SpaceX

Raumfahrtunternehmen

SpaceX (Space Exploration Technologies Corporation) ist ein privates US-amerikanisches Raumfahrt- und Telekommunikationsunternehmen. Das Unternehmen wurde mit dem Ziel gegründet, Technologien zu entwickeln, die es der Menschheit ermöglichen sollen, den Mars zu kolonisieren und das Leben auf anderen Planeten zu verbreiten.[2] Weitere Ziele von SpaceX sind, die Kosten für Raketenstarts um den Faktor zehn zu reduzieren und die Zuverlässigkeit der Raketen zu steigern.

Space Exploration Technologies Corporation

Logo
Rechtsform Corporation
Gründung Juni 2002[1]
Sitz Hawthorne, Vereinigte Staaten
Leitung Elon Musk (CEO und CTO), Gwynne Shotwell (Präsidentin und COO), Hans Königsmann (Vizepräsident Missionssicherheit und Chefingenieur für die Raketenstarts), Lars Blackmore, Principal Rocket Landing Engineer
Mitarbeiterzahl ca. 8.000 (November 2019)
Branche Raumfahrt und Telekommunikation
Website spacex.com

Falcon 9 während des Starts (2010)
Falcon 1 auf der Startplattform in Vandenberg AFB

Nach anfänglichen Fehlschlägen der neuentwickelten Rakete Falcon 1 wurde die Firma innerhalb weniger Jahre mit der Falcon 9 und dem Raumschiff Dragon zu einem bedeutenden Versorger der Internationalen Raumstation (ISS). 2017 löste SpaceX Arianespace als weltweiten Marktführer bei Satellitenstarts ab.[3] Mit der 2018 erstmals gestarteten Falcon Heavy bietet das Unternehmen auch die stärkste verfügbare Trägerrakete an. Seit Ende Mai 2020 führt SpaceX bemannte Raumflüge durch, zunächst für die NASA zur ISS,[4] dies gelang am 30. Mai. Ab dem Jahr 2021 sollen auch Weltraumtouristen ins All befördert werden.

SpaceX betreibt vier Startanlagen an der US-amerikanischen Ost- und Westküste sowie an der Golfküste von Texas. Mit dem Starlink-Projekt für einen weltweiten Satelliten-Internetzugang ist SpaceX – gemessen an der Satellitenanzahl – auch der weltgrößte private Satellitenhersteller und -betreiber.

ManagementBearbeiten

Wichtige Führungskräfte von SpaceX sind der Gründer und Haupteigentümer Elon Musk (CEO und CTO), Gwynne Shotwell (Präsidentin und COO), Hans Königsmann (Vizepräsident für Missionssicherheit und Chefingenieur für die Raketenstarts) und Lars Blackmore, Principal Rocket Landing Engineer (etwa: Oberster Ingenieur für Raketenlandungen). Das Tagesgeschäft der Firma steht unter der Leitung von Gwynne Shotwell.[5]

GeschichteBearbeiten

SpaceX wurde im Juni 2002 von dem Unternehmer Elon Musk gegründet, der mit den zwei Internetunternehmen Zip2 und PayPal mehrere hundert Millionen US-Dollar verdient hatte und einen großen Teil davon für die Gründung von SpaceX aufwendete. Zunächst sah Elon Musk sich nach einer Rakete zum Kauf in Russland um, für seine damals angedachte Mission Mars Oasis (deutsch Mars-Oase).[6] Die russischen Raketen kamen aber letztlich preislich nicht in Frage.[7] Die Idee von Mars Oasis war, ein experimentelles Treibhaus zum Mars zu bringen. Damit sollte „...die längste Strecke erzielt werden, die Leben jemals zurücklegte“.[6]

RaumfahrtBearbeiten

Die Firma startete mit etwa 30 Angestellten die Entwicklung der Falcon 1. Die meisten Teile dieser Rakete, wie die beiden Triebwerke Merlin und Kestrel, waren Neuentwicklungen. Im Juni 2005 waren bereits etwa 130 Mitarbeiter bei SpaceX angestellt.

Nachdem die ersten drei Flüge in Fehlschlägen endeten, startete die Falcon 1 im September 2008 erstmals erfolgreich in die Erdumlaufbahn. SpaceX stellt somit die erste komplett privat entwickelte Flüssigtreibstoffrakete, die den Orbit erreichte.

 
Erfolgreiche orbitale SpaceX-Flüge, 2006–2019

Im Dezember 2008 wurde ein Vertrag zwischen SpaceX und der NASA über 1,6 Milliarden US-Dollar für zwölf Versorgungstransporte zur Internationalen Raumstation ISS unterzeichnet. Dabei sollen insgesamt 20 Tonnen Fracht mit Falcon-9-Raketen zur ISS geliefert werden.[8]

Nach den Entwicklungs- und Demonstrationsflügen werden durch SpaceX seit 2012 Versorgungsflüge zur ISS durchgeführt und für Kunden wie SES S.A., AsiaSat, Thaicom und Orbcomm Satellitenstarts durchgeführt.[9]

Im September 2014 vergab die NASA auf Basis des Modells der bemannten Dragon V2 einen Auftrag in Höhe von 2,6 Milliarden US-Dollar zur Realisierung des Raumschiffes einschließlich eines Demonstrationsfluges mit zwei NASA-Astronauten. Nach erfolgreichem Flug und Zertifizierung durch die NASA sollen zwei bis sechs bemannte Missionen beauftragt werden. Die Finanzierung erfolgt im Rahmen des NASA-Entwicklungsprogrammes Commercial Crew Transportation Capability (CCtCap).[10]

Am 28. Juni 2015 explodierte die Falcon 9 eines Dragon-Versorgungsfluges auf dem Weg zur ISS.[11]

Am 22. Dezember 2015 um 1:29 UTC startete eine verbesserte Falcon 9-Rakete von der amerikanischen Cape Canaveral Air Force Station in den erdnahen Satellitenorbit. Dort teilte sich die Stufenrakete und die zweite Stufe setzte elf Kommunikationssatelliten der Firma Orbcomm aus. Die erste Stufe führte die weltweit erste sanfte Landung einer orbitalen Trägerrakete erfolgreich um 1:40 UTC durch. SpaceX ist es damit als erstem Unternehmen gelungen, die Hauptstufe einer Rakete sicher zur Erde zurückzubringen.[12] Nach dem Rückschlag durch die Launchpad-Explosion startete SpaceX am 14. Januar 2017 erneut eine Rakete mit 4 Iridium-Satelliten.

Die erste Wiederverwendung einer ersten Raketenstufe gelang im März 2017. Dabei wurde ein Kommunikationssatellit, der SES-10, vom Launch Complex 39A in den geostationären Erdorbit befördert. Verwendet wurde die Erststufe, welche am 8. April 2016 während der Mission CRS-8 als erste auf dem Autonomous spaceport drone ship landete.[13] Beim Start der Falcon 9 mit dem Satellit SES-10 am 31. März 2017 wurde zum ersten Mal eine Raketenstufe wiederverwendet. Danach landete die erste Stufe zum zweiten Mal erfolgreich auf dem Drohnenschiff „Of Course I Still Love You“.[14]

Am 3. Dezember um 18:34 UTC startete eine nochmal verbesserte Variante von der Vandenberg AFB mit Spaceflight SSO-A vom Space Launch Complex 4E in den sonnensynchronen Erdorbit. Die Erststufe wurde davor schon auf den Missionen Bangabandhu-1 (11. Mai 2018) und Merah Putih (Telkom-4) (7. August 2018) benutzt. Sie landete danach auf dem Autonomous spaceport drone ship "Just Read the Instructions", welches nur wenige Kilometer von der Küste entfernt war und es zur dritten Benutzung einer Orbitalrakete machte.[15]

SpaceX wandte sich 2014 gegen die bis dahin übliche Praxis des Militärs der USA, Weltraumflug-Aufträge ausschließlich an die United Launch Alliance, bestehend aus Boeing und Lockheed Martin, zu vergeben. Der Start einer Falcon-9-Rakete als erster militärischer Auftrag an SpaceX erfolgte am 1. Mai 2017. Auftraggeber war das Nationale Aufklärungsamt der USA (NRO), ein militärischer Nachrichtendienst, der Spionagesatelliten herstellt und betreibt. Der Name der Mission lautet „NROL-76“, Details zu den ins All beförderten Objekten wurden nicht öffentlich bekannt.[16]

Weltweite InternetversorgungBearbeiten

Im Januar 2015 beteiligten sich die amerikanischen Unternehmen Fidelity Investments und Google mit zusammen rund einer Milliarde US-Dollar an SpaceX. Sie hielten damit 8,3 % des Unternehmens. Es wurde angenommen, dass sich Google für den neuen Plan von SpaceX interessierte, ein Netzwerk von Satelliten zur Internetversorgung aufzubauen. Die Ausführung soll 10 Milliarden US-Dollar kosten und rund fünf Jahre dauern.[17] Im November 2016 reichte das Unternehmen erste Pläne für solch ein Konzept bei der US-Regulierungsbehörde Federal Communications Commission ein. SpaceX plant, 11.927 Satelliten in Umlaufbahnen von 340 bis 1.325 km Höhe zu stationieren.[18]

Im Mai 2019 startete eine Falcon 9 mit 60 Prototypen, die noch nicht die volle vorgesehene Funktionalität haben, in Umlaufbahnen von bis zu 550 km Höhe.

EinrichtungenBearbeiten

UnternehmenssitzBearbeiten

 
Unternehmenszentrale in Hawthorne. Das X im SpaceX-Logo soll die Trajektorie einer Rakete darstellen.[19]

Die Geschäftszentrale des Unternehmens und umfangreiche Entwicklungs- und Produktionsanlagen befinden sich in Hawthorne, Kalifornien. Ferner befindet sich hier das Flugkontrollzentrum für alle SpaceX-Missionen.

TestanlagenBearbeiten

In McGregor, Texas, betreibt SpaceX seit 2003 eine Testanlage für Raketentriebwerke und Manövrierdüsen. Hier findet auch ein Großteil der Entwicklungsarbeit in Bezug auf die Triebwerkstechnik statt.[20]

Start- und LandeeinrichtungenBearbeiten

Alle fünf Falcon-1-Raketen wurden von der Kwajalein Missile Range auf Omelek (Marshallinseln) gestartet.

Die Starts von Falcon-9-Raketen erfolgen entweder vom speziell umgebauten Space Launch Complex 40 (SLC-40) der Cape Canaveral AFS, vom Launch Complex 39A (LC-39A) des benachbarten Kennedy Space Centers oder vom Space Launch Complex 4E (SLC-4E) der Vandenberg Air Force Base in Kalifornien, wo das Unternehmen über Hangars verfügt, in denen die fertig angelieferten Raketenstufen vor dem Start zusammengefügt werden. Am LC-39A, für den SpaceX 2014 einen 20-Jahres-Mietvertrag abgeschlossen hatte, startet seit 2018 auch die Falcon Heavy. Ebenso sind Falcon-Heavy-Starts von SLC-4E möglich.

Für Landungen der an der Ostküste gestarteten Raketen (-stufen) betreibt SpaceX am Cape Canaveral den Landing Complex 1 mit zwei Landeflächen. An der Vandenberg Air Force Base wurde am benachbarten ehemaligen Launch Complex 4W eine Landefläche gebaut. Wasserlandungen erfolgen auf schwimmenden Plattformen im Atlantik oder Pazifik, den Autonomous spaceport drone ships; Nutzlastverkleidungen werden mit dem Spezialschiff GO Ms. Tree (vormals Mr. Steven) aufgefangen oder aus dem Meer geborgen.

In Boca Chica bei Brownsville, Texas wird seit 2014 die SpaceX South Texas Launch Site als unternehmenseigener Weltraumbahnhof gebaut. Ursprünglich sollten von dort ab 2016 Falcon-Raketen starten. Stattdessen ist die Einrichtung heute ein Produktions- und Testzentrum für die neue Rakete Starship und Super Heavy, die von dort aus auch in den Weltraum fliegen soll.

TechnologieBearbeiten

Falcon 1Bearbeiten

Der erste Testflug der leichten Falcon-1-Rakete erfolgte nach mehrfachen Startverschiebungen seit September 2004 am 24. März 2006, endete jedoch mit dem Absturz der Rakete aufgrund eines Treibstofflecks. Danach tagte eine von SpaceX und dem US-Verteidigungsministerium eingesetzte Untersuchungskommission. Beim zweiten Testflug am 21. März 2007 erreichte die Rakete eine Höhe von 300 Kilometern. Die zweite Raketenstufe aber kollidierte beim Abtrennen mit der Austrittsdüse der ersten Stufe. Dies war vermutlich der Grund für das Ablösen eines Stabilisierungsrings, wodurch die Oberstufe ins Taumeln und außer Kontrolle geriet. Laut SpaceX konnten die gestörten Telemetriedaten nachträglich weitgehend wiederhergestellt werden. Die Oberstufe stürzte zurück in die Erdatmosphäre. Der dritte Testflug am 3. August 2008 schlug erneut fehl. Der Start verlief anfangs wie erwartet, jedoch traten bei der Stufentrennung Probleme auf, und die Rakete geriet außer Kontrolle. Der vierte Flug am 28. September 2008 glückte. Hierbei wurde der gleiche Triebwerkstyp (Merlin C) wie beim vorherigen Flug verwendet. Durch die Behebung des Fehlers bei der Stufentrennung konnte die Falcon 1 ihre 165 kg schwere Probenutzlast in einem 644 km hohen Orbit aussetzen. Am 14. Juli 2009 wurde Falcon 1 mit dem Start des malaysischen Satelliten RazakSAT erstmals kommerziell verwendet.

Falcon 5Bearbeiten

 
Grafische Darstellung der Falcon 5 (ursprüngliche Konfiguration)

Die Falcon 5 war eine geplante Rakete, die auf der Technik der Falcon 1 basieren sollte. Die erste Stufe sollte von fünf Merlin-Triebwerken angetrieben werden und genau wie die erste Stufe der Falcon 1 mit Hilfe von Fallschirmen zur Erde zurückkehren, um wiederverwendet zu werden. Durch den Einsatz von fünf Triebwerken sollte die Falcon 5 auch beim Ausfall eines Triebwerks ihre Mission erfüllen können. Die zweite Stufe wäre von einem modifizierten Merlin-Triebwerk angetrieben worden, das mit einer vergrößerten Ausströmdüse für den Betrieb im fast-Vakuum optimiert war. Die Falcon 5 sollte von Cape Canaveral aus 6.020 kg in eine 200 km hohe Umlaufbahn befördern können, womit sie in der Leistungsklasse der Delta-II Rakete gelegen hätte.

Nach der Bekanntgabe der Pläne zur Entwicklung der Falcon 9 änderte SpaceX zunächst die Konfiguration der Falcon 5. Die Falcon 5 sollte aus einer modifizierten Erststufe der Falcon 9 aufgebaut sein und eine Nutzlast von 4.100 kg befördern können. Im Zuge der Entwicklung der Falcon 9 wurde schließlich auf die Falcon 5 verzichtet.

Falcon 9Bearbeiten

Im Jahr 2006 nahm SpaceX am Wettbewerb der NASA zur privaten Versorgung der ISS, dem Programm Commercial Orbital Transportation Services, teil und war einer der Gewinner. In Zusammenarbeit mit der NASA erfolgte die weitere Entwicklung und Erprobung der Falcon 9. Am 4. Juni 2010 fand der Jungfernflug statt, am 8. Oktober 2012 der erste Flug zur ISS.

Neben den Starts der Dragon-Kapseln wird die Falcon 9 auch zum Start von privatwirtschaftlichen und staatlichen Nutzlasten verwendet. SpaceX entwickelte sich damit zu einem direkten Konkurrenten von etablierten Startanbietern wie International Launch Services, Arianespace und der United Launch Alliance.

Wiederverwendbare RaketenBearbeiten

 
Erste erfolgreiche Landung einer Falcon 9 im Ozean auf einem ASDS

Der Grasshopper und die Falcon 9 Reusable Development Vehicles (F9R Dev) sind experimentelle Raketen für suborbitale Flüge, mit denen erprobt wird, wie eine Raketenstufe nach dem Start kontrolliert gelandet werden kann. Ziel ist es, Raketenkomponenten mehrfach zu verwenden, um Kosten zu minimieren.

Die Erkenntnisse flossen in Modifikationen der ersten Stufe der tatsächlich eingesetzten Falcon 9 ein, wobei aus Sicherheitsgründen die Landungsversuche zunächst nur über dem Ozean und dann auf dem Autonomous spaceport drone ship (ASDS) erfolgten.

Am 21. Dezember 2015 Ortszeit (22. Dezember UTC) beim 20. Start einer Falcon 9 gelang die Rückkehr aus dem All und die sichere Landung am Startplatz Cape Canaveral. Am 8. April 2016 landete im Rahmen der Mission CRS-8 zum ersten Mal eine Erststufe erfolgreich auf dem Autonomous spaceport drone ship.

Die erste wiederverwendete Falcon-9-Erststufe wurde am 30. März 2017 gestartet und erfolgreich gelandet.[21] SpaceX arbeitet auch an einer Wiederverwendung der Nutzlastverkleidung.

 
Erster Start der Falcon Heavy (Feb. 2018)

Falcon HeavyBearbeiten

Bereits Mitte der 2000er Jahre plante SpaceX die Entwicklung einer wesentlich stärkeren Rakete mit zwei Boostern. Das Projekt erwies sich als unerwartet komplex und verzögerte sich zusätzlich durch die Explosion einer Falcon 9 im September 2016.

Am 6. Februar 2018 erfolgte schließlich mit fünf Jahren Verspätung der Erstflug der Falcon Heavy. Sie besteht aus drei modifizierten Falcon-9-Erststufen mit insgesamt 27 Merlin-Triebwerken sowie einer Falcon-9-Oberstufe. Die Falcon Heavy ist derzeit und bis zur Fertigstellung des Space Launch System (erwartet für frühestens 2021) die weltweit leistungsfähigste verfügbare Trägerrakete. Historisch ist sie die zweitstärkste amerikanische Trägerrakete seit der Mondrakete Saturn V.

DragonBearbeiten

 
Dragon-Kapsel beim Andockmanöver an die Internationale Raumstation

Ebenfalls in Eigenregie, jedoch mit NASA-Unterstützung im Rahmen des C3P-Programms, wurde die Dragon-Kapsel konzipiert, gebaut und erprobt. Am 8. Dezember 2010 startete die erste Dragon-Kapsel auf einer Falcon 9 zu einem Flug ins All und wasserte nach etwa drei Stunden im Pazifischen Ozean.[22] Damit wurde die Fähigkeit demonstriert, die Kapsel auch zu landen. Die Kapsel ist das einzige Frachtsystem, das in der Lage ist, große Nutzlasten von der ISS auch zurück zur Erde zu bringen. Andere Frachtraumschiffe wie HTV und Progress verglühen auf ihrem Rückweg in der Atmosphäre.

Im Mai 2012 fand mit der COTS-2-Mission der erste Flug eines Dragon-Raumschiffs zur ISS statt. Der insgesamt neun Tage dauernde Flug beinhaltete zahlreiche Testmanöver. Das Raumschiff transportierte 520 kg Fracht zur ISS und landete mit über 600 kg an nicht mehr benötigten Ausrüstungsgegenständen wieder auf der Erde.[23]

Von Oktober 2012 bis März 2020 fanden regelmäßige Versorgungsflüge zur ISS statt. Am 28. Juni 2015 stürzte eine Dragon-Kapsel kurz nach dem Start durch die Explosion der Trägerrakete Falcon 9 wegen eines Strebenbruchs ab. Dabei gingen 1,8 Tonnen Fracht für die ISS verloren.[24] Von der Mission CRS-13 im Dezember 2017 bis zur Abschlussmission CRS-20 setzte SpaceX nur noch gebrauchte Dragon-Kapseln ein.

Dragon 2Bearbeiten

 
Dragon 2 im Anflug auf die ISS (Computergrafik)

Das Raumschiff Dragon 2 ersetzt ab 2020 die Dragon. Es wird in zwei Versionen gebaut: der Crew Dragon zum kombinierten Transport von Raumfahrern und Fracht und der Cargo Dragon 2 als reinem Frachter. Wie bereits das Vorgängermodell ist die Dragon 2 wiederverwendbar ausgelegt, um die Herstellkosten pro Flug zu begrenzen.

Der erste unbemannte Testeinsatz einer Crew Dragon fand im März 2019 als Mission SpX-DM1 statt. Am 30. Mai 2020 um 21:22 Uhr (MESZ) startete Crew Dragon 2 als Mission SpX-DM2 mit Douglas Hurley und Robert Behnken als Besatzung.[25] Die erste Cargo Dragon 2 wird voraussichtlich im Herbst 2020 Fracht zur ISS bringen. Mit diesem Zeitplan übertrumpfte SpaceX den Boeing-Konzern, dessen wesentlich teurere Raumkapsel CST-100 Starliner wegen technischer Mängel erst später einsatzbereit sein wird.

Interplanetary Transport SystemBearbeiten

 
ITS-Raumschiff mit Raptor-Triebwerken vor den Ringen Saturns (Visualisierung)
 
Interplanetary-Transport-System – Vergleich mit Saturn V, Boeing 747 und des Interplanetary Spaceship alleine mit der Apollo-Mondlandefähre

Am 27. September 2016 stellte SpaceX-Vorstandschef Elon Musk Pläne für das Interplanetary Transport System (ITS) vor, mit dem erstmals ein bemannter Flug zum Mars ermöglicht werden sollte.[26] Die Arbeiten am dafür benötigten Raketentriebwerk Raptor begannen 2014. Das gesamte ITS-Vehikel sollte eine Höhe von 122 m haben und 300 Tonnen Ladung in den LEO transportieren können, das Raumschiff einen Durchmesser von 17 m aufweisen.[27]

Das ITS erwies sich in der geplanten Dimension als nicht finanzierbar. Das Konzept wurde daher weiterentwickelt zur deutlich kleineren und universeller einsetzbaren BFR.[28]

Starship und Super HeavyBearbeiten

Am 29. September 2017 stellte SpaceX-Vorstandschef Elon Musk die BFR (Big Falcon Rocket; alternativ auch Big Fucking Rocket) vor, mit der erstmals ein bemannter Flug zum Mars ermöglicht werden soll. Daneben soll sie dazu genutzt werden können, Satelliten in den Orbit zu transportieren und die Internationale Raumstation oder eine mögliche zukünftige Basis auf dem Mond zu versorgen. Prinzipiell soll sie auch in der Lage sein, Passagiere über große Distanzen auf der Erde schnell zu transportieren.

Die Unterstufe soll von 31 Raptor-Raketentriebwerken angetrieben werden, und die gesamte BFR soll eine Höhe von über 100 Metern bei einem Durchmesser von neun Metern aufweisen.[29][30]

Die voll wiederverwendbare Variante soll über 100 Tonnen Ladung in niedrige Erdumlaufbahnen transportieren können. Nach mehrfachem Auftanken im Orbit soll die gleiche Masse an Ladung zum Mars transportiert werden können.

Die erste Marsmission soll nach älteren Plänen von Musk im Jahr 2022Vorlage:Zukunft/In 2 Jahren starten. Zwei Jahre später soll eine erste bemannte Mission folgen, um Vorbereitungen für eine Treibstoffproduktion auf dem Mars zu treffen.[31] Bisherige Zeitplanungen von Musk erwiesen sich meist als zu optimistisch; es kam regelmäßig zu Verzögerungen von mehreren Jahren. Im Mai 2020 entfernte SpaceX die Zieltermine 2022 und 2024 aus der Starship-Beschreibung auf der Firmenwebsite.

Am 17. September 2018 kündigte Musk an, mit der BFR im Jahr 2023 erstmals einen zahlenden Touristen zum Mond und wieder zurückzubringen: den japanischen Milliardär Yusaku Maezawa.[32]

Dragon XLBearbeiten

Im März 2020 erhielt SpaceX von der NASA den Auftrag zur Entwicklung der Dragon XL, einer vergrößerten Variante des Frachtraumschiffs Cargo Dragon 2. Sie soll frühestens ab Mitte der 2020er Jahre die Mond-Raumstation Lunar Orbital Platform-Gateway mit bis zu 5 Tonnen Ladung je Flug versorgen. Als Trägerrakete soll die Falcon Heavy verwendet werden.[33]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Erik Seedhouse: SpaceX: Making Commercial Spaceflight a Reality (= Springer-Praxis books in space exploration). Springer Praxis Books, New York, NY 2013, ISBN 978-1-4614-5513-4.

WeblinksBearbeiten

Commons: SpaceX – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ashlee Vance: Elon Musk : Tesla, PayPal, SpaceX - wie Elon Musk die Welt verändert. 18. Auflage. FBV (Finanzbuchverlag), München 2019, ISBN 978-3-89879-906-5, S. 108.
  2. Ross Andersen: Elon Musk puts his case for a multi-planet civilisation. In: Aeon Essays. 30. September 2014, abgerufen am 2. Februar 2019.
  3. Christian Schubert: Space X läuft Arianespace den Rang ab. In: FAZ. 9. Januar 2018, abgerufen am 16. Februar 2018.
  4. SpaceX nennt Termin für bemannte Mission. In: n-tv.de. 17. April 2020, abgerufen am 18. April 2020.
  5. Nele Husmann, Andreas Menn: Die Frau, die uns zum Mars bringt. In: WirtschaftsWoche. 3. Juni 2020, abgerufen am 6. Juni 2020.
  6. a b Risky Business. In: IEEE Spectrum. 30. Juni 2009, abgerufen am 24. Mai 2020.
  7. Ashlee Vance: Elon Musk : Tesla, PayPal, SpaceX - wie Elon Musk die Welt verändert. 18. Auflage. FBV (Finanzbuchverlag), München 2019, ISBN 978-3-89879-906-5, S. 99 ff.
  8. NASA selects SpaceX’s Falcon 9 Booster and Dragon Spacecraft for Cargo Resupply Services to the International Space Station (Memento vom 9. Januar 2014 im Internet Archive)
  9. Launch Manifest. In: SpaceX. Archiviert vom Original am 9. Mai 2020; abgerufen am 18. April 2015.
  10. NASA Chooses American Companies to Transport U.S. Astronauts to International Space Station. In: nasa.gov. 16. September 2014, abgerufen am 7. Juni 2020.
  11. SpaceX: Raumfrachter Dragon explodiert nach Start. In: futurezone.at. Abgerufen am 28. Juni 2015: „Der von SpaceX betriebene Raumfrachter Dragon ist nach dem Start explodiert. Er sollte 2000 Kilogramm Nachschub zur ISS bringen.“
  12. SpaceX landet eine Rakete sicher auf dem Boden, nach erfolgreichem Aussetzen von 11 Satelliten. In: twitter.com. 22. Dezember 2015, abgerufen am 7. Juni 2020.
  13. Stephen Clark: SES 10 telecom satellite in Florida for launch on reused SpaceX rocket. In: spaceflightnow.com. 17. Januar 2020, abgerufen am 28. Februar 2017.
  14. Stephen Clark: SpaceX flies rocket for second time in historic test of cost-cutting technology. In: spaceflightnow.com. 31. März 2017, abgerufen am 16. Februar 2018.
  15. Stephen Clark: Timeline of Falcon 9’s launch on the SSO-A mission. In: spaceflightnow.com. 3. Dezember 2018, abgerufen am 7. Dezember 2018 (amerikanisches Englisch).
  16. Christoph Seidler: SpaceX startet geheimnisvollen Spionagesatelliten. In: Spiegel Online. 1. Mai 2017, abgerufen am 1. Mai 2017.
  17. Google steigt bei SpaceX ein. In: Tages-Anzeiger. 21. Januar 2015, abgerufen am 7. Juni 2020.
  18. Apply for a Trademark. Search a Trademark. 19. September 2017, abgerufen am 7. Juni 2020 (englisch).
  19. Elon Musk: Similar to SpaceX, the T is like a cross section of an electric motor, just as the X is like a rocket trajectory. In: twitter.com. 19. Januar 2017, abgerufen am 2. Februar 2019.
  20. SpaceX Expanding Texas Operations (Memento vom 15. Februar 2019 im Internet Archive)
  21. SpaceX: Falcon 9 first stage has landed. In: twitter.com. 31. März 2017, abgerufen am 7. Juni 2020.
  22. Klaus Donath: SpaceX Dragon-Kapsel startet und wassert erfolgreich. In: raumfahrer.net. 8. Dezember 2010, abgerufen am 18. April 2015.
  23. COTS-2 Mission Press Kit. (PDF; 6,7 MB) SpaceX, abgerufen am 23. Januar 2014 (englisch).
  24. William Harwood: Falcon 9 rocket destroyed in launch mishap. In: spaceflightnow.com. 28. Juni 2015, abgerufen am 7. April 2016.
  25. SpaceX: Liftoff: D. Hurley, R. Behnken. In: twitter.com. 30. Mai 2020, abgerufen am 30. Mai 2020 (englisch).
  26. Kenneth Chang: Elon Musk’s Plan: Get Humans to Mars, and Beyond. In: New York Times. 27. September 2016, abgerufen am 7. Juni 2020.
  27. SpaceX: Making Humans a Multiplanetary Species auf YouTube, abgerufen am 7. Juni 2020.
  28. Making Life Multiplanetary, Minute 3:08–3:50. Präsentation der BFR durch Elon Musk auf dem 29. International Astronautical Congress in Adelaide, 29. September 2017 (Youtube-Video).
  29. SpaceX:Making Life Multiplanetary auf YouTube, abgerufen am 4. Juni 2020.
  30. Musk offers more technical details on BFR system. In: spacenews.com. 15. Oktober 2017, abgerufen am 7. Juni 2020.
  31. SpaceX: Making Life Multiplanetary (pdf). (PDF) (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 19. November 2017; abgerufen am 19. Oktober 2017.
  32. Space X will Milliardär samt Künstlerschar zum Mond bringen. In: derStandard.at. Abgerufen am 19. September 2018.
  33. Chris Bergin: Dragon XL revealed as NASA ties SpaceX to Lunar Gateway supply contract. Nasaspaceflight.com, 27. März 2020.

Koordinaten: 33° 55′ 14,5″ N, 118° 19′ 40,1″ W