Mühlwald

Gemeinde in Südtirol, Italien

Mühlwald (italienisch Selva dei Molini) ist eine italienische Gemeinde mit 1421 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2019) in Südtirol. Der namengebende Hauptort der Gemeinde hat rund 900 Einwohner.

Mühlwald
(ital.: Selva dei Molini)
Wappen
Wappen von Mühlwald
Karte
Mühlwald in Südtirol - Positionskarte.svg
Staat: Italien
Region: Trentino-Südtirol
Provinz: Bozen – Südtirol
Bezirksgemeinschaft: Pustertal
Einwohner:
(VZ 2011/31.12.2019)
1.473/1.421
Sprachgruppen:
(laut Volkszählung 2011)
98,90 % deutsch
0,90 % italienisch
0,21 % ladinisch
Koordinaten 46° 53′ N, 11° 52′ OKoordinaten: 46° 53′ N, 11° 52′ O
Meereshöhe: 982–3479 m s.l.m. (Zentrum: 1229 m s.l.m.)
Fläche: 104,52 km²
Dauersiedlungsraum: 6,6 km²
Fraktionen: Außermühlwald, Lappach
Nachbargemeinden: Ahrntal, Finkenberg (Nordtirol, A), Gais, Kiens, Pfalzen, Pfitsch, Sand in Taufers, Terenten, Vintl
Postleitzahl: 39030
Vorwahl: 0474
ISTAT-Nummer: 021088
Steuernummer: 81007580210
Bürgermeister (2020): Paul Niederbrunner (SVP)

GeographieBearbeiten

 
Der Hauptort Mühlwald vom Mühlwalder Stausee aus gesehen

Die Gemeinde Mühlwald nimmt mit Ausnahme des Mündungsbereichs das gesamte vom Mühlwalder Bach entwässerte Mühlwalder Tal in den Zillertaler Alpen ein. Dieses zweigt bei Mühlen in Taufers (Gemeinde Sand in Taufers) vom Tauferer Tal ab, verläuft zunächst in westliche Richtung und biegt schließlich nordwärts zum Zillertaler Hauptkamm bzw. Alpenhauptkamm hin ab, wo es in seinem letzten Abschnitt Lappachtal genannt wird. Die beiden größeren dörflichen Siedlungen im Tal, sowie die zahlreichen Einzelhöfe und kleinen Weiler befinden sich fast ausnahmslos auf der orographisch linken, sonnenexponierten Talseite. Das Gemeindegebiet ist 104,52 km² groß.

Am Taleingang befindet sich die Streusiedlung und Gemeinde-Fraktion Außermühlwald. Etwa in der Talmitte folgt – nahe dem Mühlwalder Stausee – der Hauptort Mühlwald auf 1150–1250 m s.l.m. Am oberen Talende – bereits nach der Talbiegung gegen Norden – liegt die Fraktion Lappach mit ihrem 1410–1450 m hoch gelegenen Ortskern.

Über dem Talschluss mit dem Neves-Stausee (1860 m) erheben sich ausgeprägte und vergletscherte Hochgipfel des Zillertaler Hauptkamms, der die italienisch-österreichische Staatsgrenze zum Bundesland Tirol bildet, darunter der Hohe Weißzint (3371 m), der Große Möseler (3480 m) und der Turnerkamp (3418 m). Der Hauptort ist eingerahmt von zwei Nebenkämen des Zillertaler Hauptkamms: Im Süden ist dies ein Kamm der beim Hohen Weißzint abzweigenden Pfunderer Berge, der zunächst gegen Süden und später nach Osten streicht und hier das Mühlwalder Tal vom Pfunderer Tal und Pustertal trennt. In diesem ragt südwestlich des Hauptorts, gut sichtbar vom Ortskern, der Reisnock (2663 m) auf. Am Turnerkamp hingegen nimmt der Mühlwalder Kamm seinen Anfang, der die Gemeinde u. a. mit der Tristenspitze (2716 m) im Norden und Nordosten vom Weißenbachtal trennt, und zuletzt mit dem Speikboden-Massiv den Talausgang beherrscht.

Ganzjährig erreichbar ist Mühlwald über die Talstraße vom Tauferer Tal her.

GeschichteBearbeiten

 
Der alte Mühlwalder Schießstand im Jahr 1905 aus Anlass des Besuchs von Erzherzog Franz Ferdinand

Der „sprechende“ Ortsname von Mühlwald („[Wasser-]Mühlen in einem waldreichen Gebiet“) ist als Mullenwalt, Mulenwalt und Mülbalt seit ca. 1160 bezeugt.[1]

Wichtigster Grundherr in Mittelalter und Früher Neuzeit war das Kloster Sonnenburg. Im 12. Jahrhundert (1163/64) tauschten die Grafen von Valley umfassenden Besitz an der Südflanke des Mühlwaldertales zwischen dem Putzenbach und dem Wurmtal- oder Passenbach gegen eine Hofstatt in Hötting für den Sonnenburger Konvent ein.[2]

Mühlwald und Lappach gehörten bis zum Ende des Ersten Weltkriegs zum Gerichtsbezirk Taufers und waren Teil des Bezirks Bruneck.

Die Gemeinde Mühlwald erhielt 1928 ihren heutigen Umfang, als das bis dato eigenständige Lappach eingemeindet wurde.

1964 kam es in Mühlwald im Kontext des Südtirol-Terrorismus zum Mord am örtlich stationierten Carabiniere Vittorio Tiralongo.

PolitikBearbeiten

Bürgermeister seit 1952:[3]

  • Josef Forer: 1952–1956
  • Josef Oberlechner: 1956–1964
  • August Aschbacher: 1964–1974
  • Friedrich Mair: 1974–1985
  • Josef Unterhofer: 1985–2010
  • Paul Niederbrunner: seit 2010

WirtschaftBearbeiten

Der Dienstleistungssektor inklusive Tourismus und das produzierende Gewerbe waren bisher im Gegensatz zu den anderen Gemeinden des Tauferer Ahrntals nur von relativ geringer Bedeutung. Aus diesem Grund arbeitet ein Großteil der Erwerbstätigen außerhalb der Gemeinde.

BildungBearbeiten

Auf dem Gemeindegebiet befinden sich zwei Grundschulen im Hauptort Mühlwald und in Lappach, die beide dem deutschen Schulsprengel der Nachbargemeinde Sand in Taufers angeschlossen sind.[4]

SehenswürdigkeitenBearbeiten

Mit dem Projekt „Kraft des Wassers“ wurden Themenwege erschlossen, auf denen regelmäßig geführte Wanderungen angeboten werden. Beginnend beim Wasserkraftwerk Mühlwald am Mühlwalder See führt der Themenweg vorbei an alten Mühlen, an einem Moor mit Quellgebiet und in weiterer Folge durch eine Klamm mit einem Wasserfall, um dann am Neves-Stausee in Lappach zu enden.

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Mühlwald – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikivoyage: Mühlwald – Reiseführer

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Egon Kühebacher: Die Ortsnamen Südtirols und ihre Geschichte. Band 1. Bozen: Athesia 1995, S. 262. ISBN 88-7014-634-0
  2. Martin Bitschnau, Hannes Obermair: Tiroler Urkundenbuch, II. Abteilung: Die Urkunden zur Geschichte des Inn-, Eisack- und Pustertals. Band 2: 1140–1200. Universitätsverlag Wagner, Innsbruck 2012, ISBN 978-3-7030-0485-8, S. 160–161, Nr. 587.
  3. Die Bürgermeister der Gemeinden Südtirols seit 1952. (PDF; 15 MB) In: Festschrift 50 Jahre Südtiroler Gemeindeverband 1954–2004. Südtiroler Gemeindenverband, S. 139–159, abgerufen am 16. November 2015.
  4. Schulsprengel Sand in Taufers. Südtiroler Bürgernetz, abgerufen am 25. Oktober 2014.