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Flandern

Gemeinschaft und Region in Belgien
Flandern
Vlaanderen (niederländisch)
Flandre (französisch)
Flagge
Flagge
Gliedstaat des Königreichs Belgien
Institution (Art des Gliedstaates): Region
Amtssprache: Niederländisch
Verwaltungssitz: Brüssel
Fläche: 13.522 km²
Einwohner: 6.516.011 (1. Januar 2017[1])
Bevölkerungsdichte: 482 Einwohner pro km²
Feiertag: 11. Juli
Ministerpräsident: Geert Bourgeois (N-VA)
ISO-Code: BE-VLG
Website: www.vlaanderen.be
Lage in Belgien
LuxemburgNiederlandeFrankreichNordseeDeutschlandBrüsselFlandernWallonische RegionFlemish Region in Belgium.svg
Über dieses Bild
Karte der Grafschaft Flandern aus dem Jahre 1609

Flandern (niederländisch Audio-Datei / Hörbeispiel Vlaanderen?/i, französisch la Flandre bzw. les Flandres) oder die Flämische Region (nld. Vlaams Gewest, frz. Région flamande) ist eine der drei Regionen des Königreichs Belgien und somit ein Gliedstaat des belgischen Bundesstaates. Sie liegt im nördlichen Teil dieses Königreichs und beheimatet die meisten als Flamen bezeichneten niederländischsprachigen Belgier; fast alle Übrigen wohnen in der zweisprachigen Region Brüssel-Hauptstadt, die vom Gebiet Flanderns vollständig umgeben ist. Die dritte Region Belgiens ist die überwiegend französischsprachige Wallonie, südlich von Flandern.

Flandern hat eine Fläche von etwa 13.522 Quadratkilometern und zählt 6.516.011 Einwohner (Stand 1. Januar 2017).[1] Die Institutionen der Region Flandern wurden mit denen der Flämischen Gemeinschaft zusammengelegt und haben ihren Sitz in Brüssel. In Flandern liegen, von West nach Ost, die Provinzen Westflandern, Ostflandern, Flämisch-Brabant, Antwerpen und Limburg.

Inhaltsverzeichnis

BevölkerungBearbeiten

SprachenBearbeiten

Amtssprache in Flandern und allgemein gebräuchliche Schriftsprache ist die niederländische Standardsprache. Als belgisches Niederländisch unterscheidet sie sich leicht vom Sprachgebrauch in den Niederlanden. Gesprochen werden in Flandern zum großen Teil Dialekte, die sich in Ostflämisch, Westflämisch, Brabantisch und Limburgisch unterteilen lassen.

In den flämischen Gemeinden in der Umgebung von Brüssel, aber auch sonst entlang der Sprachgrenze zwischen niederländischsprachigem Flandern und französischsprachiger Wallonie leben viele Belgier mit Französisch als Muttersprache. In einem Teil dieser Gemeinden haben die Französischsprachigen gesetzlich Anspruch auf die Verwendung ihrer Sprache im Umgang mit den Behörden bzw. in der Schule. (In einigen Gemeinden der Wallonie gibt es diesen Anspruch auch für die Niederländischsprachigen.) Die Einrichtungen für die Anderssprachigen werden Fazilitäten genannt und eine entsprechende Gemeinde Fazilitäten-Gemeinde.

StädteBearbeiten

Wichtige flämische Städte sind Antwerpen (520.504 Einwohner), Gent (259.083), Brügge (118.187), Löwen (100.291), Mecheln (85.665), Aalst (84.859), Kortrijk (75.736), Hasselt (77.124) und Ostende (70.994).

GeschichteBearbeiten

Die heutige belgische Region Flandern umfasst teilweise die historischen Territorien der Grafschaft Flandern, des Herzogtums Brabant und des Herzogtums Limburg.

Zur Zeit des römischen Reiches zählte die Region zur Provinz Gallia Belgica bzw. in der Spätantike zur Belgica secunda. Ab dem ausgehenden 4. Jahrhundert gehörten die befestigten Städte und Kastelle an der Küste zum Limes der sog. Sachsenküste dessen Besatzungen unter dem Befehl eines Dux Belgicae secundae standen.[2] Die Grafschaft Flandern reichte im Mittelalter bis weit in das heutige Frankreich hinein (Dünkirchen, Lille). Die Region um Dünkirchen gehört zwar zum traditionellen niederländischen Sprachgebiet, jedoch wurde seit der Französischen Revolution Französisch als einzige Amts- und Schulsprache den Bewohnern verordnet, so dass die niederländische Muttersprache in einem andauernden Sprachprozess zunehmend verdrängt wurde. Andere Gebiete des heutigen Französisch-Flanderns sind hingegen von alters her von einer französischsprachigen Bevölkerung (Waals-Vlaanderen) bewohnt.

Nach dem Tod des letzten burgundischen Herrschers Karl der Kühne in der Schlacht bei Nancy 1477 wurden seine Besitzungen zwischen dem habsburgischen Erzherzog Maximilian von Österreich, dem späteren Kaiser Maximilian I., und König Ludwig XI. von Frankreich aufgeteilt. Flandern kam dabei unter die Herrschaft der Habsburger und war Teil des Heiligen Römischen Reichs. Nach dem Tod Karls V. wurden die gesamten ehemaligen burgundischen Besitzungen einschließlich Flandern den spanischen Habsburgern zugesprochen. Diese versuchten mit Gewalt, den sich ausbreitenden Protestantismus zu unterdrücken. Deswegen und auch wegen der Einschränkung der alten Freiheiten kam es zum Aufstand der niederländischen Provinzen gegen Spanien. Die Provinzen der Utrechter Union sagten sich 1579 von Spanien los und konnten ihre Unabhängigkeit im sogenannten Achtzigjährigen Krieg erkämpfen. Im Westfälischen Frieden 1648 wurde die Unabhängigkeit der (nördlichen) Niederlande international bestätigt, während Flandern mit den südlichen Provinzen unter spanischer Herrschaft blieb. In den Kriegen mit Ludwig XIV. von Frankreich musste Spanien südliche Teile seiner Besitzungen an Frankreich abtreten (u. a. das Artois) und es bildete sich in etwa der heutige Grenzverlauf zwischen Belgien und Frankreich heraus. Nach dem Aussterben der spanischen Habsburger und dem Spanischen Erbfolgekrieg kam Flandern mit den anderen ehemals spanischen Provinzen im Frieden von Utrecht 1713 unter österreichisch-habsburgische Herrschaft und verblieb dort, bis es im Rahmen der Französischen Revolutionskriege 1794 von Frankreich erobert wurde. Auf dem Wiener Kongress 1815 wurde das Vereinigte Königreich der Niederlande geschaffen, das das heutige Belgien, Luxemburg und die Niederlande umfasste. In der Belgischen Revolution von 1830 spaltete sich der Südteil jedoch ab und das Königreich Belgien wurde gegründet. Seitdem teilt Flandern die Geschichte Belgiens.

Nach dem Überfall Deutschlands auf das neutrale Belgien im Ersten Weltkrieg verlief die deutsch-französisch/britische Front vier Jahre lang quer durch Flandern. Es war Schauplatz erbitterter Schlachten (Erste, Zweite und Dritte Flandernschlacht). Der Stellungskrieg der Armeen in Belgien zerstörte viele Dörfer und Städte dieser Region. Die Namen einiger kleiner flandrischer Ortschaften rufen noch Erinnerungen an das große Sterben hervor: Ypern, Passendale, Langemark. In zahlreichen Orten erinnern Denkmäler und Soldatenfriedhöfe an den Schrecken.

Seit dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich in Flandern eine zunehmende Wirtschaftskraft und auch ein Selbstbewusstsein gegenüber dem früher dominierenden wallonischen Landesteil. Teilweise äußert sich dies in Sezessionsbestrebungen, die politisch durch die Partei Vlaams Belang artikuliert werden.

Die Flandern-Rundfahrt ist das populärste Eintages-Radrennen Belgiens.

ReligionBearbeiten

Während Flandern von 1482 bis zum Ersten Koalitionskrieg 1794 praktisch unter dauerhafter habsburgischer und damit katholischer Vorherrschaft stand, sagten sich die nördlicher gelegenen und sich überwiegend zum Protestantismus bekennenden niederländischen Provinzen von Habsburg los und gründeten 1581 die Republik der Sieben Vereinigten Niederlande, einen Vorläufer des heutigen niederländischen Staates. Die Reformation fand auch in Flandern zunächst Anhänger, konnte hier aber von den Habsburgern unterdrückt werden. So war Flandern in der Reformationszeit eines der Zentren der radikal-reformatorischen Täuferbewegung. Unterdrückung und Verfolgung ließen die Gemeinden jedoch aussterben, viele Täufer wanderten in andere niederdeutsche Regionen aus (→Niederdeutsche Täufer). Entsprechend gab es in den Niederlanden, Deutschland und unter den Russlandmennoniten lange Zeit noch flämische Mennonitengemeinden[3]. Bis heute sind Flamen überwiegend katholisch.

PolitikBearbeiten

Ministerpräsidenten FlandernsBearbeiten

Name Beginn der Amtszeit Ende der Amtszeit Partei
Gaston Geens 22. Dezember 1981 21. Januar 1992 CVP
Luc Van den Brande 21. Februar 1992 13. Juli 1999 CVP
Patrick Dewael 13. Juli 1999 5. Juni 2003 VLD
Renaat Landuyt (kommissarisch) 5. Juni 2003 11. Juni 2003 SP.A
Bart Somers 11. Juni 2003 20. Juli 2004 VLD
Yves Leterme 20. Juli 2004 28. Juni 2007 CD&V
Kris Peeters 28. Juni 2007 25. Juli 2014 CD&V
Geert Bourgeois 25. Juli 2014 amtierend N-VA

Zusammensetzung des Flämischen Parlaments (2014–2019)Bearbeiten

Partei Sitze
Nieuw-Vlaamse Alliantie (N-VA) 43
Christen-Democratisch en Vlaams (CD&V) 27
Open Vlaamse Liberalen en Democraten (Open VLD) 19
Socialistische Partij Anders (sp.a) 18
Groen! 10
Vlaams Belang (VB) 6
Union des Francophones (UF) 1
Total 124

Regierungsparteien sind mit einem Punkt gekennzeichnet. (•)

Politische GliederungBearbeiten

 
Karte mit der Lage der fünf Provinzen in der Region Flandern

Die Flämische Region ist in fünf Provinzen gegliedert:

Provinz Hauptstadt Einwohner
1. Januar 2017[4]
1. Provinz Antwerpen  Provinz Antwerpen Antwerpen 1.836.030
2. Provinz Limburg  Provinz Limburg Hasselt 867.413
3. Provinz Ostflandern  Provinz Ostflandern (Oost-Vlaanderen) Gent 1.496.187
4. Provinz Flämisch-Brabant  Provinz Flämisch-Brabant (Vlaams-Brabant) Löwen (Leuven) 1.129.849
5. Provinz Westflandern  Provinz Westflandern (West-Vlaanderen) Brügge (Brugge) 1.186.532

WirtschaftBearbeiten

Im 19. Jahrhundert erfasste die industrielle Revolution, begünstigt durch erhebliche Kohlevorkommen, vor allem die südliche Nachbarregion Wallonie, während sich in Flandern nur Gent zu einem Industriezentrum entwickeln konnte. Anders als im von Kohle- und Stahlindustrie geprägten Süden Belgiens konzentrierten sich in Gent jedoch in erster Linie textilverarbeitende Unternehmen, das damit an eine bis ins Mittelalter zurückreichende Tradition als Textilhandelsmetropole anknüpfen konnte. Insgesamt profitierte Flandern traditionell stark von Handel und Seefahrt, jedoch sehr viel weniger von der beginnenden Industrialisierung als die Wallonie und wurde wirtschaftlich zunehmend abgehängt.

Mit dem Niedergang der wallonischen Schwerindustrie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts setzte dort ein bis heute andauernder Strukturwandel ein, während sich nun Flandern zum wirtschaftlich führenden Teil Belgiens entwickelte. Flandern profitiert insbesondere von der wirtschaftlichen Bedeutung Antwerpens, die wiederum vor allem auf den Antwerpener Hafen zurückgeht sowie auf Antwerpens Rang als weltweit führendes Zentrum für Handel und Verarbeitung von Diamanten.

Im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt der Europäischen Union, ausgedrückt in Kaufkraftstandards, erreicht Flandern im Jahr 2016 120 Prozent des Durchschnitts der EU-27.[5]

Siehe auchBearbeiten


WeblinksBearbeiten

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EinzelnachweiseBearbeiten