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Serrières (Ardèche)

französische Gemeinde

Serrières ist eine französische Gemeinde mit 1.154 Einwohnern (Stand: 1. Januar 2016) im Département Ardèche in der Region Auvergne-Rhône-Alpes.

Serrières
Serrières (Frankreich)
Serrières
Region Auvergne-Rhône-Alpes
Département Ardèche
Arrondissement Tournon-sur-Rhône
Kanton Sarras
Gemeindeverband Annonay Rhône Agglo
Koordinaten 45° 19′ N, 4° 46′ OKoordinaten: 45° 19′ N, 4° 46′ O
Höhe 135–371 m
Fläche 3,96 km2
Einwohner 1.154 (1. Januar 2016)
Bevölkerungsdichte 291 Einw./km2
Postleitzahl 07340
INSEE-Code
Website http://www.serrieres.fr/

Blick über die Rhône auf Serrières

Inhaltsverzeichnis

GeografieBearbeiten

 
Blick vom Quartier du Tromph auf die Unterstadt, im Hintergrund Sablons

Serrières liegt im französischen Rhonetal, knapp 30 Kilometer südlich von Vienne am Ostrand des Mézenc-Gebirges und am Westufer der Rhone. Nachbargemeinden sind im Süden Peyraud, im Südwesten Peaugres, im Westen Félines, im Nordwesten Charnas, im Norden Limony und im Osten, am gegenüberliegenden Flussufer, Sablons. Die Rhone bildet die Grenze zum benachbarten Département Isère.

Der Ort teilt sich in den mittelalterlichen Ortskern Quartier du Tromph unterhalb der Fundamente der ehemaligen Burg und die entlang der Rhone gelegene Unterstadt Quartier Saint-Sornin. Der vormals selbstständige Marktort Saint-Sornin wurde bereits im Mittelalter mit Serrières vereinigt.[1]

NameBearbeiten

Der Ortsname lässt sich auf das lateinisch-keltische Castrum Sarerie zurückführen. „Castrum“ heißt Fort, „sarerie“ (franz.: resserré) bedeutet „eingezwängt“. Damit wird die Lage zwischen dem Fluss und den angrenzenden Hügeln des Vivarais beschrieben. Er wandelte sich im Lauf der Geschichte von Sarriera partus (972) über Sararia (14. Jahrhundert) und Seriere (1464) nach Serreriis (1875). Von 1794 bis 1801 trug die Stadt, aufgrund ihres bedeutenden Hafens, den Revolutionsnamen Port du Mézenc („Hafen des Mézenc“).[2] Aufgrund seiner Lage nahe der Schnittstelle von vier Départements trägt Serrières den Beinamen Porte de l'Ardèche („Tor zum Département Ardèche“).

GeschichteBearbeiten

 
Die Hängebrücke verbindet Serrières mit Sablons (links)
 
Eisenbahnviadukt im Quartier Saint-Sornin
 
Tour des pénitents

Vor der Eroberung durch Julius Caesar war das Gebiet vom gallischen Stamm der Helvii besiedelt. Aus der gallorömischen Zeit wurden Relikte in der Nähe des Ortes gefunden. Im Jahr 408 wurde Serrières von den Vandalen verwüstet, 733 von den Mauren bei deren Rückzug nach der Schlacht von Tours und Poitiers.

Zwischen 970 und 1040 wurde Serrières mehrfach von Hungersnöten und Epidemien heimgesucht. Im 14. Jahrhundert plünderten dreimal umherziehende Söldner den Ort, zudem wütete die Pest.

Zunächst war das Gebiet ein Lehen der Grafen von Albon. Ende des 11. Jahrhunderts ging die Suzeränität an den Grafen von Roussillon über. Im 13. Jahrhundert wurden eine Burg und ein Bergfried schriftlich erwähnt, 1414 die Stadt als Handelsplatz mit zahlreichen Märkten und vier Jahrmärkten. Von Bedeutung war der Hafen, wo vor allem Wein und Salz ausgeladen und mit Maultieren weiter in die Berge transportiert wurden. 1299 erhielt Serrières einen Freibrief und durfte ab 1368 von den Flussschiffern Wegzoll einfordern.

Im Verlauf des Fünften Religionskriegs wurde die Burg 1574 auf Befehl des katholischen Königs zerstört.[2] Von 1585 bis 1587 fielen dem Hunger und der Pest drei Viertel der Bevölkerung zum Opfer. 1619 wurde die Kapelle Notre-Dame de la Pitié errichtet, wegen Baufälligkeit aber bald wieder aufgegeben. Die heutige Kirche stammt aus dem Jahr 1702.

Im 17. Jahrhundert wechselte durch Eheschließungen und Mitgift mehrmals die herrschende Familie. Der letzte Herrscher, Ludwig Joseph von Bourbon, emigrierte als Folge der Revolution im Jahr 1791 in die Niederlande.

Wiederholt vernichteten Hagel und Frost die Ernten und führten zu Hungersnöten. Im strengen Winter von 1766 fror die Rhone zu und konnte sogar mit schweren Karren überquert werden.[1]

Am 12. Februar 1790 trat, nach ersten Wahlen mit 108 Abstimmenden, erstmals die Stadtverwaltung mit einem Bürgermeister zusammen. Drei Jahre später wurde die Kirche teilweise zerstört.

Ende des 18. Jahrhunderts existierten im Ort vier Kalköfen, drei Hutfabriken mit 100 Arbeitern und Branntweinbrennereien. Zu den zwei Seidenwebereien mit 300 Arbeitern aus dem Jahr 1760 kamen 1866/67 zwei weitere Betriebe mit 185 Arbeitern hinzu.

Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts wurden die Boote flussaufwärts von Menschen, bis ins 19. Jahrhundert hinein dann von Pferden und Ochsen getreidelt. 1829 fuhr erstmals ein Dampfschiff die Rhone hinauf und leitete den allmählichen wirtschaftlichen Niedergang des Ortes ein. Die örtlichen Schiffer, die vor allem Holz aus dem Mézenc verluden und Fährverkehr (bereits 1350 wurde eine Gierseilfähre erwähnt) betrieben, trafen zudem 1828 der Bau einer Hängebrücke zum jenseits des Flusses gelegenen Sablons und 1840 eine Überschwemmung, der viele ihrer Pferde zum Opfer fielen. Im Jahr 1851 gaben die ersten Schiffer auf. Von 1887 bis 1889 wurde ein neuer Hafen gebaut, um Dampfschiffen das Anlegen zu ermöglichen.

1878/79 wurde die Bahnstrecke Lyon–Nîmes auf gemauerten Viaduktbögen mitten durch die Unterstadt gebaut und eine Bahnstation angelegt. Da der Mittelpfeiler der ersten Straßenbrücke den Schiffsverkehr auf der Rhone behinderte, wurde sie 1933 durch eine neue Hängebrücke ersetzt.[3] Diese Brücke wurde 1944 von den deutschen Truppen bei deren Abzug zerstört. Die heutige Brücke stammt aus dem Jahr 1951.[4]

Während der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg beherbergte Serrières eine Garnison der Wehrmacht. Nach dem Bau eines 1976 eröffneten Rhone-Seitenkanals weist der einst schwer schiffbare Flussabschnitt am Ort nur noch eine geringe Strömung auf. Der Hafen wird seitdem nicht mehr von Schiffen angelaufen.

BevölkerungsentwicklungBearbeiten

Jahr 1793 1841 1876 1901 1921 1931 1946 1968 1982 1999 2008 2013
Einwohner 1.616 1.282 1.810 1.558 973 1.229 1.309 1.562 1.314 1.078 1.145 1.144

VerkehrBearbeiten

Im Ort kreuzen sich die Departementsstraßen 86 (frühere Route nationale 86) und 820 (frühere Route nationale 82). In etwa vier Kilometern Entfernung befindet sich eine Autobahnanschlussstelle der Autoroute A7 („Autoroute du Soleil“).

Der Bahnhof wurde zurückgebaut und außer Betrieb gesetzt, die zweigleisige Bahnstrecke ist ausschließlich im durchlaufenden Güterverkehr in Betrieb.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Ehemalige Kapelle Saint-Sornin
  • Die ehemalige Kapelle Saint-Sornin aus dem 12. Jahrhundert war die Kirche der Schiffer zur Zeit des Treidelns. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude wurde 1935 entweiht und beherbergt das Schiffermuseum Musée des mariniers.
  • Der „Büßerturm“ Tour des pénitents, ein Relikt der Kapelle Notre-Dame de la Pitié.
  • Die Hängebrücke Pont de Sablons (auch: Pont de Serrières), die als drittes Bauwerk seiner Art seit 1951 die Orte Serrières und Sablons über die Rhone hinweg verbindet. Ihre Mittelspannweite beträgt 185 Meter.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Serrières (Ardèche) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

LiteraturBearbeiten

  • Verschiedene Autoren: Dans les pas de Cévennes Terre de Lumière : A la découverte du patrimoine vivarois Tome 2, L'Ardèche du nord. 1. Auflage. Cévennes Terre de Lumière, 2006, ISBN 978-2-9518755-1-7, S. 159 ff.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Histoire de Serrières auf der Homepage der Gemeinde, abgerufen am 7. März 2016
  2. a b Verschiedene Autoren: Dans les pas de Cévennes Terre de Lumière : A la découverte du patrimoine vivarois Tome 2, L'Ardèche du nord. 1. Auflage. Cévennes Terre de Lumière, 2006, ISBN 978-2-9518755-1-7, S. 159.
  3. Pont routier de Sablons, ou Pont routier de Serrièrs bei patrimoine.rhonealpes.fr (französisch), abgerufen am 9. März 2016
  4. Pont de Sablons bei structurae, abgerufen am 5. März 2016