Olympische Sommerspiele 2008/Leichtathletik – 1500 m (Männer)

Wettbewerb bei den Olympischen Sommerspielen 2008

Der 1500-Meter-Lauf der Männer bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking wurde vom 15. bis zum 19. August 2008 im Nationalstadion Peking ausgetragen. Fünfzig Athleten nahmen daran teil.

Olympische Ringe
Beijing National Stadium, 2008 Beijing Summer Olympics.jpg
Sportart Leichtathletik
Disziplin 1500-Meter-Lauf
Geschlecht Männer
Teilnehmer 50 Athleten aus 32 Ländern
Wettkampfort Nationalstadion Peking
Wettkampfphase 15. bis 19. August 2008
Medaillengewinner
Goldmedaille KeniaKenia Asbel Kiprop (KEN)
Silbermedaille NeuseelandNeuseeland Nick Willis (NZL)
Bronzemedaille FrankreichFrankreich Mehdi Baala (FRA)
2004 2012

Olympiasieger wurde der Kenianer Asbel Kiprop, die Silbermedaille gewann der Neuseeländer Nick Willis und Bronze ging an den Franzosen Mehdi Baala.

Aktuelle TitelträgerBearbeiten

Olympiasieger 2004 Hicham El Guerrouj (Marokko  Marokko) 3:34,19 min Athen 2004
Weltmeister 2007 Bernard Lagat (Kenia  Kenia) 3:34,77 min Ōsaka 2007
Europameister 2006 Mehdi Baala (Frankreich  Frankreich) 3:39,02 min Göteborg 2006
Panamerikanischer Meister 2007 Hudson de Souza (Brasilien  Brasilien) 3.36.32 min Rio de Janeiro 2007
Zentralamerika und Karibik-Meister 2008 Isaías R. Haro (Mexiko  Mexiko) 3:45,15 min Cali 2008[1]
Südamerika-Meister 2007 Byron Piedra (Ecuador  Ecuador) 3:42,53 min São Paulo 2007[2]
Asienmeister 2007 Mohammed Shaween (Saudi-Arabien  Saudi-Arabien) 3:46,85 min Amman 2007[3]
Afrikameister 2008 Haron Keitany (Kenia  Kenia) 3:43,47 min Addis Abeba 2008
Ozeanienmeister 2008 Aunese Curreen (Samoa  Samoa) 3:48,76 min Saipan 2008[4]

Bestehende RekordeBearbeiten

Weltrekord 3:26,00 min Hicham El Guerrouj (Marokko  Marokko) Rom, Italien 14. Juli 1998[5]
Olympischer Rekord 3:32,07 min Noah Ngeny (Kenia  Kenia) Finale von Sydney, Australien 29. September 2000

VorläufeBearbeiten

Es fanden vier Vorläufe statt. Die jeweils fünf ersten – hellblau unterlegt – sowie die vier zeitschnellsten Athleten – hellgrün unterlegt – qualifizierten sich für das Halbfinale.

Vorlauf 1Bearbeiten

15. August 2008, 19:10 Uhr

Platz Name Nation Zeit Anmerkung
01 Mehdi Baala Frankreich  Frankreich 3:35,87 min
02 Nick Willis Neuseeland  Neuseeland 3:36,01 min
03 Daham Najim Bashir Katar  Katar 3:36,05 min
04 Tarek Boukensa Algerien  Algerien 3:36,11 min
05 Deresse Mekonnen Athiopien 1996  Äthiopien 3:36,22 min
06 Leonel Manzano Vereinigte Staaten  USA 3:36,67 min
07 Javier Carriqueo Argentinien  Argentinien 3:39,36 min
08 Reyes Estévez Spanien  Spanien 3:39,62 min
09 Taylor Milne Kanada  Kanada 3:41,56 min
10 Youssef Baba Marokko  Marokko 3:42,13 min
11 Wjatscheslaw Schabunin Russland  Russland 3:42,53 min

Vorlauf 2Bearbeiten

15. August 2008, 19:19 Uhr

Platz Name Nation Zeit Anmerkung
01 Asbel Kiprop Kenia  Kenia 3:41,28 min
02 Nathan Brannen Kanada  Kanada 3:41,45 min
03 Juan Carlos Higuero Spanien  Spanien 3:41,70 min
04 Bernard Lagat Vereinigte Staaten  USA 3:41,98 min
05 Antar Zerguelaïne Algerien  Algerien 3:42,30 min
06 Goran Nava Serbien  Serbien 3:42,92 min
07 Tom Lancashire Vereinigtes Konigreich  Großbritannien 3:43,40 min
08 Alistair Ian Cragg Irland  Irland 3:44,90 min
09 Hais Welday Eritrea  Eritrea 3:45,06 min
10 Mohammed Shaween Saudi-Arabien  Saudi-Arabien 3:45,82 min
11 Mitchell Kealey Australien  Australien 3:46,31 min
12 Isaiah Msibi Eswatini  Swasiland 3:51,35 min PB

Vorlauf 3Bearbeiten

15. August 2008, 19:28 Uhr

Platz Name Nation Zeit Anmerkung
01 Juan van Deventer Sudafrika  Südafrika 3:36,32 min
02 Arturo Casado Spanien  Spanien 3:36,42 min
03 Andrew Baddeley Vereinigtes Konigreich  Großbritannien 3:36,47 min
04 Abdalaati Iguider Marokko  Marokko 3:36,48 min
05 Lopez Lomong Vereinigte Staaten  USA 3:36,70 min
06 Belal Mansoor Ali Bahrain  Bahrain 3:36,84 min
07 Hudson de Souza Brasilien  Brasilien 3:37,06 min eigentlich für das Halbfinale qualifiziert
08 Demma Daba Athiopien 1996  Äthiopien 3:37,78 min
09 Tiidrek Nurme Estland  Estland 3:38,59 min NR
10 David Freeman Puerto Rico  Puerto Rico 3:39,70 min
11 Nicholas Kemboi Kenia  Kenia 3:41,56 min
12 Bayron Piedra Ecuador  Ecuador 3:45,57 min
13 Abdalla Abdelgadir Sudan  Sudan 3:47,65 min

Vorlauf 4Bearbeiten

15. August 2008, 19:37 Uhr

Platz Name Nation Zeit Anmerkung
01 Mohamed Moustaoui Marokko  Marokko 3:34,80 min
02 Augustine Kiprono Choge Kenia  Kenia 3:35,47 min
03 Christian Obrist Italien  Italien 3:35,91 min
04 Kevin Sullivan Kanada  Kanada 3:36,05 min
05 Carsten Schlangen Deutschland  Deutschland 3:36,34 min
06 Mulugeta Wendimu Athiopien 1996  Äthiopien 3:36,67 min
07 Thamer Kamal Ali Katar  Katar 3:41,08 min
08 Mahamoud Farah Dschibuti  Dschibuti 3:43,62 min
09 Chauncy Master Malawi  Malawi 3:44,96 min
10 Kamal Boulahfane Algerien  Algerien 3:45,59 min
11 Jeffrey Riseley Australien  Australien 3:53,95 min
DOP Rashid Ramzi Bahrain  Bahrain 3:32,89 min im Finale dabei, später disqualifiziert

HalbfinaleBearbeiten

Das Halbfinale wurde in zwei Läufen ausgetragen, in welchen sich die jeweils fünf besten Läufer – hellblau unterlegt – sowie die zwei Zeitschnellsten – hellgrün unterlegt – für das Finale qualifizierten.

Lauf 1Bearbeiten

17. August 2008, 21:55 Uhr

Platz Name Nation Zeit Anmerkung
01 Asbel Kiprop Kenia  Kenia 3:37,04 min
02 Abdalaati Iguider Marokko  Marokko 3:37,21 min
03 Juan Carlos Higuero Spanien  Spanien 3:37,31 min
04 Christian Obrist Italien  Italien 3:37,47 min
05 Belal Mansoor Ali Bahrain  Bahrain 3:37,60 min
06 Juan van Deventer Sudafrika  Südafrika 3:37,75 min
07 Daham Najim Bashir Katar  Katar 3:37,77 min
08 Carsten Schlangen Deutschland  Deutschland 3:37,94 min
09 Nathan Brennan Kanada  Kanada 3:39,10 min
10 Mulugeta Wendimu Athiopien 1996  Äthiopien 3:40,16 min
11 Antar Zerguelaïne Algerien  Algerien 3:40,64 min
12 Lopez Lomong Vereinigte Staaten  USA 3:41,00 min

Lauf 2Bearbeiten

17. August 2008, 22:04 Uhr

Platz Name Nation Zeit Anmerkung
01 Rashid Ramzi Bahrain  Bahrain 3:37,11 min
02 Mehdi Baala Frankreich  Frankreich 3:37,47 min
03 Andrew Baddeley Vereinigtes Konigreich  Großbritannien 3:37,47 min
04 Augustine Kiprono Choge Kenia  Kenia 3:37,54 min
05 Nick Willis Neuseeland  Neuseeland 3:37,54 min
06 Bernard Lagat Vereinigte Staaten  USA 3:37,79 min eigentlich für das Finale qualifiziert
07 Deresse Mekonnen Athiopien 1996  Äthiopien 3:37,85 min
08 Tarek Boukensa Algerien  Algerien 3:39,73 min
09 Kevin Sullivan Kanada  Kanada 3:40,30 min
10 Mohamed Moustaoui Marokko  Marokko 3:40,90 min
11 Arturo Casado Spanien  Spanien 3:41,57 min
12 Leonel Manzano Vereinigte Staaten  USA 3:50,33 min

FinaleBearbeiten

Platz Name Nation Zeit Anmerkung
01 Asbel Kiprop Kenia  Kenia 3:33,11 min
02 Nick Willis Neuseeland  Neuseeland 3:34,16 min
03 Mehdi Baala Frankreich  Frankreich 3:34,21 min
04 Juan Carlos Higuero Spanien  Spanien 3:34,44 min
05 Abdalaati Iguider Marokko  Marokko 3:34,66 min
06 Juan van Deventer Sudafrika  Südafrika 3:34,77 min
07 Belal Mansoor Ali Bahrain  Bahrain 3:35,23 min
08 Andrew Baddeley Vereinigtes Konigreich  Großbritannien 3:35,37 min
09 Augustine Kiprono Choge Kenia  Kenia 3:35,50 min
10 Daham Najim Bashir Katar  Katar 3:37,68 min
11 Christian Obrist Italien  Italien 3:39,87 min
DOP Rashid Ramzi Bahrain  Bahrain

19. August 2008, 22:50 Uhr

Zum Favoritenkreis für diesen Wettbewerb gehörten in erster Linie der amtierende Weltmeister und Silbermedaillengewinner von 2004 Bernard Lagat aus den Vereinigten Staaten, der Vizeweltmeister und Weltmeister von 2005 Rashid Ramzi aus Bahrain, der französische Europameister Mehdi Baala und der kenianische WM-Vierte von 2007 Asbel Kiprop. Auch den Spaniern Arturo Casado, Siebter der letzten Weltmeisterschaften, und Juan Carlos Higuero, EM-Dritter von 2006, traute man zu, im Kampf um eine gute Platzierung dabei zu sein.

Doch es kam alles ein bisschen anders. Lagat und Casado schieden bereits im Halbfinale aus, während Ramzi nun als klarer Favorit ins Rennen ging. Der Bahrainer kam dann auch mit einer Zeit von 3:32,94 min zunächst als Sieger ins Ziel. Ende April 2009 wurde bei Nachkontrollen der Pekinger Dopingproben erkannt, dass Ramzi das Blutdopingmittel CERA – Abkürzung für „Continuous Erythropoiesis Receptor Activator“, ein Erythropoetin-Derivat – eingenommen hatte. Somit wurde er vom IOC aus den Siegerlisten gestrichen. Seine Goldmedaille wurde ihm aberkannt. Ramzi wäre der erste Olympiasieger und Medaillengewinner Bahrains gewesen.[6] Ramzis betrügerisches Verhalten sorgte auch dafür, dass der Brasilianer Hudson de Souza sich nicht für das Halbfinale und Bernard Lagat sich nicht für das Finale qualifizieren konnten. Sie wären ohne Ramzis Berücksichtigung aufgrund ihrer Zeiten jeweils in die benannten Runden vorgestoßen. Die Rangfolge im Finale konnte man ändern, als Ramzis Dopingbetrug herauskam, doch de Souzas und Lagats Ausscheiden waren nicht wieder gut zu machen.

Für das Finale hatten sich zwei Bahrainer und zwei Kenianer sowie jeweils ein Läufer aus Frankreich, Großbritannien, Italien, Katar, Marokko, Neuseeland, Spanien und Südafrika qualifiziert. Ohne Ramzis Betrug wäre es nur ein Bahrainer gewesen, während ein US-Amerikaner dazu gekommen wäre.

Das 1500-Meter-Finale war zunächst kein langsames Rennen. In 56,48 s wurden die ersten vierhundert Meter durchlaufen mit Kiprop an der Spitze vor Belal Mansoor Ali aus Bahrain und dem dicht gedrängten Feld. Auf der zweiten Runde wurde Tempo herausgenommen, für die zweiten vierhundert Meter benötigten die Läufer eine knappe Minute. Das Feld blieb weiterhin dicht zusammen mit dem Kenianer Augustine Kiprono Choge in führender Position, der auch nach der dritten Runde – 57,61 s – vorne lag. Mansour Ali war Zweiter, der später disqualifizierte Ramzi Dritter. Richtig schnell wurde es erst kurz vor der Zielkurve. Mit Ramzi an der Spitze zog sich das Feld jetzt auseinander. Kiprop war Zweiter vor Mansour Ali, der jedoch auf den letzten hundert Metern deutlich zurückfiel. Vorne lagen Ramzi und Kiprop, dahinter tat sich eine große Lücke auf, der Südafrikaner Juan van Deventer und Choge lagen auf den nächsten Plätzen. Vorne lief, wie sich später herausstellte, Asbel Kiprop, zum Olympiasieg. Hinter ihm wurde auf den letzten hundert Metern noch einmal alles durcheinander gewirbelt. Mit einem starken Finish kämpften sich der Neuseeländer Nick Willis und Baala noch auf die Medaillenränge. Nick Willis gewann Silber knapp vor Mehdi Baala. Vierter wurde Juan Carlos Higuero vor dem Marokkaner Abdalaati Iguider und Juan van Deventer.

Die Zeit für die letzte Runde war mit 53,5 s außerordentlich schnell, sodass für den Olympiasieger Asbel Kiprop mit 3:33,11 min noch eine Endzeit zustande kam, die nur etwas mehr als eine Sekunde über Noah Ngenys olympischem Rekord aus dem Jahr 2000 lag.

WeblinksBearbeiten

VideoBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Campeonato CAC de Atletismo 2008 auf athlecac.org, abgerufen am 30. Mai 2018
  2. Campeonato Sudamericano de Atletismo 2007 auf athlecac.org, abgerufen am 30. Mai 2018
  3. 17th Asian Athletics Championship 2007 (Memento des Originals vom 14. Juli 2017 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/athleticsasia.org auf athleticsasia.org (PDF, 417 kB), abgerufen am 30. Mai 2018
  4. Oceania Area Championships - 25/06/2008 to 28/06/2008 auf athletics-oceania.com (PDF, 130 kB), abgerufen am 30. Mai 2018
  5. IAAF, 1500 m Männer, abgerufen am 20. April 2018
  6. Mittelstreckenläufer Ramzi muss Goldmedaille zurückgeben. faz.net, 18. November 2009, abgerufen am 30. Mai 2018.