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John McCain

US-amerikanischer Politiker
John McCain (2009)
Signatur von John McCain

John Sidney McCain III (* 29. August 1936 auf der US-Militärbasis Coco Solo in der Panamakanalzone) ist ein US-amerikanischer Politiker der Republikanischen Partei und seit 1987 Senator für den Bundesstaat Arizona. Er war Kandidat der Republikaner für die Präsidentschaftswahl 2008, bei der er Barack Obama unterlag. Bereits im Jahr 2000 hatte er sich um das Amt des US-Präsidenten beworben, war in der Vorwahl jedoch an George W. Bush gescheitert. McCain kämpfte als Jagdbomberpilot der United States Navy im Vietnamkrieg, wurde abgeschossen und war viereinhalb Jahre in Nordvietnam in Kriegsgefangenschaft.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

 
McCain auf der Naval Academy, um 1954

Familie und AusbildungBearbeiten

Zu den Vorfahren John McCains gehörten Ulster-Schotten und Engländer; die meisten von ihnen lebten nach ihrer Auswanderung nach Nordamerika in den Südstaaten.[1] Sein Ur-Ur-Großvater William A. McCain hatte in Mississippi eine Plantage mit fünfzig Sklaven besessen und fiel 1863 im Sezessionskrieg, in dem er auf der Seite der Konföderierten kämpfte. McCain selbst sieht seine Wurzeln im Militär. Sowohl sein Vater als auch sein Großvater John Sidney McCain Sr. waren Admirale der US Navy. Er kam als Sohn von John Sidney McCain Jr. und Roberta Wright McCain (* 1912) in der damals von den USA kontrollierten Panamakanalzone zur Welt und hat zwei Geschwister, Jean Alexandra („Sandy“) McCain Morgan (* 1934) und den Bühnenschauspieler Joseph („Joe“) Pinckney McCain II (* 1942). Aufgewachsen als Mitglied der Episkopalkirche, schloss sich McCain später den Baptisten an.[2]

Bis zum Alter von zehn Jahren besuchte er verschiedene Schulen auf Militärstützpunkten. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zog die Familie 1946 ins nördliche Virginia. Ab 1949 folgte die Familie erneut dem Vater zwei Jahre lang durch verschiedene Marinestützpunkte, insgesamt besuchte John McCain etwa 20 verschiedene Schulen.[3] Ab 1951 besuchte er die private „Episcopal High School“ in Alexandria (Virginia), die er 1954 abschloss. Wie sein Vater und sein Großvater zuvor trat er daraufhin in die US Naval Academy in Annapolis ein, die er 1958 mit dem Bachelorgrad verließ. Er war einer der schlechtesten Abgänger seines Jahrgangs, was Sean Wilentz seiner fehlenden Beachtung für Disziplin und für Themen zuschreibt, die ihn nicht interessierten. Anschließend diente McCain im Militär als Bodenkampfflieger.[2]

John McCain hat vier leibliche Kinder, ein Adoptivkind und zwei Stiefsöhne aus zwei Ehen. Aus seiner ersten Ehe mit dem Model Carol Shepp, die von 1965 bis 1980 dauerte, stammen die Tochter Sidney McCain (* 1966; Musikbranche) sowie die beiden Stiefsöhne Doug (* 1959; Pilot in der Zivilluftfahrt) und Andy McCain (* 1962; Vizepräsident von Hensley & Co.). Seine zweite Ehe schloss er am 17. Mai 1980 mit Cindy Hensley (* 1954; Aufsichtsratsvorsitzende von Hensley & Co.), aus der die Kinder Meghan McCain (* 1984; Journalistin), John Sidney „Jack“ McCain IV. (* 1986; Naval Academy), James „Jimmy“ McCain (* 1988; Marine Corps) und die aus Bangladesch stammende Adoptivtochter Bridget McCain (* 1991) hervorgingen.

Militärdienst und Gefangennahme im VietnamkriegBearbeiten

McCain nahm als Marineflieger der Navy am Vietnamkrieg teil. Am 29. Juli 1967 befand er sich auf dem Flugdeck der USS Forrestal im Cockpit einer A-4E Skyhawk, als das neben ihm stehende Flugzeug von einer fehlgezündeten Zuni-Rakete getroffen wurde. Es gelang ihm, sich aus dem brennenden Flugzeug zu retten. 90 Sekunden später kam es zu einer Kettenreaktion von explodierender Munition und Treibstoff, bei der 134 Soldaten getötet wurden (siehe Forrestal-Katastrophe).

Am 26. Oktober 1967 wurde er während eines Angriffs auf ein Wasserkraftwerk bei Hanoi abgeschossen und geriet in nordvietnamesische Gefangenschaft. Er brach sich beide Arme und erlitt weitere Verletzungen, als er aus dem Flugzeug geschleudert wurde.[4] Im Lager Hanoi Hilton wurde McCain Opfer von Folter, die bei ihm permanente körperliche Behinderungen verursachte.[5] Die Vietnamesen wollten McCain – als Sohn eines Admirals und des US-Pazifikkommandanten – vorzeitig freilassen; McCain weigerte sich allerdings, da er dies als positive Öffentlichkeitsarbeit für den Feind ansah. Am 14. März 1973[6] wurde er in die Freiheit entlassen.

1981 trat er aus der Navy im Rang eines Captains aus. Im Laufe seiner Militärkarriere erhielt er die Auszeichnungen Distinguished Flying Cross, Silver Star, Bronze Star, Legion of Merit und das Purple Heart.

GesundheitBearbeiten

Im Juli 2017 wurde bei McCain nach der operativen Entfernung eines Blutgerinnsels über dem linken Auge ein bösartiger Gehirntumor (Glioblastom) diagnostiziert.[7] Er unterzog sich einer Chemotherapie und kehrte zeitweilig in den Senat zurück,[8] befindet sich aber im Mai 2018 wieder in medizinischer Behandlung in Arizona.[9]

Politische KarriereBearbeiten

Mitglied des US-RepräsentantenhausesBearbeiten

John McCain war ab 1977 Verbindungsoffizier der Navy zum Senat der Vereinigten Staaten, was ihm einen Zugang in die Politik verschaffte. Seine zweite Ehe mit Cindy Hensley, die aus einer einflussreichen und begüterten Familie in Phoenix (Arizona) stammte, eröffnete ihm die Möglichkeiten, eine politische Laufbahn einzuschlagen. Er zog mit seiner neuen Familie 1980 nach Phoenix und trat bei der Wahl 1982 im 1. Kongresswahlbezirk Arizonas für das Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten an. In der Vorwahl der Republikaner hatte McCain sich um die Nachfolge des nicht mehr antretenden langjährigen Abgeordneten und Fraktionsvorsitzenden der Republikaner, John Jacob Rhodes, mit 32 Prozent der Stimmen durchgesetzt[10] und gewann die Hauptwahl im November 1982 ungefährdet mit 66 Prozent. McCain trat sein Mandat im 98. Kongress am 3. Januar 1983 an. Er gewann auch die Wiederwahl 1984, sodass er seinen Sitz bis zum Ende des 99. Kongresses am 3. Januar 1987 innehatte. Später bezeichnete sich McCain häufig als „Fußsoldat der Reagan-Revolution“, da sein Einstieg in die Politik mit der für die republikanische Partei prägenden Präsidentschaft Ronald Reagans zusammenfiel.[2]

US-SenatorBearbeiten

Bei der Wahl zum US-Senat 1986 wurde McCain für Arizona in den Senat der Vereinigten Staaten gewählt, nachdem er die parteiinterne Vorwahl ohne Gegenkandidaten gewonnen hatte. In der Hauptwahl um den Sitz des konservativen Barry Goldwater, der nicht wieder antrat, besiegte McCain den Demokraten Richard Kimball mit über 60 Prozent der Stimmen.[11] McCain gehört dem Senat seit dem 3. Januar 1987 an. Dort sitzt er unter anderem im Ausschuss für die Streitkräfte und im Handels-, Wissenschafts- und Verkehrsausschuss.

Beim Nominierungsparteitag der Republikaner für die Präsidentschaftswahl 1988 wurde McCain durch eine positiv aufgenommene Rede bundesweit bekannt. Negativ in die Schlagzeilen kam er kurz darauf, als seine Verbindungen zu den Keating Five bekannt wurden. Im Zusammenhang mit der Savings-and-Loan-Krise wurde McCains Rolle in diesem Betrugsskandal vom Ethikausschuss des Senats ab 1989 untersucht. Er wurde 1991 von allen Vorwürfen freigesprochen, der Ausschuss attestierte ihm aber ein schwaches Urteilsvermögen in diesem Zusammenhang („poor judgment“). Daraufhin begann sich McCain für eine Reform der Wahlkampffinanzen in Richtung von Transparenz und Verantwortbarkeit zu engagieren, die 2002 im McCain-Feingold-Act gipfelte, das er zusammen mit dem liberalen Senator Wisconsins Russ Feingold eingebracht hatte.[2]

Bei der Senatswahl 2010 hatte McCain mit J. D. Hayworth einen starken innerparteilichen Konkurrenten. Letztlich wurde McCain mit einem Stimmenanteil von 56,2 Prozent in der Vorwahl seiner Partei nominiert. Bei der eigentlichen Senatswahl im November 2010 gewann er mit 59,3 Prozent der Stimmen ungefährdet vor dem Demokraten Rodney Glassman (34,6) und David Nolan von der Libertarian Party (4,7). Am 3. Januar 2011 trat er seine fünfte Amtsperiode im Senat an. Seit Januar 2015 ist McCain – nach dem Sieg der Republikaner in der Wahl 2014 – Vorsitzender des Streitkräfteausschusses im Senat.

Bei der Senatswahl 2016 trat die bisherige demokratische Kongressabgeordnete Ann Kirkpatrick gegen McCain an. Manche Umfragen ergaben deutliche Vorsprünge für McCain, andere etwa gleich hohe Werte für beide Kandidaten, weshalb die Arizona Daily Sun diesen Senatswahlkampf als den härtesten bezeichnet hat, den McCain jemals zu bestreiten hatte.[12] Nachdem im Oktober 2016 als sexistisch bezeichnete Äußerungen des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump öffentlich geworden waren, zog McCain seine Unterstützung für den umstrittenen Trump zurück.[13] McCain gewann die Wahl im November 2016 deutlich.[14] Sein aktuelles Mandat läuft bis zum 3. Januar 2023.

Präsidentschaftskandidatur 2000Bearbeiten

Bereits im Jahr 2000 bewarb sich McCain um die Präsidentschaft. Er war bei der Vorwahl innerhalb der Republikanischen Partei der wichtigste Gegenkandidat des Establishment-Favoriten George W. Bush und kündigte an, kein Blatt vor den Mund zu nehmen („straight talk“) und die Verwaltung grundlegend zu reformieren.[2] Nach einem viel beachteten Sieg bei der Vorwahl in New Hampshire galt McCain zeitweilig als Favorit und sah sich vor der Abstimmung in South Carolina einer harten Gegenkampagne ausgesetzt, in der neben harten Angriffen der Bush-Kampagne unbekannte Geldgeber die persönliche Integrität McCains durch unwahre Gerüchte in Frage stellten.[15] McCain verlor South Carolina, gewann insgesamt nur sieben andere Staaten für sich und unterlag schließlich dem späteren Wahlsieger Bush.

Verärgert wegen seiner Behandlung durch die Parteiführung, die Bush unterstützt hatte und die McCain für die Schmutzkampagne gegen ihn verantwortlich machte, überlegte er im Jahr 2001, die Republikaner zu verlassen und zukünftig als Unabhängiger im Senat zu arbeiten. Die letztlich ergebnislosen Verhandlungen mit dem damaligen Fraktionsvorsitzenden der Demokraten Tom Daschle waren, wie 2017 bekannt wurde, weit fortgeschritten und hätten die Republikaner ihre Mehrheit im Senat gekostet.[16]

Bei der Präsidentschaftswahl 2004 unterstützte er Präsident Bush mit vielen Auftritten.[2]

Präsidentschaftskandidatur 2008Bearbeiten

 
John McCain im Wahlkampf 2007

Im Frühjahr 2007 erklärte John McCain in einem CBS-Interview seinen erneuten Antritt für das Amt. Die ehemaligen Außenminister der Vereinigten Staaten Henry Kissinger, Alexander Haig, George P. Shultz und Lawrence Eagleburger unterstützten die Kandidatur.

Während John McCain bei der ersten Abstimmung in Iowa lediglich Vierter wurde, gewann er die folgenden Vorwahlen in New Hampshire, South Carolina und Florida. Nach einer Umfrage der Washington Post vom 14. Januar 2008 lag McCain auch landesweit vor den früheren Gouverneuren Mike Huckabee und Mitt Romney und deutlich vor weiteren Kandidaten wie dem libertären Kongressabgeordneten Ron Paul.

Seit der Vorwahl in Florida galten nur noch McCain und Romney als aussichtsreiche Kandidaten für die Nominierung der Republikaner. Der abgeschlagene ehemalige Bürgermeister New Yorks, Rudolph Giuliani, zog seine Kandidatur am 30. Januar zurück und gab eine Wahlempfehlung für McCain ab. Auch der Gouverneur von Kalifornien, Arnold Schwarzenegger, verkündete die Unterstützung der Kandidatur McCains.

Nach dem „Super Tuesday“ Anfang Februar 2008 galt McCain als klarer Favorit für die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner. Als sein Mitbewerber Romney am 7. Februar aufgab, war McCains Vorwahlsieg praktisch nicht mehr zu gefährden,[17] auch wenn Huckabee vorerst weiter im Rennen blieb.

Nach den Vorwahlen in Ohio, Vermont und Texas am 4. März 2008 überschritt McCain die nötige Zahl von 1191 Delegierten für die Nominierung als Nachfolger George W. Bushs, die Anfang September bei der Republican National Convention, dem Nominierungsparteitag seiner Partei, erfolgte. Als Kandidatin für das Amt des Vizepräsidenten und damit als Running Mate wählte McCain Sarah Palin, Gouverneurin des Bundesstaates Alaska.

McCain vereinte bei der Präsidentschaftswahl am 4. November 2008 die Stimmen von 173 Wahlmännern auf sich und unterlag damit deutlich Barack Obama, dem Kandidaten der Demokraten für das Präsidentenamt, der 365 Wahlmänner gewann. Im absoluten Verhältnis der Wählerstimmen im gesamten Land erreichte McCain 46 Prozent, während für Obama 53 Prozent stimmten.[18] Kurz nach Veröffentlichung der ersten Ergebnisse aus den Ostküstenstaaten räumte McCain seine Niederlage ein und gratulierte Obama telefonisch.[19] In einer anschließenden Rede in Arizona vor seinen Anhängern gab er sich gegenüber Obama versöhnlich und rief seine Unterstützer zur parteiübergreifenden Zusammenarbeit auf.[20]

Politische PositionenBearbeiten

Einordnung in das politische SpektrumBearbeiten

 
John McCain (Mitte) bei der State of the Union Address von Präsident Obama im Januar 2011 mit (von links) John Kerry, Michael C. Burgess, Tom Udall und Joe Lieberman

John McCain entsprach in seinen ersten Jahren im Senat, also in der zweiten Hälfte der 1980er und in der ersten Hälfte der 1990er Jahre, ausweislich seines Abstimmungsverhaltens weitgehend dem Mainstream seiner Partei.[21] Seitdem wich er häufiger davon ab und vertrat insbesondere in innenpolitischen Fragen häufiger moderatere Positionen als die Parteilinie, indem er sich etwa für Sozialprogramme aussprach.[22] Deshalb galt er dem rechten Flügel der Republikaner seit seinem Antreten als Präsidentschaftskandidat in der parteiinternen Vorwahl 2000 als nicht konservativ genug.[23] In diesem Vorwahlkampf bezeichnete er führende Religiös-Konservative wie Pat Robertson und Jerry Falwell als „Agenten der Intoleranz“.[24] 2006 versöhnte er sich angesichts ihres Einflusses auf die Vorwahl im Jahr 2000 mit diesen, distanzierte sich jedoch im Mai 2008 von Pastor John Hagee, der Hurrikan Katrina (als Strafe für die in New Orleans geplante Gay-Parade) ebenso wie Hitlers Vorgehen (und damit den Holocaust) als „gottgewollt“ bezeichnet hatte, und auch von Pastor Rod Parsley, der behauptet hatte, Moslems seien von Dämonen besessen, und es sei Amerikas Aufgabe, diese „falsche Religion“ zu zerstören.[25]

McCain befürwortete lange eine liberalere Einwanderungspolitik als seine Partei insgesamt, etwa in einer gemeinsamen Gesetzesvorlage mit dem linksliberalen Senator Ted Kennedy. Allerdings vollzog er in der Zeit nach seiner Niederlage bei der Präsidentschaftswahl 2008 einen deutlichen Rechtsschwenk. Nach einer Erhebung des Politikmagazins National Journal wies McCain im Jahr 2010 gemeinsam mit sieben anderen Republikanern das konservativste Abstimmungsverhalten im Senat auf. So änderte er auch seine Ansichten zur Einwanderungsfrage.[26] Als ein Grund dafür wurde auch seine Bewerbung um die Wiederwahl als Senator im Jahr 2010 angesehen, bei der er innerparteilich von rechts herausgefordert wurde.

In der Haushaltskrise 2011 bezeichnete er Abgeordnete der rechtspopulistischen Tea-Party-Bewegung als „Hobbits“, nachdem sie John Boehner, dem republikanischen Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus, die Unterstützung verweigert hatten. Ihre Ideen nannte er „bizarr und naiv“.[27]

Anders als viele Parteifreunde unterstützte McCain 2013 die überparteiliche Initiative für eine Einwanderungsreform (Border Security, Economic Opportunity, and Immigration Modernization Act of 2013), die die Einbürgerung illegal Eingewanderter vereinfachen sollte. Diese vom Senat verabschiedete Vorlage scheiterte aber im Repräsentantenhaus. McCain beklagte auch das Verdursten illegaler Immigranten in der Wüste von Arizona.[28] Harry Enten von FiveThirtyEight, der 2017 McCains Abstimmungsverhalten über die Jahre auswertete, bezeichnete ihn in seinen Positionen bei gelegentlichen situativen Schwankungen als relativ konsistent. Die republikanische Partei sei dagegen mit der Zeit immer weiter nach rechts gedriftet und McCain dadurch an ihren moderaten Rand gerückt.[21]

AußenpolitikBearbeiten

 
John McCain während der MSC 2016

McCain galt lange Zeit als skeptisch gegenüber Auslandseinsätzen des US-Militärs, bis er in den 1990er Jahren zu einer stärker interventionistischen Linie fand. Insbesondere im Jugoslawienkrieg spielte McCain eine wichtige Rolle dabei, für die Regierung Clinton Unterstützung eines militärischen Einsatzes bei den Republikanern zu organisieren.[29] Inzwischen gilt McCain als Befürworter militärischer Interventionen und einer harten Linie in der Außen- und Sicherheitspolitik. Er unterstützte den Irakkrieg,[30] kritisierte jedoch früh die Strategie von Präsident Bush und des Verteidigungsministeriums, wenige Soldaten im Irak als Besatzung zu stationieren.[31] Seiner Forderung nach mehr Streitkräften zur Bewältigung der Probleme wurde schließlich 2007 entsprochen.[32]

Im Oktober 2005 stimmte der US-Senat mit 90 zu 9 Stimmen McCains Gesetzentwurf eines Folterverbots zu, der „grausame, unmenschliche und entwürdigende Behandlungen“ von Gefangenen verbietet. McCain führte dazu aus, Terroristen seien von Grund auf böse, aber es gehe nicht um sie, „es geht um uns. Wir befinden uns in einem Kampf um die Werte, für die wir stehen.“ Dazu gehöre die Einhaltung der Menschenrechte, „ganz gleich, wie schrecklich unsere Gegner auch sein mögen“. Das Gesetz konnte nicht verabschiedet werden, da Präsident George W. Bush sein Veto einlegte − mit der Begründung, es biete der CIA beim Verhör von Terroristen zu wenig Spielraum.[33]

McCain schloss Anfang 2006 ein militärisches Vorgehen gegen den Iran als letzte Möglichkeit nicht aus.[34] Während des Präsidentschaftswahlkampfs 2008 wandelte er bei einer Veranstaltung den Refrain des Liedes Barbara Ann der Beach Boys zu Bomb Iran („Bombardiert Iran“) ab.[35] Die Außenpolitik Barack Obamas kritisierte er mehrfach als zu konziliant.[36]

McCain gilt als transatlantisch und an multilateralen Konfliktlösungen orientiert, weit stärker etwa als der frühere republikanische Präsident George W. Bush.[37] In einem Aufsatz in Foreign Affairs betonte McCain 2007 die Werte- und Interessengemeinschaft der USA mit Europa und hob die Bedeutung der politischen Abstimmung mit den befreundeten Demokratien des europäischen Kontinents hervor.[38]

McCain hat sich oft gegen autoritäre Staatschefs ausgesprochen. 2007 kritisierte er die Politik Wladimir Putins und bezeichnete Russland als „revanchistisch“.[38] Im Zuge des Euromaidan-Proteste 2013 in der Ukraine unterstützte McCain die EU-freundliche Opposition.[39] Anfang 2017 bezeichnete McCain Putin als „Mörder und Verbrecher“.[40] Den weißrussischen Diktator Aljaksandr Lukaschenka nannte McCain 2013 „einen rücksichtslosen, repressiven und brutalen Tyrannen auf der falschen Seite der Geschichte“.[41] Während der Proteste in der Türkei 2013 erklärte McCain: „Ich liebe die Türkei. … Aber ich glaube, dass in den Augen vieler Türken sich Erdogan mehr wie ein Diktator als wie ein Ministerpräsident verhält.“[42] Den Umsturz in Ägypten 2013 nannte McCain einen ungerechtfertigten Putsch und forderte die Freilassung von Mohammed Mursi.[43]

Während des Bürgerkrieges in Syrien forderte er 2012 eine Sicherheitszone im Land, die Bewaffnung der syrischen Opposition[44] und Angriffe auf Flugzeuge der Streitkräfte Syriens.[45] Nachdem Barack Obama erklärt hatte, ein möglicher Militäreinsatz habe keinen Regimewechsel zum Ziel, forderte McCain den Sturz Assads.[46] Später unterstützte McCain Obamas Pläne für eine Intervention.[47]

Als während der Überwachungs- und Spionageaffäre 2013 bekannt wurde, dass die Vereinigten Staaten das Handy von Bundeskanzlerin Angela Merkel abhörten, forderte McCain eine Entschuldigung von Barack Obama.[48]

InnenpolitikBearbeiten

McCain, der im Präsidentschaftswahlkampf 2008 anders als die meisten anderen republikanischen Kandidaten kaum Aussagen über Religion und persönliche Gläubigkeit machte,[49] kündigte damals eine Abkehr von der freien Entscheidung zum Schwangerschaftsabbruch und von der Supreme-Court-Entscheidung Roe v. Wade an, die maßgeblich für die gegenwärtig in den USA gültige Regelung ist.[50] Er lehnte zwar lange gleichgeschlechtliche Ehen ab,[51] akzeptierte aber eingetragene Lebenspartnerschaften in den einzelnen Bundesstaaten.[52] Nachdem er die Aufhebung der „Don’t ask, don’t tell“-Richtlinie 2011 noch einen „traurigen Tag“ genannt hatte, setzte er sich 2016 gegen jede Diskriminierung von LGBT-Personen im Militär ein.[53]

McCain sprach sich 2008 gegen Beschränkungen des Verkaufs, Erwerbs und Tragens von Schusswaffen aus. Gleichwohl befürwortete er Kontrollmaßnahmen beim Waffenverkauf sowie bestimmte Beschränkungen des politischen Einflusses von Interessenverbänden, die auch die Waffen-Lobby betreffen könnten. Aus diesen Gründen herrschte bei Mitgliedern der National Rifle Association ein gewisses Misstrauen McCain gegenüber.[54]

McCain befürwortet die Todesstrafe[55] und die Ausweitung ihrer Anwendung unter anderem auf internationale Drogenhändler,[56] aber das Verbot ihrer Anwendung auf Minderjährige.[57] Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs zum Fall Kennedy v. Louisiana, die ein Todesurteil wegen der Vergewaltigung eines Kindes für verfassungswidrig erklärte, bezeichnete er als „einen Angriff gegen die Bemühungen der Strafverfolgung, diese schrecklichen Täter wegen des Begehens des verabscheuungswürdigsten Verbrechens zu bestrafen“.[58]

Im Juni 2008 sprach sich McCain dafür aus, bis zum Jahre 2030 in den USA 45 neue Atomkraftwerke zu bauen. Seit den 1970er Jahren waren in den USA wegen der ungeklärten Entsorgung keine neuen Atomkraftwerke mehr genehmigt worden.[59] Auch die Aufhebung des 1982 verhängten und seither jährlich verlängerten Moratoriums für Ölbohrungen vor den Küsten der USA gehörte, anders als noch 2000, im Präsidentschaftswahlkampf 2008 zu seinem Programm.[60]

McCain kritisierte 2015 im Vorwahlkampf der Republikaner um die Präsidentschaftswahl 2016 den Kandidaten Donald Trump, der illegale Einwanderung zu einem Wahlkampfthema machte: Trump fördere parteiintern die „Bekloppten“ („crazies“). Trump griff McCain danach massiv an, indem er ihm sein militärisches Heldentum absprach, da er sich habe gefangen nehmen lassen (siehe den Wahlkampfartikel).[61]

Auch nach Amtsantritt Trumps als Präsident im Januar 2017 gehört McCain zu dessen schärfsten innerparteilichen Kritikern.[62] So wandte er sich zusammen mit Senator Lindsey Graham gegen Trumps Einreiseverbot gegen Bürger mehrerer muslimischer Länder, da es kontraproduktiv sei.[63] Mehrfach kritisierte McCain dessen Umgang mit der Presse. Nachdem Trump diese als "Volksfeinde" („the enemy of the American People!“) bezeichnet hatte, äußerte McCain im Februar 2017: „So fangen Diktatoren an“ („That’s how dictators get started“).[64] Im Oktober 2017 rechnete McCain in einer Rede mit dem politischen Zeitgeist ab, der in und um das Weiße Haus herrsche,[65] unter anderem mit dem identitären Nativismus und der isolationistischen Haltung America First, die Trump, sein Redenschreiber Stephen Miller und auch sein ehemaliger Chefberater Stephen Bannon propagieren.[66] McCain setzte sich Anfang Mai 2018 gegen von Trump als Direktorin der Central Intelligence Agency vorgeschlagene Gina Haspel ein, da sie nach 9/11 Folter gebilligt hatte. Daraufhin wurde die Äußerung einer Mitarbeiterin des Weißen Hauses öffentlich, McCains Ablehnung sei irrelevant, da er sowieso bald sterbe. Der Satz sorgte für parteiübergreifende Empörung, blieb aber ohne Entschuldigung oder personelle Folgen im Weißen Haus.[67]

McCains im Mai 2018 erscheinenden Memoiren („The Restless Wave“, Simon & Schuster) sind als schonungslose Abrechnung mit Donald Trumps Präsidentschaft angekündigt.[68] Darin machte McCain öffentlich, dass er das Steele-Dossier 2016 an das FBI weitergegeben habe, in dem eine kollusive Zusammenarbeit von Donald Trumps Wahlkampagne mit russischen Stellen behauptet wird, woraufhin Ermittlungen aufgenommen wurden.[69]

Ehrungen und AuszeichnungenBearbeiten

WerkeBearbeiten

HörbücherBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: John McCain – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wikisource: John McCain – Quellen und Volltexte (englisch)

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Gary Boyd Roberts: On the Ancestry, Royal Descent, and English and American Notable Kin of Senator John Sidney McCain IV (Memento vom 15. September 2008 im Internet Archive). In: NewEnglandAncestors.org.
  2. a b c d e f Sean Wilentz: John McCain. In: Encyclopædia Britannica, 15. Februar 2018.
  3. McCain’s WMD is a mouth that won’t quit. In: USA Today, November 2007 (englisch).
  4. Amanda Macias: John McCain describes what it was like to be a war prisoner in Vietnam. In: Business Insider, 20. Juli 2015 (englisch).
  5. USA: McCain steigt ins Rennen ums Präsidentenamt ein. In: Die Welt, 1. März 2007 (englisch).
  6. P.O.W. Commander Among 108 Freed. In: The New York Times. Abgerufen am 3. August 2013 (PDF, englisch).
  7. Elliot Hannon: Sen. John McCain Diagnosed With Aggressive Form of Brain Tumor. In: Slate, 19. Juli 2017 (englisch).
  8. Dan Nowicki: John McCain to continue radiation treatments while working in the Senate. In: AZCentral.com, 12. September 2017 (englisch).
  9. Jonathan Martin: At His Ranch, John McCain Shares Memories and Regrets With Friends. In: The New York Times, 5. Mai 2018.
  10. McCain, John. In: OurCampaigns.com.
  11. In Upset, N.Y. Consumer Lawyer to Face D’Amato. In: The Washington Post, 10. September 1986; McCain, John. In: OurCampaigns.com.
  12. Joe Ferguson: Kirkpatrick, Trump giving McCain his toughest race. In: Arizona Daily Sun, 2. Oktober 2016 (englisch).
  13. Alan Rappeport: John McCain Withdraws Support for Donald Trump After Disclosure of Recording. In: The New York Times, 8. Oktober 2016 (englisch).
  14. Another six years: John McCain wins Senate race over Ann Kirkpatrick. In: KTAR.com, 8. November 2016 (englisch).
  15. Richard Gooding: The Trashing of John McCain. In: Vanity Fair, 24. September 2004.
  16. Philip Shenon: McCain Once Almost Left the GOP. What About Now? In: Politico, 30. Juli 2017 (englisch).
  17. McCain Looks Confident; Democratic Race Tightens. In: The New York Times, 4. Februar 2008 (englisch).
  18. Endergebnis der 44. US-Präsidentschaftswahl im Jahr 2008: Barack Obama vs. John McCain. In: Statista.com, 4. November 2008.
  19. Enttäuschung in Arizona: McCain räumt seine Niederlage ein. In: Spiegel Online, 5. November 2008.
  20. McCains Rede im Wortlaut: „Amerikaner geben niemals auf“. In: Spiegel Online, 5. November 2008.
  21. a b Harry Enten: Is John McCain A Maverick? In: FiveThirtyEight, 27. Februar 2017 (englisch).
  22. Kandidatensuche in den USA. In: n-tv.de, 6. März 2007.
  23. Tobias Betz: McCain und seine konservativen Feinde. In: Stern.de, 12. Februar 2008.
  24. Bush mobilisiert Konservative im US-Wahlkampf (Memento vom 10. Februar 2008 im Internet Archive). In: Financial Times Deutschland, 8. Februar 2008.
  25. Minister: Split with McCain ‘best for both of us’. In: CNN.com, 22. Mai 2008 (englisch).
  26. McCain’s Shift Makes Him Senate’s Most Conservative. In: National Journal, 24. Februar 2011 (englisch).
  27. McCain ärgert sich über die «Tea-Party-Hobbits». In: Basler Zeitung, 28. Juli 2011.
  28. Sebastian Fischer: Abstimmung im US-Senat – Republikanern droht Bruderkampf um Einwanderungsreform. In: Spiegel Online, 28. Juni 2013.
  29. Sebastian Graefe: Perspektiven US-amerikanischer Außenpolitik nach Bush Jr. In: Heinrich-Böll-Stiftung, 17. Juli 2008.
  30. Einig im Kampf gegen die „Fratze des Terrors“. In: Welt Online, 3. Februar 2002.
  31. McCain criticizes Pentagon on Iraq war. In: CNN.com, 5. Dezember 2004 (englisch).
  32. U.S. Mideast Commander: Violence in Iraq Down Dramatically, but Gains Not Irreversible. In: Fox News, 4. März 2008 (englisch).
  33. Siehe dazu insgesamt Bill Schneider: The persistence of John McCain. In: CNN, 10. Dezember 2005 (englisch); Marc Santora: McCain’s Stance on Torture Becomes Riveting Issue in Campaign. In: The New York Times, 16. November 2007 (englisch); Bush will weiter foltern lassen. In: Die Tageszeitung, 9. März 2008.
  34. McCain on Iran: Military Option Is ‘Last Option’. In: National Public Radio, 23. Januar 2006 (englisch).
  35. McCain Jokes About Bombing Iran. In: The Washington Post, 19. April 2007 (englisch).
  36. Schwenk in der Antiterrorpolitik: Republikaner werfen Obama „Kapitulation“ vor. In: N24, 24. Mai 2013 (englisch).
  37. John McCain: Die politischen Positionen. In: n-tv, 22. August 2008.
  38. a b John McCain: An Enduring Peace Built on Freedom – Securing America’s Future. In: Foreign Affairs, November/Dezember 2007 (englisch, veröffentlicht auch in der New York Times).
  39. US-Senator McCain wirbt für Europa. In: Sueddeutsche.de, 15. Dezember 2013.
  40. Republikaner John McCain: „Putin ist ein Mörder und Verbrecher“. In: FAZ.net, 12. Januar 2017.
  41. McCain Blasts Lukashenko As ‘Brutal Tyrant’. In: CBS News, 4. Februar 2011.
  42. USA/Türkei: US-Senator betitelt türkischen Regierungschef als „Diktator“. In: Shortnews.de, 7. Juni 2013.
  43. Machtkampf in Ägypten: US-Republikaner solidarisieren sich mit Muslimbrüdern. In: Spiegel Online, 6. August 2013.
  44. US-Senatoren wollen Waffen an syrische Rebellen liefern. In: Zeit Online, 8. September 2012.
  45. McCain drängt Obama zu Angriff auf Syrien. In: Zeit Online, 23. August 2013.
  46. McCain will Assads Sturz beschleunigen. In: Zeit Online, 28. August 2013.
  47. Ansgar Graw: Einflussreiche Republikaner wollen Assad angreifen. In: Welt Online, 3. September 2013.
  48. Merkels Handy: Republikaner John McCain fordert Entschuldigung von Obama. In: Spiegel Online, 10. November 2013.
  49. Corwin Smidt, Kevin den Dulk, Bryan Froehle, James Penning, Stephen Monsma, Douglas Koopman: The Disappearing God Gap?: Religion in the 2008 Presidential Election. Oxford University Press, Oxford 2010, S. 113.
  50. Brooks Jackson: McCain’s Position on Abortion. In: FactCheck.org, 8. September 2008 (englisch).
  51. Tanene Allison: McCain On Gay Rights: No Marriage, No Adoptions, No HIV/AIDS Prevention Plan. In: The Huffington Post, 30. Oktober 2008 (englisch).
  52. McCain OK with gays’ legal accords; marriage is another thing. In: Arizona Daily Star, 25. November 2006 (englisch).
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  70. Dekret des Präsidenten der Ukraine Nr. 340/2016 vom 22. August 2016; abgerufen am 20. Oktober 2016 (ukrainisch)
  71. sueddeutsche.de: Tränen auf dem Galadinner
  72. Rezension (FAZ.net)