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Proveis
(ital.: Provès)
Wappen
Wappen von Proveis
Karte
Proveis in Südtirol - Positionskarte.svg
Staat: Italien
Region: Trentino-Südtirol
Provinz: Bozen – Südtirol
Bezirksgemeinschaft: Burggrafenamt
Einwohner:
(VZ 2011/31.12.2017)
267/267
Sprachgruppen:
(laut Volkszählung 2011)
97,71 % deutsch
2,29 % italienisch
0,00 % ladinisch
Koordinaten 46° 29′ N, 11° 1′ OKoordinaten: 46° 29′ N, 11° 1′ O
Meereshöhe: 1420 m s.l.m.
Fläche: 18,5 km²
Dauersiedlungsraum: 2,4 km²
Fraktionen: Proveis
Nachbargemeinden: Cagnò (TN), Rumo (TN), Laurein (BZ), Ulten (BZ)
Postleitzahl: 39040
Vorwahl: 0463
ISTAT-Nummer: 021069
Steuernummer: 80007620216
Bürgermeister (2015): Ulrich Gamper (SVP)

Proveis ([proˈfaɪ̯s]; italienisch: Proves) ist eine italienische Gemeinde mit 267 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2017) in Südtirol am Deutschnonsberg westlich von Bozen auf 1420 m s.l.m.

GeschichteBearbeiten

 
Blick auf Proveis

Proveis wird 1274 als in Provesso, 1328 als in montanea Provesi, 1332 als de Provexio und 1524 als Proveis erwähnt.[1]

Ab 1850 wirkte in Proveis als kirchlicher Kooperator der aus dem Nachbardorf Laurein gebürtige Franz Xaver Mitterer, Exponent des „Deutschen Schutzvereins“.[2]

Proveis gehörte bis zum Ende des Ersten Weltkriegs zur Grafschaft Tirol und damit zu Österreich-Ungarn. Mit dem Vertrag von Saint-Germain kam das Dorf 1920 zusammen mit dem Großteil Tirols südlich des Alpenhauptkamms zu Italien. Als 1927 auf diesen ehemals österreichischen Gebieten die beiden Provinzen Bozen und Trient entstanden, wurde Proveis wie auch die anderen Gemeinden des Deutschnonsbergs der mehrheitlich italienischsprachigen Provinz Trient zugeschlagen. Erst 1948 wurde Proveis in die Provinz Bozen bzw. Südtirol eingegliedert.[3]

Bis 1998, als ein Tunnel unter dem Hofmahdjoch in das Ultental eröffnet wurde, war Proveis vom übrigen Südtirol aus für den Autoverkehr nur über Trentiner Territorium erreichbar.

WappenBearbeiten

Wappenbeschreibung; In Blau ein schwarzer Birkhahn auf goldenem Helmkissen mit Kleeblattecken.

PolitikBearbeiten

Bürgermeister seit 1952:[4]

  • Peter Pichler: 1952–1956
  • Engelbert Dallasega: 1956–1960
  • Josef Malleier: 1960–1969
  • Franz Mitterer: 1969–1985
  • Robert Gamper: 1985–1995
  • Sebastian Mairhofer: 1995–2010
  • Ulrich Gamper: seit 2010

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

Spitzenklöppelschule

In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts ergriff Franz Mitterer Maßnahmen gegen die kargen Lebensverhältnisse und gründete eine Klöppelschule für Mädchen sowie eine Korbflechtschule für Burschen als neue Einkommensquellen und Nebenverdienst für die lokale Bevölkerung.[5] Die von Mitterer 1873 eingerichtete Klöppelschule wurde 1875 aufgelöst und 1876 als „Kaiserlich und königliche Spitzenarbeits-Schule“[6] neu eröffnet und entwickelte sich zu einer zur damaligen Zeit weitum bekannten, in Reiseführern empfohlenen[7] und einflussreichen k. k. Fachschule. Proveis war beispielgebend für weitere in den Folgejahren vom Unterrichtsministerium teils direkt ins Leben gerufene, teils von diesem subventionierte Filialen: in Malè (1879), Lusern (1882/1883), Dol-Otlica (1885), Predazzo (1885), Flitsch (1887), Calavino (1890, 1895 nach Tione verlegt), Cles (1891), Čepovan (1891) und Prettau (privat initiiert, ab 1894 staatlich subventioniert).[8] Die am stärksten besuchte Schule war in Proveis (51 Schülerinnen).[9] Nachdem die letzte Klöppellehrerin in den 1960er Jahren geheiratet hatte, schlossen sich die Tore der Klöppelschule. Seit 1996 wird das Handwerk von einer Verwandten der letzten Lehrerin wieder betrieben und auch in der Nachbargemeinde Ulten erneut in einer öffentlich geförderten Schule unterrichtet.[10]

WeblinksBearbeiten

  Commons: Proveis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Einzelnachweise bei Hannes Obermair: Nonsberger Regesten. Das Archiv Unterweg-Perger in Proveis (1274–1777). In: «Der Schlern», Bd. 66 (1992), S. 587–600, Nr. 1, 3 und 4. Dazu Egon Kühebacher: Die Ortsnamen Südtirols und ihre Geschichte, Bd. 1, Bozen: Athesia, 1995, S. 337.
  2. Allgemeine Deutsche Biographie, Bd. 52, 1906, S. 418–421.
  3. LEGGE COST. N. 5 del 26/02/1948 (italienisch)
  4. Die Bürgermeister der Gemeinden Südtirols seit 1952. (PDF; 15 MB) In: Festschrift 50 Jahre Südtiroler Gemeindeverband 1954–2004. Südtiroler Gemeindenverband, S. 139–159, abgerufen am 16. November 2015.
  5. Kultur - Bildung. (PDF) In: LEADER Region Südtiroler Grenzland - Lokaler Entwicklungsplan - Teilgebiet Ultental-Deutschnonsberg. LAG Südtiroler Grenzland, 18. Juli 2016, abgerufen am 10. Februar 2019.
  6. Waltraud Mairhofer: Ins fahlt do houbn nicht - Proveiserinnen und Proveiser erzählen. Hrsg.: Lena Adami, Karin Valorz, Annamarie Knoll. Schreibwerkstatt, Proveis Oktober 2018, S. 41.
  7. Karl Baedeker: 67. Von S. Michele oder von der Mendel nach Madonna die Campiglio. In: Handbuch für Reisende. 30. Auflage. Südbayern, Tirol und Salzburg. Ober-, Nieder-Österreich, Steiermark, Kärnten und Krain. Baedeker, Leipzig 1906 (google.at).
  8. Else Cronbach: Die Österreichische Spitzenhausindustrie: Ein Beitrag zur Frage der Hausindustriepolitik. In: Edmund Bernatzik, Eugen von Philippovich (Hrsg.): Wiener Staatswissenschaftliche Studien. Siebenter Band., Erstes Heft. Franz Deuticke, Wien und Leipzig 1907, ISBN 978-1-110-98332-2 (archive.org – Reproduktion durch BiblioLife, 17. Juli 2009).
  9. Klöppelschulen. In: Brockhaus` Konversations-Lexikon. 14. Auflage. 10. Band. F. A. Brockhaus, Leipzig, Berlin und Wien 1894, S. 424.
  10. Winterschule Ulten. Schulsprengel Ulten, abgerufen am 10. Februar 2019.