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GlaxoSmithKline

Britisches Pharmaunternehmen
GlaxoSmithKline plc

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Rechtsform Public limited company
ISIN GB0009252882
Gründung 2000
Sitz London, Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich
Leitung
  • Emma Walmsley, CEO
Mitarbeiterzahl ca. 100.000 (2018)[1]
Umsatz 30,2 Mrd. GBP (2017)[1]
Branche Pharma
Website www.gsk.com

Konzernzentrale in London
GlaxoSmithKline, ehemalige Administration in Hamburg, 2013 abgerissen
GSK Bio in Dresden
GlaxoSmithKline-Fabrik in Ulverston, Vereinigtes Königreich, 2008

Die GlaxoSmithKline plc (GSK) ist ein britisches Pharmaunternehmen mit Hauptsitz in London. Das Unternehmen hat weitere Produktionsstätten in Europa sowie in Nordamerika und Asien. Außer Arzneimitteln und Impfstoffen werden auch Gesundheitsprodukte und Hygieneartikel hergestellt. Am 22. April 2014 verkündete der Konzern einen Großumbau per Tauschgeschäft: Für insgesamt 16 Milliarden US-Dollar übernimmt Novartis die Krebsmedikamente des Konzerns, der im Gegenzug 7,1 Milliarden Dollar plus Umsatzbeteiligung für die Novartis-Impfstoffe zahlt.[2] Sein OTC-Arzneimittel-Geschäft brachte Novartis in ein Joint Venture mit GSK ein.[3] Am 27. März 2018 verkündeten die beiden Unternehmen, GSK werde die Novartis-Anteile an dem Joint Venture für 13 Milliarden US-Dollar übernehmen[4].

Unter den umsatzstärksten Pharmaunternehmen weltweit nimmt GlaxoSmithKline derzeit den siebten Rang ein.[5] In den Forbes Global 2000 der weltweit größten Unternehmen belegt GlaxoSmithKline Platz 226 (Stand: Geschäftsjahr 2017). Das Unternehmen kam Mitte 2018 auf einen Börsenwert von ca. 99 Mrd. US-Dollar.[6]

Inhaltsverzeichnis

UnternehmensprofilBearbeiten

Die GlaxoSmithKline plc beschäftigt ca. 100.000 Mitarbeiter. Das Unternehmen gibt für 2017 30,2 Mrd. Britische Pfund als Umsatz an. Die Gewinne vor Steuern (adjusted operating profit) lagen 2017 bei 8,6 Milliarden Pfund. Die Ausgaben für R&D lagen bei 3,9 Milliarden Pfund, ein ebenso hoher Betrag wurde als Dividende ausgeschüttet.[1]

Der Konzern investiert in eigene Forschung, um neue Medikamentenwirkstoffe zu entwickeln. Nach eigenen Angaben arbeitet jeder sechste Mitarbeiter im Bereich Forschung, und es werden täglich 13 Millionen Euro dafür investiert.[7] Die Forschungsanstrengungen richten sich auch auf Krankheiten, die vorwiegend in unterentwickelten Ländern verbreitet sind. GSK nimmt daher für sich in Anspruch, neben dem vorrangigen Unternehmenszweck der Gewinnerzielung auch humanitäre Ziele zu verfolgen. Das Unternehmens beschreibt sein Ziel mit dem Motto: to help people do more, feel better, live longer.[8]

GlaxoSmithKline ist unter anderem an der NYSE und der LSE gelistet. CEO ist Emma Walmsley. Aufsichtsratsvorsitzender ist seit Mai 2015 Sir Philip Hampton.[9]

In Deutschland hat das Unternehmen Standorte in Bad Oldesloe, Berlin, Bühl, Dresden (GlaxoSmithKline Biologicals Dresden), Marburg, Hamburg, Heidelberg (Boxberg) und München.

UnternehmensbereicheBearbeiten

GlaxoSmithKline gliedert sich nach den hergestellten Produkten in drei Bereiche:

  • GSK Pharma stellt Medikamente zur Therapie von Krankheiten her
  • GSK Vaccines/Biologicals (GSK Bio) stellt Impfstoffe zur Prophylaxe vor Krankheiten her
  • GSK Consumer Healthcare stellt Gesundheitsprodukte und Hygieneartikel her

Geschichte/KritikBearbeiten

Im Dezember 2000 entstand GlaxoSmithKline plc. aus der Fusion von Glaxo Wellcome und SmithKline Beecham. Wie auch andere forschende Pharmaunternehmen arbeitete GSK daran, seine Patente auf chemischen Formeln und die damit verbundenen Markenrechte zu schützen. So zog GSK 2002 vor Gericht, um ein Patent auf Amoxicillin und 2003 auf Paroxetin zu schützen; beide Verfahren gingen verloren.

Auf der Aktionärsversammlung am 19. Mai 2003 verweigerten die Aktionäre die Auszahlung von 22 Millionen Pfund als Bonuszahlung an Jean-Pierre Garnier. Das war das erste Mal, dass Aktionäre sich so gegen einen großen britischen Konzern wehrten. Es gilt als Wendepunkt beim Kampf der Aktionäre gegen die überhöhten Boni für Vorstände.

Im Juni 2004 stand GSK vor Gericht und musste sich gegen den Vorwurf verteidigen, klinische Studien zu verhindern. Diese Studien sollten zeigen, ob der gegen Depressionen eingesetzte Wirkstoff Paroxetin tatsächlich effektiver ist als Placebos, oder im Gegenteil das Suizidrisiko junger Menschen, die an Depressionen leiden, erhöht.

Die BBC sendete in diesem Zusammenhang 2004 einen Bericht, dem zufolge GlaxoSmithKline plc. in New Yorker Kinderheimen an HIV-positiv getesteten Kindern unerprobte Medikamente anwendete.[10][11]

Aber erst Jahre später kam es zu einem Abschluss des Gerichtsverfahrens: Im Juli 2012 wurde das Unternehmen zu einer Strafe von 3 Milliarden Dollar aufgrund straf- und zivilrechtlicher Anklagen wegen illegaler Arzneimittelbewerbung und Zurückhalten von Informationen zur Sicherheit von Medikamenten verurteilt. Nach Aussage des US-Justizministeriums war dies bis zu diesem Zeitpunkt der größte Betrugsfall im Gesundheitsbereich und auch die höchste jemals gezahlte Ausgleichssumme eines Arzneimittelherstellers in den USA.[12][13]

In dem Bemühen, die Transparenz von klinischen Studien zu erhöhen, hat GSK als erstes Pharmaunternehmen 2004 damit begonnen, die Ergebnisse von klinischen Studien mit detaillierten Daten im Internet zu veröffentlichen. Im sogenannten GSK Study Register[14] werden sukzessive Daten von allen Studien zu GSK-Produkten veröffentlicht, die der Konzern selbst durchgeführt oder finanziell unterstützt hat. Dies ist unabhängig davon, ob die Studienergebnisse „opportun“ waren. Inzwischen ist die öffentliche Registrierung von klinischen Studien in die Deklaration von Helsinki aufgenommen, und ist für Ärzte in Deutschland berufsrechtlich verbindlich vorgeschrieben.

2009 gründete GlaxoSmithKline mit Pfizer ein Joint-Venture für HIV-Medizin. Somit bündelten die beiden Unternehmen Forschung, Entwicklung und Vermarktung von Medikamenten gegen das Immunschwächevirus. Durch die Kooperation der Pharmakonzerne werden die hohen Kosten, die auf dem Gebiet der HIV- und AIDS-Forschung anfallen, geteilt.[15] Noch im Frühjahr des gleichen Jahres übernahm GlaxoSmithKline den US-Hautpflegehersteller Stiefel Laboratories für bis zu 3,6 Mrd. Dollar. GSK zahlte 2,9 Mrd. Dollar bar und übernahm zusätzlich Stiefels Schulden.[16]

Im Februar 2010 versuchte der GlaxoSmithKline-Forschungsleiter Slaoui die Veröffentlichung eines kritischen Artikels[17] über Rosiglitazon im European Heart Journal zu verhindern.[18] Im Juli wurde GSK in einem Brief des US-amerikanischen Senate Finance Committee beschuldigt, Informationen über Probleme mit diesem Medikament nicht zeitgerecht veröffentlicht zu haben.[19] Im Sommer 2012 wird der Sitz in London zu einem akkreditierten Laboratorium für Dopingtests während der Olympischen Sommerspiele umfunktioniert.

Das US-amerikanische Unternehmen Human Genome Sciences wird im Juli von GlaxoSmithKline übernommen.[20]

Im Juli 2013 erhob die chinesische Polizei einen schwerwiegenden Bestechungsvorwurf gegen GlaxoSmithKline: Der Pharmakonzern soll Millionen an chinesische Ärzte gezahlt haben.[21][22] Im Mai 2014 formulierten chinesische Behörden das erste Mal Vorwürfe in dieser Angelegenheit nicht nur gegen chinesische, sondern jetzt auch gegen einen britischen Verantwortlichen der Firma.[23]

ProdukteBearbeiten

MedikamenteBearbeiten

Auswahl von Medikamenten (Wirkstoff in Klammern) mit Anwendungsgebiet:

ImpfstoffeBearbeiten

Der Bereich von GSK, der sich mit der Impfstoffproduktion beschäftigt, nennt sich GSK Vaccines/Biologicals (GSK Bio) mit Hauptsitz in Rixensart in Belgien. Dort ist auch seit langem die Entwicklungsabteilung angesiedelt, weshalb die Impfstoffe bei GSK traditionell auf „-rix“ für Rixensart enden.

In Dresden betreibt das Unternehmen das ehemalige Sächsische Serumwerk. Dort produzierte GSK Bio im Jahre 2007 70 Millionen Dosen Grippeimpfstoff und erreichte damit einen Weltmarktanteil von 14 Prozent.[24] Außerdem befinden sich in Marburg die Behringwerke, wo GSK auf dem MARS (MARburger Standort) ebenfalls Impfstoffe produziert.

Insgesamt werden 30 zugelassene Impfstoffe hergestellt, und weitere 20 befinden sich in der Entwicklung[25].

Handelsnamen (Auswahl):

Gesundheitsprodukte und Hygieneartikel (Auswahl)Bearbeiten

  • Besser AtmenNasenpflaster gegen Schnarchen
  • Cetebe – Produktlinie von Nahrungsergänzungsmitteln und Arzneimitteln zur Vorbeugung vor und Behandlung von Erkältungskrankheiten
  • Corega – Gebissreiniger und Haftcreme
  • Dr. Best – Zahnbürsten
  • Lactacyd Femina – Intimpflegeprodukte
  • LucozadeEnergy-Drink
  • Naaprep – Nasentropfen und Nasenspray
  • Odol – Mundpflegeserie
  • Parodontax – Zahnpasta
  • Sensodyne – Zahnpasta, Zahnbürsten, Mundspülung, Zahnseide
  • Settima – Zahnpasta
  • Voltaren

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Key facts gsk.com, abgerufen am 14. August 2018.
  2. APOTHEKE ADHOC: Tauschgeschäft der Pharma-Giganten
  3. APOTHEKE ADHOC: Der neue OTC-Riese
  4. Voltaren, Fenistil, Sensodyne: Novartis steigt bei Joint-Venture aus – und erhält 13 Milliarden Dollar. 27. März 2018 (handelsblatt.com [abgerufen am 27. März 2018]).
  5. Pharm Exec’s Top 50 Companies 2018 pharmexec.com, 10. August 2018
  6. The World’s Largest Public Companies. In: Forbes. (forbes.com [abgerufen am 17. Juli 2018]).
  7. glaxosmithkline.de: Forschung
  8. About us gsk.com
  9. Board of Directors: Sir Philip Hampton, Non-Executive Chairman gsk.com
  10. BBC-Bericht vom 30. November 2004 zur Anwendung von nichterprobten Medikamenten and Kindern
  11. Freace.de deutsche Zusammenfassung des BBC-Berichtes
  12. Bloomberg: GlaxoSmithKline Agrees to Pay $3 Billion in U.S. Drug Settlement
  13. GlaxoSmithKline - Seroxat (Paroxetin / Paxil) - Strafe 3 Milliarden Dollar. In: depression-heute.de. Peter Ansari, Sabine Ansari, abgerufen am 26. Juni 2018.
  14. GSK Study Register. GlaxoSmithKline, abgerufen am 26. Juni 2018 (englisch).
  15. GlaxoSmithKline und Pfizer gründen Joint-Venture für HIV-Medizin
  16. GlaxoSmithKline übernimmt US-Hautspezialist Stiefel
  17. S. E Nissen: The rise and fall of rosiglitazone. In: European Heart Journal. 31, Nr. 7, April 2010, S. 773–6. doi:10.1093/eurheartj/ehq016. PMID 20154334.
  18. T. F. Lüscher, U. Landmesser, F. Ruschitzka: Standing firm–the European Heart Journal, scientific controversies and the industry Archiviert vom Original am 27. Februar 2012. In: European Heart Journal. 31, Nr. 10, Mai 2010, S. 1157–8. doi:10.1093/eurheartj/ehq127. PMID 20418345.
  19. Max Baucus, Chuck Grassley: Finance Committee Letter to the FDA Regarding Avandia. United States Senate Committee on Finance, 12. Juli 2010, abgerufen am 24. August 2010.
  20. Financial Times Deutschland: Arzneimittelhersteller Human Genome stimmt Übernahme durch GlaxoSmithKline zu (Memento vom 18. Juli 2012 im Internet Archive)
  21. Bestechungsvorwurf gegen Glaxo-Smith-Kline, SPON vom 15. Juli 2013
  22. GSK response to China investigation. GSK, 15. Juli 2013, abgerufen am 8. August 2017 (englisch).
  23. China accuses British GlaxoSmithKline executive in bribery case. In: Guardian. 14. Mai 2014, abgerufen am 14. Mai 2014 (englisch): „Chinese police have accused a British executive in drugs maker GlaxoSmithKline's China unit of ordering his salespeople to bribe doctors and hospital officials to use the company's products. Wednesday's announcement marks the first time a foreign employee in China of British-based GSK has been accused in connection with the bribery allegations against the company.“
  24. Dresdner Neueste Nachrichten: www.archive-de.com » DE » G » GLAXOSMITHKLINE.DE
  25. innovations-report.de: Unternehmensmeldung 16. Oktober 2006