Hauptmenü öffnen

Bümpliz

Quartier/"Statistischer Bezirk", im Stadtteil Bümpliz-Oberbottigen/Stadtteil VI in der Stadt Bern, Schweiz


Bümpliz ist ein zum Stadtteil VI Bümpliz-Oberbottigen gehörendes Quartier im Westen von Bern. Der Stadtbach, welcher in die Aare mündet, fliesst teilweise untermauert oder renaturiert durch das Quartiergebiet.

Wappen von Bümpliz
Wappen von Bern
Bümpliz
Quartier von Bern
Karte von Bümpliz
Koordinaten 596245 / 199175Koordinaten: 46° 56′ 37″ N, 7° 23′ 22″ O; CH1903: 596245 / 199175
Höhe 558 m
Fläche 2,95 km²
Einwohner 15'884 (31. Dez. 2015)
Bevölkerungsdichte 5384 Einwohner/km²
BFS-Nr. 351029
Postleitzahl 3018
Stadtteil Bümpliz-Oberbottigen
Gemeindestand vor der Fusion am 1. Januar 1919

GeschichteBearbeiten

 
Turm der reformierten Kirche Bümpliz

Das heutige Gebiet wurde schon früh durch Menschen besiedelt; erste Zeugnisse stellen Funde von Keltengräbern dar, welche an der heutigen Morgenstrasse ausgehoben wurden. Der erst kürzlich entdeckte Gutshof, der während Umbauten zu Tage kam, stammt aus römischen Tagen. Der Name des Dorfes ist erstmals 1016 als Pimpenymgis und 1235 als Bimplitz beurkundet. Seit dem 7. Jahrhundert gab es dort eine dem Heiligen Mauritius geweihte Kirche, in deren Nähe ab dem 9. Jahrhundert ein hochburgundischer Königshof mit hölzernem Wehrbau errichtet wurde, an dessen Stelle heute das Alte Schloss Bümpliz steht. 1742 wurde daneben das Neue Schloss Bümpliz gebaut. Im 19. Jahrhundert beherbergte dieses eine Knabenerziehungsanstalt, die dem ganzen Dorf den berndeutschen Spitznamen Löffelschlyffi (Löffelschleiferei) eintrug. Mittlerweile dient das Schloss als Zivilstandsamt des Kreises Bern.

1860 erhielt Bümpliz eine Bahnstation (heute: Bern Bümpliz Süd) an der im selben Jahr eröffneten Linie Bern-Balliswil (1862 bis Lausanne) und 1901 eine zweite an der Linie Bern-Neuenburg (heute: Bern Bümpliz Nord).[1] Zwischen 1900 und 1910 wuchs die Bevölkerungszahl von 3323 auf 5286. Das Dorf geriet in Finanznot, und 1907 begannen die Verhandlungen zur Eingemeindung in die Stadt Bern, wo viele der neuen Einwohner arbeiteten. Die damaligen Vorgänge wurden von Carl Albert Loosli, dem "Philosophen von Bümpliz", im Roman Es starb ein Dorf beschrieben.

1919 war die Eingemeindung abgeschlossen. In der Folgezeit siedelten sich in Bümpliz zahlreiche Industrie- und Gewerbebetriebe an, und seit den 1950er Jahren entstanden hier mehrere Hochhausquartiere. Z.B. die Überbauungen Neuhaus, Tscharnergut, Schwabgut oder Gäbelbach, die bis zum heutigen Tag das Bild des Stadtteils prägen und einzigartig in der Schweizer Architekturlandschaft sind. Das Ende des 19. Jahrhunderts angelegte Gelände des heutigen Friedhofs Bümpliz wurde 1987 bis 1994 unter Mitwirkung des Künstlers Schang Hutter erweitert und besitzt seit 2003 als letzter der drei Stadtberner Friedhöfe eine eigene Abdankungshalle und eine ästhetische Urnenwand.

Erstmals wurde der Name Bümpliz im Lied "Bümpliz–Casablanca" (1989) durch die Band Züri West in die Musikwelt aufgenommen. Seit 1996 ist der Stadtteil überregional bekannt geworden durch das Lied "W. Nuss Vo Bümpliz" von Patent Ochsner.

BevölkerungBearbeiten

1990 wohnten in Bümpliz 17’216 (im gesamten Stadtteil VI 33’509) Menschen, 2009 waren es nur noch 15’832 (bzw. 31’380),[2] wobei sich die Bevölkerung im Jahr 2010 wieder auf 16'057 (32'405) erhöht hat.[3]

In der Bevölkerung herrscht bei einem Ausländeranteil von 28,9 % eine grosse kulturelle und ethnische Vielfalt.[3] Zahlenmässig am stärksten vertreten sind hierbei Italien (816 Menschen), gefolgt von Deutschland (392) und Mazedonien (390).[4]

Auch 38 % aller in Bern lebenden Spanier wohnen im Stadtteil VI. Sie bilden die drittgrösste ausländische Nation der Stadt. Ebenso sind die Mehrheiten der vier nächstgrösseren Nationen Portugal (54,0 %), Kosovo (63,0 %), Mazedonien (79,1 %) und Türkei (59,2 %) hier zu Hause, des Weiteren die grössten Gruppierungen von Personen aus Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Polen, Serbien sowie der Slowakischen und Tschechischen Republik.[5]

VerkehrsanbindungBearbeiten

Das Quartier ist verkehrstechnisch sehr gut erschlossen. Die BLS verbindet die Bahnhöfe Bümpliz Nord (Linie Bern-Neuenburg) und Bümpliz Süd (Linie Bern-Fribourg) mit Bern. Die Bahnhöfe selbst werden durch die Buslinie 27 untereinander erschlossen.

Bümpliz ist durch die Linie 7 der Strassenbahn Bern direkt mit dem Bahnhof Bern und dem Ostring verbunden. Weiter verbindet die Buslinie 27 Niederwangen mit der Badeanstalt Weyermannshaus. Diese Linie fährt quer durch Bümpliz und bewirkt dadurch eine gute Erschliessung des Quartiers in sich und mit dem Nachbarquartier Bern-Bethlehem.

Mit dem Autobahnanschluss Bern-Bümpliz/Köniz ist das Quartier, mit der A12, an das Schweizer Autobahnnetz angeschlossen.

SportBearbeiten

Der Fussballklub SC Bümpliz 78 hat in der Schweiz schon einige Erfolge verbuchen können. Das Grösste war 1991/92 als der Club in der Nationalliga B spielte. Zurzeit spielt er in der 2. Liga.

Im Eishockey hatte der EHC Rot-Blau Bern-Bümpliz seinen grössten Erfolg 1975/76, als er in der National League B spielte. Zurzeit spielt er in der Regio League.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

EinzelbautenBearbeiten

Reformierte KircheBearbeiten

Die reformierte Kirche entstand ursprünglich um das Jahr 1000. Sie wurde nach einem Brand 1666 in die heutige Form gebracht und 1678 durch Abraham Dünz erweitert.[6] Die katholische St. Antonius-Kirche an der Morgenstrasse wurde 1961 eingeweiht. Sie ist der Nachfolgebau der Kirche von 1927, die 1959 abgerissen wurde.

Altes und neues SchlossBearbeiten

Das Alte Schloss geht auf einen ab dem 9. Jahrhundert als hölzerner Wehrbau errichteten hochburgundischen Königshof zurück. 1954 kaufte es die Stadt Bern und liess es 1979–1980 renovieren. Heute beherbergt das Schloss ein Restaurant sowie das Ortsarchiv Bümpliz. Das Neue Schloss wurde 1742 neben dem nunmehr sogenannten Alten Schloss erbaut. Heute wird es als so genanntes besonderes externes Zeremonielokal[7] verwendet.

Weitere KulturgüterBearbeiten

Siedlungen der NachkriegszeitBearbeiten

Bümpliz weist zusammen mit dem benachbarten Bethlehem eine der bedeutendsten Architekturlandschaften der Nachkriegszeit der Schweiz auf. Als Bern nach dem Zweiten Weltkrieg erstmals über 100’000 Einwohner zählte, musste dringend neuer Wohnraum geschaffen werden, und so kauften Baukonsortien und die Stadt Bern viele der grossen bernburgerischen Landgüter im heutigen Stadtteil VI auf, um auf ihnen zuerst grosse Ein- und Mehrfamilienhausquartiere wie z. B. den Bethlehemacker und die Meienegg, später auch grossflächige Wohnüberbauungen wie z. B. das Tscharnergut oder das Kleefeld, zu errichten.[8]

LiteraturBearbeiten

  • Simon Schütz; Paul Müller, Bümpliz. Eine Ortsgeschichte, Bern: Haupt 1952 (Berner Zeitschrift für Geschichte und Heimatkunde. Beiheft; 5)
  • Paul Loeliger, Altes Bümpliz. Schöne Dorfbilder, Bern: Verlag Verbandsdruckerei-Betadruck 1983
  • Paul Loeliger; Hans Sarbach; Erwin Wolf, Altes Schloss Bümpliz. Ein Überblick auf Geschichte, Restaurierung und Betrieb, Bümpliz: Schlossverein Bümpliz 1983
  • Quartierinventar Bümpliz 1993, Auftrag: Denkmalpflege der Stadt Bern, Bearb.: Gottfried Derendinger; Hans-Peter Ryser, Bern: Denkmalpflege 1994
  • Quartierinventar Bethlehem 1994, Auftrag: Denkmalpflege der Stadt Bern, Bearb.: Gottfried Derendinger; Hans-Peter Ryser, Bern: Denkmalpflege 1995
  • Emil Erne (Red.), Bümpliz: Königshof, Bauerndorf, Stadtteil. Zur Geschichte der alten Gemeinde Bümpliz und des Stadtteils VI der Stadt Bern, hrsg. von der Bernischen Gesellschaft zur Pflege des Stadt- und Landschaftsbildes (GSL) und der Quartierkommission Bümpliz-Bethlehem (QBB), Bümpliz: GSL; QBB 1994
  • Paul Loeliger; Emil Erne, Bümpliz in alten Ansichten, Zaltbommel: Europäische Bibliothek 1999
  • Anne-Catherine Schröter; Raphael Sollberger; Dieter Schnell; Michael von Allmen "Siedlungen der Nachkriegszeit in Bümpliz-Bethlehem", Bern: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte 2018, ISBN 978-3-03797-350-9

WeblinksBearbeiten

  Commons: Bümpliz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Vgl. Emil Erne (Red.), Bümpliz: Königshof, Bauerndorf, Stadtteil. Zur Geschichte der alten Gemeinde Bümpliz und des Stadtteils VI der Stadt Bern, hrsg. von der Bernischen Gesellschaft zur Pflege des Stadt- und Landschaftsbildes (GSL) und der Quartierkommission Bümpliz-Bethlehem (QBB), Bümpliz: GSL; QBB 1994, S. 52. Vgl. auch: Topographische Karte der Schweiz 1:100'000 (Dufourkarte), Blatt 12: Fribourg, Bern, 1864.
  2. Statistisches Jahrbuch der Stadt Bern – Berichtsjahr 2009 (PDF; 6,9 MB), S. 47. Abgerufen am 7. September 2018.
  3. a b Statistisches Jahrbuch der Stadt Bern – Berichtsjahr 2010 (PDF; 6,5 MB) S. 36 f.
  4. Statistisches Jahrbuch der Stadt Bern – Berichtsjahr 2010 (PDF; 6,5 MB) S. 40 f.
  5. Statistik Stadt Bern, Statistisches Jahrbuch 2016.
  6. Website der reformierten Kirche
  7. Polizei- und Militärdirektion des Kantons Bern: Zeremonielokal Schloss Bümpliz. Kanton Bern, abgerufen am 31. Juli 2019.
  8. Anne-Catherine Schröter, Raphael Sollberger, Dieter Schnell, Michael von Allmen: Siedlungen der Nachkriegszeit in Bümpliz-Bethlehem. Hrsg.: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Nr. 1025. Bern 2018, ISBN 978-3-03797-350-9.