Michael White (Snookerspieler)

walisischer Snookerspieler

Michael White (* 5. Juli 1991 in Neath) ist ein walisischer Snookerspieler, der nach mehreren Amateurerfolgen wie dem Gewinn des IBSF World Grand Prix 2006 zwischen 2007 und 2020 mit einer Unterbrechung während der Saison 2008/09 Profispieler auf der Snooker Main Tour war. In dieser Zeit gewann er die beiden Ranglistenturniere Indian Open 2015 und Paul Hunter Classic 2017 sowie das Snooker Shoot-Out 2015 und erreichte Rang 15 der Snookerweltrangliste.

Michael White
Michael White
White beim Paul Hunter Classic 2016
Geburtstag 5. Juli 1991 (29 Jahre)
Geburtsort Neath
Nationalität WalesFlag of Wales (1959–present).svg Wales
Spitzname(n) Lightning[1]
Profi 2007/08, 20092020
Preisgeld 698.696 £[2]
Höchstes Break 145 (Shanghai Masters 2011, Q)[2]
Century Breaks 153[2]
Main-Tour-Erfolge
Ranglistenturniersiege 2
Weltranglistenplatzierungen
Höchster WRL-Platz 15 (April–Mai 2016)[3]
Beste Ergebnisse
Andere Profiturniere 1× Sieger
Amateurturniere Amateurweltmeister 2006

KarriereBearbeiten

Beginn als Amateur und erstes ProfijahrBearbeiten

Schon in sehr jungen Jahren deutete sich Whites Talent an.[4] 2001 wurde er ins Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen, als er im Alter von neun Jahren und 268 Tagen ein Century Break erzielte.[5] In den folgenden Jahren gewann er verschiedenste walisische Juniorenturniere.[6] Mit 13 Jahren erreichte er 2004 das Viertelfinale der U21-Snookerweltmeisterschaft und im selben Alter im Jahr 2005 das Finale der walisischen Snooker-Meisterschaft, auch wenn er dieses gegen Andrew Pagett verlor.[7] Noch im selben Jahr erreichte er das Achtelfinale der U21-Amateurweltmeisterschaft und setzte seine Erfolgsserie 2006 mit dem Viertelfinale der walisischen Meisterschaft und dem Halbfinale der U19-Europameisterschaft fort. Seinen bis dahin größten Erfolg erzielte er allerdings beim IBSF World Grand Prix, der Ersatzveranstaltung für die ausgefallene Amateurweltmeisterschaft der Herren 2005. Er gewann das Turnier mit einem 10:5-Sieg über Mark Boyle,[8] der allerdings das damit verbundene Ticket für die Snooker Main Tour bekam,[9] da White mit 14 Jahren noch zu jung war.[6] Als White jedoch ein Jahr später mit einem 6:2-Sieg über Vincent Muldoon die U19-Europameisterschaft gewann,[10] erhielt er einen Startplatz für die Main Tour.[2]

Vor Beginn seiner Profikarriere stimmte sich White mit einer Teilnahme an der Europameisterschaft 2007 auf das Profileben ein und schied in der Runde der letzten 32 gegen Lasse Münstermann aus.[11] Die anschließende Saison 2007/08 verlief allerdings enttäuschend für den jungen Waliser, der nur gut ein Viertel seiner Spiele gewann und nie die Hauptrunde eines Ranglistenturnieres erreichte.[12] Am Anfang der Saison musste er sogar ein Turnier aussetzen, da er noch nicht 16 Jahre alt war, was eine Voraussetzung für die Teilnahme am Shanghai Masters war.[13] Ohne sich auf der Weltrangliste platzieren zu können,[14] verlor White seinen Profistatus zunächst wieder.[2]

Amateurjahr 2008/09 und Rückkehr auf die ProfitourBearbeiten

In der anschließenden Amateursaison nahm White an der Pontins-Pro-Am-Turnierserie und an der Pontin’s International Open Series teil, wo er das Finale des dritten Events gegen Shokat Ali verlor. Zudem gewann White gegen Darren Morgan die walisische Snooker-Meisterschaft und erreichte das Finale der U19-Europameisterschaft, unterlag aber Luca Brecel.[15] Als Nummer eins der walisischen Amateur-Rangliste, die er zum Saisonende war,[16] wurde er anschließend wieder Profispieler.[2]

Doch auch Whites zweite Profisaison, die Saison 2009/10 verlief nicht allzu gut für den Waliser, der zwar die Runde der letzten 64 des Shanghai Masters und die Runde der letzten 48 der UK Championship erreichte, nie aber bei wichtigen Turnieren weiter kam.[17] Weitaus mehr Erfolg hatte er als Profi auf der auf Amateurebene angesiedelten Turnierserie Pontins Pro-Am, bei der er zwei von vier Turnieren gewinnen konnte, bei den Grand Finals aber direkt in der ersten Runde ausschied.[18] Am Saisonende belegte er lediglich Rang 73 der Profiweltrangliste,[14] was nicht für eine direkte Qualifikation für die nächste Saison reichte. Diese erlangte er allerdings durch das Hintertürchen der Ein-Jahres-Wertung, dessen acht bestplatziertesten, noch nicht für die nächste Saison qualifizierten Spieler auch einen Qualifikationsplatz bekamen – was bei White der Fall war.[19]

Im Laufe der nächsten Saison konnte White einige gute Ergebnisse erzielen, insbesondere auf der Players Tour Championship. Dort erreichte er unter anderem das Viertelfinale des Rhein-Main Masters und das Achtelfinale des Prague Classic. Bei den „normalen“ Turnieren gelang ihm zwar keine Hauptrundenteilnahmen, doch er zog in die finale Qualifikationsrunde des Shanghai Masters und sowohl bei der UK Championship als auch bei der Snookerweltmeisterschaft in die vorletzte Qualifikationsrunde ein.[20] Mit Ranglistenplatz 66 verpasste er um lediglich zwei Plätze die direkte Qualifikation für die nächste Saison.[14] Diesmal rettete ihn die Order of Merit der Players Tour Championship, über die er sich für die nächste Saison ähnlich wie ein Jahr zuvor über die Ein-Jahres-Wertung für die nächste Spielzeit qualifizieren konnte.[21]

Aufstieg in die WeltspitzeBearbeiten

 
Michael White (2012)

Mit der Saison 2011/12 konnte sich White vollends auf der Tour etablieren: mehrfach erreichte er bei Ranglistenturnieren die Runde der letzten 64, bei der UK Championship und dem German Masters sogar die Runde der letzten 48. Zudem spielte er beim Shanghai Masters mit einem 145er-Break das höchste Break seiner Karriere. Erneut hatte er bei PTC-Events mehr Erfolg und zog ins Achtelfinale des Paul Hunter Classics und des fünften PTC-Events sowie ins Halbfinale der Kay Suzanne Memorial Trophy ein.[22] Auf Amateurebene erreichte er beim Pink Ribbon das Halbfinale.[23] Mit Rang 54 am Saisonende konnte sich White erstmals direkt für die nächste Saison qualifizieren.[14] Bei regelmäßig guten Ergebnissen erreichte er in dieser bei den PTC-Events das Halbfinale des ersten Events der asiatischen Teiltour und das Viertelfinale des Paul Hunter Classics. Sein größter Erfolg war jedoch die Viertelfinalteilnahme beim wichtigsten Profiturnier, der Snookerweltmeisterschaft.[24] Zudem belegte er im Endklassement der Vienna Open auf Amateurebene den vierten Platz.[25] Auf der der Weltrangliste verbesserte er sich auf Rang 34.[14]

Auf diesem Niveau konnte sich White im Folgenden etablieren und sich zusätzlich auch steigern. So erreichte er während der Saison 2013/14 sowohl beim vollwertigen Ranglistenturnier Indian Open als auch beim PTC-Turnier Paul Hunter Classic das Viertelfinale, schied aber auch vier weiteren vollwertigen Ranglistenturnieren, darunter die Snookerweltmeisterschaft in der Runde der letzten 32 aus.[26] Von daher verbesserte er sich bis zum Saisonende auf Rang 26.[14] In der anschließenden Saison zog White zunächst unter anderem ins Halbfinale der Bulgarian Open, ein PTC-Event, sowie ins Viertelfinale des Shanghai Masters und der International Championship ein. Zu Beginn der zweiten Saisonhälfte gelang allerdings der größte Erfolg seiner bisherigen Karriere, als er mit dem Einladungsturnier Snooker Shoot-Out sein erstes Profiturnier gewann. Direkt im Anschluss daran gewann er mit den Indian Open sein zweites Turnier, das ein vollwertiges Ranglistenturnier war.[27] Zeitweise bereits in den Top 16 geführt, belegte er am Saisonende den 17. Platz.[14] Auch in der Saison 2015/16 erreichte er mit dem Viertelfinale der Australian Goldfields Open und der World Open mehrere höhere Runden. Bestes Ergebnis war eine Finalteilnahme bei den Gibraltar Open, auch wenn er das Endspiel mit 1:4 gegen Marco Fu verlor.[28] Zwar verschlechterte sich White mit der Endabrechnung am Saisonende um zwei Plätze auf Rang 19,[14] doch zuvor hatte er mit Rang 15 noch den besten Platz seiner Karriere belegt.[3] Zum Ende der Saison gab White bekannt, an Depressionen zu leiden.[29]

Abgang und Verlust des ProfistatusBearbeiten

Auch die Spielzeit 2016/17 verlief durchaus erfolgreich, wobei White mehrere Achtelfinals und sowohl beim Shanghai Masters als auch bei den Northern Ireland Open das Viertelfinale erreichte.[30] Dennoch wurde er am Saisonende nur noch auf Rang 26 geführt.[14] Dieser Trend setzte sich mit der folgenden Saison trotz seines dritten Turniersieges beim Paul Hunter Classic und drei weiterer Viertelfinalteilnahmen fort,[31] wobei er sich mit einer Verschlechterung auf Rang 29 leicht abflachte.[14] Als er in der Saison 2018/19 abgesehen von einer Halbfinalteilnahme beim Snooker Shoot-Out häufig früh verlor,[32] rutschte er auf die 45. Position der Rangliste ab.[14] In der folgenden Saison konnte White lediglich bei sechs von fünfzehn Turnieren überhaupt ein Spiel gewinnen, bestes Ergebnis blieb eine Achtelfinalteilnahme bei der UK Championship.[33] Am Saisonende belegte White nur noch Rang 71,[14] womit er nach insgesamt zwölf Profjahren seinen Profistatus verlor.[2] Der Versuch der direkten Wiederqualifikation über die Q School scheiterte an Fan Zhengyi im Finale seiner Gruppe beim ersten und an Paul Davison im Gruppenhalbfinale beim dritten Event. Wegen seiner trotzdem guten Ergebnisse bei der Q School wurde er im Laufe der Saison 2020/21 regelmäßig zu Turnieren eingeladen und erreichte dabei unter anderem die Runde der letzten 32 der Northern Ireland Open.[34]

ErfolgeBearbeiten

Ausgang Jahr Turnier Finalgegner Ergebnis
Amateurturniere
Zweiter 2005 Walisische Snooker-Meisterschaft Wales  Andrew Pagett 4:6
Sieger 2006 IBSF World Grand Prix Schottland  Mark Boyle 10:5
Sieger 2007 EBSA U19-Snookereuropameisterschaft Irland  Vincent Muldoon 6:2
Zweiter 2008 Pontin’s International Open Series 2008/09 – Event 3 Pakistan  Shokat Ali 3:6
Sieger 2009 Walisische Snooker-Meisterschaft Wales  Darren Morgan 8:2
Zweiter 2009 EBSA U19-Snookereuropameisterschaft Belgien  Luca Brecel 5:6
Sieger 2009 Pontins Pro-Am – Event 2 England  Paul Davison 5:3
Sieger 2009 Pontins Pro-Am – Event 4 Irland  Ken Doherty 5:4
Zweiter 2020/1 Q School China Volksrepublik  Fan Zhengyi 2:4
Profiturniere
Sieger 2015 Snooker Shoot-Out China Volksrepublik  Xiao Guodong 54:48 (Pkt.)
Sieger 2015 Indian Open England  Ricky Walden 5:0
Zweiter 2016 Gibraltar Open Hongkong  Marco Fu 1:4
Sieger 2017 Paul Hunter Classic England  Shaun Murphy 4:2

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Michael White. In: wst.tv. World Professional Billiards & Snooker Association, 11. Januar 2015, abgerufen am 28. November 2020 (englisch).
  2. a b c d e f g Ron Florax: Career Total Statistics For Michael White - Professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 28. November 2020 (englisch).
  3. a b World Rankings – After The 2016 BAIC Motor China Open. (PDF; 344 kB) In: wst.tv. World Professional Billiards & Snooker Association, 4. April 2016, abgerufen am 28. November 2020 (englisch).
  4. Kid potter heads for record books. In: BBC Sport. British Broadcasting Corporation, 28. März 2001, abgerufen am 28. November 2020 (englisch).
  5. Youngest person to score a century break in snooker. Guinness World Records, abgerufen am 28. November 2020 (englisch).
  6. a b Michael White. Pro Snooker Blog, 2016, abgerufen am 28. November 2020 (englisch).
  7. Ron Florax: Michael White - Season 2004-2005 - Non-professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 28. November 2020 (englisch).
  8. Ron Florax: Michael White - Season 2005-2006 - Non-professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 28. November 2020 (englisch).
  9. Jamie Watkins: 2006-7 Main Tour - Eligible Players. (Nicht mehr online verfügbar.) Global Snooker Centre, 7. September 2006, archiviert vom Original am 19. Dezember 2008; abgerufen am 28. November 2020 (englisch).
  10. Ron Florax: Michael White - Season 2006-2007 - Non-professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 28. November 2020 (englisch).
  11. Ron Florax: Michael White - Season 2007-2008 - Non-professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 28. November 2020 (englisch).
  12. Ron Florax: Michael White - Season 2007-2008 - Professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 28. November 2020 (englisch).
  13. Clive Everton: Rising star denied entry to Shanghai Masters. The Guardian, 26. Juni 2007, abgerufen am 28. November 2020 (englisch).
  14. a b c d e f g h i j k l Ron Florax: Ranking History For Michael White. CueTracker.net, abgerufen am 28. November 2020 (englisch).
  15. Ron Florax: Michael White - Season 2008-2009 - Non-professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 28. November 2020 (englisch).
    Ron Florax: Michael White - Season 2008-2009 - Professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 28. November 2020 (englisch).
  16. Jamie Watkins: World Snooker Tour Players 2009/10. (Nicht mehr online verfügbar.) Global Snooker Centre, 2009, archiviert vom Original am 6. Mai 2014; abgerufen am 28. November 2020 (englisch).
  17. Ron Florax: Michael White - Season 2009-2010 - Professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 28. November 2020 (englisch).
  18. Ron Florax: Michael White - Season 2009-2010 - Non-professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 28. November 2020 (englisch).
  19. 2010/11 Roll Call. Pro Snooker Blog, 9. Mai 2010, abgerufen am 28. November 2020 (englisch).
  20. Ron Florax: Michael White - Season 2010-2011 - Professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 28. November 2020 (englisch).
  21. 2011/12 Tour Players. (Nicht mehr online verfügbar.) In: www.worldsnooker.com. World Professional Billiards & Snooker Association, 31. Mai 2011, archiviert vom Original am 27. Februar 2014; abgerufen am 28. November 2020 (englisch).
  22. Ron Florax: Michael White - Season 2011-2012 - Professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 28. November 2020 (englisch).
  23. Ron Florax: Michael White - Season 2011-2012 - Non-professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 28. November 2020 (englisch).
  24. Ron Florax: Michael White - Season 2012-2013 - Professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 28. November 2020 (englisch).
  25. Ron Florax: Michael White - Season 2012-2013 - Non-professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 28. November 2020 (englisch).
  26. Ron Florax: Michael White - Season 2013-2014 - Professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 28. November 2020 (englisch).
  27. Ron Florax: Michael White - Season 2014-2015 - Professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 28. November 2020 (englisch).
  28. Ron Florax: Michael White - Season 2015-2016 - Professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 28. November 2020 (englisch).
  29. Welsh snooker star Michael White reveals depression battle following World Championship loss. WalesOnline, 19. April 2016, abgerufen am 28. November 2020 (englisch).
  30. Ron Florax: Michael White - Season 2016-2017 - Professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 28. November 2020 (englisch).
  31. Ron Florax: Michael White - Season 2017-2018 - Professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 28. November 2020 (englisch).
  32. Ron Florax: Michael White - Season 2018-2019 - Professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 28. November 2002 (englisch).
  33. Ron Florax: Michael White - Season 2019-2020 - Professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 28. November 2020 (englisch).
  34. Ron Florax: Michael White - Season 2020-2021 - Professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 28. November 2020 (englisch).

WeblinksBearbeiten

Commons: Michael White – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien