Olympische Sommerspiele 2008/Leichtathletik – Marathon (Männer)

Marathon der Männer bei den Olympischen Sommerspielen 2008

Der Marathon der Männer bei den Olympischen Spielen 2008 fand am 24. August 2008 in Peking, China statt und war der dritte World Marathon Majors des Jahres. 95 Athleten nahmen daran teil.

Olympische Ringe
Samuel Wanjiru, Marathon, 2008 Summer Olympics.jpg
Sportart Leichtathletik
Disziplin Marathonlauf
Geschlecht Männer
Teilnehmer 95 Athleten aus 56 Ländern
Wettkampfort Tian’anmen-Platz (Start)
Nationalstadion Peking (Ziel)
Wettkampfphase 24. August 2008
Siegerzeit 2:06:32 h (OR)
Medaillengewinner
Goldmedaille KeniaKenia Samuel Kamau Wanjiru
Silbermedaille MarokkoMarokko Jaouad Gharib
Bronzemedaille Athiopien 1996Äthiopien Tsegay Kebede
Olympiasieger Samuel Kamau Wanjiru aus Kenia

Wie auch auf den Bahn-Langstrecken gab es ausschließlich Medaillengewinner aus Afrika. Die Goldmedaille gewann der Kenianer Samuel Kamau Wanjiru vor Jaouad Gharib aus Marokko. Der Äthiopier Tsegay Kebede errang Bronze.

TitelträgerBearbeiten

Olympiasieger 2004 Stefano Baldini (Italien  Italien) 2:10:55 h Athen 2004
Weltmeister 2007 Luke Kibet Bowen (Kenia  Kenia) 2:15:59  h Ōsaka 2007
Europameister 206 Stefano Baldini (Italien  Italien) 2:11:31 h Göteborg 2006
Panamerikameister 2007 Franck de Almeida (Brasilien  Brasilien) 2:14:03 h Rio de Janeiro 2007
Zentralamer.-/Karib*meister 2008 Marathonlauf nicht im Meisterschaftsprogramm Cali 2008[1]
Südamerikameister 2007 São Paulo 2007[2]
Asienmeister 2007 Amman 2007[3]
Afrikameister 2008 Addis Abeba 2008
Ozeanienmeister 2008 Tutea Degage (Franzosisch-Polynesien  Französisch-Polynesien) 1:17:38,67 h – Halbmarath. Saipan 2008[4]

Bestehende RekordeBearbeiten

Weltrekord 2:04:26 min Haile Gebrselassie (Athiopien 1996  Äthiopien) Berlin, Deutschland 30. September 2007[5]
Olympischer Rekord 2:09:21 h Carlos Lopes (Portugal  Portugal) Marathon von Los Angeles, USA 12. August 1984

AusgangssituationBearbeiten

Der Weltrekordler Haile Gebrselassie, der hier als Mitfavorit an den Start gegangen wäre, zog es vor, über 10.000 Meter anzutreten, um im Herbst wieder am Berlin-Marathon antreten zu können, bei dem er im Vorjahr seinen Weltrekord gelaufen war und wo es viel Geld zu verdienen gab. Aber natürlich gab es andere aussichtsreiche Medaillenkandidaten. Zu ihnen zählten der amtierende Weltmeister Luke Kibet Bowen aus Kenia, Vizeweltmeister Mubarak Hassan Shami aus Katar, der WM-Dritte und Vizeeuropameister Viktor Röthlin aus der Schweiz, der marokkanische Weltmeister von 2005 Jaouad Gharib aus Marokko, der WM-Vierte von 2007 Yared Asmerom aus Eritrea, der japanische WM-Fünfte von 2007 und WM-Dritte von 2005 Tsuyoshi Ogata sowie der italienische Olympiasieger von 2004 und amtierende Europameister Stefano Baldini.

RennverlaufBearbeiten

24. August 2008, 7:30 Uhr

Angesichts der wenig leistungsfördernden äußeren Bedingungen in Peking mit Luftverschmutzung und hohen Temperaturen wurde das Rennen schon am frühen Morgen gestartet. Von Beginn an wurde dieser Marathonlauf in bedingungslos hohem Tempo gelaufen. Auf den ersten beiden Fünf-Kilometer-Abschnitten waren die Spitzenathleten schneller als fünfzehn Minuten und auch die beiden 5000-Meter-Teilstücke zwischen Kilometer fünfzehn und 25 wurden wiederum in weniger als fünfzehn Minuten gelaufen. Danach lagen diese Werte zwischen 15:11 und 15:23 min, also auch weiter in einem schnell gelaufenen Bereich.

Auf den ersten Kilometern bereits dominierten die Favoriten das Rennen. Vor allem die Kenianer Wanjiru und Martin Kiptoo Lel sowie der Mexikaner José Manuel Martínez sorgten für ein schnelles Tempo, sodass sich schon bald eine Spitzengruppe bildete, die sich nach zehn Kilometern auf neun Läufer reduzierte. Dies waren der Mexikaner Martínez, die Kenianer Wanjiru und Lel, die Äthiopier Deriba Merga und Tsegay Kebede, die Marokkaner Gharib und Abderrahim Goumri sowie die Eritreer Asmerom und Yonas Kifle. Nach zwanzig Kilometern waren bei weiter hohem Tempo mit Kifle, Wanjiru, Merga, Lel und Gharib noch fünf Läufer in der Gruppe verblieben. Weltmeister Kibet Bowen stieg nach ca. 29 Kilometern aus dem Rennen aus.

Das Rennen ging schon vor Kilometer dreißig in eine entscheidende Phase. Zunächst setzten sich Wanjiru und Merga alleine ab. Gharib und Lel lagen etwa fünf Sekunden hinter ihnen, während Kifle weiter zurückfiel. Doch Gharib schloss wieder auf zu den beiden Führenden, sodass jetzt eine Dreiergruppe mit Wanjiru, Merga und Gharib an der Spitze lag. Wanjiru machte vorne weiter Druck und es gelang ihm schließlich, sich von seinen beiden Begleitern abzusetzen. Sein Vorsprung wuchs nach und nach an, während nun auch Merga Probleme bekam. Er verlor den Anschluss an Gharib. Bei Kilometer vierzig führte Wanjiru mit achtzehn Sekunden vor Gharib, Merga lag jetzt bereits weitere 1:35 min zurück. Dahinter folgte Kebede, dessen Abstand auf Merga 46 Sekunden betrug. Am Ende lief Samuel Kamau Wanjiru jubelnd ins Stadion und siegte in 2:06:32 h. Den olympischen Rekord des Portugiesen Carlos Lopes von 1984 unterbot er um 2:49 min. Mit 44 Sekunden Rückstand kam Jaouad Gharib als Zweiter ins Ziel und gewann die Silbermedaille. Der immer mehr nachlassende Merga erreichte das Stadion noch als Dritter, wurde jedoch auf der Laufbahn mühelos von seinem Landsmann Tsegay Kebede überspurtet, der sich 3:28 min hinter Wanjiru die Bronzemedaille sicherte. Deriba Merga konnte seinen vierten Platz 21 Sekunden hinter Merga mit drei Sekunden Vorsprung auf den fünftplatzierten Martin Kiptoo Lel gerade noch so halten. Als bester Nichtafrikaner wurde der Schweizer Viktor Röthlin, der sich das Rennen sehr gut eingeteilt hatte, elf Sekunden hinter Lel Sechster vor dem Äthiopier Gashaw Asfaw und Yared Asmerom.

Zwischenzeiten
Zwischenzeit-
Marke
Zwischenzeit Führende(r) 5-km-Zeit
5 km 14:52 min Samuel Kamau Wanjiru 14:52 min
10 km 29:25 min José Manuel Martínez in 9köpfiger Spitzengruppe 14:33 min
15 km 44:36 min Martin Kiptoo Lel in 9köpfiger Spitzengruppe 15:11 min
20 km 59:10 h Deriba Merga in 5köpfiger Spitzengruppe 14:34 min
25 km 1:13:58 h Yonas Kifle in 5köpfiger Spitzengruppe 14:48 min
30 km 1:29:14 h Merga / Wanjiru 4 s vor Gharib und 5 s vor Lel 15:16 min
35 km 1:44:37 h Wanjiru / Merga 1 s vor Gharib 15:23 min
40 km 1:59:54 h Wanjiru 18 s vor Gharib / Merga 1:57 min zurück / Kebede 2:43 min zurück 15:17 min

ErgebnisBearbeiten

Platz Athlet Land Zeit (h) Anmerkung
  Samuel Kamau Wanjiru Kenia  Kenia 2:06:32 OR
  Jaouad Gharib Marokko  Marokko 2:07:16
  Tsegay Kebede Athiopien 1996  Äthiopien 2:10:00
04 Deriba Merga Athiopien 1996  Äthiopien 2:10:21
05 Martin Kiptoo Lel Kenia  Kenia 2:10:24
06 Viktor Röthlin Schweiz  Schweiz 2:10:35
07 Gashaw Asfaw Athiopien 1996  Äthiopien 2:10:52
08 Yared Asmerom Eritrea  Eritrea 2:11:11
09 Dathan Ritzenhein Vereinigte Staaten  USA 2:11:59
10 Ryan Hall Vereinigte Staaten  USA 2:12:33
11 Mike Fokoroni Simbabwe  Simbabwe 2:13:17 PB
12 Stefano Baldini Italien  Italien 2:13:25
13 Tsuyoshi Ogata Japan  Japan 2:13:26
14 Grigori Andrejew Russland  Russland 2:13:33
15 Ruggero Pertile Italien  Italien 2:13:39
16 José Manuel Martínez Spanien  Spanien 2:14:00
17 Francis Kirwa Finnland  Finnland 2:14:22
18 Lee Myong-seung Korea Sud  Südkorea 2:14:37
19 Janne Holmén Finnland  Finnland 2:14:44
20 Abderrahim Goumri Marokko  Marokko 2:15:00
21 Alexei Sokolow Russland  Russland 2:15:57
22 Brian Sell Vereinigte Staaten  USA 2:16:07
23 Ottaviano Andriani Italien  Italien 2:16:10
24 Dan Robinson Vereinigtes Konigreich  Großbritannien 2:16:14
25 Deng Haiyang China Volksrepublik  Volksrepublik China 2:16:17
26 Abderrahime Bouramdane Marokko  Marokko 2:17:42
27 Wassyl Matwijtschuk Ukraine  Ukraine 2:17:50
28 Lee Bong-ju Korea Sud  Südkorea 2:17:56
29 Oleg Kulkow Russland  Russland 2:18:11
30 Paulo Gomes Portugal  Portugal 2:18:15
31 Alex Malinga Uganda  Uganda 2:18:26
32 Carlos Cordero Mexiko  Mexiko 2:18:40
33 Ri Kum-song Korea Nord  Nordkorea 2:19:08
34 Henryk Szost Polen  Polen 2:19:43
35 José Amado García Guatemala  Guatemala 2:20:15
36 Yonas Kifle Eritrea  Eritrea 2:20:23
37 Nasar Sakar Saeed Bahrain  Bahrain 2:20:24
38 José de Souza Brasilien  Brasilien 2:20:25
39 Kamiel Maase Niederlande  Niederlande 2:20:30
40 Pak Song-chol Korea Nord  Nordkorea 2:21:16
41 Iaroslav Mușinschi Moldau Republik  Moldau 2:21:18
42 Kim Il-nam Korea Nord  Nordkorea 2:21:51
43 Juan Carlos Cardona Kolumbien  Kolumbien 2:21:57
44 Hendrick Ramaala Sudafrika  Südafrika 2:22:43
45 Arjun Kumar Basnet Nepal  Nepal 2:23:09 PB
46 Hélder Ornelas Portugal  Portugal 2:23:20
47 Procopio Franco Mexiko  Mexiko 2:23:24
48 Nelson Cruz Kap Verde  Kap Verde 2:23:47
49 Roberto Echeverría Chile  Chile 2:23:54
50 Kim Yi-yong Korea Sud  Südkorea 2:23:57
51 Li Zhuhong China Volksrepublik  Volksrepublik China 2:24:08
52 Bat-Otschiryn Ser-Od Mongolei  Mongolei 2:24:19
53 Norman Dlomo Sudafrika  Südafrika 2:24:28
54 Arkadiusz Sowa Polen  Polen 2:24:48
55 Samson Ramadhani Tansania  Tansania 2:25:03
56 Ndabili Bashingili Botswana  Botswana 2:25:11
57 Simon Munyutu Frankreich  Frankreich 2:25:50
58 Antoni Bernadó Andorra  Andorra 2:26:29
59 Wu Wen-Chien Chinesisch Taipeh  Chinesisch Taipeh 2:26:55
60 Lee Troop Australien  Australien 2:27:17
61 Constantino León Peru  Peru 2:28:04
62 Goran Stojiljković Mongolei  Mongolei 2:26:14
63 Alfredo Arévalo Guatemala  Guatemala 2:28:26
64 Yousuf Othman Qader Katar  Katar 2:28:40
65 Franklin Tenorio Ecuador  Ecuador 2:29:05
66 Francisco Bautista Mexiko  Mexiko 2:29:28
67 Roman Kejžar Slowenien  Slowenien 2:29:37
68 Joachim Nshimirimana Burundi  Burundi 2:29:55
69 Seteng Ayele Israel  Israel 2:30:07
70 Takhir Mamashayev Kasachstan  Kasachstan 2:30:26
71 Abdil Ceylan Turkei  Türkei 2:31:43
72 José Ríos Spanien  Spanien 2:32:35
73 Hem Bunting Kambodscha  Kambodscha 2:33:32
74 Marcel Tschopp Liechtenstein  Liechtenstein 2:35:06
75 Pavel Loskutov Estland  Estland 2:39:01
76 Atsushi Satō Japan  Japan 2:41:08
DNF Tesfayohannes Mesfin Eritrea  Eritrea
Julio Rey Spanien  Spanien
Martin Fagan Irland  Irland
Al Mustafa Riyadh Bahrain  Bahrain
Ali Mabrouk El Zaidi Politisches System der Libysch-Arabischen Dschamahirija  Libyen
Marílson dos Santos Brasilien  Brasilien
Luke Kibet Bowen Kenia  Kenia
Abdelhak Zakaria Bahrain  Bahrain
Luis Fonseca Venezuela  Venezuela
Oleksandr Sitkowskyj Ukraine  Ukraine
Franck de Almeida Brasilien  Brasilien
Andrei Gordejew Weissrussland 1995  Weißrussland
João N'Tyamba Angola  Angola
Moses Mosuhli Lesotho  Lesotho
Getuli Bayo Tansania  Tansania
Mubarak Hassan Shami Katar  Katar
Tsotang Maine Lesotho  Lesotho
Clement Lebopo Lesotho  Lesotho
Oleksandr Kusyn Ukraine  Ukraine
DNS Mohamed Ikoki Msandeki Tansania  Tansania
Satoshi Ōsaki Japan  Japan
Augusto Ramos Soares Osttimor  Osttimor

Weblinks und QuellenBearbeiten

VideoBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Campeonato CAC de Atletismo 2008 auf athlecac.org, abgerufen am 31. Mai 2018
  2. Campeonato Sudamericano de Atletismo 2007 auf athlecac.org, abgerufen am 31. Mai 2018
  3. 17th Asian Athletics Championship 2007 (Memento des Originals vom 14. Juli 2017 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/athleticsasia.org auf athleticsasia.org (PDF, 417 kB), abgerufen am 31. Mai 2018
  4. Oceania Area Championships - 25/06/2008 to 28/06/2008 auf athletics-oceania.com (PDF, 130 kB), abgerufen am 31. Mai 2018
  5. IAAF, Marathon Männer, abgerufen am 31. Mai 2018