Lajen

italienische Gemeinde
Lajen
(ital.: Laion)
Wappen
Wappen von Lajen
Karte
Lajen in Südtirol - Positionskarte.svg
Staat: Italien
Region: Trentino-Südtirol
Provinz: Bozen – Südtirol
Bezirksgemeinschaft: Eisacktal
Einwohner:
(VZ 2011/31.12.2019)
2.621/2.746
Sprachgruppen:
(laut Volkszählung 2011)
89,93 % deutsch
3,93 % italienisch
6,14 % ladinisch
Koordinaten 46° 36′ N, 11° 34′ OKoordinaten: 46° 36′ N, 11° 34′ O
Meereshöhe: 464–2282 m s.l.m. (Zentrum: 1093 m s.l.m.)
Fläche: 37,3 km²
Dauersiedlungsraum: 11,4 km²
Fraktionen: Albions, Freins, Lajen, Ried, St. Peter, Tanirz, Tschöfas
Nachbargemeinden: Barbian, Kastelruth, Klausen, St. Ulrich in Gröden, Villanders, Villnöß, Waidbruck
Postleitzahl: 39040
Vorwahl: 0471
ISTAT-Nummer: 021039
Steuernummer: 80007310214
Bürgermeister (2015): Stefan Leiter (SVP)

Lajen ([ˈlaˑjən]; italienisch Laion, ladinisch Laion oder Laiun) ist eine italienische Gemeinde mit 2746 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2019) im Eisacktal und am Eingang von Gröden in Südtirol.

GeographieBearbeiten

 
Blick von Südwesten auf den Lajener Bergrücken mit den Ortschaften Tschöfas, Tanirz und St. Peter an den Talhängen (im Vordergrund das zur Gemeinde Kastelruth gehörende Tagusens)

Die Gemeinde Lajen umfasst Gebiete im Eisacktal und unteren Grödner Tal. Sie erstreckt sich über einen von Wald und Wiesen geprägten Bergrücken, der den westlichsten Ausläufer der Geislergruppe der Dolomiten darstellt. Im Westen bildet der Eisack, im Süden der Grödner Bach die Gemeindegrenze. Im Norden endet das Gemeindegebiet knapp jenseits der Wasserscheide an den bereits zum Villnößtal abfallenden Hängen, im Osten an der Bergkante von Außerraschötz, wo Lajen auf 2282 m seinen höchsten Punkt findet.

Der Hauptort Lajen liegt auf etwa 1100 m s.l.m. auf einer Mittelgebirgsterrasse am Übergang vom Grödner ins Eisacktal. Die Gehöfte und Weiler unterhalb davon in talnäheren Lagen werden der Fraktion Lajener Ried zugerechnet (unterteilt in Außerried, Innerried, Oberried und Unterried). Nördlich vom Hauptort befinden sich an den ostseitigen, orographisch linken Hängen des Eisacktals das Dorf Albions (880 m) und die Streusiedlung Freins (1100 m). Östlich vom Hauptort reihen sich an den nordseitigen, orographisch rechten Hängen des Grödner Tals die Siedlungen Tschöfas (1200 m), Tanirz (1170 m) und St. Peter (1200 m), zu dem auch die kleine Ortschaft St. Peter im Tal (950 m) am Grödner Bach gehört. Die Örtlichkeit Pontives (1100 m) bildet den östlichen Endpunkt des zu Lajen rechnenden Talabschnitts und markiert den Beginn des ladinischen Gröden.

GeschichteBearbeiten

Eine Besiedelung des Raumes Lajen kann man bis in die Steinzeit zurückverfolgen (etwa 6.000 Jahre v. Chr.). Tatsächlich ist auf der Raschötz (dem Hausberg von Lajen) ein Jägerrastplatz aus dieser Zeit nachgewiesen worden. Funde aus der Bronze- und Eisenzeit (circa 2200 bis 2005 v. Chr.) sowie ein Menhir wurden bei Grabungen am Wasserbühl entdeckt. Durch die begünstigte Lage Lajens konnte sich die Siedlung gut entwickeln. Die ältesten Hinweise sind kleine, typische Steinwerkzeuge und ein massiver Figurenmenhir. Dieser Menhir wurde aus Gneis (Granitgneis/Orthogneis) hergestellt. Er misst eine Länge von 170 und eine Höhe von 160 Zentimeter und ist maximal 40 Zentimeter breit. Das Gewicht des Menhirs liegt etwa bei 1500 kg. Auf dem Menhir befindet sich eine anthropomorphe Darstellung mit Schulter-, Hals- und Kopfpartie. Zudem findet man zwei Dolche, wovon einer nicht eindeutig erkennbar ist. Aus der Eisenzeit wurde ein rätisches Haus gefunden. Das Gebäude wird in eine Zeit zwischen dem 5. und 3. Jh. v. Chr. eingeordnet. Aus der Römerzeit wurden mehrere Münzen gefunden. Der Ortsname Lajen („Legian“) taucht zum ersten Mal in einer Schenkungsurkunde des Hochstifts Freising von 993/94–1005 auf.[1] In diesem Dokument übergibt eine Witwe namens Luitpirch ihren gesamten Grundbesitz dem Bischof Albuin von Brixen.[2] Auch das Hochstift Augsburg war im Mittelalter in Lajen umfassend begütert.[3]

Kultur & SehenswürdigkeitenBearbeiten

BauwerkeBearbeiten

 
Spätgotische Kirche Unsere Liebe Frau in Lajen

Walther von der VogelweideBearbeiten

Lajen gehört zu jenen Orten, die als Geburts- und/oder als Wohnort von Walther von der Vogelweide diskutiert werden. Hierzu haben unter anderem die Forschungen des Lajener Pfarrers und späteren Salzburger Erzbischofs Johannes Evangelist Haller beigetragen. Für Lajen ist dies mit der überregionalen Bekanntheit seiner Vogelweiden daraus zu begründen, dass das Lajener Ried, in dem sich Vogelweiden finden, in landschaftlicher Nähe und Verbindung zum Ort Waidbruck steht. Waidbruck war bis zur Eröffnung des Kunterswegs durch die Eisackschlucht (um 1314) eine Schlüsselstelle an der so genannten Kaiserstraße. Viele Reisende, Kaufleute, Pilger und geistliche Herren kamen hier vorbei. Auch die Besitzungen des Hochstiftes Augsburg und des Bistums Freising in Lajen sorgten für viel Mobilität. Bischof Wolfger von Passau, ein Förderer Walthers, hat seine Durchreise auf dieser Route dokumentiert. Der Name Waidbruck geht auf die Verbindung zu den angrenzenden Weiden zurück und legt aus der topografischen Besonderheit dieser Gegend einen Zusammenhang mit den Vogelweiden nahe. Das Indiz dafür, dass „von der Vogelweide“ als Herkunftsbezeichnung gelesen werden kann, schließen das Lajener Ried als Herkunfts- und/oder Aufenthaltsort Walthers nicht aus.

In Lajen werden in unregelmäßigen Abständen unter reger Beteiligung örtlicher Vereine und Geschäfte Wandertage und Umzüge mit dem Motto „Walther von der Vogelweide“ veranstaltet, zuletzt als 4. Wandertag („Marcia“) am 26. Juli 2014.[4] In Lajen gibt es auch eine Von-der-Vogelweide-Straße.

LandschaftsbildBearbeiten

 
Die Kulturlandschaft um den Hauptort Lajen

Das Siedlungsgebiet in Lajen wird von verstreuten Höfen und Weilern geprägt. Die zahlreichen Ackerterrassen und die sie umgebenden Flurgehölze (Bäume und Sträucher) gehören zu den Merkmalen der Kulturlandschaft an den südexponierten Hängen um die Höfe vom Lajener Ried.

WandernBearbeiten

In der Gemeinde Lajen gibt es zahlreiche Wanderwege, so u. a. Mittelgebirgswanderungen und Bergwanderungen auf die Raschötz. Der Poststeig führt von Lajen nach St. Ulrich in Gröden. Sehr beliebt sind die Törggelewanderungen.

VerkehrBearbeiten

Für den Kraftverkehr ist Lajen in erster Linie durch die SS 242 erschlossen. Nahe der Talsohle am Eisack verlaufen zudem die A22 und die Brennerbahn. Letztere bietet am Bahnhof Waidbruck-Lajen – trotz größerer Nähe zum Waidbrucker Ortszentrum auf Lajener Gemeindegebiet gelegen – eine Zugangsstelle.

PolitikBearbeiten

Gemeinderat (2015)
13
2
13 
Insgesamt 15 Sitze

Bürgermeister seit 1952:[5]

  • Anton Schmalzl: 1952–1960
  • Anton Schenk: 1960–1966
  • Otto Ploner: 1966–1974
  • Alois Unterthiner: 1974–1990
  • Gottfried Vonmetz: 1990–1995
  • Engelbert Grünberger: 1995–2010
  • Stefan Leiter: seit 2010

LiteraturBearbeiten

  • Gemeinde Lajen (Hrsg.): Gemeindebuch Lajen. Lajen 1993 (online)

WeblinksBearbeiten

Commons: Lajen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Martin Bitschnau, Hannes Obermair: Tiroler Urkundenbuch, II. Abteilung: Die Urkunden zur Geschichte des Inn-, Eisack- und Pustertals. Bd. 1: Bis zum Jahr 1140. Universitätsverlag Wagner, Innsbruck 2009, ISBN 978-3-7030-0469-8, S. 135–137 Nr. 170.
  2. Südtiroler Amt für Bodendenkmäler: Archäologie in Lajen. Ausstellungskatalog
  3. Thaddäus Steiner (Bearb.): Das Urbar des Hochstifts Augsburg von 1316 (Veröffentlichungen der Schwäbischen Forschungsstelle Augsburg. Reihe 5a: Urbare 4). Augsburg: Wißner-Verlag 2019. ISBN 978-3-95786-202-0, S. 7.
  4. http://www.lajen.info
  5. Die Bürgermeister der Gemeinden Südtirols seit 1952. (PDF; 15 MB) In: Festschrift 50 Jahre Südtiroler Gemeindeverband 1954–2004. Südtiroler Gemeindenverband, S. 139–159, abgerufen am 16. November 2015.