Holsteiner) und Reiterhöfe auch durch international erfolgreiche Springreiter für Friedrichskoog Bedeutung.

TourismusBearbeiten

 
„Grüner Strand“ in Friedrichskoog-Spitze bei Sturm

Mit Fremdenzimmern auf den Bauernhöfen begann in den 1950er Jahren in Friedrichskoog die Entwicklung des Tourismus. Ab den 1960er Jahren bereicherten insbesondere Ferienhäuser und Ferienwohnungen die Übernachtungsmöglichkeiten. In diesem Zusammenhang entstand auch der Ortsteil Friedrichskoog-Spitze sowie sein „grüner Strand“ auf Grasflächen des Außendeichs mit Übergängen ins Sandwatt. Zudem eröffnete an der „Spitze“ im Jahr 1976 das „Haus des Kurgastes“ (offizielle Bezeichnung) u. a. mit Veranstaltungs- und Aufenthaltsräumen. Im Jahr 1998 folgte eine Kurklinik mit 270 Betten, die auf gemeinsame Aufenthalte von Eltern und Kindern spezialisiert ist. Ein Kur- und Wellness-Zentrum mit Meerwasser-Thermalbad bietet u. a. Behandlungen des Stütz- und Bewegungsapparats, der Atemwege sowie der Psyche. Seit dem Jahr 1983 ist Friedrichskoog-Spitze als Seebad und seit 2004 als Nordseeheilbad staatlich anerkannt. Nach Büsum verzeichnet Friedrichskoog die höchsten Gäste- und Übernachtungszahlen in Dithmarschen; aktuell ist der Tourismus wohl bedeutendster Wirtschaftszweig der Gemeinde.

HafenBearbeiten

 
Krabbenkutter im Hafen (2007)

Friedrichskoog verfügte über einen 1855 angelegten Hafen, der durch ein gelegentlich „Schleuse“ genanntes Sperrwerk im Deich und den folgenden Hafenpriel Verbindung zur Nordsee hatte. Daher ist der Hafen, obgleich seit der Fertigstellung des heutigen Dieksanderkooges hinter dem Deich liegend, beidseitig mit eigenen, wenn auch niedrigeren Deichen versehen. Es handelte sich um einen tideabhängigen Hafen, was die Erreichbarkeit beschränkte, da nur kurz vor und nach dem Hochwasser aus- und eingelaufen werden konnte.

Die hydromorphologischen Gegebenheiten am in der Elbmündung liegenden Tidehafen führten zu einer starken Versandung, deren Beseitigung durch Ausbaggern bis 2015 aus Landesmitteln erfolgte. Die Gesamtunterhaltskosten des Hafens beliefen sich zuletzt auf bis zu 850.000 Euro. Dem standen Einnahmen aus dem Hafenbetrieb von rund 75.000 Euro gegenüber.[18] Zudem wurde der Hafen immer weniger genutzt: im Jahr 2000 hatte Friedrichskoog noch rund 900 Anläufe von Krabbenkuttern, 2013 waren es nur noch 104. Es wurden nur 52 t Krabben angelandet (zum Vergleich: In Büsum werden jährlich mehr als 4000 t umgeschlagen). Wegen des zu teuren Unterhalts bei zu geringer Nutzung – viele Fischer liefen lieber den tideunabhängigen Hafen in Büsum an – wurde dieser durch das Land Schleswig-Holstein zum 1. Anfang Juni 2015 geschlossen.[19][20], den Nutzern wurde eine Duldung bis zum Monatsende eingeräumt; das Land Schleswig-Holstein hatte trotz aller Proteste den Sofortvollzug angeordnet. Als Nachnutzung wurde die Umgestaltung zum „Erlebnishafen“ im Kreis Dithmarschen vorgesehen, dessen jährliche Kosten nur noch bei 275.000 Euro lägen.[21]

Mittlerweile wurde das ehemalige Sperrwerk des Hafens durch ein neues Schöpfwerk ersetzt.[22] Für Fußgänger wurde durch den Umbau eine Passage am Schöpfwerk möglich und das Hafenbecken kann zu Fuß umrundet werden. Seeseitig ist die einstige Zufahrt inzwischen stark verschlickt, durch die einstige Fahrrinne windet sich ein kleinerer Priel. Im Hafenbecken wird für einen einigermaßen gleichmäßigen Wasserstand gesorgt; damit soll Freizeitsport (z. B. die Nutzung von Tretbooten) möglich werden.

Im Hafenbereich gab es auf dem Gelände der heutigen Seehundstation bis Anfang der 1980er Jahre ein Lager- und Betriebsgelände des Wasser- und Schifffahrtsamtes Tönning.

Im März 2019 präsentierte die Gemeinde Friedrichskoog die Idee, das Hafenareal mit einem Investitionsvolumen von rund 20 Millionen Euro zum neuen Ortszentrum zu entwickeln.[23]

ErdölförderungBearbeiten

 
Bohr- und Förderinsel Mittelplate rund 7 km vor Friedrichskoog

Vor Friedrichskoog im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer befindet sich das mit Abstand größte deutsche Ölfeld, die Mittelplate. Bis zum Jahr 2020 wurden aus dem Feld mehr als 35 Millionen Tonnen Öl gefördert. Weitere 15 bis 20 Millionen Tonnen gelten noch als gewinnbar.[24]

Die Erdölvorräte fördert die heutige Wintershall Dea seit dem Jahr 1987 von einer etwa sieben Kilometer vom Deich entfernen, auf einer Sandbank im Watt verankerten Bohr- und Förderplattform, die über eine Pipeline mit der Landstation Dieksand im Ortsteil Friedrichskoog verbunden ist. Aufgrund des besonders sensiblen Ökosystems werden alle auf der Plattform anfallenden Abfälle – vom Bohrklein bis zur Eierschale – an Land gebracht und dort entsorgt. Parallel besteht seit dem Jahr 2000 eine Förderung von der Landstation; diese erfolgt über horizontal abgelenkte Bohrungen von teilweise über neun Kilometer Länge. Die vom Land Schleswig-Holstein erteilte Förderbewilligung läuft bis zum Ende des Jahres 2041.[24]

In der Landstation Dieksand erfolgt auch die Abtrennung des Öls von den übrigen Bestandteilen (vor allem Wasser) sowie eine Abtrennung des Ölgases. Die so aufbereiteten Produkte werden über eine Leitung nach Brunsbüttel gepumpt, wo teilweise eine Verarbeitung, teilweise eine Weiterleitung zur Raffinerie Heide in Hemmingstedt erfolgt.

WindkraftBearbeiten

Im östlichen Teil von Friedrichskoog gab es 2010 über 50 Windkraftanlagen zur Stromerzeugung, die überwiegend mit einer Leistung von je 500 bis 600 kW und Rotordurchmessern um 40 m in der Mitte der 1990er Jahre installiert wurden. Zunehmend werden sie durch größere, leistungsstärkere Anlagen ersetzt (Repowering), wobei sich die Anzahl reduziert.

VerkehrBearbeiten

Friedrichskoog ist mit dem Auto am besten über die B 5 zu erreichen, die man entweder in Marne oder ein Stück weiter nördlich in Helse verlassen muss. Der Eisenbahnbetrieb an der früheren Bahnstrecke St. Michaelisdonn–Friedrichskoog von hier über Kronprinzenkoog und Marne nach Sankt Michaelisdonn ist seit Mitte der 1970er Jahre eingestellt, die Gleisanlagen wurden mittlerweile komplett zurückgebaut. Vorher verfügte Friedrichskoog über drei Bahnstationen, die mit den römischen Zahlen I bis III benannt wurden und auch als Ortsbezeichnungen dienten. Der heute nächstgelegene Bahnhof ist in Sankt Michaelisdonn an der Marschbahn (Strecke Hamburg – Niebüll – Westerland), von dort ist Friedrichskoog per Regionalbus über Marne zu erreichen.

PersönlichkeitenBearbeiten

  • Peter Hartman (1884–1982), in Friedrichskoog geborener Seemann, Träger des Bundesverdienstkreuzes als Lebensretter
  • Tjark Nagel (* 1952), Landwirt in Friedrichskoog, Olympiateilnehmer im Springreiten
  • Carsten-Otto Nagel (* 1962), in Friedrichskoog aufgewachsener Pferdewirtschaftsmeister, Welt- und Europameister im Springreiten
  • Björn Nagel (* 1978), Landwirt in Friedrichskoog, Europameister im Springreiten
  • Werner „Polli“ Rohwedder (1925–2017), Fischer, Seehundjäger, Nationalparkwart, Gründer und Leiter der Seehundstation Friedrichskoog, Ehrenbürger von Friedrichskoog

LiteraturBearbeiten

  • Rudolf Gastmeier: 100 Jahre Friedrichskoog. Hrsg.: Gemeinde Friedrichskoog. Friedrichskoog 1955.
  • Horst Meyer et al.: 150 Jahre Friedrichskoog: Vom Koog zur amtsfreien Gemeinde. Hrsg.: Gemeinde Friedrichskoog. Friedrichskoog 2005.
  • Hans Michelsen: Chronik des Deich- und Hauptsielverbandes Dithmarschen. Hrsg.: Deich- und Hauptsielverband Dithmarschen. 2. Auflage. Band I: Geschichtliche Darstellung, Rechtsgrundlagen, Entstehung von Wasser- und Bodenverbänden und verbandliche Aktivitäten, Nr. 15. Hemmingstedt 2008, Kapitel 11.7 (Zur Geschichte des Friedrichskoogs).

WeblinksBearbeiten

 Commons: Friedrichskoog – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistikamt Nord – Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 4. Quartal 2018 (XLSX-Datei) (Fortschreibung auf Basis des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein: Die Böden Schleswig-Holsteins, Flintbek 2012, S. 45 ff., abgerufen 24. Januar 2020
  3. Johann M. Lorenzen: 25 Jahre Forschung im Dienst des Küstenschutzes, S. 10 ff. in: Die Küste, 8 (1960), 7-28, abgerufen 25. Januar 2020
  4. Land Schleswig-Holstein: Landesplanung – Zentralörtliches System, 2019
  5. Martin Stock et al.: Salzwiesen an der Westküste von Schleswig-Holstein 1986–2001. Boyens Buchverlag, Heide 2005, ISBN 3-8042-0703-0, S. 37/38.
  6. Kieler Volkszeitung 28. Juli 1932 laut Dithmarschen Wiki Friedrichskoog.
  7. Statistisches Landesamt Schleswig-Holstein (Hrsg.): Die Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 1867–1970. Statistisches Landesamt Schleswig-Holstein, Kiel 1972, S. 44.
  8. Gemeindevertreter der Gemeinde Friedrichskoog
  9. Pia Klatt, Kai Labrenz: Filmland Schleswig-Holstein. Boyens Buchverlag, Heide 2004, ISBN 3-8042-1138-0, S. 124.
  10. Deutsche Leuchtfeuer: Buschsandbake oder Trischenbake, abgerufen 22. Januar 2020
  11. Busch-Sand-Bake (Böschsand-, Trischen-Bake)
  12. Boyens-Medien: Trischenbake zu verschenken., Artikel vom 21. Januar 2020, abgerufen 22. Januar 2020
  13. Orte auf dem 54. Breitengrad
  14. Kirchengemeinde Vereinigte Süderdithmarscher Köge: Christuskirche, abgerufen 10. Januar 2020
  15. NDR: Neuer Lernort in Hitlers Muster-Koog eröffnet (8. Mai 2019) abgerufen 10. Januar 2020.
  16. Bruun & Möllers: Ausbau & Attraktivierung Trischendamm, 15. Mai 2019, abgerufen 23. Januar 2020
  17. Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein: Die Böden Schleswig-Holsteins, Flintbek 2012, S. 45, abgerufen 22. Januar 2020
  18. Geld aus Hamburg möglich. In: Täglicher Hafenbericht vom 26. Februar 2014, S. 3
  19. Hafen Friedrichskoog kann Tor dichtmachen (Memento vom 20. Mai 2015 im Internet Archive). ndr.de vom 19. Mai 2015, abgerufen am 17. Juni 2015
  20. „Rohrbohrer“ in Friedrichskoog. In: Täglicher Hafenbericht vom 8. Juni 2015, S. 16
  21. Aus für Fischereihafen Friedrichskoog. In: Täglicher Hafenbericht vom 20. März 2014, S. 3, ISSN 2190-8753
  22. Deich- und Hauptsielverband Dithmarschen: Umbau vom Sperrwerk in ein Schöpfwerk 2018, abgerufen 10. Januar 2020
  23. Abendblatt: Friedrichskoog - Spektakuläre Pläne für stillgelegten Hafen, Artikel vom 4. März 2019, abgerufen am 24. Januar 2020
  24. a b Wintershall Dea: Mittelplate - Erfolgsgeschichte im Wattenmeer., abgerufen: 20. Januar 2020