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Saint-Denis (Seine-Saint-Denis)

französische Gemeinde im Département Seine-Saint-Denis

Saint-Denis [ˌsɛ̃dəˈni] ist eine französische Stadt mit 111.354 Einwohnern (Stand: 1. Januar 2016) im Département Seine-Saint-Denis und ist Amtssitz der Unterpräfektur im Arrondissement Saint-Denis. Sie liegt unmittelbar nördlich von Paris und bildet heute einen Teil der Banlieue. Die Einwohner werden Dionysiens genannt.

Saint-Denis
Wappen von Saint-Denis
Saint-Denis (Frankreich)
Saint-Denis
Region Île-de-France
Département Seine-Saint-Denis
Arrondissement Saint-Denis
Kanton Saint-Denis-1 (Hauptort)
Saint-Denis-2 (Hauptort)
Gemeindeverband Métropole du Grand Paris und
Plaine Commune
Koordinaten 48° 56′ N, 2° 21′ OKoordinaten: 48° 56′ N, 2° 21′ O
Höhe 23–46 m
Fläche 12,36 km2
Einwohner 111.354 (1. Januar 2016)
Bevölkerungsdichte 9.009 Einw./km2
Postleitzahl 93200
INSEE-Code
Website http://ville-saint-denis.fr/

GeschichteBearbeiten

 
Schlacht von Saint-Denis, 1567
 
Lage von Saint-Denis
 
Saint-Denis um 1830

Die dem heiligen Dionysius von Paris geweihte ehemalige Abteikirche Saint-Denis war seit 564 n. Chr. Grablege fast aller fränkischen, später der französischen Könige. Auch der fränkische Herrscher Karl Martell (686–741) ließ sich schon hier begraben. Diese Tradition hielt sich bis zu Karl X. (1824–1830), dem letzten Bourbonenkönig auf dem französischen Thron.

Der 1147 begonnene Neubau der Klosterkirche nach den Planungen des Abtes Suger gilt als Beginn der Gotik. Am 10. November 1567 fand die Schlacht bei Saint-Denis (1567), eine Auseinandersetzung am Beginn des Zweiten Hugenottenkriegs, und eine weitere (Schlacht bei Saint-Denis (1678)) als letzte Schlacht des Holländischen Krieges statt.

Seit Ende des 19. Jahrhunderts hielt die Industrialisierung in der Stadt Einzug, und sie wurde eine der ersten Hochburgen der Arbeiterbewegung und der Kommunistischen Partei Frankreichs (PCF), die bis heute den Bürgermeister stellt. Seit den 1950er Jahren kamen zahlreiche Sozialwohnungen in Plattenbauweise dazu (habitation à loyer modéré – HLM) und ein hoher Anteil an Einwanderern aus dem Maghreb und Schwarzafrika.

Saint-Denis ist seit 1911 an das Pariser U-Bahn-Netz angeschlossen.

In jüngerer Zeit ist Saint-Denis durch den 1997 abgeschlossenen Bau des Stadions Stade de France bekannt geworden, das 75.000 Zuschauer fasst.

Auch in Saint-Denis fanden schwere Ausschreitungen im Zuge der Unruhen in Frankreich 2005 statt.

ReligionenBearbeiten

Saint-Denis ist Sitz des römisch-katholischen Bistums Saint-Denis und ist eines der Zentren des Islams in Frankreich.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

Siehe auch: Liste der Monuments historiques in Saint-Denis (Seine-Saint-Denis)

KathedraleBearbeiten

Die Kathedrale von Saint-Denis (französisch: Basilique Saint Denis) ist eine ehemalige Abteikirche. Sie ist eine Basilica minor und wurde 1966 zur Kathedrale des Bistums Saint-Denis erhoben. Während der Französischen Revolution 1793 kam es zur Plünderung der Gräber, wobei auch die Skulpturen der Kirche schwer beschädigt wurden. Das seit 1862 als Monument historique klassifizierte Kulturdenkmal ist von großer kunsthistorischer Bedeutung, da in seinem 1140 begonnenen Chor die ersten spitzbogigen Kreuzrippengewölbe gebaut wurden, so dass Saint-Denis als Wiege der Gotik gilt.

SportBearbeiten

 
Stade de France

Das Stade de France (deutsch: Frankreich-Stadion) ist mit einer Kapazität von 81.338 Zuschauern zu Fußball- und Rugbyspielen das mit Abstand größte Stadion des Landes. Es wurde von der UEFA als Fünf-Sterne-Stadion ausgezeichnet. Die wichtigsten Veranstaltungen sind Heimspiele der französischen Fußball-Nationalmannschaft und der Rugby-Nationalmannschaft, das Finale um den französischen Fußball- und den Ligapokal sowie das Finale der Rugby-Meisterschaft Top 14. Mithilfe verschiebbarer Tribünen kann das Stade de France auch für Leichtathletik-Veranstaltungen wie die IAAF Diamond League hergerichtet werden, dabei verringert sich die Kapazität auf 75.000 Zuschauer. Außerdem finden hier regelmäßig Konzerte und Freilichtshows statt. Bei Konzerten bietet das Stadion inklusive des Innenraums für über 90.000 Besucher Platz. Im Stade de France fanden unter anderem die jeweiligen Finalspiele der Fußball-Weltmeisterschaft 1998 und der Fußball-Europameisterschaft 2016, sowie die Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2003 statt. Es ist auch als Olympiastadion für die Olympischen Sommerspiele 2024 vorgesehen.

Saint-Denis war bereits mehrfach Etappenstart/-ziel bei der Tour de France, unter anderem in den Jahren 1984 und 2003.

StädtepartnerschaftenBearbeiten

Saint-Denis hat Partnerschafts- und Kooperationsabkommen[1] geschlossen mit

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

GeschichteBearbeiten

 
Christofle-Fabrik in Saint-Denis (vor 1900)

Saint-Denis war zu Zeiten der Industrialisierung ein bedeutender Standort der Metall- und Schwerindustrie (u. a. Eisenbahn- und Automobilbau) und Elektroindustrie. Zu den bekanntesten ehemaligen Unternehmen gehörten:

Bekannte Produkte der damaligen Zeit waren u. a. die Speisewagen und späteren Salonwagen Wagen von Compiègne sowie die Tabelliermaschinen von Société anonyme des machines à statistiques (SAMAS), eines französischen Tochterunternehmens von Powers Accounting Machine Company.

Heutige WirtschaftsstrukturBearbeiten

Auch heute sind zahlreiche Unternehmen im Bereich der Metallindustrie und im Automobil- und Fahrzeugbau zu Hause. Saint-Denis ist darüber hinaus heute ein bedeutender Standort der Dienstleistungsindustrie sowie Medien- und Multimediastandort.[2] Zu den größten und bekanntesten heutigen Unternehmen mit Sitz in Saint-Denis zählen:

VerkehrBearbeiten

Die Stadt ist flächendeckend an das Nahverkehrsnetz des Großraums Paris angeschlossen. Zum einen besteht an der Gare Saint-Denis Anschluss an das Vorortnetz des Transilien. Ebenfalls ist dort das Benutzen der RER D möglich, die eine schnelle Verbindung zur zentralen Umsteigestation Châtelet - Les Halles ermöglicht. Die Stadt ist ferner Anfangspunkt der Métrolinie 13 in Richtung Châtillon-Montrouge (mit den Stationen Basilique de Saint-Denis, Carrefour Pleyel, Saint-Denis – Porte de Paris, Saint-Denis – Université). Außerdem durchquert die Stadt die älteste Pariser Straßenbahnlinie der Nachkriegszeit T 1.

Über den Bahnhof Saint-Denis ist Saint-Denis an die Bahnstrecke Paris–Lille angeschlossen. Über den Canal Saint-Denis besteht zudem Anschluss an die Seine.

Saint-Denis liegt an den Nationalstraßen N 14a und N 301 sowie an der Autoroute A 1. Die Brücke Pont de l’Île Saint-Denis führt von Saint-Denis über zwei Arme der Seine und die Île Saint-Denis mit der Gemeinde L’Île-Saint-Denis zum Ort Villeneuve-la-Garenne auf der westlichen Seite der Seine.

BildungBearbeiten

Seit 1980 ist Saint-Denis Sitz der Universität Paris 8 Vincennes-Saint Denis (Universität Paris VIII) mit heute rund 26.000 Studenten.

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Le Patrimoine des Communes de la Seine-Saint-Denis. Flohic Éditions, 2. Auflage, Paris 2002, ISBN 2-84234-133-3, S. 315–345.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Saint-Denis (Seine-Saint-Denis) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Website Saint-Denis – ville monde (Memento des Originals vom 22. Februar 2017 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/ville-saint-denis.fr, abgerufen am 21. Februar 2017
  2. vgl. auch Wirtschaftsagentur der Region Paris: Seine-Saint-Denis (93)@1@2Vorlage:Toter Link/www.paris-region.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., abgerufen am 25. Juni 2012.