Europäische Weltraumorganisation

Zusammenschluss europäischer Staaten zur Weltraumforschung
(Weitergeleitet von ESA)

Die Europäische Weltraumorganisation (englisch European Space Agency, kurz ESA; französisch Agence spatiale européenne , ASE) ist eine internationale Organisation 22 europäischer Staaten für die Koordinierung und den Betrieb gemeinsamer Raumfahrtaktivitäten. Sie wurde 1975 gegründet, um Europa technologisch und politisch unabhängiger von den Raumfahrtnationen Sowjetunion und Vereinigte Staaten zu machen. Die ESA hat ihren Sitz in Paris und beschäftigte im Jahr 2022 etwa 2200 Mitarbeiter. Generaldirektor der Organisation ist seit März 2021 der Österreicher Josef Aschbacher.

Europäische Weltraumorganisation
ESA/ASE
 

ESOC-Kontrollraum in Darmstadt
Englische Bezeichnung European Space Agency
Französische Bezeichnung Agence spatiale européenne
Sitz der Organe Paris, Frankreich Frankreich
Vorsitz OsterreichÖsterreich Josef Aschbacher (Generaldirektor)
Mitgliedstaaten 22:
Assoziierte Mitglieder 5:
Kanada Kanada
Lettland Lettland
Litauen Litauen
Slowakei Slowakei
Slowenien Slowenien
Amts- und Arbeitssprachen

Englisch, Französisch, Deutsch[1]

Gründung 30. Mai 1975
www.esa.int
Daten und Fakten:
Budget: 7,79 Mrd. € (2024)[2]
Mitarbeiter: etwa 2200 (2022)[3]
Raumhafen: Raumfahrtzentrum Guayana in Kourou
Trägersysteme: Ariane 6, Vega

Die ESA ist die Nachfolgeorganisation der ELDO, der ESRO und der Europäischen Fernmeldesatelliten-Konferenz (CETS). Wie diese beschränkt sie sich in ihren Projekten zur Weltraumerforschung und -nutzung „ausschließlich auf friedliche Zwecke“. Die ESA ist keine Unterorganisation der Europäischen Union, allerdings durch das Weltraumprogramm der Europäischen Union eng mit EU und den nationalen Raumfahrtagenturen ihrer Mitgliedstaaten verflochten. Die Mehrzahl der EU-Staaten ist an der ESA beteiligt, außerdem die Schweiz, Norwegen und das Vereinigte Königreich.[4][5] Die ESA ist gemeinsam mit der NASA Gründungsmitglied des Consultative Committee for Space Data Systems (CCSDS).

Geschichte Bearbeiten

Die Gründung Bearbeiten

 
ESRO-2B war 1968 der erste erfolgreiche Satellit der ESRO
 
ESA-Hauptverwaltung in Paris

Nach dem Zweiten Weltkrieg verließen viele europäische Luft- und Raumfahringenieure und Wissenschaftler Westeuropa, um entweder in den Vereinigten Staaten oder der Sowjetunion zu arbeiten. Der Aufschwung in den 1950er-Jahren ermöglichte Investitionen der westeuropäischen Staaten in Forschung und Raumfahrt. Die europäischen Wissenschaftler erkannten jedoch, dass nationale Projekte nicht mit den beiden Supermächten konkurrieren konnten. Bereits 1958, nur wenige Monate nach dem Sputnikschock, trafen sich Edoardo Amaldi und Pierre Auger, zwei bedeutende Mitglieder der westeuropäischen Wissenschaftsgemeinde, um die Gründung einer gemeinsamen westeuropäischen Weltraumorganisation zu besprechen. Das Treffen wurde von wissenschaftlichen Repräsentanten aus acht Staaten begleitet.

Die westeuropäischen Nationen entschieden sich, zwei getrennte Agenturen zu schaffen: die ELDO (European Launcher Development Organisation) sollte Trägersysteme entwickeln und bauen und die ESRO (Europäische Weltraumforschungsorganisation) sollte die wissenschaftlichen Satelliten entwickeln. Die ESRO wurde am 20. März 1964 durch ein am 14. Juni 1962 unterzeichnetes Abkommen gegründet. Zwischen 1968 und 1972 feierte ESRO ihre ersten Erfolge: Sieben Forschungssatelliten wurden mit Hilfe amerikanischer Trägersysteme in den Orbit gebracht. ELDO hingegen konnte während ihres Bestehens keine erfolgreiche Trägerrakete starten. Beide Organisationen waren unterfinanziert und die Auftrennung in zwei Organisationen bewährte sich nicht.

Die ESA wurde am 30. Mai 1975 mit dem Übereinkommen zur Gründung einer Europäischen Weltraumorganisation mit Unterzeichnung unter das Abkommen durch die zehn ursprünglichen Gründungsmitglieder in Paris als Zusammenschluss der ESRO mit der ELDO gegründet.[6][7] Nach Hinterlegung der letzten Ratifikationsurkunde durch Frankreich trat am 30. Oktober 1980 gemäß Artikel XXI Absatz 1 des Übereinkommens die Gründung dann in Kraft.[7][8][9]

Die Gründung bezweckte eine bessere Koordinierung der europäischen Raumfahrtaktivitäten, um technologisch gegenüber den großen Raumfahrtnationen Sowjetunion und Vereinigte Staaten gleichberechtigt auftreten zu können. Wie zuvor bei der ESRO ist auch bei der ESA die Teilnahme am wissenschaftlichen Programm für alle Mitglieder vorgeschrieben, während an weiteren Programmen wie Anwendungssatelliten, Trägerraketen oder bemannte Raumfahrt nur Staaten teilnehmen, die daran Interesse haben und Beiträge dazu leisten wollen. Die ESA gibt entsprechend den Mitgliedsbeiträgen zu den jeweiligen Programmen Aufträge an die Raumfahrtfirmen der an den Programmen beteiligten Staaten.[10]

Die Anfänge Bearbeiten

 
Giotto mit Halley

Anfang der 1970er-Jahre, als sich der Wettstreit um den Vorstoß ins Weltall zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion gelegt hatte und die Budgets der Raumfahrtagenturen dramatisch gekürzt wurden, etablierte sich die ESA als ein Vorreiter in der friedlichen Erforschung des Alls.

Die ESA startete ihre erste große wissenschaftliche Mission 1975 mit dem Satelliten COS-B. In Kooperation mit der NASA und dem britischen SERC wurde 1978 IUE gestartet. Es war das erste Weltraumteleskop in einer Erdumlaufbahn und bis September 1996 in Betrieb.

Eine Vielzahl von erfolgreichen Projekten im Erdorbit folgten und 1985 begann mit Giotto die erste Deep-Space-Mission, die 1986 den Halleyschen Kometen und 1992 den Kometen Grigg-Skjellerup untersuchte. In der folgenden Zeit wurde – teilweise in Kooperation mit der NASA – eine große Zahl an Projekten gestartet. Als Nachfolgeorganisation der ELDO entwickelte die ESA in dieser Zeit außerdem ihre Trägerraketen für kommerzielle und wissenschaftliche Nutzlasten im Rahmen des Ariane-Programms erfolgreich weiter.

Die jüngere Geschichte Bearbeiten

Im neuen Jahrtausend wurde die ESA neben Raumfahrtagenturen wie der NASA, ISRO, JAXA und Roskosmos zu einer Größe in der Weltraumforschung, auch durch gemeinsame Projekte mit diesen internationalen Partnern. Neben bedeutenden eigenen Forschungsmissionen wie den Raumsonden Solar Orbiter und Juice ist die ESA unter anderem an der Internationalen Raumstation und dem James Webb Space Telescope beteiligt, den bislang aufwändigsten Raumfahrtprojekten der Menschheit. Die von der ESA initiierte Rakete Ariane 5 war eine der bislang erfolgreichsten und zuverlässigsten Schwerlastraketen; das gemeinsam mit der EU entworfene Galileo-Navigationssystem garantiert Europa – nach anfänglichen Schwierigkeiten – eine Unabhängigkeit vom amerikanischen GPS. Generell führten diverse Umstände bei der Zusammenarbeit mit der NASA (z. B. rechtliche Einschränkungen bezüglich des Informationsaustauschs, unkalkulierbare Projekteinstellungen durch plötzliche Finanzmittelstreichung) dazu, dass die ESA neuere Missionen häufiger in Eigenregie oder in Kooperation mit anderen Partnern wie Roskosmos oder JAXA anging. Die Zusammenarbeit mit Roskosmos – abgesehen von der gemeinsamen Nutzung der ISS – wurde jedoch infolge des russischen Überfall auf die Ukraine seit 2022 abrupt wieder beendet.

Seit 2002 verfügt das ESA-eigene ESTRACK-Netzwerk neben weltweiten Trackingstationen zur Satellitenverfolgung und für Raketenstarts auch über drei eigene Deep-Space-Stationen für Mondmissionen, Missionen an den Lagrangepunkten und interplanetare Raummissionen, außerdem und über die Technologie für Raketenstarts und für kritische Flugmanöver wie das Einschwenken in einen Mond- oder Planetenorbit. Durch die weltweite Verteilung der Stationen konnte eine nahezu lückenlose Himmelsabdeckung erreicht werden. Insgesamt entwickelte sich die ESA zu einer Organisation, die im Kern mehr auf eigenen Kompetenzen und Bündelungen der Leistungen der Mitgliedsstaaten und der verschiedenen nationalen Raumfahrtagenturen beruht, als auf Beiträgen nichteuropäischer Weltraumorganisationen. Mit Partnern wie Kanada, Mexiko und Israel hat die ESA eine zunehmend globale Ausrichtung.

Infolge von Planungsfehlern, technischen Problemen und dem Rückzug aus der Zusammenarbeit mit Roskosmos verfügt Europa – mit Ausnahme eines einzigen Restexemplars der Vega – seit dem Herbst 2023 vorerst über keine einsatzbereite Trägerrakete mehr.[11] Daher lässt die ESA Wissenschaftsmissionen und Navigationssatelliten vorläufig mit Raketen des amerikanischen Unternehmens SpaceX starten.[12][13]

Standorte Bearbeiten

 
Europäische Weltraumorganisation (Europa)
 
Kourou
(CSG)
Paris (HQ)
Noordwijk (ESTEC)
Darmstadt (ESOC)
Frascati (ESRIN)
Köln (EAC)
Villafranca del Castillo (ESAC)
Redu (ESEC)
Harwell (ECSAT)
Esrange (ESC)

Haupteinrichtungen Bearbeiten

ESA ist aufgrund einer politischen Entscheidung dezentral organisiert. Die heutigen Standorte gehen zum größten Teil noch auf Einrichtungen der Vorläuferorganisationen zurück. Die Standorte wurden auf die verschiedenen Mitgliedstaaten verteilt und es sollte nicht ein Land alleine das nationale Prestige der ESA und das der Forschung gewonnene Wissen genießen, während die übrigen zwar Beiträge leisten, aber keinen fassbaren Anteil am gemeinsamen Projekt haben. Ebenso wird darauf geachtet, dass das Personal der ESA-Einrichtungen insgesamt multinational aus allen beitragenden Nationen rekrutiert wird, ungefähr entsprechend dem Beitragsanteil. Die ESA hat als multinationale Organisation einen besonderen steuerrechtlichen Status, was bedeutet, dass alle Angestellten in allen ESA Einrichtungen nach den gleichen Bedingungen arbeiten, unabhängig von ihrer Nationalität und vom Land, in dem sie eingesetzt werden, und nicht unterschiedlichen Steuern und Sozialabgaben unterliegen.

Daneben betreibt die ESA Verbindungsbüros in Brüssel (Belgien), Moskau (Russland) und Washington (USA) und ist an der Denkfabrik ESPI in Wien (Österreich) und am Weltraumbergbauinstitut ESRIC in Luxemburg beteiligt. Den schwedischen Raketenstartplatz Esrange nutzt die ESA für Forschungsprojekte mit Höhenforschungsraketen.

Gründerzentren Bearbeiten

Anfang 2023 bestanden folgende ESA Business Incubation Centres (ESA-Gründerzentren), jeweils mit Gründungsjahr und Sitz:[14]

Direktoren Bearbeiten

 
Josef Aschbacher, der amtierende Generaldirektor der ESA

Da sich die Franzosen und Deutschen nach der Gründung über die Führung nicht einigen konnten, wurde der Brite Roy Gibson zum ersten Director General ernannt.

ESA-Generaldirektoren
Amtsträger Amtszeit Herkunftsstaat
Roy Gibson 1975–1980 Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Königreich
Erik Quistgaard 1980–1984 Danemark  Dänemark
Reimar Lüst 1984–1990 Deutschland  Deutschland
Jean-Marie Luton 1990–1997 Frankreich  Frankreich
Antonio Rodotà 1997–2003 Italien  Italien
Jean-Jacques Dordain 2003–2015 Frankreich  Frankreich
Johann-Dietrich Wörner 2015–2021 Deutschland  Deutschland
Josef Aschbacher seit dem 1. März 2021 Osterreich  Österreich

Mitgliedstaaten und Kooperationspartner Bearbeiten

 
  • ESA-Mitgliedstaat
  • Assoziiertes Mitglied
  • ECS-Partnerstaat
  • Kooperationsvertrag
  •  
  • ESA-Mitgliedstaat
  • Assoziiertes Mitglied
  • ECS-Partnerstaat
  • Kooperationsvertrag
  • Mitgliedsstaaten Bearbeiten

    Staat Beitritt (Ratifizierungsdatum) Nationale Raumfahrtorganisation Anmerkungen
    Mitgliedstaaten
    Belgien  Belgien 3. Oktober 1978 BELSPO Gründungsmitglied
    Danemark  Dänemark 15. September 1977 DTU Space Gründungsmitglied
    Deutschland  Deutschland 26. Juli 1977 DLR Gründungsmitglied
    Estland  Estland 4. Februar 2015 ESO [15][16]
    Finnland  Finnland 1. Januar 1995 Wirtschafts- und Arbeitsministerium
    Frankreich  Frankreich 30. Oktober 1980 CNES Gründungsmitglied
    Griechenland  Griechenland 9. März 2005 HSA /HSC
    Irland  Irland 10. Dezember 1980 EI
    Italien  Italien 20. Februar 1978 ASI Gründungsmitglied
    Luxemburg  Luxemburg 30. Juni 2005 LSA
    Niederlande  Niederlande 6. Februar 1979 NSO Gründungsmitglied
    Norwegen  Norwegen 30. Dezember 1986 NOSA
    Osterreich  Österreich 30. Dezember 1986 ALR
    Polen  Polen 19. November 2012 POLSA [17]
    Portugal  Portugal 14. November 2000 FCT
    Rumänien  Rumänien 22. Dezember 2011 ROSA
    Spanien  Spanien 7. Februar 1979 INTA Gründungsmitglied
    Schweden  Schweden 6. April 1976 SNSA Gründungsmitglied
    Schweiz  Schweiz 19. November 1976 SSO Gründungsmitglied
    Tschechien  Tschechien 12. November 2008 Verkehrsministerium
    Ungarn  Ungarn 24. Februar 2015 HSO [18]
    Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Königreich 28. März 1978 UKSA Gründungsmitglied
    Assoziierte Mitglieder
    Lettland  Lettland 27. Juli 2020 Bildungs- und Wissenschaftsministerium assoziiertes Mitglied[19]
    Litauen  Litauen 21. Mai 2021 LSA assoziiertes Mitglied[20]
    Slowakei  Slowakei 13. Oktober 2022 SSO assoziiertes Mitglied[21]
    Slowenien  Slowenien 5. Juli 2016 SPACE-SI assoziiertes Mitglied[22]

    Verhältnis zur Europäischen Union Bearbeiten

    Eine direkte Verbindung zwischen der Europäischen Union und der ESA besteht nicht, die ESA ist nicht die Raumfahrtbehörde der EU. Die ESA ist eine eigenständige Organisation, die jedoch über das Weltraumprogramm der Europäischen Union enge Verbindungen mit der EU unterhält und von der EU finanziell unterstützt wird. Die Zusammenarbeit von ESA und EU wird durch das EU-ESA-Rahmenabkommen (ESA/European Commission Framework Agreement) geregelt.[23] 19 der 22 Mitgliedstaaten der ESA sind gleichzeitig Mitglieder der Europäischen Union. Mit den übrigen 7 EU-Mitgliedsstaaten bestehen Kooperationsvereinbarungen.[24]

    Ungeachtet dessen werden im Rahmen der ESA-Langzeitprogramme gemeinsame Aktionen mit gemeinsamer Finanzierung durchgeführt (Ariane-Raketen, Raumfähre Hermes, Weltraumlabor Columbus u. a.).[25] Mittlerweile kennt der Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV) mit den Art. 179–190 einen eigenständigen Politikbereich „Forschung, technologische Entwicklung und Raumfahrt“. Seit 2009 besteht mit der neuen Vorschrift des Art. 189 AEUV der forschungs-, wie entwicklungspolitische Auftrag an die Union, die Konturen eines Weltraumprogrammes der Europäischen Union auszuarbeiten. Hierbei erteilt Art. 189 Abs. 3 AEUV der Union den Auftrag, alle zweckdienlichen Verbindungen zur ESA aufzunehmen. In der Durchführung tritt die EU als Kunde auf, der Aufträge an ESA vergibt und dafür bezahlt.

    Europäische Kooperationsstaaten (ECS) Bearbeiten

    Da der Sprung zwischen Nichtmitgliedschaft und assoziierter Mitgliedschaft für einige Staaten zu groß war, wurde ein neuer Beteiligungsstatus eingeführt. Staaten mit diesem Status werden als Europäische Kooperationsstaaten (ECS) bezeichnet und mit dem Plan für Europäische Kooperationsstaaten (PECS) haben sie eine Möglichkeit zur engeren Kooperation. In dem Fünfjahresplan vereinbaren der beteiligte Staat und die ESA die gemeinsamen Projekte. Für die Verhandlungen darüber sind maximal zwölf Monate vorgesehen. Die Firmen und Agenturen in diesen Staaten können sich daraufhin an Ausschreibungen beteiligen, um an Projekten der ESA teilzunehmen. Die Teilnehmerstaaten können sich bis auf das Basic Technology Research Programme an fast allen Programmen beteiligen. Auch ist die Abgabenbelastung geringer als bei einer Vollmitgliedschaft.

    Beteiligte Staaten
    Bewerberstaat Kooperationsvertrag ECS PECS ESA-Mitgliedschaft möglich ab
    Bulgarien  Bulgarien 8. April 2015[26] 2022[27]
    Zypern Republik  Zypern August 2009 6. Juli 2016[28] 2022[27]

    Tschechien war von November 2003 bis November 2008 ein ECS-Staat, Rumänien von Februar 2006 bis Januar 2011, Polen von April 2007 bis September 2012, Ungarn von April 2003 bis Februar 2015 und Estland von November 2009 bis Februar 2015. Mittlerweile sind diese Staaten Vollmitglieder.

    Staaten mit Kooperationsvertrag Bearbeiten

    Voraussetzung für eine ECS-Mitgliedschaft ist das vorherige Unterzeichnen eines Kooperationsvertrages. Dies ist der erste Schritt in Richtung wachsender Kooperation zwischen ESA und dem betreffenden Staat, bis hin zur Vollmitgliedschaft.

    Folgende Staaten haben einen Kooperationsvertrag mit der ESA, ohne ECS-Staaten zu sein:

    Bewerberstaat Kooperationsvertrag
    Kanada  Kanada 1. Januar 1979[29]
    Turkei  Türkei Juli 2004
    Ukraine  Ukraine Januar 2008
    Israel  Israel Januar 2011[30]
    Malta  Malta Februar 2012[31]
    Kroatien  Kroatien 19. Februar 2018[32]
    Mexiko  Mexiko 14. Februar 2023[33]

    Abkommen mit der NASA Bearbeiten

    Die wichtigsten Abkommen bestehen in der Zusammenarbeit zwischen NASA und ESA, sie reichen zurück bis in die Anfänge der ESA und der nationalen Weltraumagenturen, die heute Teil der ESA sind. Es bestehen außer den zahlreichen gemeinsamen Missionen auch weitere tiefergreifende Abkommen zur gegenseitigen Zusammenarbeit. Ein neues Abkommen aus dem Jahr 2021 betrifft eine gemeinsame Überwachung des Klimawandels.[34] Regelmäßig leistet ESA Beiträge zu NASA-Missionen und umgekehrt.

    Abkommen mit Roskosmos Bearbeiten

    Es gab ein Kooperations- und Partnerschaftsabkommen zwischen der ESA und Roskosmos. Angefangen hatte die europäisch-russische Kooperation 1990[35] mit Wissenstransfers, Ausbildung von Astronauten und der Durchführung von ESA-Experimenten bei russischen Missionen. So fand z. B. der erste Außenbordeinsatz eines ESA-Astronauten im Rahmen der Euromir-95 Mission statt.

    In der neuesten Auflage des Rahmenvertrags zwischen der ESA und Roskosmos vom 19. Januar 2005 wurde eine Partnerschaft bei der Entwicklung, dem Bau und der Nutzung von Trägerraketen vereinbart.[36] Dazu gehörte der Aufbau einer Startplattform für Sojus-Raketen am Centre Spatial Guyanais, dem europäischen Weltraumbahnhof in Französisch-Guayana. Die Startrampe war ab 2011 einsatzfähig, der letzte Start war am 10. Februar 2022. Mit dem Überfall Russlands auf die Ukraine endeten alle Raketenstarts und faktisch auch weitgehend die Zusammenarbeit mit Roskosmos.

    Abkommen mit ISRO Bearbeiten

    Am 30. Juli 2021 unterzeichnete ISRO ein Abkommen mit ESA zur gegenseitigen Unterstützung in missionskritischen Situationen für ausgewählte Weltraummissionen, beispielsweise für die Launch and Early Orbit Phase nach Raketenstarts, das Einschwenken in eine Umlaufbahn oder eine Landung auf einem Himmelskörper. Das Abkommen unterstützt den Austausch von Navigationsdaten, Unterstützung im Missionsbetrieb und die Weiterleitung von Daten. Das Abkommen kam beziehungsweise kommt beispielsweise bei der Mondmission Chandrayaan-3 und dem Sonnenobservatorium Aditya-L1 zum Einsatz und betrifft auch das bemannte Raumfahrtprogramm Gaganyaan. Im Gegenzug kann die ESA die Trackingstationen der ISTRAC und die Tiefraumstation des Indian Deep Space Network in Byalalu bei Bangalore für eigene Missionen nutzen.[37]

    Kooperationen mit den Weltraumorganisationen der Mitgliedsstaaten Bearbeiten

    Die ESA unterhält enge Beziehungen mit verschiedenen nationalen Weltraumagenturen der Mitgliedsstaaten. Bisher gab es schon für einzelne Missionen eine Zusammenarbeit. Angestrebt wird aber eine bessere Integration und Nutzung von Einrichtungen der nationalen Weltraumagenturen über die Grenzen hinweg, eine verbesserte Ausfallsicherheit durch die Nutzung solcher Einrichtungen als Backup für das Europäische Raumflugkontrollzentrum (ESOC) und der Austausch von Erfahrungen aus Forschung, Entwicklung und im Einsatz. Dieses soll die Stabilität der Einrichtungen der ESA im Betrieb verstärken und gibt im Gegenzug den nationalen Raumfahrtorganisationen Zugriff auf Ressourcen und Erfahrungen der ESA. Insgesamt soll damit der Auslastungsgrad aller Ressourcen und damit die Kosteneffizienz verbessert werden.

    Diverse Einrichtungen der ESA werden lokal bereits gemeinsam mit den nationalen Raumfahrtorganisationen betrieben. Es besteht beispielsweise seit 2018 eine Kooperation mit dem DLR zur Nutzung von dessen GSOC-Kontrollzentrum in Oberpfaffenhofen,[38] und mit der französischen Raumfahrtagentur CNES in Toulouse.

    Frankreichs Rolle Bearbeiten

    • Die ESA hat den Hauptsitz in Paris, das unterstreicht eine führende Rolle Frankreichs.
    • Frankreich bezahlt den zweithöchsten Beitrag am ESA-Budget.
    • Starke nationale Weltraumagentur CNES mit dem größten Budget unter allen ESA-Weltraumagenturen
    • Hauptstandort der Entwicklung und des Betriebs der Ariane-Raketen, einschließlich der Triebwerksentwicklung
    • Betrieb des Weltraumbahnhofs in Kourou auf französischem Terrain
    • Entwicklung von Satellitenbussen

    Deutschlands Rolle Bearbeiten

     
    Das Tauchbecken im EAC in Köln für Schwerelosigkeitstrainings der ESA
    • Deutschland ist größter Beitragszahler.
    • Die Europäische Weltraumorganisation ist in Deutschland mit drei Standorten vertreten.
    • Das Europäische Raumflugkontrollzentrum (ESOC) in Darmstadt ist seit 1967 für den Betrieb sämtlicher ESA-Satelliten und für das dazu notwendige weltweite Netz der ESTRACK-Bodenstationen verantwortlich. Es hat auch die Kontrolle bei Raketenstarts und unterstützt Deep-Space-Missionen mit Antennenstationen.
    • Das Europäische Astronautenzentrum (EAC) in Köln ist ein Kompetenzzentrum zur Auswahl, Ausbildung, medizinischen Betreuung und Überwachung von Astronauten. Zudem betreut es Astronauten und deren Angehörige während der Vorbereitung und Durchführung der Weltraummissionen.
    • Das Columbus-Kontrollzentrum (Col-CC) der ESA unterstützt das europäische Columbus-Labor als integralen Bestandteil der ISS. Das Col-CC befindet sich auf dem Gelände des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen bei München. In diesem Zusammenhang vertritt das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) die Interessen der Bundesrepublik Deutschland bei der ESA.
    • Das Institut für Raumfahrtantriebe der DLR in Lampoldshausen testet im Auftrag der ESA Raketentriebwerke.

    Italiens Rolle Bearbeiten

    • Italien brachte die Expertise in der Entwicklung von Raketen und Satelliten bei der Gründung der ESA ein. Italien war die vierte Nation nach den USA, der Sowjetunion und Kanada, die einen Satelliten ins All brachte.
    • Entwicklung der leichten Vega-Trägerraketen
    • Europäisches Weltraumforschungsinstitut (ESRIN) in Frascati nahe Rom
    • Entwicklung und Bau des ISS-Moduls Harmony

    Kooperationen mit Universitäten Bearbeiten

    Die Europäische Weltraumorganisation richtete mit mehreren Universitäten gemeinsame Forschungslabore namens ESA_Lab ein. ESA Labs existieren an folgenden Universitäten (Stand 2019, ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

    Ministerrat Bearbeiten

    Oberstes Gremium ist der ESA-Ministerrat. Alle drei Jahre (früher alle zwei Jahre) hält er eine Ministerkonferenz ab, an der alle Mitglieder und Partner der ESA teilnehmen. Der Ministerrat hat das letzte Wort bei Beschluss und Finanzierung der Projekte. Die Konferenz tagt jeweils in einer Stadt eines Mitgliedstaates. Es werden zukünftige Projekte und deren finanzielle Mittel beschlossen und, sofern ein Antrag vorliegt, über die Aufnahme neuer Partner und Mitglieder entschieden.

    Im November 2012 fand die Konferenz in Neapel statt; dort wurde unter anderem die Finanzierung der Entwurfsstudien der Ariane 6 genehmigt.[43] In Luxemburg wurde am 2. Dezember 2014 getagt. Hier wurde insbesondere der Bau der Ariane 6 beschlossen.[44] Am 1. und 2. Dezember 2016 traf sich der Ministerrat in Luzern. Die weitere Finanzierung der ISS bis 2024 und von ExoMars wurde festgesetzt.[45] Erstmals im dreijährigen Rhythmus fand die Konferenz am 27. und 28. November 2019 in Sevilla statt. Dort wurde unter anderem die Finanzierung der Ariane 6 sowie die Beteiligung an der Mondorbitstation LOP-G beschlossen.[46]

    Die letzte Ministerratskonferenz fand am 22. und 23. November 2022 in Paris statt.[47] In einer Zeit hoher Inflation stockte sie das nominelle ESA-Budget um 17 % auf.[48] Es wurde auch über Projekte für Kleinraketen beraten, die in Zukunft für den Start von Cubesats und anderen Kleinsatelliten eine wichtige Rolle spielen könnten.[49] Bei dieser Ministerratskonferenz war Vizekanzler und Minister Robert Habeck anwesend und Deutschland übernahm von Frankreich den Vorsitz bis zur nächsten Ministerratskonferenz. Während der Konferenz wurden 17 neue Astronauten vorgestellt.

    Finanzierung Bearbeiten

    Die ESA finanziert sich aus dem Staatshaushalt der Mitgliedstaaten. Die Anteile der einzelnen Staaten richten sich nach dem Bruttoinlandsprodukt des jeweiligen Staates. Es wird dabei unterschieden zwischen obligatorischen Tätigkeiten, an denen sich alle Mitgliedstaaten beteiligen müssen, sowie einer Reihe fakultativer Programme, bei denen es den einzelnen Staaten freigestellt ist, ob und in welchem Umfang sie sich beteiligen möchten. Im Gegensatz zum Ausschreibungswesen der EU richtet sich die Vergabe der ESA-Aufträge an die Industrie – gemäß dem Geo-Return-Abkommen – nach dem Finanzierungsanteil des zugehörigen Mitgliedstaates. Aufgrund der Convention for the establishment of a European Space Agency[50], einem Vertrag zwischen der ESA und jedem Mitgliedsstaat, gelten – wie auch mit der NATO oder der OECD – einige rechtliche Sonderregelungen. Unter anderem sind sämtliche Einkünfte der ESA und den zugehörigen Mitarbeitern von der Besteuerung und den Sozialversicherungssystemen der jeweiligen Mitgliedsstaaten ausgenommen. Aus diesem Grund besteht eine interne Steuer für ESA-Mitarbeiter.[51] Für Mitarbeiter wird eine eigene Kranken-, Unfall- und Berufsunfähigkeitsversicherung sowie eine Pensionskasse gewährleistet.[52]

    Um die internationale Arbeit zu erleichtern, ist der Transport von Gütern der ESA vom Zoll, der Einfuhrumsatzsteuer und sonstigen Transportbeschränkungen des jeweiligen Mitgliedsstaates ausgenommen. Auch der Kauf von Gütern, die für die Arbeiten der ESA notwendig sind, ist von der Umsatzsteuer befreit.

    Budget für ESA Aktivitäten und Programme (in Mio. Euro)
    Jahr 2012 2013[53] 2014[54] 2015[55] 2016[56] 2017[57] 2018[58] 2019[59] 2020[60] 2021[61] 2022[62] 2023[63] 2024[2]
    Mitgliedstaaten Mio. € Anteil Mio. € Anteil Mio. € Anteil Mio. € Anteil Mio. € Anteil Mio. € Anteil Mio. € Anteil Mio. € Anteil Mio. € Anteil Mio. € Anteil Mio. € Anteil Mio. € Anteil Mio. € Anteil
    Osterreich  Österreich 52,2 1,8 % 50,1 1,6 % 50,2 1,5 % 51,5 1,6 % 47,6 1,3 % 47,1 1,2 % 47,4 1,2 % 57,0 1,4 % 51,2 1,0 % 54,8 1,2 % 49,8 1,0 % 65,5 1,3 % 62,4 1,2 %
    Belgien  Belgien 169,8 5,8 % 187,7 6,0 % 188,6 5,6 % 189,5 5,8 % 188,9 5,0 % 206,0 5,5 % 203,4 5,1 % 191,4 4,6 % 210,0 4,3 % 255,8 5,6 % 238,7 5,0 % 260,0 5,3 % 292,6 5,6 %
    Tschechien  Tschechien 11,5 0,4 % 13,7 0,4 % 13,9 0,4 % 14,2 0,4 % 15,6 0,4 % 32,7 0,9 % 32,5 0,8 % 33,1 0,8 % 44,7 0,9 % 43,0 0,9 % 45,4 0,9 % 49,2 1,0 % 48,4 0,9 %
    Danemark  Dänemark 27,8 0,9 % 25,7 0,8 % 23,4 0,7 % 26,8 0,8 % 29,5 0,8 % 30,5 0,8 % 31,6 0,8 % 31,5 0,8 % 33,8 0,7 % 33,0 0,7 % 33,8 0,7 % 35,1 0,7 % 35,1 0,7 %
    Estland  Estland 0,9 0,0 % 2,5 0,1 % 2,6 0,1 % 2,7 0,1 % 3,7 0,1 % 2,7 0,1 % 2,0 0,0 % 6,9 0,1 % 7,0 0,1 %
    Finnland  Finnland 19,4 0,7 % 19,5 0,6 % 19,9 0,6 % 19,6 0,6 % 21,6 0,6 % 19,4 0,5 % 19,4 0,5 % 19,5 0,5 % 27,4 0,6 % 27,5 0,6 % 28,7 0,6 % 39,0 0,8 % 33,5 0,6 %
    Frankreich  Frankreich 751,4 25,6 % 747,5 24,0 % 754,6 22,6 % 718,2 22,2 % 844,5 22,6 % 855,9 22,7 % 961,2 24,2 % 1.174,4 28,1 % 1.311,7 26,9 % 1.065,8 23,4 % 1.178,2 24,5 % 1.000,9 20,4 % 1.048,4 20,1 %
    Deutschland  Deutschland 713,8 24,3 % 772,7 24,8 % 765,7 22,9 % 797,4 24,6 % 872,6 23,3 % 858,4 22,7 % 920,7 23,1 % 927,1 22,2 % 981,7 20,1 % 968,6 21,3 % 1.017,5 21,1 % 1.046,8 21,4 % 1.171,6 22,4 %
    Griechenland  Griechenland 8,6 0,3 % 15,1 0,5 % 14,5 0,4 % 12,1 0,4 % 11,9 0,3 % 14,6 0,4 % 10,5 0,3 % 10,5 0,3 % 20,6 0,4 % 19,9 0,4 % 20,0 0,4 % 21,0 0,4 % 16,1 0,3 %
    Ungarn  Ungarn 5,0 0,1 % 6,2 0,2 % 6,2 0,2 % 5,2 0,1 % 11,7 0,2 % 16,8 0,4 % 21,2 0,4 % 24,7 0,5 % 23,2 0,4 %
    Irland  Irland 15,6 0,5 % 17,3 0,6 % 18,4 0,6 % 18,0 0,6 % 23,3 0,6 % 17,8 0,5 % 17,4 0,4 % 19,5 0,5 % 24,8 0,5 % 18,8 0,4 % 22,9 0,5 % 21,4 0,4 % 22,8 0,4 %
    Italien  Italien 350,5 12,0 % 400,0 12,9 % 350,0 10,5 % 329,9 10,2 % 512,0 13,7 % 550,0 14,6 % 470,0 11,8 % 420,2 10,1 % 665,8 13,7 % 589,9 13,0 % 680,2 14,1 % 580,1 11,8 % 881,2 16,9 %
    Luxemburg  Luxemburg 15,0 0,5 % 15,0 0,5 % 18,3 0,5 % 23,0 0,7 % 22,0 0,6 % 22,3 0,6 % 26,6 0,7 % 29,9 0,7 % 29,9 0,6 % 46,9 1,0 % 47,5 1,0 % 42,0 0,9 % 41,6 0,8 %
    Niederlande  Niederlande 60,3 2,1 % 79,5 2,6 % 125,1 3,7 % 74,7 2,3 % 102,6 2,7 % 72,0 1,9 % 91,1 2,3 % 77,7 1,9 % 100,3 2,1 % 87,9 1,9 % 99,6 2,1 % 95,6 2,0 % 117,1 2,2 %
    Norwegen  Norwegen 63,1 2,2 % 56,3 1,8 % 57,1 1,7 % 59,8 1,8 % 59,6 1,6 % 63,5 1,7 % 64,0 1,6 % 64,4 1,5 % 86,3 1,8 % 83,2 1,8 % 71,8 1,5 % 75,4 1,5 % 71,4 1,4 %
    Polen  Polen 36,4 1,2 % 28,9 0,9 % 28,7 0,9 % 30,0 0,9 % 29,9 0,8 % 34,6 0,9 % 34,6 0,9 % 34,6 0,8 % 38,4 0,8 % 39,0 0,9 % 44,8 0,9 % 44,7 0,9 % 47,7 0,9 %
    Portugal  Portugal 15,8 0,5 % 16,1 0,5 % 16,3 0,5 % 16,7 0,5 % 16,0 0,4 % 17,0 0,5 % 18,2 0,5 % 18,0 0,4 % 21,0 0,4 % 28,0 0,6 % 25,2 0,5 % 30,8 0,6 % 19,4 0,4 %
    Rumänien  Rumänien 7,6 0,3 % 16,0 0,5 % 22,5 0,7 % 25,4 0,8 % 26,1 0,7 % 30,0 0,8 % 42,6 1,1 % 45,4 1,1 % 34,3 0,7 % 43,0 0,9 % 39,4 0,8 % 56,4 1,2 % 51,0 1,0 %
    Spanien  Spanien 184,0 6,3 % 149,6 4,8 % 139,2 4,2 % 131,7 4,1 % 152,0 4,1 % 151,2 4,0 % 204,9 5,2 % 201,8 4,8 % 249,5 5,1 % 223,6 4,9 % 220,7 4,6 % 285,7 5,8 % 297,5 5,7 %
    Schweden  Schweden 65,3 2,2 % 75,0 2,4 % 94,6 2,8 % 80,3 2,5 % 73,9 2,0 % 72,3 1,9 % 72,4 1,8 % 74,4 1,8 % 83,2 1,7 % 80,0 1,8 % 75,0 1,6 % 84,0 1,7 % 80,0 1,5 %
    Schweiz  Schweiz 105,6 3,6 % 108,3 3,5 % 126,5 3,8 % 134,9 4,2 % 146,4 3,9 % 145,1 3,8 % 149,4 3,8 % 158,4 3,8 % 167,0 3,4 % 172,6 3,8 % 174,7 3,6 % 184,5 3,8 % 188,2 3,6 %
    Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Königreich 240,0 8,2 % 300,0 9,6 % 270,0 8,1 % 322,3 9,9 % 324,8 8,7 % 300,0 7,9 % 334,8 8,4 % 369,6 8,8 % 464,3 9,5 % 418,8 9,2 % 437,9 9,1 % 609,6 12,4 % 448,9 8,6 %
    Kanada  Kanada 18,7 0,6 % 15,5 0,5 % 19,5 0,6 % 15,5 0,5 % 13,2 0,4 % 13,1 0,3 % 19,7 0,5 % 11,8 0,3 % 28,0 0,6 % 24,9 0,5 % 16,9 0,4 % 19,0 0,4 % 11,0 0,2 %
    Slowenien  Slowenien 3,4 0,1 % 2,7 0,1 % 2,4 0,1 % 3,2 0,1 % 3,1 0,1 % 2,7 0,1 % 3,4 0,1 % 3,9 0,1 %
    Lettland  Lettland 0,3 0,0 % 1,1 0,0 % 1,1 0,0 % 0,5 0,0 %
    Litauen  Litauen 3,0 0,1 % 1,8 0,0 % 0,9 0,0 %
    Slowakei  Slowakei 3,0 0,1 % 3,5 0,1 %
    Sonstige Erträge 222,1 6,7 % 149,8 4,6 % 204,4 5,5 % 209,8 5,6 % 194,5 4,9 % 199,6 4,8 % 181,3 3,7 % 197,6 4,3 % 216,1 4,5 % 209,5 4,3 % 203,2 3,9 %
    ESA gesamt 2.932,4 3.109,5 3.339,3 3.241,2 3.740,0 3.780,0 3.980,0 4.180,0 4.870,0 4.550,0 4.814,8 4.900,0 5.230,0
    Budget für Programme anderer Institutionen (in Mio. Euro)
    Jahr 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024
    Mio. € Anteil Mio. € Anteil Mio. € Anteil Mio. € Anteil Mio. € Anteil Mio. € Anteil Mio. € Anteil Mio. € Anteil Mio. € Anteil Mio. € Anteil Mio. € Anteil Mio. € Anteil Mio. € Anteil
    Europaische Union  Europäische Union 867,7 77,5 % 911,1 77,7 % 623,9 81,8 % 1.030,5 86,5 % 1.324,8 87,8 % 1.697,9 86,1 % 1.314,9 80,9 % 1.249,7 81,3 % 1.536,4 84,9 % 1.687,4 87,0 % 2.030,6 79,6 % 1.714,6 71,6 % 1.822,6 71,2 %
    EUMETSAT / ECS-Staaten 5,8 0,5 % 4,6 0,4 % 75,0 9,8 % 122,4 10,3 % 147,9 9,8 % 182,7 9,3 % 221,1 13,6 % 187,2 12,2 % 200,4 11,1 % 194,7 10,0 % 171,6 6,7 % 127,4 5,3 % 116,4 4,6 %
    Sonstige Erträge 246,5 22,0 % 256,8 21,9 % 63,8 8,4 % 38,8 3,3 % 35,6 2,4 % 90,7 4,6 % 88,5 5,4 % 99,5 6,5 % 73,2 4,0 % 57,9 3,0 % 350,4 13,7 % 551,0 23,1 % 821,2 32,1 %
    Gesamt 1.120,0 1.172,5 762,7 1.191,7 1.510,0 1.970,0 1.620,0 1.540,0 1.810,0 1.940,0 2.552,6 2.395,4 2.760,2
    Budgetanteile nach Bereich
    Jahr 2016[64] 2017[65] 2018[66] 2019[67] 2020[68] 2021[69] 2022[70] 2023[71] 2024[2]
    Wissenschaftsprogramm 9,7 % 8,9 % 9,2 % 9,2 % 8,1 % 8,6 % 8,1 % 8,4 % 8,1 %
    bemannte Raumfahrt, Mikrogravitation und robotische Erkundung 1 11,0 % 13,1 % 12,0 % 9,7 % 10,4 % 13,0 % 12,5 % 11,2 %
    Telekommunikation und integrierte Anwendungen 6,8 % 5,6 % 4,9 % 6,8 % 7,0 % 6,7 % 7,2 % 8,7 % 6,8 %
    Erdbeobachtung 30,5 % 26,9 % 26,0 % 24,3 % 23,0 % 22,2 % 22,5 % 25,0 % 30,5 %
    Navigation 11,6 % 17,6 % 14,0 % 13,1 % 16,5 % 18,9 % 21,4 % 16,0 % 13,5 %
    Weltraumsicherheit 0,2 % 0,3 % 0,4 % 0,5 % 1,2 % 2,5 % 1,6 % 3,2 % 3,5 %
    Technologie 1,9 % 2,0 % 3,2 % 2,1 % 3,2 % 3,4 % 3,1 % 3,1 % 2,5 %
    Raumtransport 20,0 % 18,9 % 19,8 % 22,5 % 23,0 % 18,1 % 14,1 % 12,6 % 13,3 %
    grundlegende Aktivitäten 4,4 % 4,1 % 4,2 % 4,2 % 3,8 % 4,2 % 4,1 % 4,3 % 4,1 %
    Prodex-Kooperationsprogramm 1 0,8 % 1,2 % 1,2 % 0,9 % 1,0 % 0,9 % 0,7 % 0,7 %
    Kommerzialisierung 1,2 % 1,4 %
    allgemeines Budget 4,1 % 3,9 % 3,9 % 4,1 % 3,5 % 4,0 % 3,9 % 4,3 % 4,2 %
    Kooperationsstaaten 0,1 % 0,1 % 0,1 % 0,1 % 0,1 % < 0,1 % < 0,1 % < 0,1 % 0,1 %
    1 
    andere Bereichsstruktur bis 2016

    Projekte und Aktivitäten Bearbeiten

    Die ESA betreibt und unterstützt eine Vielzahl von Projekten und Aktivitäten. Diese werden teilweise in eigener Trägerschaft und teilweise in Kooperation mit anderen Raumfahrtagenturen durchgeführt, zudem in Zusammenarbeit mit Forschungsinstituten und mit der europäischen Raumfahrtindustrie.

    ESA-Programme und -Säulen Bearbeiten

    Die laufenden Projekte der ESA fallen in die Zuständigkeit verschiedener Programme und Bereiche, die jeweils über ein eigenes Budget verfügen. Dies sind mit Stand 2023:[72][71]

    Im Jahr 2018 schlug der damalige ESA-Direktor Jan Wörner vor, die ESA-Aktivitäten ab etwa 2020 „um vier Säulen herum auszutragen“.[74] Diese vier „Säulen“ bzw. Sparten sind eine vereinfachte, zusammenfassende Darstellung der meisten ESA-Programme und -Bereiche. Seit Herbst 2019 bilden sie die Grundlage der Außendarstellung auf der ESA-Website und sind dort wie folgt farblich markiert:[72]

    • Science & Exploration (Wissenschaft & Erkundung), bestehend aus Weltraumwissenschaft und bemannter und robotischer Erkundung[75]
    • Space Safety (Weltraumsicherheit, siehe Space Safety; anfangs Safety & Security genannt[76]), bestehend aus den Bereichen Planetare Verteidigung, Weltraummüll und Müllbeseitigung, Weltraumwetter, Sicherheitsanwendungen (Safety & Security Applications) und Informationssicherheit (Cyber resilience)[77]
    • Applications (Anwendungen), bestehend aus den Bereichen Erdbeobachtung, Telekommunikation, Satellitennavigation und Technologietransfer („Downstream“)[78]
    • Enabling & Support, bestehend aus Technologie („Building missions“), Raumtransport und Betrieb (Operations)[79]

    Alle sonstigen Aktivitäten und Veröffentlichungen, die sich keiner Säule zuordnen lassen (beispielsweise das Prodex- und das Kooperationsstaatenprogramm) sind ebenso wie viele historische Projekte mit dem Etikett Agency versehen.

    Die Struktur und Farbgebung der nachfolgenden Abschnitte orientiert sich an diesem Säulenmodell, weicht jedoch in drei Punkten von der ESA-Darstellung ab:

    • Der Bereich Science & Exploration ist in bemannte und unbemannte Raumfahrt unterteilt, um einen Überblick über die bemannte europäische Raumfahrt zu geben. Die ESA fasst hingegen die bemannte Raumfahrt mit unbemannten Landesonden und Mikrogravitationsexperimenten zusammen, entsprechend ihrer organisatorischen und finanziellen Struktur.
    • Alle historischen Missionen sind den heutigen Programmen und Säulenfarben zugeordnet; der Bereich „Agency“ entfällt.
    • Die Forschungssatelliten Proba-3 und Proba-V CC sind unter der Weltraumforschung aufgeführt, während die ESA sie wegen ihrer Technologieerprobungsfunktion primär der Sparte Enabling & Support zuschreibt.

    Unbemannte Weltraumforschung Bearbeiten

    Die unbemannte Erforschung des Weltraums ist heute Teil der ESA-Sparte Science & Exploration (Wissenschaft & Erkundung), in der die Programme Space Science (Weltraumwissenschaft) und Human and Robotic Exploration (bemannte und unbemannte Erkundung) zusammengefasst sind.[75] Die Beteiligung an den Wissenschaftsmissionen ist für die ESA-Mitglieder verpflichtend, bei den anderen Bereichen erfolgt die Beteiligung freiwillig.

    Zu den unbemannten Weltraumforschungsprojekten der ESA zählen Entwicklung und Betrieb von Raumsonden und Weltraumteleskope wie Solar Orbiter, JUICE, CHEOPS, BepiColombo und Gaia. Auch an den Teleskopprojekten Hubble und Webb ist die ESA beteiligt. Die Langzeitplanungen der ESA für den Forschungsbereich wurden in aufeinanderfolgenden Rahmenprogrammen entwickelt. Mitte der 1980er-Jahre wurde zunächst der Plan Horizon 2000 definiert, der Mitte der 1990er-Jahre durch Horizon 2000 Plus aktualisiert wurde. Im Rahmen des darauf folgenden Prozesses Cosmic Vision wurde der seitdem gültige Plan Cosmic Vision 2015–2025 entwickelt,[80] mit den übergreifenden Fragen: Was sind die Bedingungen für die Entstehung von Planeten und das Aufkommen des Lebens? Wie funktioniert das Sonnensystem? Was sind die grundlegenden physikalischen Gesetze des Universums? Wie entstand das Universum und woraus besteht es?

    Unter Robotic Exploration werden Missionen mit Rovern und ferngesteuerten oder autonome Robotern verstanden, beispielsweise zur Gewinnung von Probenmaterial auf der Oberfläche von anderen Himmelskörpern.[81] Hierzu zählen die Titan-Sonde Huygens und die zurückgestellte Exomars-Rover-Mission.

    Missionsklassen Bearbeiten

    ESA startet regelmäßig neue wissenschaftliche Missionen, dabei werden entsprechen Missionen anhand eindeutiger Kriterien in verschiedene Klassen eingeteilt.[82]

    • Large-Class-Missionen (L-class) sind technologisch führende Missionen unter alleiniger Leitung und Verantwortung der ESA, die ungefähr alle zehn Jahre gestartet werden sollen. Der Kostenrahmen beträgt ungefähr 900 Millionen Euro je Mission. Die bisher ausgewählten L-Klasse-Missionen sind JUICE (L1), ATHENA (L2) und LISA (L3).
    • Medium-Class-Missionen (M-class) können unter der Führerschaft der ESA oder gemeinsam mit anderen Partnern durchgeführt werden. Diese Missionen sind in ihrer Gestaltung flexibler. Es sollen ungefähr zwei M-Klasse-Missionen in einem Jahrzehnt gestartet werden. Der Kostenrahmen beträgt ungefähr 500 Millionen Euro pro Mission. Die gegenwärtig verfolgten M-Klasse-Missionen sind Solar Orbiter (M1), Euclid (M2), PLATO (M3), ARIEL (M4), und EnVision (M5)
    • Small-Class-Missionen (S-class) sind ein neues Konzept, das Raumfahrtagenturen der Mitgliedsstaaten eine führende Rolle erlaubt. Das Budget ist auf 50 Millionen Euro beschränkt, und Missionen der S-Klasse sollen ungefähr alle vier Jahre starten. Die erste vorgesehene S-Klasse-Mission ist Cheops.
    • Fast-Class-Missionen (F-class) sollen bekannte Technologie für neue Aufgaben anwenden und eine kurze Entwicklungszeit haben. F-Klasse-Missionen sollen neben den M-Klasse-Missionen gestartet werden. Die erste F-Klasse-Mission ist Comet Interceptor, die letzte genehmigte Mission ist Arrakhis.
    • Missions of Opportunity: Diese Missionen sind nicht lange vorgeplant, sondern erlauben der ESA sich bei Gelegenheit kurzfristig an Missionen anderer Weltraumagenturen zu beteiligen. Beteiligungen dieser Art gibt es für Hinode, IRIS, Proba-3, XRISM, Einstein Probe, MMX, Nancy Grace Roman Space Telescope und Solar-C. Auch die Microscope-Mission unter der Führung der CNES war eine solche Mission. Das maximale Budget für diese Missionen ist jeweils auf 50 Millionen Euro begrenzt, und der wissenschaftliche Nutzen für Wissenschaftler der ESA-Mitgliedsstaaten muss von Anfang an feststehen. Insbesondere muss durch die Teilnahme Zugang zu wissenschaftlichen Daten ermöglicht werden, die sonst nicht erreichbar wären.

    Auswahl- und Umsetzungsprozess Bearbeiten

    Alle wissenschaftlichen Projekte der ESA durchlaufen einen vorgegebenen Auswahl- und Umsetzungsprozess. In den 2010er Jahren beschrieb das Wissenschaftsdirektorat der ESA diesen Prozess in vier Phasen:[83]

    • Ideenfindung (Call for Ideas): Während dieser Phase wird die wissenschaftliche Gemeinschaft um Missionsvorschläge gebeten. Diese Vorschläge werden durch Peer-Review-Kommissionen geprüft, und es werden Empfehlungen gegeben, welche Vorschläge die nächste Phase erreichen sollen.
    • Einschätzungsphase (Assessment Phase): Nun werden maximal vier Missionen vom Science Programme Committee (SPC) ausgewählt. Das jeweilige Missionsteam entwirft zusammen mit ESA-Ingenieuren die Nutzlast. Dabei soll der wissenschaftliche Wert und die technische Realisierbarkeit der Mission gezeigt werden. Eine der vier Missionen wird dann vom Space Science Advisory Committee (SSAC) für die nächste Phase ausgewählt.
    • Definitionsphase: Hier sollen die Kosten und der Zeitplan für die Mission geplant werden. Am Ende wird der Vertragspartner, der mit dem Bau der Instrumente und anderer Komponenten betraut wird, ausgewählt.
    • Entwicklungsphase: In dieser Phase wird das Programm zusammen mit dem ausgewählten Industriepartner entwickelt und verwirklicht.

    Seit der Auflage von Cosmic Vision wird der Prozess in zehn Schritten dargestellt:[84]

    1. Die ESA veröffentlicht einen Aufruf zur Abgabe von Missionsvorschlägen (Call for Missions Proposal), der die Rahmenbedingungen für eine neue Mission beschreibt, einschließlich der verfügbaren Finanzmittel und des erwarteten Startdatums.
    2. Die Wissenschaftsgemeinschaft reicht Missionsvorschläge ein.
    3. Die ESA prüft diese Vorschläge auf ihre Machbarkeit.
    4. Machbare Vorschläge werden in einem Peer-Review-Prozess beurteilt, unter anderem durch das Space Science Advisory Committee (SSAC) der ESA. Einer oder mehrere Missionskandidaten werden ausgewählt, und es finden erste Machbarkeitsstudien statt („Phase 0“). Neben den vorschlagenden Wissenschaftlern werden hierbei auch schon Industriepartner mit einbezogen.
    5. Nach einem weiteren Peer-Review und einem wissenschaftlichen Review durch das SSAC („Phase A“) wählt das SPC die zu realisierende Mission aus.
    6. In einer detaillierten Studienphase wird zusammen mit Industriepartnern die technische und programmatische Machbarkeit geprüft („Phase B1“).
    7. Das SPC nimmt die Mission zur Realisierung an.
    8. Das Weltraum- und Bodensegment der Mission wird entwickelt (Phase B2, C und D[85])
    9. Das Raumfahrzeug wird gestartet.
    10. Das Raumfahrzeug wird betrieben und liefert Daten.

    Die Schritte 4 und 5 entsprechen der Einschätzungsphase des Vier-Phasen-Modells, die Schritte 6 und 7 der Definitionsphase.

    Abgeschlossene Forschungsprojekte Bearbeiten

    Diese Missionen haben ihre aktive Phase abgeschlossen, in der sie Daten gesammelt haben. Alle Missionsdaten wurden langfristig archiviert, um auch künftigen Generationen von Forschern zur Verfügung zu stehen.

    Abgeschlossene Forschungsprojekte
    Betriebszeit Bezeichnung Beschreibung
    1975–1982 COS-B Erste Mission der ESA, Untersuchung von Gamma-Strahlungsquellen.
    1977–1987 ISEE 2 Programm aus drei Raumflugkörpern zur Erforschung der Wechselwirkungen des Sonnenwindes mit der Magnetosphäre der Erde. ISEE 1 und 3 waren NASA-Satelliten. ISEE 3 wurde nach der Primärmission als Kometensonde ICE genutzt.
    1978–1996 IUE Weltraumteleskop im Bereich Ultraviolettstrahlung, die durch die Atmosphäre absorbiert wird.
    1978–1985 GEOS 2 Messungen der Erdmagnetosphäre aus einer geostationären Umlaufbahn, Ersatz für den durch einen Raketenfehlstart verloren gegangenen Satelliten GEOS 1.
    1983–1986 EXOSAT Erste Mission der ESA, die Röntgenquellen im Weltall untersuchte.
    1983–2009 Spacelab Das wiederverwendbare Weltraumlabor Spacelab wurde zusammen mit dem Space Shuttle insgesamt 22 Mal eingesetzt, die Palettenmodule noch bis zum Ende des Shuttle-Programms.
    1985–1992 Giotto Erste Tiefraummission der ESA zum Halleyschen Kometen und dem Kometen Grigg-Skjellerup. Giotto fand erstmals Spuren von organischem Material auf einem Kometen.
    1989–1993 Hipparcos Astrometriesatellit, kartographierte etwa 100.000 Sterne mit sehr hoher und mehr als 2,5 Millionen Sterne mit niedrigerer Präzision.
    1990–2009 Ulysses Sonde, die als erste über die Sonnenpole flog. Lieferte Erkenntnisse über das Magnetfeld der Sonne und den Sonnenwind; war bis dahin die langlebigste ESA-Mission. (ESA und NASA, in Europa gebaut).
    1992–1993 Eureca Europas freifliegende Plattform war der erste wiederverwendbare Satellit der ESA und führte Mikrogravitationsexperimente und vieles mehr aus. Eureca wurde von einem Space Shuttle ausgesetzt und von einem anderen wieder eingefangen.
    1995–1998 ISO Weltraumteleskop im Infrarotbereich
    1997–2005 Huygens Im Januar 2005 landete die Sonde Huygens auf dem größten Saturn-Mond, Titan, fotografierte die Oberfläche und führte chemische Analysen durch. Huygens ist damit die erste Sonde, die auf einem Mond eines anderen Planeten landete. (Beitrag der ESA zur NASA/ASI-Mission Cassini)
    2003–2006 SMART-1 Erste ESA-Mission zum Mond, die die chemische Zusammensetzung der Oberfläche bestimmen sollte. Dabei wurde das PPS 1350 als Ionenantrieb erfolgreich getestet. Am 3. September 2006 planmäßiger Aufschlag auf dem Mond.
    2003–2008 Double Star Diese Mission der ESA und der chinesischen CNSA untersuchte ähnlich den Cluster II-Satelliten mit zwei gemeinsam arbeitenden Satelliten die Effekte der Sonne auf das Klima.
    2005–2014 Venus Express Raumsonde, die nach dem Muster des Mars Express die Venus untersuchte.
    2007–2009 Chang’e 1 Eine Mondmission der chinesischen Raumfahrtbehörde CNSA, die in der Startphase (LEOP), beim Verlassen der Erdumlaufbahn und beim Einschwenken in den Mondorbit mit Trackingstationen und den Deep-Space-Antennen der ESA unterstützt wurde.
    2008–2009 Chandrayaan-1 Eine Mission der ISRO, einige der Instrumente wurde von der ESA und europäischen Partnern bereitgestellt, außerdem Unterstützung in kritischen Phasen.
    2009–2013 Herschel Infrarot-Weltraumteleskop, das im zweiten Lagrange-Punkt die Entstehung von Sternen und Galaxien beobachtete.
    2009–2013 Planck Das Planck-Weltraumteleskop maß die kosmische Hintergrundstrahlung mit hoher Genauigkeit. Damit wurden Rückschlüsse auf den Urknall gezogen.
    2006–2014 COROT Dieses Weltraumteleskop der CNES mit Beteiligung der ESA suchte nach Gasplaneten (Hot Jupiters) und erdähnlichen Planeten außerhalb des Sonnensystems.
    2004–2016 Rosetta Die Sonde flog zum Kometen Tschurjumow-Gerassimenko und setzte im November 2014 ein Landegerät ab; letzteres wurde unter deutsch-französischer Leitung betrieben. Am 30. September 2016 planmäßiger Aufprall auf dem Kometen.
    2015–2017 LISA Pathfinder LISA Pathfinder (ehem. SMART-2) war ein Satellit zur Erprobung der Technologien für die angestrebte LISA-Mission. Getestet wurde die Erkennung von Gravitationswellen, Formationsflüge und Interferenzmessungen.
    2016 Schiaparelli Eine Landesonde, die infolge einer Fehlfunktion hart auf der Marsoberfläche aufschlug und dabei zerstört wurde.
    2024 Peregrine Mission One Ein Mondmission des amerikanischen Unternehmens Astrobotic, welche Instrumente im Rahmen des CLPS-Programms der NASA mit sich führte. Eines dieser Instrumente wurde großteils von der ESA bereitgestellt. Infolge einer Fehlfunktion stürzte der Lander zurück auf die Erde.

    Laufende Forschungsprojekte Bearbeiten

    Diese Projekte befinden sich in der aktiven Phase, in der Daten gewonnen werden.

    Aktive Forschungsprojekte
    Startjahr Bezeichnung Beschreibung
    1990 Hubble-Weltraumteleskop Teleskop im optischen, UV- und IR-Bereich, eine der langlebigsten und erfolgreichsten ESA-Missionen. Zu diesem überwiegend von der NASA getragenen Projekt steuerte die ESA unter anderem dessen hochauflösende Teleobjektivkamera bei.
    1995 SOHO Sonnen- und Heliosphärenobservatorium gemeinsam mit der NASA. Hat Entdeckungen über das Innere und die Atmosphäre der Sonne gemacht und überwacht permanent Sonnenstürme. Geplant war der Einsatz für zwei Jahre, daraus wurde eine der längsten laufenden Missionen der ESA und NASA. Ca. 2025 wird das Ende durch Treibstoffmangel erwartet.
    1999 XMM-Newton Weltraumobservatorium mit drei Wolters-Teleskopen für die Röntgenastronomie.
    2000 Cluster II Vier im Verbund betriebene Satelliten; diese vermitteln ein dreidimensionales Bild von Kollisionen zwischen dem Sonnenwind und dem Magnetfeld der Erde und von den damit verbundenen magnetischen Stürmen im Weltraum. (ESA und NASA, in Europa gebaut)
    2002 Integral Erstes Weltraumteleskop, das Objekte sowohl im sichtbaren, Gammastrahlen- als auch Röntgen-Bereich beobachten kann. Eines der Hauptziele ist die Erforschung von Gamma-Bursts.
    2003 Mars Express Marsorbiter, erste europäische Marssonde. Besitzt neben einer hochauflösenden Stereokamera ein Fourier-Spektrometer zur Suche von Wasservorkommen. (ESA plus Landegerät unter britischer Leitung)
    2013 Gaia Astrometrische Durchmusterung, misst hochpräzise Positionen, Magnituden, Bewegung, Farben und Spektren von 2,5 Milliarden Himmelsobjekten. Die Mission wurde zuletzt bis ca. 2025 verlängert. Mehrere Kataloge wurden veröffentlicht, der endgültige Katalog wird drei Jahre nach Missionsende erwartet.
    2016 ExoMars Trace Gas Orbiter Mission zur Erforschung der Marsatmosphäre innerhalb des ExoMars-Projekts. Der Lander Schiaparelli ging beim Landeversuch verloren. ExoMars dient als Relaisstation für diverse Marsmissionen auch anderer Weltraumagenturen.
    2018 BepiColombo Gemeinsame ESA-JAXA-Mission, soll den Planeten Merkur kartographieren und dessen Magnetosphäre genau untersuchen.[86] Geplantes Einschwenken in den Merkurorbit im Dezember 2025.
    2019 CHEOPS Ein Weltraumteleskop, das die Haupteigenschaften bereits entdeckter Exoplaneten feststellen soll.
    2020 Solar Orbiter Der Solar Orbiter soll der Sonne bis auf 45 Sonnenradien nahekommen und dabei Aufnahmen der Sonnenatmosphäre mit einer Auflösung von 100 km pro Pixel liefern. Auch die Polarregionen der Sonne, die von der Erde nicht sichtbar sind, sollen studiert werden.
    2021 James Webb Space Telescope Dieses bislang größte und aufwändigste Weltraumteleskop wurde von der NASA in Zusammenarbeit mit der ESA und CSA als Nachfolger des Hubble-Teleskops entwickelt.
    2023 JUICE Mission zu den Jupitermonden Europa, Kallisto und Ganymed. Juice soll nach zwei Vorbeiflügen an Europa und einem an Kallisto in einen Orbit um Ganymed eintreten.
    2023 Euclid Weltraumteleskop zur detaillierten Vermessung der Rotverschiebung

    Forschungsprojekte in Entwicklung und Bau Bearbeiten

    Die folgenden Science-&-Exploration-Projekte haben die Assessment-Phase (Einschätzungsphase) durchlaufen und sollen verwirklicht werden.

    In der Entwicklung befindliche Forschungsprojekte
    Startjahr
    (geplant)
    Bezeichnung Beschreibung
    2024 Proba-3 Technologieerprobungssatellit für hochpräzisen Formationsflug und Koronografie, von der ESA primär in der Sparte Enabling & Support,[87] aber auch unter Science & Exploration geführt.[88]
    2025 SMILE Mission von ESA und der Chinesischen Akademie der Wissenschaften (CAS). SMILE soll die Wechselwirkung zwischen der Magnetosphäre der Erde und dem Sonnenwind untersuchen.
    2026 PLATO Planetary Transits and Oscillations of stars (PLATO) ist eine Sonde zum Auffinden und Untersuchen extrasolarer Planeten mit einem Schwerpunkt auf erdähnliche Planeten in der habitablen Zone um sonnenähnliche Sterne.
    2026 Lunar Pathfinder Ein Mondorbiter, der als Relaissatellit für robotische Mondsonden dienen soll, insbesondere für jene auf der Mondrückseite und in der Südpolregion.[89] Der Orbiter wird von dem britischen Unternehmen SSTL im Auftrag der ESA gebaut und betrieben und trägt auch Retroreflektoren der NASA.
    2029 ARIEL Mit dem Weltraumobservatorium Ariel – kurz für Atmospheric Remote‐sensing Infrared Exoplanet Large‐survey mission – sollen vier Jahre lang rund 1000 Exoplaneten beobachtet und speziell deren Atmosphäre untersucht werden[90][91][92]
    2029 Comet Interceptor Diese Raumsonde soll zusammen mit ARIEL gestartet und am Lagrange-Punkt L2 des Erde-Mond-Systems geparkt werden. Sobald sich eine Gelegenheit ergibt, soll sie von dort aus zu einem neuen Kometen oder einem interstellaren Objekt weiterfliegen und dieses untersuchen.
    2031 EnVision Venusorbiter, welcher die Venusatmosphäre und -oberfläche untersuchen soll.[93]
    frühe
    2030er
    Arrakhis Eine F-Klasse-Mission zur Untersuchung des kosmologischen Modells ΛCDM, ergänzend zum Euclid-Teleskop.[94]
    2030er Argonaut Mondlander, welcher ca. 2100 kg an Nutzlast zur Mondoberfläche transportieren kann. Es werden mehrere Starts ab den 2030er Jahren angestrebt.[95][96][97]
    2035 LISA Mit drei Detektorsatelliten sollen Gravitationswellen nachgewiesen werden. Dazu soll der Abstand zwischen drei in Formation fliegenden Detektoren präzise gemessen. Dieser Abstand würde sich durch ankommende Gravitationswellen verändern.
    offen ExoMars Rover Eine Rovermission zum Mars, ursprünglich gemeinsam mit Roskosmos geplant. Der Rover hat den Abschlusstest bestanden und war startbereit. Da die ESA die wissenschaftliche Zusammenarbeit mit Roskosmos beendet hat, muss ein neuer Lander für die Mission entwickelt werden. Die ESA wartet hierfür auf eine Unterstützung durch die NASA.[98]

    Vorgeschlagene Forschungsprojekte Bearbeiten

    Bei diesen Projekten ist noch unklar, ob sie wirklich in dieser Form gestartet werden sollen.

    Vorgeschlagene Forschungsprojekte
    Startjahr Bezeichnung Beschreibung
    2026 Herakles Mondlander und -rover; Probenrückführmission zum Schrödinger-Krater, gemeinsam mit der japanischen und der kanadischen Raumfahrtbehörde.
    2030 Earth Return Orbiter Marsorbiter, dessen Aufgabe die Aufnahme der Proben des von der NASA gebauten Mars Ascent Vehicle in der Mars-Umlaufbahn und der Transport zur Erde wäre.[99][100][101]
    2030 Sample Retrieval Lander Marslander der NASA mit zwei Kleinhelikoptern, einem Manipulatorarm und dem Mars Ascent Vehicle, im Rahmen einer Probenrückführmission zum Jezero-Krater, um die von dem Mars-2020-Rover gesammelten Bodenproben zur Erde zu befördern. Beitrag der ESA wäre der Manipulatorarm.[99][100][101]
    2034 Athena Vorgeschlagenes Weltraumobservatorium als Nachfolger von XMM-Newton, bestehend aus zwei in Formation fliegenden Elementen bestehen, dem Detektor und dem Spiegel.
    TandEM Mission zu den Saturnmonden Titan und Enceladus. Vorgeschlagen ist eine Orbiter-Raumsonde, welche einen Ballon sowie einen Lander mit sich führen soll.
    Theseus Weltraumteleskop zur Himmelsdurchmusterung nach Gammablitzen

    Nicht verwirklichte Forschungsprojekte Bearbeiten

    Dies ist eine kleine Auswahl von vorgeschlagenen und geplanten Missionen, die nicht realisiert wurden.

    Nicht verwirklichte Forschungsprojekte
    Jahr Bezeichnung Beschreibung
    2014 ESMO ESMO sollte eine von Studenten mitentwickelte Mondsonde sein.
    nach 2015 Darwin Darwin wäre ein aus vier (ursprünglich geplant acht) einzelnen Satelliten bestehendes Teleskop gewesen, das erdähnliche Planeten finden und zusätzlich deren Atmosphäre analysieren sollte.
    2018 XEUS Diese Mission wäre der Nachfolger der XMM-Newton-Mission gewesen. Sie hätte aus zwei in Formation fliegenden Elementen, dem Detektor und dem Spiegel bestehen sollen. XEUS sollte sich damit auf die Suche nach den ersten Schwarzen Löchern begeben. Wurde ersetzt durch ATHENA.
    2022 AIM Diese Mission hätte den Einschlag der NASA-Raumsonde DART beobachten sollen. Die Mission wurde durch Hera ersetzt.

    Bemannte Raumfahrt Bearbeiten

     
    Ulf Merbold war der erste ESA-Astronaut im All
     
    Das Columbus-Modul der ISS
     
    Die ISS mit dem ATV Johannes Kepler

    Die bemannten Raumfahrtaktivitäten der ESA zählen zu dem ESA-Programm Human and Robotic Exploration (bemannte und unbemannte Erkundung), die seit 2019 der Sparte Science & Exploration (Wissenschaft & Erkundung) zugeordnet ist.[75] Die ESA betreibt in Köln ein eigenes Ausbildungs- und Trainingszentrum zur Auswahl und Vorbereitung von Astronauten, hat aber bisher kein eigenes bemanntes Raumfahrtprogramm. Stattdessen beteiligt sie sich an diversen Programmen anderer Weltraumagenturen mit eigenen Beiträgen und liefert im Gegenzug wichtige technische Komponenten und Personal im Bodensegment. Dazu gehören die Aktivitäten in Bezug auf die Internationale Raumstation (ISS) und das europäische Astronautenkorps. Die ESA ist am Artemis-Mondprogramm der NASA mit dem Europäischen Servicemodul (ESM) des Orion-Raumschiffs beteiligt und kann dafür im Gegenzug eigene Astronauten zum Mond schicken.

    Raumstation- und Raumschiffmodule Bearbeiten

    Raumstation- und Raumschiffmodule der ESA
    Startjahr Bezeichnung Beschreibung
    2008 Columbus Das Weltraumlabor Columbus ist ein Beitrag der ESA zur Internationalen Raumstation (ISS). Es wurde 2008 an die Station angekoppelt und dient als Mehrzwecklabor für eine multidisziplinäre Forschung unter Bedingungen der Schwerelosigkeit. Columbus hat ein eigenes Kontrollzentrum unter dem Dach der DLR in Oberpfaffenhofen.
    2021 ERA Europäischer Roboterarm, der 2021 am russischen Segment der ISS angebracht wurde.
    seit 2022 ESM Europäisches Servicemodul des bemannten Orion-Raumschiffs für das Artemis-Programm
    2024 (geplant) IBDM Der International Berthing and Docking Mechanism (IBDM) wird als Andockadapter für bemannte Raumschiffe entwickelt. Er soll bei dem Raumgleiter Dream Chaser zum Ankoppeln an die ISS eingesetzt werden.[102][103]
    2028 (geplant) Lunar I-HAB Das mit Beteiligung der JAXA gebaute Lunar-I-HAB-Modul soll 125 m3 nutzbaren Raum zur geplanten Mondraumstation LOP-G hinzufügen.[104][105][106]
    2030 (geplant) Lunar View Das Lunar-View-Modul soll als Treibstofflager und Kommunikationsanlage für den LOP-G dienen.[104][107][108]

    Das unbemannte ISS-Versorgungsraumschiff ATV ist im Abschnitt Raumtransporter aufgeführt.

    Astronautenkorps Bearbeiten

    Raumfahrer und Raumfahreranwärter der ESA[109]
    Name Nationalität Alter​[110] Eintritt am Raum­flüge Status
    Sophie Adenot Frankreich  Frankreich 41 23. Nov. 2022 Berufsastronautin
    Rosemary Coogan Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Königreich 33 23. Nov. 2022 Berufsastronautin
    Samantha Cristoforetti Italien  Italien 47 20. Mai 2009 2 Berufsastronautin
    Pablo Fernández Spanien  Spanien 35 23. Nov. 2022 Berufsastronaut
    Alexander Gerst Deutschland  Deutschland 48 20. Mai 2009 2 Berufsastronaut
    Raphaël Liégeois Belgien  Belgien 36 23. Nov. 2022 Berufsastronaut
    Matthias Maurer Deutschland  Deutschland 54 2. Feb. 2017 1 Berufsastronaut
    Andreas Mogensen Danemark  Dänemark 47 20. Mai 2009 1 Berufsastronaut
    Luca Parmitano Italien  Italien 47 20. Mai 2009 2 Berufsastronaut
    Thomas Pesquet Frankreich  Frankreich 46 20. Mai 2009 2 Berufsastronaut
    Marco Sieber Schweiz  Schweiz ca. 35 23. Nov. 2022 Berufsastronaut
    Sławosz Uznański Polen  Polen 40 1. Sep. 2023 Projektastronaut für Kurzmissionen
    Marcus Wandt Schweden  Schweden 35 1. Juni 2023 1 Projektastronaut für Kurzmissionen

    Neben fünf neuen Berufsastronauten wählte die ESA im September 2022 erstmals auch elf Reservisten aus, die bei Bedarf für eine zukünftige Mission einberufen werden können. Neben Marcus Wandt und Sławosz Uznański, die mittlerweile zu Projektastronauten ernannt wurden, sind dies:[111]

    Astronautenreserve der ESA[109]
    Name Nationalität
    Sara García Alonso Spanien  Spanien
    Meganne Christian Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Königreich
    Anthea Comellini Italien  Italien
    Andrea Patassa Italien  Italien
    Carmen Possnig Osterreich  Österreich
    Arnaud Prost Frankreich  Frankreich
    Amelie Schoenenwald Deutschland  Deutschland
    Aleš Svoboda Tschechien  Tschechien
    Nicola Winter Deutschland  Deutschland

    Zusätzlich wurde der britische Paralympics-Athlet John McFall für eine Studie gewählt, die auslotet, unter welchen Bedingungen Astronauten mit Behinderungen eingesetzt werden können.[111]

    Telekommunikation, Erdbeobachtung und Navigation Bearbeiten

     
    Die EUMETSAT-Zentrale in Darmstadt

    Neben den oben aufgeführten Satelliten zur Weltraumforschung war und ist die ESA auch an zahlreichen Satellitenprojekten beteiligt, die Anwendungen von Raumfahrttechnologie darstellen und häufig auch Auswirkung auf das Alltagsleben haben, oder die die Erde erforschen. Dazu gehören Wetter- und sonstige Erdbeobachtungssatelliten, Kommunikationssatelliten und Satellitennavigationssysteme. Im 2019 eingeführten Säulenmodell sind diese Projekte der Sparte „Applications“ (Anwendungen) zugeordnet. Sie umfassen die folgenden drei ESA-Programme:[112]

    • Telecommunication: Die ESA entwickelt in diesem Sektor hauptsächlich Mittel zur Kommunikation auf der Erde mit Kommunikationssatelliten.
    • Earth Observation (Erdbeobachtung): Dieser Bereich umfasst die Aktivitäten der ESA mit Wettersatelliten, der langfristigen Satellitenmessung von Umwelt- und Klimaparametern wie z. B. Eisdicke, Erdmagnetfeld, Gaskonzentrationen, Oberflächentemperaturen, Vegetation usw. und der Überwachung von Risiken wie Dürren, Waldbränden, Vulkanausbrüchen und Fluten.
    • Navigation: Hierzu gehört die Entwicklung und der Betrieb von Satellitennavigation. Das Navigationssystem Galileo wurde gemeinsam mit der EU konzipiert und aufgebaut; sein Betrieb wurde weitgehend in einen eigenen Bereich ausgelagert. Im Rahmen der Moonlight-Initiative arbeitet die ESA an der Technologie für ein Navigationssystem für Mondmissionen.[113]

    Diese Satelliten werden von der ESA in Zusammenarbeit mit der europäischen Raumfahrtindustrie entwickelt. Ihr Betrieb wird in der Regel nach einer Testphase an die für das jeweilige Satellitenprogramm gegründete unabhängige Gesellschaft abgegeben, sobald diese dazu in der Lage ist. Beispiele sind Eutelsat bei den ECS-Satelliten und Meteosat bei den Wettersatelliten. Die heutigen Eutelsat-Satelliten werden jedoch – anders als die Wettersatelliten – ohne Beteiligung der ESA entwickelt.

    Abgeschlossene Satellitenprojekte Bearbeiten

    Abgeschlossene Satellitenprojekte
    Betriebszeit Bezeichnung Beschreibung
    1977–2017 Meteosat 1–7 Europäische geostationäre Wettersatelliten der ersten Generation. Ab Meteosat-4 waren es offiziell operationelle Satelliten.
    1978–1990 OTS-2 Der Orbital Test Satellite war der erste Kommunikationssatellit der ESA und diente zur Technologieerprobung. Das Erstexemplar OTS-1 ging beim Start durch die Explosion der Trägerrakete verloren.
    1981–2002 Marecs A und B2 Maritime Kommunikationssatelliten für das Inmarsat-System.
    1983–2002 ECS 1–5 Erste operationelle Kommunikationssatelliten der ESA, zwischen 1983 und 1988 gestartet. ECS 3 ging bei einem Fehlstart verloren. Die Satelliten wurden von Eutelsat unter dem Namen Eutelsat I F-1 bis F-5 betrieben. Als letzter ging Eutelsat I F-4 2002 außer Betrieb.
    1989–1993 Olympus Olympus war ein großer, experimenteller Hochleistungsfernsehsatellit, der im BSS-Band arbeitete und Experimente im Ku-Band und Ka-Band durchführte.
    1991–2000 ERS-1 Mit dem ersten „Earth-Remote-Sensing“-Satellit begann für die ESA eine neue Ära der Erdfernerkundung. Mit sechs Instrumenten wurden umfangreiche Daten zum Zustand der Meere, der Atmosphäre und der Landoberflächen gesammelt.
    1995–2011 ERS-2 ERS-2 setzte die Arbeit von ERS-1 zur Untersuchung der Erde mit Radar-, Mikrowellen- und Infrarotsensoren fort und besaß außerdem ein neues Instrument zur Überwachung des Ozonlochs mit. ERS-2 war eine Enabling-and-Support-Mission.
    2001–2013 Artemis Nachrichtensatellit; sollte direkte Verbindungen zu Mobilfunknutzern am Boden sowie Laserkommuninkation zwischen Satelliten und Bodenstationen demonstrieren und Navigationssignale für EGNOS übertragen. (ESA und JAXA)
    2002–2012 Envisat Der mit acht Tonnen größte Fernerkundungssatellit weltweit. Beobachtete die Erde mit weiterentwickelten Ausführungen der bei ERS-2 eingesetzten Instrumente sowie mit mehreren neuen optischen Sensoren.
    2009–2013 GOCE GOCE lieferte Daten über das globale und regionale Gravitationsfeld der Erde. Dadurch wurde die Forschung im Bereich der Meereszirkulation, der Physik des Erdinnern, der Erdvermessung und -beobachtung und der Änderung der Meeresspiegel vorangebracht.
    2016–2022 Sentinel-1B Ergänzung zu Sentinel-1A (Teil von Copernicus). In Nachfolge von ERS und Envisat wurden Radaraufnahmen nach dem SAR-Prinzip im C-Band angefertigt, um die Datenkontinuität für Langzeitforschungen zur Klimafolgenforschung zu gewährleisten.
    2018–2023 ADM-Aeolus Diese Mission sollte genauere Daten über atmosphärische Bewegungen (Wind) liefern und damit Vorhersagen mit numerischen Wettervorhersagemodellen verbessern.

    Aktive Satellitenprojekte Bearbeiten

    Aktive Satellitenprojekte
    Startjahr Bezeichnung Beschreibung
    2001, 2009 Proba-1 und -2 Kleinsatelliten, der weitgehend autonom und intelligent operieren; Erprobung neuer Erdbeobachtungstechnologien. Diese Satelliten ordnet die ESA primär der Sparte Applications zu,[114] wegen ihrer Technologieerprobungsfunktion aber auch der Sparte Enabling & Support.[115]
    2002–2015 MSG Zweite Generation der Meteosat-Satelliten. MSG-1 ist als Meteosat-8, MSG-2 als Meteosat-9, MSG-3 als Meteosat-10 im Betrieb. (ESA und EUMETSAT)
    2004 EGNOS Ein Projekt zur Unterstützung der Satellitennavigation durch Angabe des Fehlers auf die Positionsbestimmung.
    2005 Galileo Satellitennavigationssystem im Auftrag der EU als Alternative zum russischen GLONASS oder amerikanischen GPS. Erlaubt höhere Genauigkeit und Verfügbarkeit sowie die Ortung von Notrufsendern.
    2006–2018 METOP A, B, C Wettersatelliten auf einer polaren Umlaufbahn, die als Nachfolger zweier Satelliten der NOAA dienen sollen. METOP-A startete 2006, METOP-B 2012 und METOP-C 2018. (ESA und EUMETSAT)
    2006 ARTES-11 Im Rahmen des Projekts wurde unter dem Namen SmallGEO ein Satellitenbus für kleine, geostationäre Satelliten entwickelt. „Artes“ steht für „Advanced Research in Telecommunication Systems“. Die Entwicklung erfolgte durch ein Konsortium unter der Leitung der OHB.[116][117][118] Die Plattform wurde mehrmals weiterentwickelt.
    2009 SMOS Durch SMOS sollen globale Karten der Bodenwasserkonzentration und des Salzgehaltes der Meere erstellt werden. Dies würde vor allem das Verständnis des Wasserkreislaufs und die Klima- und Unwettervorhersagen verbessern.
    2010 CryoSat-2 Der Satellit Cryosat-2 hat ein Höhenradar, mit dem die Dicke der polaren Eisschicht gemessen werden kann. Der Satellit ist ein Ersatz für den 2005 durch einen Trägerraketenfehler verlorengegangenen CryoSat.
    2010 Hylas 1 Kleiner flexibler Nachrichtensatellit, der mit ESA-Unterstützung entwickelt wurde.
    2013 Proba-V Proba-V vermisst und Kartografiert die Vegetation auf der Erde. Die ESA führt diese Mission primär in der Sparte Enabling & Support,[119] aber auch als Teil des Erdbeobachtungsprogramms unter den Applications.[120]
    2013 Alphasat I-XL Experimenteller Kommunikationssatellit von ESA und CNES auf Basis der Satellitenplattform Alphabus. Inmarsat will den Satelliten für Mobilfunk im L-Band einsetzen. An Bord sind vier Experimente der ESA, u. a. Sendeeinrichtungen im Q/V Band (36–56 GHz) und Laserkommunikation mit anderen Satelliten.
    2013 SWARM SWARM besteht aus drei Satelliten, die die Dynamik des Erdmagnetfeldes untersuchen.
    2014 Sentinel-1A Erdbeobachtungssatellit im Rahmen von Copernikus, der Radar-Aufnahmen nach dem SAR-Prinzip im C-Band anfertigt und damit die Datenkontinuität von ERS und Envisat gewährleistet.
    2015–2018 Sentinel-2A, 2B, 3A, 3B
    2020 PhiSat-1 (Φ-Sat-1) Erdbeobachtungs-Cubesat mit künstlicher Intelligenz
    2021 Sentinel-6A
    2022–2042 (geplant)[121] MTG Die dritte Generation der erfolgreichen Meteosat-Satelliten.[122]
    2023 Proba-V CC Proba-V CC vermisst und kartografiert die Vegetation auf der Erde. Dabei erprobt der Satellit, ob das bereits für Proba-V genutzte Beobachtungsinstrument auch auf einem Cubesat einsetzbar ist.[123]
    2023 Mantis,
    Intuition-1
    Erdbeobachtungs-Cubesats mit künstlicher Intelligenz[124]

    Geplante Satellitenprojekte Bearbeiten

    Diese Applications-Projekte haben die Assessment-Phase (Einschätzungsphase) überstanden haben und sollen verwirklicht werden:

    Geplante Satellitenprojekte
    Startjahr
    (geplant)
    Bezeichnung Beschreibung
    2024[125] EarthCARE Mit der EarthCARE-Mission sollen Daten über die Wechselwirkungen zwischen Strahlungs-, Aerosol- und Wolkenbildungsprozessen gesammelt werden. Damit werden genauere Wetter- und Klimamodelle ermöglicht. Gemeinsame Mission mit der JAXA.
    2024[126] Arctic Weather Satellite
    2025–2040 MetOp-SG Wettersatelliten
    2025 Altius Forschungssatellit zur Überwachung der Stratosphäre
    2025 Flex Vermessung der Chlorophyllfluoreszenz
    2025–2027[127] LEO-PNT Navigationssatelliten, Teil des Programms FutureNAV.
    2026 Sentinel-6B
    2027 Forum Messung der von der Erde abgegebene Wärmestrahlung im fernen Infrarotbereich
    2028[127] Genesis Geodätischer Satellit zur Vermessung der Erde im Millimetermaßstab für Verbesserung des International Terrestrial Reference Frame. Teil des Programms FutureNAV.
    Biomass Satellit zur Vermessung der Biomasse der Wälder und zum besseren Verständnis des Kohlenstoffkreislaufs auf der Erde.
    Sentinel-1C Ersatz für Sentinel-1B (Teil von Copernicus), welcher seit Dezember 2021 unter Fehlfunktionen leidet.[128][129]

    Missglückte Satellitenstarts Bearbeiten

    Die folgenden Satelliten erreichten wegen missglückter Raketenstarts keine oder nicht die geplante Erdumlaufbahn. In den meisten Fällen wurde ein Ersatz geschaffen oder ein weiterentwickelter Nachfolger konnte dann die Missionsziele erreichen.

    Missglückte Satellitenstarts
    Jahr Bezeichnung Beschreibung
    1977 GEOS 1 Geplant waren Messungen der Erdmagnetosphäre im GEO, jedoch wegen eines Trägerraketenfehlers in einer elliptischen Bahn gestrandet und konnte nur einen Teil der Ziele erreichen. GEOS 2 arbeitete planmäßig
    1977 OTS-1 OTS-1 war der erste, zur Technologieerprobung bestimmte Kommunikationssatellit der ESA. Er ging durch Explosion der Delta-Trägerrakete verloren.
    1982 Marecs B Dieser für das Inmarsat-System bestimmte Kommunikationssatellit ging verloren, weil die dritte Stufe der Ariane-1-Trägerrakete versagte. Der Start des Ersatzsatelliten Marecs B2 war erfolgreich.
    1985 ECS 3 ECS 3 ging zusammen mit einem anderen Satelliten verloren als die dritte Stufe der Ariane 3 nicht zündete. Es wurde ein Ersatz gestartet.
    1996 Cluster (Satellit) Die Ariane 5 startete am 4. Juni 1996 zu ihrem Erstflug. Nach genau 36,7 Sekunden sprengte sich die Rakete selbst mitsamt ihrer Nutzlast, den vier Cluster-Satelliten, nachdem sie durch die aerodynamischen Belastungen eines extremen Kurswechsels auseinanderzubrechen begann. Vier Ersatzsatelliten sind erfolgreich im Einsatz.
    2005 CryoSat Der Cryosat-Satellit war mit einem Höhenradar ausgestattet, mit dem die Dicke der polaren Eisschicht gemessen werden sollte. Der Satellit erreichte jedoch aufgrund eines Fehlers der Trägerrakete keine Umlaufbahn. Mit CryoSat-2 wurde 2010 erfolgreich ein Ersatz ins All geschickt.

    Weltraumsicherheit Bearbeiten

    Bereits seit den 1980er Jahren beruft die ESA internationale Konferenzen zu dem Thema Weltraumschrott ein, die jeweils im Europäischen Raumflugkontrollzentrum stattfinden. Die Aufklärungs- und Lobbyarbeit bezüglich der von der ESA gesehenen Gefahren durch zunehmenden Weltraumschrott wurde seit den 2010er Jahren verstärkt.[130][131]

    Von 2009 bis 2020 betrieb die ESA ihre Aktivitäten zur Weltraumsicherheit als Space Situational Awareness Programme. Durch Weltraumüberwachung sollen mögliche Gefahren frühzeitig erkannt und mögliche Schäden verhindert oder abgemildert werden:

    • Überwachung von Satellitenbahnen und Weltraummüll
    • Überwachung von erdnahen Objekten wie Asteroiden auf ihrer Bahn durch den Weltraum. Die Daten zu erdnahen Objekten werden veröffentlicht.[132]
    • Überwachung des Weltraumwetters durch das Space Weather Office, das Weltraumwetterwarnungen ausgibt; Satellitenbetreiber können dadurch Gegenmaßnahmen treffen.

    Ab 2020 wurden diese Aktivitäten der Sparte Safety & Security zugeordnet, die mittlerweile in Space Safety umbenannt wurde. Sie wurden ausgeweitet und erhielten ein wesentlich größeres Budget. Am 12. April 2022 wurde das Space Safety Centre als eigenes Büro am ESOC in Darmstadt eröffnet.

    Die ESA-Projekte zur Weltraumsicherheit umfassen unter anderem die Optical Ground Station, das Flyeye-Teleskop, das Near-Earth Object Coordination Centre und die Hera-Mission zur Auslotung der Asteroidenabwehr. Weitere Projekte sind das Clean Space Programme zur aktiven Beseitigung von Weltraumschrott und das Projekt ESA Vigil zur Einrichtung eines Sonnenwetter-Frühwarnsystems.[133] Der Bereich Informationssicherheit (Cybersecurity) kam neu dazu. Mit der Europäischen Verteidigungsagentur arbeitet die ESA bezüglich des Schutzes von Systemen und Netzwerken zusammen, die kritisch für die Raumfahrt sind.[134]

    Geplante Weltraumsicherheitsprojekte Bearbeiten

    Die folgenden Projekte haben die Assessment-Phase (Einschätzungsphase) durchlaufen und sollen verwirklicht werden. Es wird außerdem nach Möglichkeiten gesucht, Raumfahrzeuge anderer geplanter Missionen, auch anderer Raumfahrtorganisationen, mit Sensoren oder Instrumenten zur Beobachtung des Weltraumwetters zu bestücken, um zusätzliche Daten zur räumlichen Auswertung von anderen Stellen des Sonnensystems zu gewinnen.

    Geplante Space-Safety-Projekte
    Startjahr
    (geplant)
    Bezeichnung Beschreibung
    2024 Hera Mission zum Asteroiden (65803) Didymos,[135] Teil von AIDA.
    frühestens 2027[136] ESA Vigil Vigil soll als Sonnenobservatorium am Lagrange-Punkt L5 stationiert werden. Das Observatorium soll neben der Beobachtung des Sonnenmagnetfeldes Sonnenwinde und magnetische Stürme messen und längere Vorhersagen des Weltraumwetters ermöglichen. Damit soll es helfen, Warnungen auszugeben.[137]
    ?[138] Clearspace-1 Clearspace-1 ist eine geplante Mission, mit der die Beseitigung von Weltraummüll erprobt werden soll. Es wird ein mit vier Greifarmen ausgestattetes Raumfahrzeug entwickelt, das einen im Erdorbit verbliebenen Nutzlastadapter einer Vega-Rakete anfliegen und in die Erdatmosphäre bringen soll, wo beide gemeinsam verglühen.

    Raumtransport Bearbeiten

    Die Raumtransportprojekte der ESA (Space Transportation) sind heute der Sparte Enabling & Support zugeordnet.

    Trägerraketen und Startanlagen Bearbeiten

    Die ESA ließ zwei Baureihen von Trägerraketen entwickeln – die Ariane für mittlere und schwere Nutzlasten und die Vega für kleinere – und verschaffte Europa damit einen unabhängigen Zugang zum Weltraum. Die Ariane wird von der ArianeGroup unter französischer Leitung gebaut, die Vega von Avio in Italien. Zusätzlich entstand in Zusammenarbeit mit Russland das Raketenmodell Sojus-ST, welches von 2011 bis 2022 im Einsatz war. Alle diese Raketen wurden nur für unbemannte Missionen ausgelegt. Betrieben und vermarktet wurden sie zunächst nur von Arianespace. Auf Wunsch von Italien, das die Weiterentwicklung der Vega in erheblichem Maße finanziert, wird die Verantwortung für neu gebuchte Vega-Starts 2024 auf Avio übergehen,[139][140] sodass Arianespace nur noch die Ariane anbietet.

    Bislang starten alle europäischen Raketen vom Raumfahrtzentrum Guayana in Kourou (Französisch-Guayana), wo für jeden Raketentyp eine entsprechende Startanlage errichtet wurde. Der Raketenstart in der Nähe des Äquators bietet für den Transport in niedrig geneigte Umlaufbahnen prinzipielle Vorteile gegenüber äquatorfernen Startplätzen auf der Nord- oder Südhalbkugel. Durch die Erdrotation hat die Rakete dort bereits die auf der Erdoberfläche maximal vermittelte Grundgeschwindigkeit und benötigt weniger Treibstoff, um die benötigte Geschwindigkeit zu erreichen. Für Starts in Polarbahnen ist dieser Standort hingegen ungünstig, weshalb im Norden von Schottland, Norwegen und Schweden mittlerweile neue Startplätze für in Entwicklung befindliche europäische Kleinraketen entstehen. Zudem gibt es in Deutschland Bestrebungen, Kleinraketen von einem Schiff in der Nordsee aus zu starten. Ein weiterer Vorteil von Starts in Nordeuropa sind die kürzeren Transportwege für Raketen und Nutzlasten. (→ Weltraumbahnhöfe in Europa).

    Der erste Start einer Ariane 1 fand 1979 statt. Aktuell sind keine Ariane-Raketen verfügbar; das neueste Modell Ariane 6 ist im Bau und soll gegenüber der ausgemusterten Ariane 5 deutlich kostengünstiger sein. Der Erstflug der Ariane 6 war für 2021 geplant, wurde dann aber mehrfach verschoben, zuletzt auf 2024.

    Die kleinere Trägerrakete Vega absolvierte im Februar 2012 ihren Jungfernflug. Die leistungsfähigere Version Vega-C startete erstmals 2022 und soll 2024 die Vega ablösen. Als noch leistungsfähigeres Modell ist die Vega-E in Entwicklung. Sie soll über eine neu entwickelte Oberstufe verfügen und Europa aus seiner Abhängigkeit von der ostukrainischen Raumfahrtindustrie lösen, die bislang das Vega-Oberstufentriebwerk und die Düsen der unteren Stufen liefert. Zudem entwickelt die ArianeGroup die neue, teilweise wiederverwendbare Kleinrakete Maia. Diese entsteht im Gegensatz zu Ariane und Vega in Eigenregie des Herstellers, nutzt aber die ESA-Technologie des Prometheus-Triebwerks und des Themis-Projekts für eine wiederverwendbare Raketenstufe.[141]

    Die ESA fördert auch die Entwicklung neuer Kleinraketen in den Mitgliedsstaaten, beispielsweise die deutsche RFA One, die spanische Miura 5 und die italienische Vega Light.

    Raketenprojekte mit Beteiligung der ESA
    Einsatzdauer Name Erläuterung
    1979–1986 Ariane 1 16 Starts, davon 2 Fehlstarts
    1986–1989 Ariane 2 6 Starts, davon 1 Fehlstart
    1984–1989 Ariane 3 11 Starts, davon 1 Fehlstart
    1988–2003 Ariane 4 116 Starts, davon 3 Fehlstarts
    1996–2023 Ariane 5 117 Starts, davon 2 Fehlstarts und 2 Teilerfolge
    2011–2022 Sojus-ST 25 Starts, davon 1 Teilerfolg
    2012–2024 Vega 21 Starts bis 2023, davon 2 Fehlstarts und 2 Teilerfolge
    seit 2022 Vega-C 2 Starts bis 2023, davon 1 Fehlstart
    ab 2024 (geplant) Ariane 6
    ab 2025 (geplant) Maia teilweise wiederverwendbare Kleinrakete[141]
    ab 2026 (geplant) Vega-E

    Raumtransporter Bearbeiten

    Raumtransportfahrzeuge der ESA
    Startjahr Bezeichnung Beschreibung
    2008–2014 ATV Das ATV (Automated Transfer Vehicle) war ein unbemannter, einmal verwendbarer Raumfrachter. Fünf dieser Raumfahrzeuge wurden gebaut und beförderten Nachschub zur Internationalen Raumstation (ISS).
    2015 IXV Das Intermediate eXperimental Vehicle (IXV) war ein unbemanntes und automatisches Raumfahrzeug der ESA zur Erforschung der Wiedereintrittsphasen in die Erdatmosphäre sowie eine Testplattform für dafür benötigte Techniken, welche auch in künftigen wiederverwendbaren Raumfähren verwendet werden können.
    ab 2025 (geplant) Space Rider wiederverwendbares Raumflugzeug, das mit der Vega-C starten soll

    Sonstige Einrichtungen Bearbeiten

    Neben den oben genannten Haupteinrichtungen und Gründerzentren unterhält die ESA auch Technologiezentren, Laboratorien, Entwicklung- und Testeinrichtungen, die Missionskontrollzentren und ESTRACK. Die Produkte und Dienstleistungen dieser Einrichtungen – mit Ausnahme der Gründerzentren, die dem Bereich Applications zugeordnet sind[78] – werden von vielen verschiedenen ESA-Projekten genutzt und zählen heute zur Sparte Enabling & Support.[79]

    Zu den ESA-Labors zählt das Special Mission Infrastructure Lab Environment (SMILE), eine Testumgebung für Raumfahrtmissionen des Europäischen Raumflugkontrollzentrums (ESOC) in Darmstadt. Das Labor hat Zugriff auf einen Technologieerprobungssatelliten:

    Satelliten der ESA-Technologiezentren
    Startjahr Bezeichnung Beschreibung
    2019 Ops-Sat Technologieerprobungssatellit im Cubesat-Format für neue Missionskontrollverfahren, mit rekonfigurierbarer Softwarumgebung auf Linux-Basis[142]

    Öffentlichkeitsarbeit Bearbeiten

    Die ESA veröffentlichte von November 2010 bis Juni 2014 in Zusammenarbeit mit dem DLR die Podcast-Reihe Raumzeit.[143] Moderiert wird der Podcast von Tim Pritlove, der Mitarbeiter des DLR und der ESA zu den verschiedenen Themen und Aufgaben dieser interviewt. Zudem ist seit Mai 2011 die sogenannte ESA KIDS Plattform[144] online. Dort können Kinder und Jugendliche sich über die Europäische Weltraumorganisation informieren.

    Außerdem warben ESA-Angestellte in mehreren Vorträgen auf dem 33. C3-Kongress des Chaos Computer Club im Dezember 2016 für Unterstützung bei Projekten wie dem „Moon Village“.[145]

    Literatur Bearbeiten

    Weblinks Bearbeiten

    Wiktionary: ESA – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
    Commons: Europäische Weltraumorganisation – Album mit Bildern und Audiodateien
     Wikinews: ESA – in den Nachrichten

    Einzelnachweise Bearbeiten

    1. European Space Agency (Hrsg.): Übereinkommen und Geschäftsordnung des Rates der ESA. Dezember 2010, S. 126, Anlage I Entschließung Nr. 8: Gebrauch der Sprachen, Punkt 2 (esa.int [PDF; abgerufen am 3. Januar 2019]).
    2. a b c Funding. Abgerufen am 14. Januar 2024 (englisch).
    3. Die ESA: Fakten und Zahlen. ESA, abgerufen am 11. September 2023.
    4. Ratsentschließung ABl. 2000, C 371/2
    5. Oppermann/Classen/Netteshein, Europarecht, 4. Auflage. München 2009, S. 637, Rn. 22
    6. A European vision. Abgerufen am 20. März 2024 (englisch).
    7. a b The ESA Convention
    8. BGBl. 1976 II S. 1861
    9. BGBl. 1981 II S. 371
    10. 30 Jahre ESA – Europas Raumfahrt auf Erfolgkurs, 31. Mai 2005, abgerufen am 9. Februar 2011.
    11. ESA Director General: Ariane 6 aiming for summer 2024 debut. Spaceflight Now, 30. November 2023.
    12. ESA moves two missions to Falcon 9. Spacenews, 20. Oktober 2022.
    13. EU finalizing contract with SpaceX for Galileo launches. Spacenews, 7. November 2023.
    14. ESA Business Incubation Centres, abgerufen am 1. März 2023.
    15. Estland auf dem Weg zum 21. ESA-Mitgliedsland, vom 9. Februar 2015
    16. ESA Mitgliedstaaten, vom 28. August 2013
    17. Polish flag raised at ESA, vom 19. November 2012
    18. Ungarn wird 22. ESA-Mitgliedsland, vom 24. Februar 2015
    19. Latvia becomes ESA Associate Member State. ESA, 29. Juli 2020, abgerufen am 29. Mai 2021 (englisch).
    20. Lithuania becomes ESA Associate Member state. ESA, 21. Mai 2021, abgerufen am 29. Mai 2021 (englisch).
    21. Slovakia becomes ESA Associate Member state. ESA, 13. Oktober 2022, abgerufen am 3. Januar 2023 (englisch).
    22. Slovenia signs Association Agreement. ESA, 5. Juli 2016, abgerufen am 29. Mai 2021 (englisch).
    23. Rahmenabkommen zwischen der Europäischen Gemeinschaft und der Europäischen Weltraumorganisation. In: Amtsblatt der Europäischen Union. L, Nr. 261, 6. August 2004, S. 64.
    24. Member States & Cooperating States. ESA, abgerufen am 12. November 2023.
    25. Oppermann/Classen/Nettesheim, Europarecht, 4. Auflage. München 2009, S. 638, Rn. 22
    26. ESA: Bulgaria becomes tenth ESA European Cooperating State, 3. Oktober 2015 
    27. a b ESA Welcomes New Members, Deepens Ties With Other States. Parabolic Arc, 13. April 2015, abgerufen am 3. Oktober 2015.
    28. ESA: Cyprus becomes 11th ESA European Cooperating State, 12. Juli 2016 
    29. ESA and Canada renew cooperation agreement, building on long-term partnership. ESA, 21. Juni 2000.
    30. esa.int – Israel signs Cooperation Agreement
    31. esa.int – Malta signs Cooperation Agreement
    32. ESA: Croatia signs Cooperation Agreement, 19. Februar 2018 
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    34. Sean Potter: NASA, ESA Partner in New Effort to Address Global Climate Change. 13. Juli 2021, abgerufen am 17. März 2022.
    35. Bericht
    36. Vereinbarung
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    40. The creation of ESA_Lab@HEC, the first ESA_Lab@ between ESA and HEC Paris. ESA, abgerufen am 1. August 2019 (englisch).
    41. ESA and Université PSL agree plans for new ESA_Lab@ programme. ESA, abgerufen am 1. August 2019 (englisch).
    42. Setting Up an ESA_LAB. ESA, abgerufen am 1. August 2019 (englisch).
    43. Ministerratskonferenz stellt Weichen für die ESA. 22. November 2012, abgerufen am 10. Dezember 2013.
    44. ESA-Ministerratskonferenz beschließt Ariane-6-Programm und weiteren ISS-Betrieb. In: DLR. Abgerufen am 9. Juli 2017.
    45. Europas Zukunft in der Raumfahrt. In: ESA. Abgerufen am 9. Juli 2017.
    46. Dirk Lorenzen: Freudiger Geldsegen für die europäische Raumfahrt. In: Deutschlandfunk. 28. November 2019, abgerufen am 11. August 2022.
    47. Taking Germany and Europe to the Next Space Level (pdf). Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie e. V., Juni 2022, abgerufen am 11. August 2022.
    48. Ministers back ESA’s bold ambitions for space with record 17 % rise. Abgerufen am 26. November 2022 (englisch).
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    50. Convention for the establishment of a European Space Agency
    51. ESA: Salary and grades
    52. ESA: Social security and pensions
    53. ESA budget 2013. Abgerufen am 28. Februar 2020 (englisch).
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    68. ESA budget by domain for 2020, abgerufen am 14. November 2023.
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    77. Space Safety auf der ESA-Website, abgerufen am 12. November 2023.
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    131. Presseeinladung zur Europäischen Konferenz über die Gefahren von Weltraumtrümmern und deren Eindämmung. ESA, 23. März 2017, abgerufen am 24. Februar 2022.
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    138. Major changes approved for ClearSpace-1 mission. Spacenews, 24. April 2024.
    139. Avio and Arianespace Finalize Divorce Terms. European Spaceflight, 8. November 2023.
    140. ESA Ministerial Council: Important decisions regarding Ariabe 6, Vega C and Vega E. Avio-Pressemeldung vom 7. November 2023.
    141. a b ArianeGroup Invests €27M More into MaiaSpace. European Spaceflight, 21. September 2023.
    142. OPS-SAT. ESA, abgerufen am 18. November 2023.
    143. Seite des DLR und ESA zur Podcast-Reihe Raumzeit
    144. ESA KIDS Platform, abgerufen am 3. März 2013.
    145. Beitrag von Heise Online zum ESA-Vortrag auf dem 33. Chaos Communication Congress, abgerufen am 13. Januar 2017.
    146. Teilnehmer am „Programme Espace“ des „Institut français des relations internationales“ IFRI

    Koordinaten: 48° 50′ 53,2″ N, 2° 18′ 15,8″ O