Hauptmenü öffnen

Ritten (Gemeinde)

italienische Gemeinde nördlich von Bozen
Ritten
(italienisch: Renon)
Wappen
Wappen von Ritten
Karte
Ritten in Südtirol - Positionskarte.svg
Staat: Italien
Region: Trentino-Südtirol
Provinz: Bozen – Südtirol
Bezirksgemeinschaft: Salten-Schlern
Einwohner:
(VZ 2011/31.12.2017)
7.643/7.892
Sprachgruppen:
(laut Volkszählung 2011)
95,20 % deutsch
4,55 % italienisch
0,25 % ladinisch
Koordinaten 46° 32′ N, 11° 28′ OKoordinaten: 46° 32′ N, 11° 28′ O
Meereshöhe: 296–2170 m s.l.m. (Zentrum: 1154 m s.l.m.)
Fläche: 111 km²
Dauersiedlungsraum:  km²
Fraktionen: Klobenstein, Unterinn, Oberbozen, Wolfsgruben, Oberinn, Mittelberg, Wangen, Lengstein, Lengmoos, Signat, Atzwang, Sill, Gissmann
Nachbargemeinden: Barbian, Bozen, Kastelruth, Karneid, Völs am Schlern, Jenesien, Sarntal, Villanders
Partnerschaft mit: Kirchheimbolanden (Rheinland-Pfalz)
Postleitzahl: 39054
Vorwahl: 0471
ISTAT-Nummer: 021072
Steuernummer: 80008790216
Bürgermeister (2015): Paul Lintner (SVP)

Ritten (italienisch Renon) ist eine Gemeinde mit 7892 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2017) in Südtirol (Italien). Sie erstreckt sich über 111 km² und liegt größtenteils auf dem Ritten, einem weitläufigen Bergrücken im Südosten der Sarntaler Alpen. Die Gemeinde umfasst insgesamt 17 Ortschaften (12 Fraktionen und fünf Weiler).

St. Nikolaus Kirche in Mittelberg am Ritten

GeografieBearbeiten

Die Gemeinde Ritten nimmt den Großteil des gleichnamigen Bergrückens Ritten ein. Nicht zum Gemeindegebiet zählen lediglich tiefer gelegene Südhänge oberhalb von Bozen, sowie das Rittner Horn, das bereits in der nördlichen Nachbargemeinde Barbian liegt. Im Westen reicht das Gemeindegebiet im Ausgangsbereich des Sarntals (Sarner Schlucht) bis an die Talfer hinab, im Osten im unteren Eisacktal bis an den Eisack.

GeschichteBearbeiten

Der Ritten ist erstmals 871–875 als Mons Ritanus urkundlich erwähnt und erscheint im Jahr 1027 als Ausstellungsort Mons Rittena einer kaiserlichen Verfügung des Saliers Konrad II.[1] Bereits um 1200 wurde – dank der Lage am alten Kaiserweg – in der Ortschaft Lengmoos ein Hospiz gegründet und dem Deutschen Orden übergeben. In einem Bozner Schiedsspruch von 1434 tritt die Rittner Landgemeinde („lewtte vnd gemainschaft ab dem Ritten“) als rechtsfähige und eigenständig handelnde Gemeinschaft in Erscheinung.[2] Als Gerichtssitz diente lange die Burg Stein am Ritten.

Im 17. Jahrhundert wurde der Ritten von wohlhabenden Bozner Bürgern für die Sommerfrische entdeckt, da es auf der dortigen Hochfläche wesentlich kühler als in der sommers besonders heißen Landeshauptstadt ist. Zahlreiche Patrizierhäuser wurden vor allem in Maria Himmelfahrt, dem südwestlichen Ausläufer von Oberbozen, errichtet.

1907 wurde der Ritten durch die Rittner Bahn von Bozen aus erschlossen. In den 1960er Jahren setzte der wirtschaftliche Aufschwung eine erhebliche Bautätigkeit in Gang, alle Ortschaften der Gemeinde Ritten wurden durch ein Straßennetz untereinander und mit Bozen verbunden. In Nachfolge der früheren Rittner Seilbahn verbindet seit 2009 eine neue Kabinen-Umlaufbahn Bozen mit Oberbozen.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

Weiters gibt es auf dem Ritten das Haus der Familie. In der dazugehörigen Kirche von Lichtenstern waren bis zur Seligsprechung 2017 die Überreste Josef Mayr-Nussers begraben. Die Kirche wurde daher in den Jahren 2013–2017 umgebaut.[3]

Das Schloss Runkelstein befindet sich auf Rittner Gebiet, am Fuße des Ritten und Ausgang des Sarntals. In der Kommende Lengmoos finden jedes Jahr die Rittner Sommerspiele und verschiedene Konzerte und Ausstellungen statt.

 
Lengmoos am Ritten

PolitikBearbeiten

Gemeinderat (2015)
1
16
1
16 
Insgesamt 18 Sitze

Bürgermeister seit 1952:[4]

  • Anton Plattner: 1952–1960
  • Johann Pichler: 1960–1974
  • Bruno Hosp: 1974–1984
  • Ferdinand Rottensteiner: 1984–2010
  • Paul Lintner: 2010–
 
Hofer-Hof in Mittelberg

WirtschaftBearbeiten

Der Ritten ist landwirtschaftlich geprägt. Landwirtschaft, Tourismus und das Handwerk bilden die Haupteinnahmequellen der Gemeinde. Ein Teil der Bevölkerung pendelt in das nahegelegene Bozen zur Arbeit aus.

Die größten Betriebe auf dem Ritten sind Loacker und Finstral.

BildungBearbeiten

Die Mittelschule im Rittner Hauptort Klobenstein ist nach Hans von Hoffensthal benannt. Die nächstgelegenen weiterführenden Schulen befinden sich in Bozen.

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Ferdinand Rottensteiner: Das Gericht zum Stein auf dem Ritten im Mittelalter, Innsbruck 1969.
  • Beatrix Unterhofer: Hans von Hoffensthal – ein Leben in der Sommerfrische. Raetia, Bozen 1996, ISBN 88-7283-087-7.
  • Sabine Waibl: Bozner Villen und Rittner Landhäuser zwischen Historismus und Moderne. Diplomarbeit. Universität Innsbruck 1997.
  • Inga Hosp: Ritten. Land und Leute am Berg. Tappeiner, Bozen 2005, ISBN 978-88-7073-362-4.
  • Der Ritten und seine Bahn. Athesia, Bozen 2007, ISBN 978-88-6011-079-4.
  • Leo Andergassen: Kirchen am Ritten. Ein Kunstführer. Tappeiner, Bozen 2008, ISBN 978-88-7073-460-7.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Theodor Bitterauf: Die Traditionen des Hochstifts Freising. München 1905/09, Nr. 912; Martin Bitschnau, Hannes Obermair: Tiroler Urkundenbuch. Abt. II, Band 1. Innsbruck: Wagner 2009. ISBN 978-3-7030-0469-8. S. 170, Nr. 198.
  2. Hannes Obermair: Bozen Süd – Bolzano Nord. Schriftlichkeit und urkundliche Überlieferung der Stadt Bozen bis 1500. Band 2. Stadtgemeinde Bozen, Bozen 2008, ISBN 978-88-901870-1-8, S. 76–77, Nr. 989.
  3. https://www.messnerarchitects.com/de/projects.html?pID=44
  4. Die Bürgermeister der Gemeinden Südtirols seit 1952. (PDF; 15 MB) In: Festschrift 50 Jahre Südtiroler Gemeindeverband 1954–2004. Südtiroler Gemeindenverband, S. 139–159, abgerufen am 16. November 2015.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Ritten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien