Chandrayaan-3

Chandrayaan-3 (Sanskrit und Hindi चन्द्रयान ३; candra-yāna tīn, „Mondfahrzeug 3“;[1] Audio-Datei / Hörbeispiel Aussprache?/i) ist eine geplante dritte Monderkundungsmission der Indian Space Research Organisation (ISRO).[2] Nach Chandrayaan-2, wo ein Fehler in der Kommunikation nach einem erfolgreichen Einschwenken in die Umlaufbahn zu einem Scheitern des Versuchs einer weichen Landung führte, wurde eine weitere Mondmission zur Demonstration einer Landung vorgeschlagen.[3] Nach einer erfolgreichen Umsetzung wäre ISRO die weltweit vierte Weltraumagentur, die nach der Raumfahrtbehörde der ehemaligen Sowjetunion, der NASA und der CNSA eine weiche Mondlandung durchführt hätte.

HintergrundBearbeiten

Als zweite Phase des Chandrayaan-Programms zur Demonstration einer weichen Landung auf der Mondoberfläche startete die ISRO am 22. Juni 2019 Chandrayaan-2 an Bord einer GSLV Mk III-Rakete, die aus einem Orbiter, einem Lander und einem Rover bestand. Der Lander sollte im September 2019 auf der Mondoberfläche aufsetzen, um den Rover Pragyan auszusetzen.[4][5]

Frühere Berichte beschrieben eine geplante Zusammenarbeit mit Japan bei einer Mission zum Mond-Südpol, bei der Indien einen Lander und Japan die Startrakete und den Rover bereitstellen würde. Diese Mission hätte Probenahmen am Landeort gemacht und Technologien erprobt, wie man die lange Mondnacht überstehen kann.[6][7]

Das spätere Scheitern des Vikram-Landers führte zur Planung einer weiteren Mission zur Demonstration der Landefähigkeiten, – wiederum in Zusammenarbeit mit Japan – die für die 2024 vorgeschlagene Lunar Polar Exploration Mission erforderlich sind.

FinanzierungBearbeiten

Im Dezember 2019 wurde berichtet, dass die ISRO speziell für diese Mission zusätzliche Mittel in Höhe von 750 Millionen Rs. (8,6 Mio. Euro) beantragt hat, von denen 600 Millionen Rs. (6,9 Mio. Euro) Investitionsausgaben für Maschinen, Ausrüstung etc. sind, während 150 Millionen Rs. (1,7 Mio. Euro) für Betriebskosten angesetzt sind.[8]

Am 1. Januar 2020 bestätigte K. Sivan, der Direktor der ISRO, dass das Projekt vorangetrieben würde und erklärte, dass die Gesamtkosten bei etwa 6,15 Milliarden Rs. (70,6 Mio. Euro) lägen, davon 2,5 Milliarden für den Bau von Lander, Rover und Antriebsmodul und 3,65 Milliarden für die Trägerrakete und den Start. Zum damaligen Zeitpunkt war ein Start für spätestens Anfang 2021 ins Auge gefasst.[9] Dies war jedoch vor der COVID-19-Pandemie in Indien. Der erste Fall wurde dort am 30. Januar 2020 registriert, am 23. März 2020 stellte die ISRO am Vikram Sarabhai Space Centre, ihrem Hauptquartier in Thiruvananthapuram, Bundesstaat Kerala, sowie an zwei weiteren Standorten die Arbeit ein. Rund 10.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden in Zwangsurlaub geschickt.[10] Im September 2020 wurde jedoch zumindest im Satish Dhawan Space Centre auf der Insel Sriharikota im Bundesstaat Andhra Pradesh die Arbeit wieder aufgenommen.[11]

TechnikBearbeiten

Chandrayaan-3 wird prinzipiell eine Missionswiederholung von Chandrayaan-2 sein und mit einem Lander und einem Rover operieren, die denen von Chandrayaan-2 ähnlich sind. Da der Orbiter von Chandrayaan-2 noch einwandfrei arbeitet – die ISRO geht davon aus, dass er dies noch bis 2026 tun wird[12] – wurde jedoch auf einen weiteren Orbiter verzichtet, stattdessen wird ein abkoppelbares Antriebsmodul eingesetzt, das Lander und Rover nach dem Start bis zum Mond bringen soll. Das Missionsprofil ist im Vergleich zu Chandrayaan-2 einfacher gehalten, sowohl was die Bahnmanöver im Erdorbit als auch während des Flugs zum Mond betrifft. Statt damals sechs wird es nun nur noch drei oder vier Bahnmanöver geben.

Bereits bei Chandrayaan-2 hatte es Vorschläge für Verbesserungen am Lander gegeben, die aber wegen des nahen Starttermins nicht mehr umgesetzt werden konnten. Dies soll nun nachgeholt werden. Vor allem die Landebeine der Sonde sollen verstärkt werden, damit auch bei einer hohen Geschwindigkeit noch eine sichere Landung möglich ist.[13]

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Chandrayaan-2 FAQ. Abgerufen am 24. August 2019: „The name Chandrayaan means "Chandra- Moon, Yaan-vehicle", –in Indian languages (Sanskrit and Hindi), – the lunar spacecraft.“
  2. Press Meet - Briefing by Dr. K Sivan, Chairman, ISRO. In: www.isro.gov.in. 1. Januar 2020. Abgerufen am 3. Januar 2020.
  3. Mahesh Guptan: How did Chandrayaan 2 fail? ISRO finally has the answer. In: The Week, 16. November 2019. Abgerufen am 3. Januar 2020. 
  4. Surendra Singh: Chandrayaan-2 launch put off: India, Israel in lunar race for 4th position. In: The Times of India, 5. August 2018. Abgerufen am 15. August 2018. 
  5. Jaideep Shenoy: ISRO chief signals India's readiness for Chandrayaan II mission. In: The Times of India, 28. Februar 2016. Abgerufen am 3. Januar 2020. 
  6. India's next Moon shot will be bigger, in pact with Japan. In: The Times of India. 7. Juli 2019. Abgerufen am 3. Januar 2020: „For our next mission — Chandrayaan-3 — which will be accomplished in collaboration with JAXA (Japanese Space Agency), we will invite other countries too to participate with their payloads.“
  7. Episode 82: Jaxa and International Collaboration with Professor Fujimoto Masaki (en-GB) In: AstrotalkUK. 4. Januar 2019. Abgerufen am 3. Januar 2020.
  8. Chethan Kumar: Isro seeks 75 crore more from Centre for Chandrayaan-3 (en). In: The Times of India, 8. Dezember 2019. Abgerufen am 12. September 2020. 
  9. Chandrayaan-3 to cost Rs 615 crore, launch could stretch to 2021. In: The Times of India. 2. Januar 2020. Abgerufen am 12. September 2020.
  10. ISRO units ask staff to stay home. In: thehindu.com. 23. März 2020, abgerufen am 12. September 2020 (englisch).
  11. Krishna Chaitanya: ISRO gears up for two launches in November. In: newindianexpress.com. 19. September 2020, abgerufen am 29. September 2020 (englisch).
  12. Chandrayaan - 2 Latest Update. In: isro.gov.in. 7. September 2019, abgerufen am 13. September 2020 (englisch).
  13. Chethan Kumar: Chandrayaan-3: Second bid to land on Moon by November 2020. In: timesofindia.indiatimes.com. 14. November 2019, abgerufen am 12. September 2020 (englisch).