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Die russische Mannschaft vor dem Qualifikationsspiel gegen Moldawien am 12. Oktober 2014

Dieser Artikel behandelt die russische Nationalmannschaft bei der Fußball-Europameisterschaft 2016 in Frankreich. Für Russland war es die fünfte Teilnahme und seitdem sich Russland 1996 erstmals als eigene Mannschaft qualifizieren konnte, verpassten die Russen nur einmal (2000) die Endrunde.

Inhaltsverzeichnis

QualifikationBearbeiten

 
Artjom Dsjuba, bester Torschütze der Russen in den Qualifikationsspielen beim zweiten Spiel gegen Schweden

Russland, das bei der Gruppenauslosung in Topf 1 gesetzt war, absolvierte die Qualifikation zur Europameisterschaft in der Gruppe G. Nach dem Vorrundenaus bei der WM 2014 hatte Fabio Capello zwar die Russen noch in die Qualifikation geführt, am 14. Juli 2015 wurde er aber einen Monat nach einer Heimniederlage gegen Österreich entlassen.[1] Unter seinem Nachfolger Leonid Sluzki konnten dann die restlichen vier Spiele gewonnen werden, sodass sich Russland als Gruppenzweiter für die EM-Endrunde qualifizierte. Gruppensieger wurde Österreich, das sich damit erstmals sportlich für die Endrunde qualifizierte. Die drittplatzierten Schweden konnten sich in den Playoffs der Gruppendritten gegen Dänemark durchsetzen.

Insgesamt setzten die beiden Trainer 34 Spieler ein, davon kam nur Torhüter Igor Akinfejew in allen zehn Spielen zum Einsatz. Je einmal fehlten Sergei Ignaschewitsch und Alexander Kokorin. Sieben Spieler konnten sich in die Torschützenliste eintragen, als bester russischer Torschütze Artjom Dsjuba mit acht Toren, der im zweiten Spiel gegen Liechtenstein vier Tore erzielte. Dsjuba war damit viertbester Torschütze der Qualifikation, hatte aber von den zehn besten Torschützen die geringste Einsatzzeit. Lediglich beim ersten Spiel unter Leonid Sluzki kam mit Oleg Kusmin ein Neuling zu seinem ersten Länderspieleinsatz. Beim 7:0 gegen Liechtenstein überbot Sergei Ignaschewitsch mit seinem 110. Länderspiel den russischen Rekord von Wiktor Onopko und wurde damit alleiniger russischer Rekordnationalspieler.

In der FIFA-Weltrangliste fielen die nach dem WM-Vorrundenaus auf Platz 23 gefallenen Russen während der Qualifikation sogar bis auf Platz 33 zurück, konnten sich am Ende aber wieder auf Platz 23 verbessern.[2][3][4]

SpieleBearbeiten

Alle Resultate aus russischer Sicht.

Datum Spielort Gegner Ergebnis Torschützen
08.09.2014 Arena Chimki, Chimki Liechtenstein  Liechtenstein 4:0 (1:0) 1:0 Martin Büchel (4./Eigentor), 2:0 Franz Burgmeier (50./Eigentor), 3:0 Dmitri Kombarow (54./Elfmeter), 4:0 Artjom Dsjuba (65.)
09.10.2014 Friends Arena, Solna (SWE) Schweden  Schweden 1:1 (1:0) 1:0 Alexander Kokorin (10.), 1:1 Ola Toivonen (49.)
12.10.2014 Otkrytije Arena, Moskau Moldau Republik  Moldau 1:1 (0:0) 1:0 Artjom Dsjuba (73./Elfmeter), 1:1 Alexandru Epureanu (74.)
15.11.2014 Ernst-Happel-Stadion, Wien (AUT) Osterreich  Österreich 0:1 (0:0) 0:1 Rubin Okotie (73.)
27.03.2015 Stadion pod Goricom, Podgorica (MNE) Montenegro  Montenegro 3:0 (Wertung)1
14.06.2015 Otkrytije Arena, Moskau Osterreich  Österreich 0:1 (0:1) 0:1 Marc Janko (33.)
05.09.2015 Otkrytije Arena, Moskau Schweden  Schweden 1:0 (1:0) 1:0 Artjom Dsjuba (38.)
08.09.2015 Rheinpark Stadion, Vaduz (LIE) Liechtenstein  Liechtenstein 7:0 (3:0) 1:0 Artjom Dsjuba (21.), 2:0 Alexander Kokorin (40./Elfmeter), 3:0, 4:0 Artjom Dsjuba (45., 73.), 5:0 Fjodor Smolow (77.), 6:0 Alan Dsagojew (85.), 7:0 Artjom Dsjuba (90.)
09.10.2015 Stadionul Zimbru, Chișinău (MDA) Moldau Republik  Moldau 2:1 (0:0) 1:0 Sergei Ignaschewitsch (58.), 2:0 Artjom Dsjuba (78.), 2:1 Eugeniu Cebotaru (85.)
12.10.2015 Otkrytije Arena, Moskau Montenegro  Montenegro 2:0 (2:0) 1:0 Oleg Kusmin (33.), 2:0 Alexander Kokorin (37./Elfmeter)
1 Kurz nach dem Anpfiff wurde der russische Torhüter Igor Akinfejew von einem Feuerwerkskörper am Kopf getroffen, woraufhin das Spiel unterbrochen wurde. Das Spiel wurde zunächst wieder freigegeben, nach 67 Minuten beim Stand von 0:0 jedoch endgültig abgebrochen, da weiterhin Gegenstände auf das Spielfeld geworfen wurden.[5] Das Spiel wurde von der UEFA mit 3:0 für Russland gewertet.[6]

TabelleBearbeiten

Pl. Land Sp. S U N Tore Diff. Punkte
 1. Osterreich  Österreich  10  9  1  0 022:500 +17 28
 2. Russland  Russland  10  6  2  2 021:500 +16 20
 3. Schweden  Schweden  10  5  3  2 015:900  +6 18
 4. Montenegro  Montenegro  10  3  2  5 010:130  −3 11
 5. Liechtenstein  Liechtenstein  10  1  2  7 002:260 −24 05
 6. Moldau Republik  Moldau  10  0  2  8 004:160 −12 02
Stand: 12. Oktober 2015

VorbereitungBearbeiten

Nach dem Ende der Qualifikation gewannen die Russen am 14. November in Krasnodar gegen die ohne Cristiano Ronaldo angetretenen Portugiesen mit 1:0 und setzten dagegen mit Wladislaw Ignatjew einen Neuling ein, während die Portugiesen sogar vier Neulinge einsetzten. Drei Tage später verloren sie in Rostow am Don gegen EM-Teilnehmer Kroatien mit 1:3 und setzten dabei mit Artem Rebrow und Artur Jussupow erneut zwei Neulinge ein. Am 26. März 2016 wurde in Moskau mit 3:0 gegen Litauen gewonnen, wobei mit den beiden Torhütern Stanislaw Krizjuk und Guilherme Marinato sowie Ilja Maksimow drei Neulinge zu ihren ersten A-Länderspielen kamen. Drei Tage später verloren sie gegen EM-Gastgeber Frankreich in Saint-Denis mit 2:4. In der unmittelbaren EM-Vorbereitung verloren die Russen gegen Tschechien am 1. Juni in Innsbruck mit 1:2, wobei Roman Neustädter sein erstes Spiel für Russland bestritt. Serbien ist am 5. Juni in Monte Carlo letzter Testgegner.

KaderBearbeiten

Am 21. Mai 2016 benannte Nationaltrainer Leonid Sluzki den Kader mit 23 Spielern.[7] Es wurden Spieler aus acht Vereinen nominiert, die meisten (7) vom Meister ZSKA Moskau, gefolgt von sechs Spielern von Pokalsieger Zenit St. Petersburg. Nur Roman Neustädter, der als einziger Spieler noch ohne Länderspieleinsatz für Russland war, spielte nicht in Russland.

Nr. Position Name Verein Geburts-
datum
Länderspiel-
einsätze[K 1]
Länderspiel-
tore[K 1]
Debüt EM-Spiele[K 2]          
01 Torhüter Igor Akinfejew Russland  ZSKA Moskau 08. Apr. 1986 88 0 2004 0 (2004), 5 (2008), 0 (2012) 3
12 Torhüter Juri Lodygin Russland  Zenit St. Petersburg 26. Mai 1990 11 0 2013
16 Torhüter Guilherme Marinato Russland  Lokomotive Moskau 12. Dez. 1985 2 0 2016
06 Abwehr Alexei Beresuzki Russland  ZSKA Moskau 20. Juni 1982 57 0 2003 0 (2008), 3 (2012) 1
14 Abwehr Wassili Beresuzki (C)  Russland  ZSKA Moskau 20. Juni 1982 96 4 2003 2 (2008) 3 1
04 Abwehr Sergei Ignaschewitsch Russland  ZSKA Moskau 14. Juli 1979 118 8 2002 4 (2008), 3 (2012) 3
23 Abwehr Dimitri Kombarow Russland  Spartak Moskau 22. Jan. 1987 39 2 2012 0 (2012) 1
05 Abwehr Roman Neustädter Deutschland  FC Schalke 04 18. Feb. 1988 4[K 3] 0 2016 2
02 Abwehr Roman Schischkin Russland  Lokomotive Moskau 27. Jan. 1987 11 0 2007
21 Abwehr Georgi Schtschennikow Russland  ZSKA Moskau 27. Apr. 1991 9 0 2012 2 1
03 Abwehr Igor Smolnikow Russland  Zenit St. Petersburg 08. Aug. 1988 15 0 2013 3
08 Mittelfeld Denis Gluschakow Russland  Spartak Moskau 27. Jan. 1987 44 4 2011 1 (2012) 3 1
13 Mittelfeld Alexander Golowin Russland  ZSKA Moskau 30. Mai 1996 6 2 2015 3
18 Mittelfeld Oleg Iwanow Russland  Terek Grosny 04. Aug. 1986 5 0 2015 0 (2008)
07 Mittelfeld Artur Jussupow Russland  Zenit St. Petersburg 01. Sep. 1989 2 0 2015
11 Mittelfeld Pawel Mamajew Russland  FK Krasnodar 17. Sep. 1988 13 0 2010 3 1
19 Mittelfeld Alexander Samedow Russland  Lokomotive Moskau 19. Juli 1984 28 3 2011 1
17 Mittelfeld Oleg Schatow Russland  Zenit St. Petersburg 29. Juli 1990 24 2 2013 2
15 Mittelfeld Roman Schirokow Russland  ZSKA Moskau 06. Juli 1981 55 13 2008 1 (2008), 3 (2012) 3
20 Mittelfeld Dmitri Torbinski Russland  FK Krasnodar 28. Apr. 1984 30 2 2007 3 (2008)
22 Angriff Artjom Dsjuba Russland  Zenit St. Petersburg 22. Aug. 1988 19 9 2011 3
09 Angriff Alexander Kokorin Russland  Zenit St. Petersburg 19. Mär. 1991 40 12 2011 1 (2012) 3
10 Angriff Fjodor Smolow Russland  FK Krasnodar 09. Feb. 1990 15 5 2012 3

Trainer: Leonid Sluzki

Spieler, die nur im vorläufigen Kader standenBearbeiten

Am 21. Mai 2016 zog sich Alan Dsagojew im Meisterschaftsspiel einen Mittelfußbruch zu und wurde durch Dmitri Torbinski ersetzt.[8] Am 6. Juni wurde Igor Denissow durch Artur Jussupow ersetzt, nachdem sich ersterer im Testspiel gegen Serbien am 5. Juni eine Oberschenkelverletzung zugezogen hatte.[9]

Position Name Verein Länderspiel-
einsätze[K 1]
Länderspiel-
tore[K 1]
Geburts-
datum
Debüt EM-Spiele
Mittelfeld Igor Denissow Russland  Dynamo Moskau 54 0 17.05.1984 2008 3 (2012)
Mittelfeld Alan Dsagojew Russland  ZSKA Moskau 49 9 17.06.1990 2008 3 (2012)

Anmerkungen:

  1. a b c d Stand: 11. Juni 2016
  2. Stand vor der EM 2016
  3. Davon 2 für Deutschland

EndrundeBearbeiten

Spielorte (gelb = remis, rot = verloren), Quartier (blau)

Bei der am 12. Dezember 2015 stattgefundenen Auslosung der sechs Endrundengruppen waren die Russen nur in Topf 2 gesetzt, so dass die Gefahr bestand, dass sie bereits in der Gruppenphase auf Gastgeber Frankreich, Titelverteidiger Spanien oder Weltmeister Deutschland treffen würden.[10] Letztlich wurden sie der Gruppe B mit England zugelost. Weitere Gegner waren die beiden EM-Neulinge Slowakei und Wales, womit dies die einzige Gruppe mit zwei Neulingen ist. Gegen England, auf das sie bereits im ersten Gruppenspiel trafen, gab es zuvor erst zwei Spiele, beide in der Qualifikation zur EM 2008, wovon beide je ein Spiel gewannen. Nachdem die Russen in der 73. Minute durch einen von Eric Dier direkt verwandelten Freistoß in Rückstand geraten waren, gelang ihnen durch Kapitän Wassili Beresuzki in der Nachspielzeit noch der überraschende Ausgleich. Gegen die Slowakei, gegen die es zuvor in acht Spielen je drei Siege und Remis sowie zwei Niederlagen gegeben hatte, verloren sie mit 1:2, so dass die Bilanz gegen die Slowaken nun ausgeglichen ist. Im letzten Gruppenspiel gegen Wales, gegen das sie zuvor dreimal gewonnen und einmal remis gespielt hatten, mussten sie gewinnen um noch das Achtelfinale zu erreichen. Sie gerieten aber bereits in der 11. Minute mit 0:1 in Rückstand und mussten später noch zwei weitere Gegentore hinnehmen, so dass sie erstmals gegen die Waliser verloren und als Gruppenletzte ausschieden. Weitere Gegentore verhinderte nur Torhüter Akinfejew, der vom Kicker als einziger Russe eine befriedigende Note erhielt, während die Leistungen seiner Mitspieler durchweg als „mangelhaft“ oder „ungenügend“ bewertet wurden.[11] Nach dem Aus stellte Nationaltrainer Sluzki sein Amt zur Verfügung.[12]

Mit nun insgesamt zehn EM-Spielen wurde Rekordnationalspieler Sergei Ignaschewitsch nun auch EM-Rekordspieler der Russen.

Am 30. Juni trat Nationaltrainer Leonid Sluzki von seinem Posten zurück.[13]

Durch die EM-Spiele verlor Russland in der FIFA-Weltrangliste 100 Punkte und neun Plätze.

GruppenphaseBearbeiten

Pl. Land Sp. S U N Tore Diff. Punkte
 1. Wales  Wales  3  2  0  1 006:300  +3 06
 2. England  England  3  1  2  0 003:200  +1 05
 3. Slowakei  Slowakei  3  1  1  1 003:300  ±0 04
 4. Russland  Russland  3  0  1  2 002:600  −4 01
Sa., 11. Juni 2016 um 21:00 Uhr in Marseille
England Russland 1:1 (0:0)
Mi., 15. Juni 2016 um 15:00 Uhr in Villeneuve-d’Ascq (Lille)
Russland Slowakei 1:2 (0:2)
Mo., 20. Juni 2016 um 21:00 Uhr in Toulouse
Russland Wales 0:3 (0:2)

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. „Capello nicht mehr Trainer der "Sbornaja"“, fussball-em-total.de
  2. FIFA-Weltrangliste (14. August 2014)
  3. FIFA-Weltrangliste (12. Februar 2015)
  4. FIFA-Weltrangliste (5. November 2015)
  5. Spiel Russland gegen Montenegro nach Randale abgebrochen. In: zeit.de. Die Zeit, 28. März 2015, abgerufen am 28. März 2015.
  6. Skandalspiel als Niederlage für Montenegro gewertet. In: sportschau.de. Sportschau, 8. April 2015, abgerufen am 8. April 2015.
  7. Состав сборной России на ЕВРО-2016, rfs.ru
  8. „Torbinski ersetzt verletzten Dsagojew bei Russland“, uefa.com
  9. Schuhloser Yusupov vor EM-Teilnahme, uefa.com
  10. „Endrunden-Auslosung der UEFA EURO 2016“, uefa.com
  11. kicker.de: „Russland scheidet nach 0:3-Niederlage als Gruppenletzter aus – Die Drachen sind los: Bale schießt Wales ins Achtelfinale“
  12. dfb.de„Nach EM-Aus: Russlands Trainer Sluzki stellt Amt zur Verfügung“
  13. Slutsky als Trainer Russlands zurückgetreten