St. Martin in Passeier

Gemeinde in Südtirol, Italien
St. Martin in Passeier
(ital: San Martino in Passiria)
Wappen
Wappen von St. Martin in Passeier
Karte
St. Martin in Passeier in Südtirol - Positionskarte.svg
Staat: Italien
Region: Trentino-Südtirol
Provinz: Bozen – Südtirol
Bezirksgemeinschaft: Burggrafenamt
Einwohner:
(VZ 2011/31.12.2019)
3.091/3.244
Sprachgruppen:
(laut Volkszählung 2011)
99,10 % deutsch
0,86 % italienisch
0,03 % ladinisch
Koordinaten 46° 47′ N, 11° 14′ OKoordinaten: 46° 47′ N, 11° 14′ O
Meereshöhe: 457–2868 m s.l.m. (Zentrum: 598 m s.l.m.)
Fläche: 30,5 km²
Dauersiedlungsraum: 5,6 km²
Fraktionen: Christl, Flon, Kalmtal, Matatz, Quellenhof, Ried, Saltaus, St. Martin
Nachbargemeinden: Moos in Passeier, St. Leonhard in Passeier, Riffian
Postleitzahl: 39010
Vorwahl: 0473
ISTAT-Nummer: 021083
Steuernummer: 82003270210
Bürgermeister (2020): Rosmarie Pamer (SVP)

St. Martin in Passeier (italienisch San Martino in Passiria) ist eine italienische Gemeinde in Passeier in Südtirol mit 3244 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2019).

GeographieBearbeiten

AllgemeinesBearbeiten

 
St. Martin in Passeier

St. Martin liegt zentral im Passeiertal nördlich der Stadt Meran. Das Gemeindegebiet erstreckt sich über rund 15 km Länge nahezu ausschließlich auf der orographisch rechten, dem Talverlauf entsprechend meist westlichen Seite der Passer, in der die Grenze zur Nachbargemeinde St. Leonhard verläuft. Der Hauptort St. Martin befindet sich auf rund 600 m Höhe im Talboden. Die einzige weitere dörfliche Siedlung der Gemeinde ist Saltaus (500 m) im Süden direkt an der Grenze zu Riffian. Die anderen Fraktionen sind Weiler oder Gehöftgruppen (beispielsweise Ried), die sich hauptsächlich über die Talhänge verteilen. Das Kalmtal, dessen unterer Abschnitt zu St. Martin gehört (der obere ist hingegen Teil der Gemeinde Riffian), führt vom Passeirer Haupttal in südwestliche Richtung tief in die zu den Ötztaler Alpen zählende Texelgruppe hinein. An der dieses Seitental nördlich überragenden Kolbenspitze (2868 m), im Naturpark Texelgruppe geschützt, findet das Gemeindegebiet seinen höchsten Punkt.

FraktionenBearbeiten

Hauptort St. MartinBearbeiten

 
Malerhaus St. Martin

Der Hauptort St. Martin entstand im Mittelalter am westlichen Passerufer rundum eine bereits im 12. Jahrhundert urkundlich erwähnte (heute barock umgestaltete) Pfarrkirche. Der geschlossene Ortskern zeichnet sich durch Zunfthäuser mit teilweise bemalten Fassaden aus, in denen sich heute Gaststätten und Geschäfte befinden.

Sitz der Passeirer Malerschule, eine Kunstschule für barocke Fresken- und Fassadenmalerei (1719 bis 1845), war das so genannte Malerhaus mit Mantelteilungs-Fresko des namensgebenden Lokalheiligen an der Außenwand. Begründer dieser Malerschule waren Vater und Sohn Nikolaus Auer, im gesamten Passeier Tal als Freskomaler tätige Schüler Josef Haller sowie Vater und Sohn Benedikt Auer.

Ein kleines Heimatmuseum dokumentiert historische Arbeitsgeräte im bäuerlichen Haushalt und auf dem Feld.

Der wehrhaft wie eine Burg gestaltete Schildhof Steinhaus liegt am Hang oberhalb des Ortszentrums. Erzählungen zufolge soll es einen geheimen Tunnel von Steinhaus zum darunterliegenden Widum geben.

SaltausBearbeiten

 
Schildhof Saltaus

Das Dorf Saltaus (it. Saltusio) ist die südlichste Fraktion der Gemeinde mit rund 350 Einwohnern in 500 m Höhe etwa 9 km von Meran; vom Hauptort liegt sie noch 7 km entfernt. Als Talstation der Seilbahn auf das auf der anderen Talseite gelegene Höhenplateau unterhalb des Hirzer (2781 m) ist sie Ausgangspunkt für zahlreiche Wanderwege auf den Almen rund um die Bergstation sowie die Besteigung der Hirzerspitze. Der Name leitet sich ab von lat. saltus (= die Schlucht), die möglicherweise schon den Römern bekannt war, die einen Verbindungsweg zum Jaufenpass angelegt hatten.

Der heute zu einem Hotel umfunktionierte Schildhof aus dem 12. Jahrhundert war im Mittelalter Zollstation der Grafen von Tirol. Von den elf in Passeier erhaltenen Ansitzen der durch Waffendienste privilegierten und in den niederen Adel erhobenen Bauern ist dieser der älteste.

Die touristische Infrastruktur von Saltaus umfasst vom Campingplatz über Pensionen, Ferienwohnungen bis zu Hotels der mittleren und gehobenen Klasse ein breites Angebot.

QuellenhofBearbeiten

 
Golfplatz Passeiertal, Loch 2, mit Blick Richtung St. Leonhard

Die Fraktion Quellenhof (it. Sorgente) ca. 2 km talaufwärts ist eine von zwei Familien-Hotelkomplexen der gehobenen Klasse dominierte Feriensiedlung mit 4-Loch-Golfplatz, Reiterhof und Wellness-Fazilitäten. Nördlich dieser Hotelsiedlung erstreckt sich im Talgrund und an den Wiesenhängen östlich der Passer, also nicht mehr auf dem Gemeindegebiet von St. Martin, entlang des Flusses ein anspruchsvoller 18-Loch-Golfplatz mit 7 Teichen, Übungsanlagen, Clubhaus und Restaurationsbetrieben.

Nahe am Golfplatz zweigt die Stichstraße auf die Pfandleralm östlich über dem Passeiertal ab. Diese ist dadurch bekannt geworden, dass sich der Tiroler Freiheitskämpfer Andreas Hofer im Januar 1810 in den letzten Wochen vor seiner Gefangennahme in einer Holzhütte versteckt hielt; dort wurde er von einem Bauern gefunden und verraten. Die Alm ist bis zu einem Hotel auf ca. 1000 m Höhe mit dem Auto zugänglich; von dort aus erreicht man die historisch bedeutsame Stelle in 1345 m Höhe zu Fuß in ca. 1 Stunde. Über die Pfandleralm verläuft der Europäische Fernwanderweg E5, vom Timmelsjoch kommend, weiter über den Hirzer und Meran nach Italien hinein.

KalmtalBearbeiten

Die Fraktion Kalmtal (it. Valclava) liegt abseits der Durchgangsstraße SS 44, von Meran aus gesehen 2 km vor dem Hauptort St. Martin durch eine Stichstraße links westlich der Passer erschlossen. Die Fraktion besteht aus mehreren Weilern (Kalbe, Abl, Tschagg, Schupfe, Unter- und Oberbach, Steinwandt, Grube) mit insgesamt ca. 50 Wohnhäusern im unteren Abschnitt des Kalmtals. Der obere Talabschnitt mit dem Weiler Magdfeld liegt auf dem Gemeindegebiet von Riffian.

Die Einwohnerzahl hat im Kalmtal in den letzten zehn Jahren stetig zugenommen. So zählt das Tal 314 Einwohner (Volkszählung 2001).

Das Tal ist sonnenseitig gelegen und wird von Wiesen und Wäldern überzogen. Ein breites Netz von Wanderwegen erschließt die Almen und Bergkämme oberhalb des Tals mit dem stillen Faglsee auf rd. 2100 m Höhe.

Fraktionen in HochlagenBearbeiten

Auf dem Gemeindegebiet liegen ferner die Weiler und Gehöftgruppen von

  • Breiteben (it. Pianlargo),
  • Christl (it. Cresta),
  • Flon (it. Vallone),
  • Matatz (it. Montaccio) und
  • Ried (it. Novale)

an den Hängen auf der Westseite bzw. im Falle von Breiteben Südseite des Passeiertals. Christl und Matatz liegen am Meraner Höhenweg rund um die Texelgruppe. Diese Fraktionen haben vor allem Bedeutung als Unterkünfte und Zwischenstationen für Wanderer auf dem über 80 km langen Fernwanderweg.

BesonderheitBearbeiten

Die Passer bildet im Talgrund weitestgehend die östliche Gemeindegrenze zu St. Leonhard (allein in der Handwerkerzone Passeier greift St. Martin kurz auf die andere Flussseite über). Damit gehören die Weiler und Gehöfte von Mörre (750 m), Prantach (950 m) und Schweinsteg (700 m) auf der orographisch linken Talseite zur Gemeinde St. Leonhard, obwohl sie dem Dorfzentrum von St. Martin deutlich näher als jenem von St. Leonhard sind.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

PolitikBearbeiten

Nachdem es 1928 der Gemeinde St. Leonhard zugeordnet worden war, wurde St. Martin 1953 wieder zu einer eigenständigen Gemeinde erhoben.

Bürgermeister seit 1954:[1]

  • Johann Ennemoser: 1954–1964
  • Ignaz Auer: 1964–1974
  • Josef Haller: 1974–1980
  • Josef Pichler: 1980–1992
  • Hermann Pirpamer: 1992–2010
  • Rosmarie Pamer: seit 2010

Söhne und TöchterBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Manfred Schwarz: "Aus Passeier schreibt man uns: ..." Kurioses und Alltägliches aus Zeitungen der Monarchiezeit 1848–1918. verlag.Passeier, St. Martin in Passeier 2018.

WeblinksBearbeiten

Commons: St. Martin in Passeier – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Die Bürgermeister der Gemeinden Südtirols seit 1952. (PDF; 15 MB) In: Festschrift 50 Jahre Südtiroler Gemeindeverband 1954–2004. Südtiroler Gemeindenverband, S. 139–159, abgerufen am 16. November 2015.