Chang’e 7 (chinesisch 嫦娥七號 / 嫦娥七号, Pinyin Cháng'é Qīhào) ist eine geplante unbemannte Mondsonde der Nationalen Raumfahrtbehörde Chinas, die 2024 mit einer Trägerrakete vom Typ Changzheng 5 vom Kosmodrom Wenchang auf Hainan gestartet werden soll.

Chang’e 7
NSSDC ID (noch nicht vergeben)
Missions­ziel ErdmondVorlage:Infobox Sonde/Wartung/Missionsziel
Auftrag­geber CNSAVorlage:Infobox Sonde/Wartung/Auftraggeber
Träger­rakete Changzheng 5Vorlage:Infobox Sonde/Wartung/Traegerrakete
Aufbau
Startmasse 8,2 tVorlage:Infobox Sonde/Wartung/Startmasse
Verlauf der Mission
Startdatum 2024 (geplant)Vorlage:Infobox Sonde/Wartung/Startdatum
Startrampe Kosmodrom WenchangVorlage:Infobox Sonde/Wartung/Startrampe

ÜbersichtBearbeiten

Das am 24. Januar 2004 von Premierminister Wen Jiabao nach dreizehnjährigen Vorbereitungsarbeiten offiziell gestartete Mondprogramm der Volksrepublik China bestand ursprünglich aus Drei Großen Schritten, die wiederum in Kleine Schritte unterteilt waren. Nachdem mit der Probenrückholmission Chang’e 5 der Erste Große Schritt in Dezember 2020 seinen Abschluss fand, soll nun mit drei unbemannten Sonden eine Reihe von bemannten Landungen mit relativ kurzen Aufenthalten ähnlich den Apollo-Missionen vorbereitet werden, sowie langfristig der Bau einer dauerhaft besetzten Mondbasis nahe dem Südpol des Mondes am inneren Ring des Südpol-Aitken-Beckens. Die Rückkehrsonde Chang’e 6 soll 2024 von dort Bodenproben zurückbringen.[1] Dann soll Chang’e 7 Topographie und Bodenzusammensetzung ausführlich untersuchen. Stand März 2021 soll Chang’e 7 im Rahmen der Internationalen Mondforschungsstation gemeinsame Experimente mit dem russischen Mondorbiter Luna 26 durchführen, dessen Start ebenfalls für 2024 geplant ist.[2] Noch vor 2030 sollen mit einem 3D-Drucker auf der Sonde Chang’e 8 Versuche zur Herstellung von Bauteilen aus Regolith unternommen werden.[3] Diese drei Sonden sind die letzten von der Nationalen Raumfahrtbehörde Chinas durchgeführten Mondmissionen. Ab 2030 wird die Monderkundung vom Büro für bemannte Raumfahrt übernommen.[4]

Aktivitäten in der Südpolregion des Mondes, die als das Gebiet zwischen 86° und 90° südlicher Breite definiert ist, stellen eine beträchtliche Herausforderung dar. Es gibt dort eine bis zu 185 Tage dauernde Polarnacht und selbst im lunaren Sommer liegt der Einfallswinkel der Sonnenstrahlen bei nur 1° – 4°. Dies erschwert die optische Vorerkundung aus der Umlaufbahn, und die Auflösung bei Laser- oder Mikrowellenabtastung reicht oft nicht für eine gründliche Missionsplanung aus. Dazu kommt noch das zerklüftete Terrain, wo steile Kraterwände mit einem Neigungswinkel von 30° – 40° Schattenzonen erzeugen, wo für längere Zeit keine Stromerzeugung mit Solarmodulen möglich ist. Dadurch ist die Auswahl der möglichen Landepunkte stark eingeschränkt, die dazu noch mit einer Präzision von 100 m angeflogen werden müssen, während bei den Missionen Chang’e 3 und Chang’e 4 der erlaubte Fehler im Kilometerbereich lag. Langfristig ist geplant, bereits gelandete Sonden als Funkbaken zu verwenden. Bis dahin muss man jedoch auf eine iterative Navigationsmethode zurückgreifen, bei der die Sonde während der Hauptbremsphase die Mondoberfläche beobachtet, den beim gegenwärtigen Kurs erwarteten Landepunkt vorausberechnet und den Kurs gegebenenfalls korrigiert. In der finalen Abstiegsphase erfolgt die Landung dann wie bei den bisherigen Sonden mit autonomer Hindernisvermeidung.[5]

KomponentenBearbeiten

 
Relaissatellit

Die Sonde mit einem Startgewicht von insgesamt 8,2 t besteht aus folgenden Komponenten, die mit Ausnahme der Kleinsonde alle eine geplante Lebensdauer von mindestens acht Jahren haben:

  • Einem Relaissatelliten, der in einem um 54,8° zum Mondäquator geneigten, stark elliptischen Orbit von 300 × 8600 km stationiert wird und den bisherigen Relaissatelliten Elsternbrücke ergänzen soll.[6][7] Er soll auch als Radioteleskop fungieren, mit dem astronomische Beobachtungen, Erde-Mond-Langbasisinterferometrie-Messungen sowie die Bahnverfolgung von Tiefraumsonden möglich sind.
  • Einem Orbiter mit diversen Messgeräten und einem experimentellen Kommunikationslaser für schnelle Datenübertragung zwischen Mond und Erde.[8]
  • Einem Lander mit diversen Messgeräten, darunter einem Seismographen.
  • Einem kleinen, während des Flugs seitlich am Lander montierten Rover mit diversen Messgeräten und der Möglichkeit zum Ausbringen von Sprengladungen zur Erzeugung von künstlichen Mondbeben.[9]
  • Einer konusförmigen, flugfähigen Kleinsonde mit einer Lebensdauer von 3 Monaten, die in einem ständig im Schatten liegenden Gebiet eines Kraters neben der Landestelle von Chang’e 7 landen, dann wieder starten und auf der besonnten Seite des Kraters landen soll, dann wieder zurück in den Schatten. Insgesamt soll es in diesem Krater vier derartige Flugmanöver geben. Hierbei soll die Kleinsonde mindestens drei Bodenproben entnehmen und mithilfe eines mitgeführten Analysegeräts sofort auf Wasser- und Methanmoleküle sowie Wasserstoffisotope untersuchen, um so eventuell von Kometen eingetragenes Eis aufzuspüren.[10] Eines der Probleme hierbei ist, dass Eis die Elastizität und damit die Stoßdämpfungseigenschaften bei der Landung verändern würde, was sich nur schwer vorausberechnen lässt. Im Schatten ist es auch nicht möglich, bei der Landung bildverarbeitende Hindernisvermeidungssysteme einzusetzen, weshalb man auf Laser-Entfernungsmessung und einen dreidimensional abbildenden Laserscanner zurückgreifen muss. Der unbekannte Reflexionsgrad des Bodenmaterials und gegebenenfalls Eises stellt hierbei jedoch eine große Herausforderung dar.[5]

Wissenschaftliche NutzlastenBearbeiten

Insgesamt werden bei dieser Mission 23 wissenschaftliche Nutzlasten zum Einsatz kommen (zum Vergleich: bei Tianwen-1, der bislang anspruchsvollsten Mission der chinesischen Raumfahrtbehörde, wurden 13 Nutzlasten mitgeführt).[11] Ähnlich wie bei dem Biosphärenexperiment der Chongqing-Universität auf dem Lander von Chang’e 4 lobte die Nationale Raumfahrtbehörde für diese Mission einen Wettbewerb aus, bei dem Grundschüler, Gymnasiasten und Hochschulstudenten aus der Volksrepublik China, Taiwan, Hongkong und Macau vom 29. Juli bis zum 31. Oktober 2020 Vorschläge für eine interessante wissenschaftliche Nutzlast machen konnten. Entwicklung und Bau der Nutzlast wird von der Nationalen Raumfahrtbehörde organisiert, das geistige Eigentum gehört zu gleichen Teilen dem chinesischen Staat und dem Wettbewerbsgewinner (eine Einzelperson oder eine Gruppe mit bis zu sechs Mitgliedern).[12] Aus 578 eingereichten Vorschlägen wählte das Zentrum für Monderkundungs- und Raumfahrt-Projekte in Zusammenarbeit mit Ministerien und Stiftungen zur Förderung der Naturwissenschaften nach eingehender Begutachtung im April 2021 in einer ersten Selektionsrunde 60 Projekte aus.[13] Am 13. Mai 2021 wurden aus diesen wiederum 20 Projekte ausgewählt, über die nun die chinesische Bevölkerung in einer Online-Abstimmung entscheiden kann.[14]

Für 17 der Nutzlasten veranstaltete das Zentrum für Monderkundungs- und Raumfahrt-Projekte ab dem 26. August 2020 eine öffentliche Ausschreibung, bei der juristische Personen der Volksrepublik China entsprechend den vom Nationalen Zentrum für Weltraumwissenschaften festgelegten Anforderungen bis zum 30. September 2020 Angebote für Entwicklung und Bau besagter Nutzlasten einreichen konnten. Maximales Gewicht und Stromverbrauch waren genau festgelegt. Für die meisten Nutzlasten war eine Mindestlebensdauer von 8 Jahren gefordert, für das Analysegerät auf der kleinen Kratersonde 3 Monate, für einen experimentellen Kommunikationslaser auf dem Orbiter 2 Jahre. Die chinesischen Firmen und Institutionen wurden dazu ermutigt, sich in- und ausländische Partner zu suchen und gemeinsame Angebote einzureichen, wobei nach dem Prinzip der Joint Ventures immer die chinesische Firma die Verantwortung zu tragen hatte.[15]

Hier einige der Nutzlasten:

OrbiterBearbeiten

  • Panchromatische Stereokamera mit einer Auflösung von 50 cm und einer Schwadbreite von 18 km bei einer Flughöhe von 100 km. Diese mit Autofokus ausgestattete Kamera soll mittels der Time-Delay-Integration-Technik auch bei schwacher Beleuchtung weitgehend selbstständig Daten für eine dreidimensionale Mondkarte ermitteln.
  • Abbildendes Mikrowellenradar mit Mehrfachpolarisation, einer Auflösung von 30 cm und einer Schwadbreite von 5–20 km bei einem Bildwinkel von 15° – 45°. Mit diesem nach dem Prinzip des Synthetic Aperture Radar arbeitenden Gerät sollen hochauflösende Aufnahmen von den in permanentem Schatten liegenden Stellen im Südpol-Aitken-Becken gemacht werden, wo sich potentiell Kometeneis gehalten hat. Anhand der Radardaten soll insbesondere die Struktur der bei Einschlägen gebildeten Auswurfmaterial-Haufen erforscht werden.[16]
  • Abbildendes Spektrometer für Wellenlängen zwischen 0,45 μm und 10 μm, mit einer spektrographischen Auflösung von 200 nm im Bereich von 3 bis 10 μm (Wärmestrahlung) und 10 nm im Bereich von 0,45 bis 3 μm (sichtbares Licht und nahes Infrarot) sowie einer räumlichen Auflösung von 0,3 mrad bei 3 bis 10 μm und 0,2 mrad bei 0,45 bis 3 μm. Mit diesem Gerät soll eine hochauflösende Karte der Oberflächentemperaturen auf dem Mond erstellt werden, außerdem dient es der Suche nach Bodenschätzen und der Kartografierung ihrer Verteilung.
  • Neutronen- und Gammastrahlenspektrometer zur Registrierung von heißen Neutronen mit einer kinetischen Energie von 0 bis 0,4 eV, ultraheißen Neutronen mit einer kinetischen Energie zwischen 0,4 eV und 700 keV, schnellen Neutronen mit einer kinetischen Energie zwischen 700 keV und 5 MeV sowie Gammastrahlung mit einer Energie von 0,3–9 MeV. Mit diesem Gerät sollen auf dem gesamten Mond, insbesondere aber an den beschatteten Stellen in den Polregionen schnelle Neutronen und heiße Neutronen gemessen werden, um einen Eindruck von der Verteilung und Konzentration von Wasserstoff in den Schichten direkt unterhalb der Oberfläche zu bekommen, und somit auch über das Vorkommen von Eis. Mit der Messung der Gammastrahlung auf der gesamten Mondoberfläche soll die Verteilung der chemischen Elemente und deren Konzentration kartografiert werden.
  • Magnetometer mit einem Messbereich von ±2000 nT und einer Auflösung von 0,01 nT. Das Gerät ist mit 0,01 nT/°C relativ temperaturstabil, nimmt etwa 128 Messungen pro Sekunde vor und kann nicht nur die Stärke, sondern auch die Richtung der Magnetfeldlinien bestimmen. Im Zusammenwirken mit einem zweiten Magnetometer auf dem Rover sollen Erkenntnisse über das sehr schwache Magnetfeld des Mondes gewonnen werden, um daraus Rückschlüsse über seinen inneren Aufbau ziehen und Aussagen über das Weltraumwetter im mondnahen Raum treffen zu können.
  • Laser Communication Terminal mit einer Leistungsaufnahme von 200 W für schnelle Kommunikation mit der Erde. Die Datenübertragungsrate vom Orbiter zur Erde liegt bei 2 Gbit/s, die Übertragung von Steuersignalen von der Erde zum Orbiter erfolgt mit 1 Mbit/s, in beiden Richtungen mit einer Datenverlustrate von weniger als 10−7. Die Bodenstation kann das Gerät auf dem Orbiter in weniger als 60 Sekunden erfassen und über einen Zeitraum von einer Stunde 100 % anvisiert halten. Zum Vergleich: der Kommunikationslaser auf dem geostationären Experimentalsatelliten Shijian 20 erreicht eine Übertragungsrate von 10 Gbit/s.

LanderBearbeiten

  • Gerät zur Messung flüchtiger Verbindungen und Elemente im Regolith. Das Gerät kann zwischen den Isotopen einzelner Elemente unterscheiden, also zum Beispiel Helium-3 erkennen, das in fernerer Zukunft als Brennstoff für Kernfusionsreaktoren verwendet werden könnte. Zunächst möchte man jedoch die Herkunft des Stickstoffs auf der Mondoberfläche ergründen und einen Eindruck vom geologischen Alter der Landestelle und dem Verwitterungsgrad des Regoliths dort bekommen. Das Gerät soll fünf Proben der sehr dünnen Exosphäre des Mondes nehmen und in seinem Analysebereich zwischen 2 und 150 amu mit einer Auflösung von 1 amu nach folgenden Stoffen suchen und deren Gehalt in der Probe mit einer Genauigkeit von 1 % bestimmen:
  • Umweltmesssystem zur Messung von Ladungsträgern, Mondstaub und des elektromagnetischen Feldes um die Wechselwirkung von Sonnenwind und kosmischer Strahlung mit der Materie und den Feldern auf der Mondoberfläche zu erforschen und die Entstehungsmechanismen der mikrophysikalischen Struktur des Weltraumwetters zu verstehen. Die über einen Zeitraum von mindestens acht Jahren gesammelten Daten sollen zur Risikoabschätzung bezüglich des Weltraumwetters am Standort und der Ausarbeitung von entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen für die geplante Forschungsstation dienen. Das nächste Sonnenfleckenmaximum mit dem höchsten Gefahrenpotential wird für 2023 erwartet, das Minimum dann fünf bis sechs Jahre später um 2029 (d. h. die für 2030 geplante bemannte Landung erfolgt zu einer relativ sicheren Zeit). Im Einzelnen werden folgende Dinge gemessen:
     
    Die irdische Magnetosphäre. 1=Bugstoßwelle, 2=Magnetosheath, 3=Magnetopause, 5,6=Magnetschweif, 7=Plasmasphäre.
    • Elektronen mit einer Energie von 1 eV bis 12 MeV, Protonen mit einer Energie von 1 eV bis 300 MeV und Schwerionen mit einer kinetischen Energie von 8 MeV bis 300 MeV. Das Sichtfeld des Geräts beträgt 360° × 90° im Bereich von 1 eV bis 30 keV und 360° × 40° im Bereich von 30 keV bis 300 MeV. Die absorbierte Strahlendosis wird mit einer Empfindlichkeit von 20 μSv/h gemessen, das Spektrum für die Messung des linearen Energietransfers erstreckt sich von 0,001 bis 37 MeV/(mg/cm²).
    • Die Ablagerung von Staub- und Sandpartikeln mit einer Größe von 1 μm bis 5 mm wird im Bereich von 10−9 g/cm² bis 3×10−4 g/cm² in drei orthogonalen Richtungen gemessen, die Geschwindigkeit der Staubpartikel wird im Bereich von 0,01 bis 500 m/s bestimmt.
    • Das elektrische Feld wird mit einer Präzision von 1 μV/m im Bereich von ±10 V/m gemessen, das Magnetfeld mit einer Präzision von 3 pT im Bereich von ±1024 nT und 0,05 nT im Bereich von ±65 μT.
  • Kamera für extrem ultraviolette Strahlung in zwei Spektralbänder zentriert um 30,4 nm (mit einer Bandbreite von 5 nm) und 83,4 nm (mit einer Bandbreite von 23 nm) für Aufnahmen von der irdischen Plasmasphäre (dem inneren Teil der Magnetosphäre) und dem sogenannten Magnetosheath zwischen Bugstoßwelle und Magnetopause. Damit sollen Daten über die Morphologie der Plasmasphäre und die Verteilung von Oxid-Ionen (O2−) im erdnahen Raum ermittelt werden, um Erkenntnisse über die Koppelungsmechanismen zwischen Plasmasphäre und Ionosphäre sowie die Prozesse bei der Wechselwirkung zwischen Sonnenwind und Magnetosphäre gewonnen werden. Die staubgeschützte und während der Mondnacht warm gehaltene Kamera mit einem Bildwinkel von 20° kann in Richtung Erde (die selbst unter dem Horizont steht) ausgerichtet werden. Das Auflösungsvermögen für Aufnahmen von der Plasmasphäre beträgt 0,1°, für Aufnahmen vom Magnetosheath 0,4°.
  • Drei-Komponenten Breitband-Seismometer mit einem Frequenzbereich von 1/120 bis 100 Hz und einem Messbereich von 120 dB, was einem Erdbeben der Magnitude 4 entspricht. Am unteren Rand des Spektrums kann das Seismometer auch sehr schwache Beben mit einer negativen Magnitude von bis zu −4 auf der Richterskala registrieren. Mit diesem Gerät, das vom Lander auf der Mondoberfläche abgesetzt wird und sich automatisch waagrecht ausrichtet, soll die seismische Aktivität in drei Richtungskomponenten (vertikal, Ost-West, Nord-Süd) über einen langen Zeitraum beobachtet werden,[17] um Erkenntnisse über die physikalischen Mechanismen bei Mondbeben sowie über den inneren Schalenaufbau des Mondes zu gewinnen.[5]

RoverBearbeiten

  • Raman-Spektrometer mit einem Wellenzahl-Bereich von 300–6000 cm−1 und einer Auflösung von 10 cm−1. Der CCD-Sensor des Mikroskops hat 256 × 256 Pixel, störendes Streulicht wird ausgeblendet. Mit diesem Gerät soll die mineralogische Zusammensetzung von Mondgestein und Regolith in einer gewissen Entfernung von der Landestelle untersucht, die Verteilung der Bodenschätze in der Fläche dokumentiert und die Mechanismen, die zu besagter Verteilung führten, erforscht werden.
  • Bodenradar mit zwei Frequenzbereichen, die mit 10–110 MHz bzw. 100–1500 MHz höher liegen als bei dem entsprechenden Gerät auf Jadehase 2. Der Sichtbereich ist mit 40 m für die hohe Frequenz und 400 m für die niedere Frequenz ähnlich wie beim Vorgänger-Rover, die Auflösung mit 15 cm bei der hohen Frequenz sowie 2 m bei der niederen Frequenz aber doppelt bzw. fünfmal so gut. Das Bodenradar, das sowohl mit einfacher Polarisation als auch mit kombinierter Polarisation arbeiten kann, dient primär der Erkundung der oberflächennahen Bodenschichten, der Messung der Dicke der Regolithschicht und der Struktur der direkt darunter liegenden Schichten.[16]
  • Magnetometer mit einem Messbereich von ±65.000 nT und einer Auflösung von 0,01 nT. Das Gerät soll Stärke und Richtung der vermuteten Reste des ursprünglichen Mondmagnetfelds – sogenannte „Magcons“ (magnetic concentrations) – bestimmen und dabei das Hintergrund-Magnetfeld herausrechnen, das während des Mondtags durch den Sonnenwind entsteht. Im Zusammenwirken mit dem Magnetometer auf dem Orbiter soll die Verteilung des magnetischen Feldgradienten im Landegebiet bestimmt und nach Möglichkeit dahinterstehende Gesetzmäßigkeiten ermittelt werden, um so Rückschlüsse auf den inneren Aufbau des Mondes ziehen zu können und einen Eindruck vom Weltraumwetter zu bekommen. Eine erste Signalverarbeitung findet bereits auf dem Orbiter statt.
  • Mehrere Schürfsonden von jeweils 22 kg Gewicht, vergleichbar dem Nano-Lander der Asteroidenmission Tianwen 2, die in einem Abstand von 500–1000 m vom Lander ausgesetzt werden sollen (zur Einordnung: Jadehase 2 legte etwa 300 m pro Jahr zurück). Jede dieser Sonden soll mit einer Sprengladung mit einem TNT-Äquivalent von 100 g (etwas weniger als eine handelsübliche Handgranate) ein Loch von 1,5 m Tiefe erzeugen, wobei die Erschütterung von dem Seismographen auf dem Lander registriert wird. Über diesen Seismik-Ansatz will man einen Einblick in die tieferen Schichten des Regolith gewinnen und Rückschlüsse auf eventuell dort verborgene Eisvorkommen ziehen. Die Schürfsonden sind so gebaut, dass sie von Geröll mit einer Masse von bis zu 20 kg getroffen werden können, ohne Schaden zu nehmen. Gemessen werden sollen mit einer Präzision von 10 % folgende Stoffeigenschaften des Mondbodens:

Außerdem sollen folgende, eventuell verdampfte Stoffe registriert werden:

KleinsondeBearbeiten

  • Analysator für Wasserstoffisotope[18] sowie für Wasser- und organische Moleküle im Regolith, insbesondere Methan. Die hin und her fliegende Kleinsonde soll an ihren Landestellen Bodenproben nehmen, die das Gerät an Ort und Stelle auf Moleküle bis zu einem Gewicht von 100 amu untersucht. Wasser bzw. Eis in einer gegebenen Probe kann noch bis zu einem Massenanteil von 0,1 % erkannt werden. Solange der Eisgehalt in einer Probe nicht unter 1 % liegt, kann der Anteil von Wasserstoffisotopen mit einer Genauigkeit von 50 ‰ bestimmt werden. Das 8,5 kg schwere Gerät hat eine durchschnittliche Leistungsaufnahme von 50 W, die Bedarfsspitze liegt bei 70 W.

RelaissatellitBearbeiten

 
Der Magnetschweif.
  • Bildgebender Teilchendetektor für neutrale Wasserstoff- und Sauerstoffatome mit einer Energie von 4 eV bis 200 keV (Wasserstoff) bzw. 8 eV bis 250 keV (Sauerstoff) und einem Auflösungsvermögen von 1 keV. Mit diesem Gerät soll der irdische Magnetschweif beobachtet werden, der eine Länge von etwa 600.000 km besitzt, also fast doppel so viel wie der Abstand Erde–Mond, und durch die wechselnde Magnetfeldrichtung des Sonnenwinds ständig flattert. Man interessiert sich insbesondere für magnetosphärische Teilstürme, die nur wenige Stunden dauern, die Mechanismen, die diese auslösen, und die Mechanismen, die hinter der Umleitung von Energie aus der Magnetosphäre in die Ionosphäre stehen. Das Gerät, das bereits im Orbit eine erste Signalverarbeitung durchführen kann, besitzt ein Sichtfeld von 3 × 10° × 45° mit einer räumlichen Auflösung von 0,5°, es nimmt alle 10 Sekunden eine Messung vor; die geometrische Akzeptanz beträgt 20 cm²sr.[19]
  • VLBI-System für radioastronomische Beobachtungen in Zusammenarbeit mit irdischen Observatorien. Mit einer Grundlinie von 400.000 km soll im X-Band (8–9 GHz) die Position und Zusammensetzung von Radioquellen außerhalb der Milchstraße bestimmt werden, aber auch – als Teil des Chinesischen Tiefraum-Netzwerks – die Position von Raumflugkörpern wie der Asteroidensonde Tianwen 2. Zu diesem Zweck besitzt das Gerät einen Zeitgeber mit einer Präzision von 10−12 auf eine Sekunde und 10−14 pro Tag, es kann die Position des Satelliten bis auf 30 m genau bestimmen. Der Empfänger besitzt vier wählbare Bandbreiten (64, 128, 256 und 512 MHz). Das Radioteleskop kann mit einer Genauigkeit von 170 Winkelsekunden ausgerichtet werden und in weniger als 10 Minuten um 30° geschwenkt werden.[3][15]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. 胡喆、蒋芳: 嫦娥六号任务预计2024年前后实施或将继续月背征途. In: gov.cn. 25. April 2021, abgerufen am 26. April 2021 (chinesisch).
  2. 中俄两国签署合作建设国际月球科研站谅解备忘录. In: cnsa.gov.cn. 9. März 2021, abgerufen am 9. März 2021 (chinesisch).
  3. a b Zou Yongliao et al.: Overview of China’s Upcoming Chang’E Series and the Scientific Objectives and Payloads for Chang’E 7 Mission. (PDF; 123 kB) In: hou.usra.edu. 17. März 2020, abgerufen am 20. September 2020 (englisch).
  4. 朱延静: “玉兔”登月600天干了啥?这场大会还解答了这些“天问”. In: tech.sina.com.cn. 20. September 2020, abgerufen am 22. September 2020 (chinesisch).
  5. a b c 吴伟仁, 于登云, 王赤 et al.: 月球极区探测的主要科学与技术问题研究. In: jdse.bit.edu.cn. 20. März 2020, abgerufen am 11. August 2021 (chinesisch).
  6. Andrew Jones: China is working on a relay satellite to support lunar polar missions. In: spacenews.com. 26. Juli 2021, abgerufen am 27. Juli 2021 (englisch).
  7. Zhang Lihua: Development and Prospect of Chinese Lunar Relay Communication Satellite. (PDF; 3,12 MB) In: sciencemag.org. 27. April 2021, S. 11 f., abgerufen am 27. Juli 2021 (englisch).
  8. 李海涛: 中国深空测控网光通信技术途径分析与发展展望. In: irla.cn. 29. April 2020, abgerufen am 21. Mai 2021 (chinesisch).
  9. 嫦娥七号任务概览-中国探月四期工程. In: bilibili.com. 28. August 2020, abgerufen am 21. Mai 2021 (chinesisch).
  10. Manfred Lindinger: Wassereis auf dem Mond entdeckt. In: faz.net. 24. August 2018, abgerufen am 16. August 2020.
  11. Andrew Jones: China is moving ahead with lunar south pole and near-Earth asteroid missions. In: spacenews.com. 5. August 2020, abgerufen am 16. August 2020 (englisch).
  12. 嫦娥七号和小行星探测任务科普试验载荷创意设计征集. In: clep.org.cn. 29. Juli 2020, abgerufen am 29. Juli 2020 (chinesisch).
  13. 嫦娥七号和小行星探测任务科普试验载荷创意设计征集方案预选结果发布. In: cnsa.gov.cn. 21. April 2021, abgerufen am 21. April 2021 (chinesisch).
  14. 嫦娥七号任务科普试验载荷创意设计征集方案完成初选. In: clep.org.cn. 26. Mai 2021, abgerufen am 27. Mai 2021 (chinesisch).
  15. a b 宋猗巍: 关于开展探月工程四期嫦娥七号任务载荷竞争择优的通知. In: clep.org.cn. 27. August 2020, abgerufen am 28. August 2020 (chinesisch).
  16. a b 陈振海: 空天院中标嫦娥七号有效载荷. In: spaceflightfans.cn. 1. April 2021, abgerufen am 1. April 2021 (chinesisch).
  17. Deutsche IMS-Station: Seismische Hilfsstation SNAA (AS035). In: bgr.bund.de. Abgerufen am 8. Dezember 2020.
  18. James P. Greenwood et al.: Hydrogen isotope ratios in lunar rocks indicate delivery of cometary water to the Moon. In: nature.com. 9. Januar 2011, abgerufen am 10. Dezember 2020 (englisch).
  19. Roman Greim: Messung des geladenen kosmischen Strahlungsflusses im solaren Minimum mit dem PERDaix-Detektor. In: publications.rwth-aachen.de. 20. Juni 2014, abgerufen am 11. Dezember 2020.