Mühlbach (Südtirol)

Gemeinde in Südtirol, Italien
Mühlbach
(ital.: Rio di Pusteria)
Wappen
Wappen von Mühlbach
Karte
Mühlbach in Südtirol - Positionskarte.svg
Staat: Italien
Region: Trentino-Südtirol
Provinz: Bozen – Südtirol
Bezirksgemeinschaft: Eisacktal
Einwohner:
(VZ 2011/31.12.2019)
2.914/3.161
Sprachgruppen:
(laut Volkszählung 2011)
95,34 % deutsch
3,93 % italienisch
0,73 % ladinisch
Koordinaten 46° 48′ N, 11° 40′ OKoordinaten: 46° 48′ N, 11° 40′ O
Meereshöhe: 695–3132 m s.l.m. (Zentrum: 777 m s.l.m.)
Fläche: 84,12 km²
Dauersiedlungsraum: 8,4 km²
Fraktionen: Meransen, Spinges, Vals
Nachbargemeinden: Franzensfeste, Freienfeld, Natz-Schabs, Pfitsch, Rodeneck, Vintl
Partnerschaft mit: Volders
Postleitzahl: 39037
Vorwahl: 0472
ISTAT-Nummer: 021074
Steuernummer: 81007110216
Bürgermeister (2020): Heinrich Seppi (SVP)

Mühlbach (italienisch Rio di Pusteria) ist eine italienische Marktgemeinde mit 3161 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2019) in Südtirol.

GeographieBearbeiten

 
Das Gemeindezentrum von Mühlbach von Südosten gesehen, dahinter der Eingang ins Valler Tal

Die Gemeinde Mühlbach befindet sich in Südtirol am Übergang vom Pustertal ins Eisacktal. In landeskundlichen Beschreibungen wird die Gemeinde dementsprechend mal der einen, mal der anderen Talschaft zugerechnet; aufgrund ihrer Nähe zu Brixen ist sie jedoch der modernen Bezirksgemeinschaft Eisacktal zugeteilt. Das Gemeindezentrum, Mühlbach (750–830 m s.l.m.), liegt direkt am Mühlbacher Stausee, in dem die aus dem Pustertal kommende Rienz gestaut wird und durch den die Grenze zur südöstlichen Nachbargemeinde Rodeneck verläuft. Hinter dem Ortskern liegt der Eingang des Valler Tals, das sich nordwärts in die Pfunderer Berge genannte Untergruppe der Zillertaler Alpen hinaufzieht. Auf einer Mittelgebirgsterrasse östlich über dem Valler Taleingang unter dem Gitschberg befindet sich die Fraktion Meransen (1380–1510 m), auf einer Mittelgebirgsterrasse westlich des Taleingangs an der Südgrenze zur Nachbargemeinde Natz-Schabs die Fraktion Spinges (1090–1190 m).

Das vom Valler Bach entwässerte Valler Tal nimmt zusammen mit seinem bedeutendsten Seitental, dem nach Nordosten abzweigenden Altfasstal, den größten Teil der Mühlbacher Gemeindefläche von insgesamt 84,12 km² ein. Es bietet der Fraktion Vals (1340–1410 m) Platz und ist von Gebirgskämmen umgeben, die im Westen die Grenzen zu den Wipptaler Gemeinden Franzensfeste und Freienfeld tragen, im Nordwesten die Begrenzung zum Pfitscher Tal (Gemeinde Pfitsch) und im Osten zum Pfunderer Tal (Gemeinde Vintl) darstellen. Über dem Talschluss im Norden erheben sich die beiden höchsten Mühlbacher Gipfel: die Wilde Kreuzspitze (3135 m) und die Wurmaulspitze (3022 m).

GeschichteBearbeiten

Die älteste Erwähnung von Mulibah findet sich in einer Brixner Traditionsnotiz, aus der Zeit um 1050. Der deutsche Name des Ortes legt jedoch, verglichen mit den vordeutschen Namen von Spinges, Vals, Meransen und Rodanc-Rodeneck, die Vermutung nahe, dass diese bairisch-deutsche Jungsiedlung in das Gemeindegebiet eines dieser Orte eingepflanzt worden ist bzw. das Mühlenviertel eines dieser Orte gebildet hat. Nachdem nun der Hauptort Mühlbach ebenso wie die Fraktionen Spinges, Vals und Meransen durch Jahrhunderte (bis 1891) zur Pfarre Rodeneck gehörte, darf angenommen werden, dass Rodank-Rodeneck die ursprüngliche Muttergemeinde von Mühlbach gewesen ist. Die Schutzpatronin ist die Helena, die am 15. August mit einer traditionellen Prozession gefeiert wird.

Die Grenze zum Pustertal bildet die Mühlbacher Klause. Die einstige Tal- und Straßensperre, die zur Zolleinhebung diente, wurde zum ersten Mal am 12. Januar 1269 erwähnt. Der granitene, wappengeschmückte Zahltisch (Zahlstein) befand sich lange im alten Friedhof von Mühlbach. Dort war er vor der Florianikapelle aufgestellt, wurde aber inzwischen in die renovierte Mühlbacher Klause zurückgebracht.

Das Wasserkraftwerk Mühlbach ging 2012 in Betrieb.

BildungBearbeiten

Mühlbach ist Sitz eines deutschen Schulsprengels. Dieser umfasst auf dem Gemeindegebiet die vier Grundschulen im Hauptort Mühlbach, in Meransen, Spinges und Vals, sowie die Mittelschule im Hauptort. Dem Schulsprengel angeschlossen ist auch die Grundschule der Nachbargemeinde Rodeneck.[1] In Mühlbach besteht zudem die private Mittelschule „Herz-Jesu-Institut“.[2]

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Ansitz Freyenthurn
  • Der Ansitz Freyenthurn: Die wuchtige Anlage prägt das Ortsbild. Die mittelalterliche Turmanlage, zwischen 1269 und 1277 von Friedrich von Rodank[3] erbaut, wurde 1578 von Georg von Enzenberg erworben. Er und seine Söhne bauten sie zum repräsentativen Adelssitz, umschlossen mit einer Mauer, aus. Der Ansitz wurde später weiter ausgebaut, so der Westflügel und im oberen Stock der Arkadengang. Als die Mühlbacher Linie der Enzenberg ausstarb, verkauften die Erben den Ansitz 1790 an den Brixner Domherr Hirn, welcher ihn den Tertiarschwestern zur Niederlassung ihres Ordens und der Errichtung einer Mädchenschule überließ. Seit 1856 ist der Ansitz Klosterschule der Tertiarschwestern, siehe: Herz-Jesu-Institut (Mühlbach).
  • Ein weiteres Baudenkmal ist die Granitbrücke über den Valler Bach, die Kanzler Metternich 1840 für die Reichsstraße erbauen ließ.
  •  
    Mühlbacher Kirchplatz
    Der Mühlbacher Kirchplatz: Der historische Marktplatz ist Kulisse vieler Veranstaltungen. Auch Papst Benedikt XVI. hat mütterlicherseits familiäre Wurzeln in Mühlbach. Die historische Kirche ist eng mit der Geschichte des Papstes verbunden.[4]

PolitikBearbeiten

Bürgermeister seit 1952:[5]

  • Rudolf Rauchenbichler: 1952–1956
  • Ernst Leitner: 1956–1969
  • Alfons Gruber: 1969–1978
  • Ernst Leitner: 1978–1989
  • Franz Gruber: 1989–2010
  • Christoph Prugger: 2010–2020
  • Heinrich Seppi: seit 2020

Söhne und Töchter der GemeindeBearbeiten

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Franz-Heinz Hye (Hrsg.): Der alte Markt Mühlbach. Schützenkompanie der Marktgemeinde, Mühlbach 1979 (online).
  • Josef Niedermair: Mühlbach, Meransen, Vals, Spinges, Rodeneck. Athesia, Bozen 1982, ISBN 88-7014-267-1.
  • Armin Mutschlechner (Hrsg.): Mühlbach bei Franzensfeste 1897–1947. Retina, Bozen 2020. ISBN 978-88-99834-17-3

WeblinksBearbeiten

Commons: Mühlbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Schulsprengel Mühlbach. Südtiroler Bürgernetz, abgerufen am 25. Oktober 2014.
  2. Gleichgestellte Mittelschule Mühlbach 'Herz Jesu Institut'. Südtiroler Bürgernetz, abgerufen am 25. Oktober 2014.
  3. Denkmalpflege Provinz Bozen
  4. Startseite Weisse Lilie Mühlbach - Hotel und Gasthof - Gitschberg Jochtal Autobahnausfahrt Brixen. Abgerufen am 31. Juli 2019.
  5. Die Bürgermeister der Gemeinden Südtirols seit 1952. (PDF; 15 MB) In: Festschrift 50 Jahre Südtiroler Gemeindeverband 1954–2004. Südtiroler Gemeindenverband, S. 139–159, abgerufen am 16. November 2015.