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Nationales Zentrum für Weltraumwissenschaften

Das Nationale Zentrum für Weltraumwissenschaften (chinesisch 中國科學院國家空間科學中心 / 中国科学院国家空间科学中心, Pinyin Zhōngguó Kēxuéyuàn Guójiā Kōngjiān Kēxué Zhōngxīn), wegen der englischen Bezeichnung National Space Science Center oft NSSC abgekürzt, ist eine Einrichtung der Chinesischen Akademie der Wissenschaften, die sich derzeit schwerpunktmäßig mit Weltraumwetter und der Entwicklung von elektronischen Komponenten für Raumflugkörper befasst. Die Hauptverwaltung befindet sich im Pekinger Hochtechnologiebezirk Zhongguancun, Zweite Südstr. 1, außerdem besitzt die Einrichtung noch einen Campus im nördlichen Außenbezirk Huairou.[1] Direktor des Zentrums ist seit Dezember 2017 Wang Chi (王赤, * 1967).[2]

GeschichteBearbeiten

Gegründet wurde das Zentrum für Weltraumwissenschaften bzw. seine Vorgängerorganisation im September 1958 im Zusammenhang mit dem damals noch geheimen Projekt zur Entwicklung eines chinesischen Satelliten, wegen des Starts im Januar jenes Jahres intern als „Projekt 581“ bezeichnet. Dementsprechend erhielt das Zentrum die offizielle Bezeichnung „Büro der Gruppe 581 der Chinesischen Akademie der Wissenschaften“ (中国科学院‘581’组办公室, Pinyin Zhōngguó Kēxuéyuàn 581 Zǔ Bàngōngshì), von den damals Beteiligten meist nur „Gruppe 581“ (‘581’组) genannt. Der erste Leiter des Büros war Qian Xuesen, seine beiden Stellvertreter waren Zhao Jiuzhang und der Geophysiker Wei Yiqing (卫一清, 1915–1988). Vom Staatsrat der Volksrepublik China, der vorgesetzten Behörde der Akademie, reichlich mit Geld ausgestattet, wurden zwischen Oktober und Dezember 1958 in einem Gebäude am Westgarten-Exerzierplatz 1a (auf halbem Weg zwischen der Universität Peking und den Sommerpalästen) im Pekinger Stadtbezirk Haidian folgende Arbeitsgruppen eingerichtet:

  • Hauptverwaltung (总体组)
  • Elektrodynamik (电学组)
  • Weltraumstrahlung (空间光辐射组)
  • Telemetrie (遥测组)
  • Gehäusebau (结构组)
  • Bahnverfolgungsradar (雷达定位组)
  • Weltraumwetter-Simulation (环境模拟组)
  • Hochatmosphäre (高空大气组)

Damit besaß man nun ein schon recht umfassendes Zentrum für Satellitenbau und Hochatmosphärenphysik.

Qian Xuesen hatte sich zwar schon seit den 1940er Jahren am Jet Propulsion Laboratory des California Institute of Technology mit Raketentechnik befasst, zuerst als Assistent von Theodore von Kármán, dann mit eigenem Lehrstuhl, aber bald stellte sich heraus, dass noch sehr viel Grundlagenforschung nötig war, um tatsächlich einen Satelliten ins All zu schicken. Am 21. Januar 1959 musste Zhang Jingfu, der Vizepräsident der Akademie der Wissenschaften, den Forschern mitteilen, Deng Xiaoping (damals Generalsekretär des Politbüros der KPCh) habe angeordnet, das Satellitenprojekt zunächst zurückzustellen, da es mit der Wirtschaftskraft des Landes nicht vereinbar wäre.[3]

Die Gruppe 581 blieb jedoch bestehen und wurde Anfang Dezember 1959 als „Zweite Abteilung“ in das Institut für Geophysik der Akademie der Wissenschaften (中国科学院地球物理所二部) integriert. Nachdem Premierminister Zhou Enlai und Vizepremier Nie Rongzhen, der Vorsitzende der Kommission für Wissenschaft und Technik in der Landesverteidigung, während der ersten Sitzung der dritten Legislaturperiode des Nationalen Volkskongresses (21. Dezember 1964 – 4. Januar 1965) schriftliche Anträge von Zhao Jiuzhang und Qian Xuesen auf Wiederaufnahme des Satellitenprojekts genehmigt hatten, wanderten die mit dem unmittelbaren Satellitenbau befassten Teile der ehemaligen Gruppe 581 zum neugegründeten „Ingenieurbüro 651 der Chinesischen Akademie der Wissenschaften“ (中国科学院“651”设计院), das nach außen hin als „Ingenieurbüro für wissenschaftliche Instrumente der Chinesischen Akademie der Wissenschaften“ (中国科学院科学仪器设计院) firmierte und von Zhao Jiuzhang geleitet wurde. Intern war das Projektierungsinstitut 651 auch als „Ingenieurbüro für Satellitenbau der Chinesischen Akademie der Wissenschaften“ (中国科学院卫星设计院) bekannt, und unter diesem Namen wurde es am 20. Februar 1968 mit einer Reihe weiterer Institute und Fabriken zur Chinesischen Akademie für Weltraumtechnologie verschmolzen, wo es das Institut für Weltraumphysik und Messtechnik (空间物理及探测技术研究所) bildete. Im November 1978 kehrte das ehemalige Ingenieurbüro für Satellitenbau schließlich als „Institut für Weltraumphysik“ (空间物理研究所) zur Chinesischen Akademie der Wissenschaften zurück, wurde im August 1987 mit dem im November 1977 gegründeten „Zentrum für Weltraumwissenschaft und -technologie“ (空间科学技术中心) zum „Zentrum für Weltraumwissenschaften und angewandte Forschung“ (空间科学与应用研究中心) vereinigt und am 7. Juli 2011 in „Nationales Zentrum für Weltraumwissenschaften“ umbenannt.[4]

Wichtige ProjekteBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. 巴西航天局局长访问空间中心怀柔园区. In: nssc.cas.cn. 29. Mai 2019, abgerufen am 20. Juni 2019 (chinesisch).
  2. 王 赤. In: nssc.cas.cn. 2. Mai 2012, abgerufen am 20. Juni 2019 (chinesisch).
  3. 赵竹青: 东方红一号”中国第一颗人造卫星诞生内幕. In: scitech.people.com.cn. 14. April 2010, abgerufen am 19. Juni 2019 (chinesisch).
  4. 历史沿革. In: nssc.cas.cn. Abgerufen am 19. Juni 2019 (chinesisch).
  5. 双星计划. In: nssc.cas.cn. Abgerufen am 19. Juni 2019 (chinesisch).
  6. 探月工程. In: nssc.cas.cn. Abgerufen am 19. Juni 2019 (chinesisch).
  7. 王 赤. In: nssc.cas.cn. 2. Mai 2012, abgerufen am 20. Juni 2019 (chinesisch).
  8. Andrew Jones: China’s first Mars spacecraft undergoing integration for 2020 launch. In: spacenews.com. 29. Mai 2019, abgerufen am 22. Juni 2019 (englisch).
  9. 载人航天工程. In: nssc.cas.cn. Abgerufen am 19. Juni 2019 (chinesisch).
  10. 量子科学实验卫星. In: cas.cn. Abgerufen am 19. Juni 2019 (chinesisch).
  11. 太阳风-磁层相互作用全景成. In: nssc.ac.cn. Abgerufen am 19. Juni 2019 (chinesisch).
  12. 暗物质粒子探测卫星工程. In: cas.cn. Abgerufen am 20. Juni 2019 (chinesisch).
  13. 吴伟仁 et al.: 太阳系边际探测研究. In: scis.scichina.com. 9. Januar 2019, abgerufen am 2. Dezember 2019 (chinesisch).